Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 18 von 19)

Gift und Teufel

Besser die anderen sehen rot
damit ich weiß – ich bin nicht tot.
Wenn ich weiß sie schäumen
bin ich nicht am träumen

Ist alles ganz real
Meine Freude ihre Qual
Dann weiß ich ohne Zweifel
ich bin nicht lieb, ich bin ein Teufel

ein ungehobelter Bauer
Eine Schlange auf der Lauer
von solchen die ganz giftig sind
und manchmal sanft, so wie ein Kind

Ich bin furchtbar angeeckt
Ich habe mich entdeckt
Ich weiß es ohne Zweifel
Jetzt bin ich ein Teufel

Ein Teufel der schmollt und zischt
giftige Verse zusammen mischt
Der sich freut und lacht
Viele kleine Späße macht

manche davon könnten zünden
und meine Ohnmacht überwinden.
Ich weiß es ohne Zweifel
Ich bin Gift und Teufel

Vierter Tag 20.08.2026

Die Räume muss man buchen,
nur ich darf sie besuchen,
um allein mit ihnen zu sein,
fast wie zu zweit bei Kerzenschein.

Darf Mäuschen fest in Händen fassen,
von den Tasten nicht mehr lassen,
alles ganz geheim, intim,
wie heiß die bunten Stifte glühn,

die die Ergebnisse beschreiben,
die im Archiv erhalten bleiben.
So hangle ich mich durch die Räume,
wobei ich immer wieder träume,

endlich wieder zu Hause zu sein,
mit zarten Träumen ganz allein,
nicht mit Rechnern, Tastaturen,
den Monitoren, Rotzespuren,

den Kissen smarter Stühle entlang,
kurz gedreht, dem Abgesang
aus vertrocknetem Schleim –
nein, wild und frei daheim!

Einfach liegen und sich strecken,
im Traum an schlanken Fingern lecken,
die in der Tiefe steckten,
die feine Kirsche weckten.

Oh nein, du bist doch hier,
und hier ein Arbeitstier,
hier gibt es keine Betten,
keine Träume retten

dich davor, genau zu prüfen.
Steig nun wieder hinab die tiefen
Stufen zur Hölle voller Tickets und Zahlen,
der Zeitdämonen, irrer Qualen.

Schau – vor dir liegt die Tastatur!
Oh Thomas, Thomas, wo warst du nur!
Träum hier nie vom Perlensaft,
denn du bist Schwabe, und der schafft,

selbst wenn er träumt mit letzter Kraft,
selbst ganz allein in Einzelhaft,
mit Tastatur und Monitor,
geht für ihn die Arbeit vor.

Lässt sich gar nicht gern was schenken,
muss immer schuften, sich verrenken,
muss immer Protokolle schreiben
darin maßlos übertreiben.

Dritter Tag 19.08.2026

Die Firma ist so voll von Räumen
wo sie besprechen, Geister beschwören
sie voller Tatkraft überschäumen
die strikter kontrolliert gehören.

Schau ob im Trog Wasser steht,
noch da ist von den Zauberbohnen
kein kühler Zug den Stall durchweht,
sich Schwarte bildet, weil sie sich schonen.

deshalb soll ich rennen, rennen
schon morgens in der Frühe,
wenn andere noch pennen,
dann renne ich mit Mühe.

solange sie schlafen, liegen
sich mit Grunzen begnügen
kraul ich sie, sie fliegen
bereite ihnen Vergnügen.

Lass sie meine Hände lecken
wenn sie sich gemütlich strecken
Neugierig und munter blicken
Das Rüsselchen nach unten drücken

um die Ställe durchzuwühlen
An Ecken, Enden zu schnuppern
die Tröge sauber zu spülen
während die Minuten blubbern.

Das alles muss ich täglich tun,
und ein Haus, das ist zu wenig,
Ich renne, renne – ruhn,
das darf man nur als König.

Ich renne die Straßen runter
und bin erschöpft, erledigt
stürze, falle, gehe unter,
das alles wäre nicht nötig.

Hätte ich nur ja gesagt
die Freude anderer wäre groß
und hätte tief in mir genagt
Nun, alter Hund, leg richtig los,

leg aus das Stroh und feg den Mist
aus den dunklen Boxen heraus
zeig, Herakles, wie stark du bist
Spritz alles mit kräftigen Strophen aus.

Zweiter Tag 18.08.2026

Heute ist jetzt jemand hier,
bereit dafür mich einzuweisen.
Ich muss nicht wie ein verlorenes Tier
zwischen Vermutungen kreisen.

Die Aufgaben werden langsam gegessen,
bald werde ich sie beherrschen,
die Abläufe alle würgen, fressen,
es wird bestimmt auch knirschen.

Denn ich will jeden Stoß parieren
und schlage sie mit Worten, Sätzen.
Ich will niemals mehr verlieren,
ich lasse mich nicht plagen, hetzen.

Ich will aber auch nicht struppig sein
und zuvorkommend sanft parlieren
wie ein gekämmtes Stachelschwein,
mich mit Stacheln pudern, verzieren.

Verrückt, vielleicht doch nicht zu böse,
ein sanfter und doch feuriger Bock,
ein Lämmchen fast, wenn ich döse,
schlafe, träume von einem Stock.

Erster Tag 17.08.2026

Auf, jetzt los zur Arbeit,
früh wirst du nun herausgepresst,
um sieben ist die Zeit,
wo man dich kommen lässt.

Steh also auf um halb sechse
und heb dann hoch den Arsch,
sieh nicht immer nur das Schlechte,
das ist nur ein wenig harsch.

Gut, du bist vierundsechzig,
doch wurdest du bisher verschont.
Später mit vierundachtzig
bist du es dann gewohnt.

Schön, dass du noch lachst,
aber du lachst ja fast immer,
egal, was du auch machst,
das wird ja immer schlimmer.

Doch als du heute dort bist,
da bist du mutterseelenallein.
Auf dem Schreibtisch steht eine Kist,
schau da mal hinein.

Ein Laptop, eine Beschreibung,
Kleinigkeiten, unten ’ne Maus,
Kabel, Elektronenleitung,
so sieht deren Inhalt aus.

Nun darfst du erst die Räume suchen,
wo man die krassen Themen bespricht,
die musst du später selber buchen,
doch heute musst du es nicht.

Ich schau mir diese Räume an,
steig hoch und runter die Treppen,
ich pirsch mich an die Räume ran,
leicht – muss noch nichts schleppen.

Nun musst‘ ich die Räume prüfen,
ob man was drin besprechen kann,
was findet in den Tiefen
der Probleme, die man ersann.

Allerdings, ich bin allein,
alleingelassen, merk es dir.
Kann dann dein Auftrag wichtig sein?
Doch denk ich’s, nichts mehr hier.

Ich versuche die Prüfung zu machen,
suche Kabel, Stecker, Schalter,
alleingelassen, lass das Lachen!
Du Mathefan, du kranker Alter!

Ich gebe irgendwann auf,
am nächsten Tag da soll wer kommen.
Ich träume mich zum Himmel hinauf,
die Engel dort sind sehr verkommen.

Quatsch, ich rufe wild herum,
doch keiner weiß einen Rat,
sie drücken sich in den Ecken herum
wie ich selbst, der Waldschrat.

Nachmittags die alte Arbeit,
die ich ja auch noch habe,
doch so allein wächst die Zeit,
die Verse, Strophen, meine Klage.

Es ist ja erst der erste Tag!
Ein kleiner Teil noch blank und eben,
komm stetig nun, was kommen mag,
Pegasus wird mich erheben.

Bagger managen

Ein Baggerführer muss verstehen
mit dem Bagger umzugehen
er muss ihn sauber ordentlich pflegen
und nicht in den Graben legen

Er sollte sich verantwortlich fühlen
nicht an falschen Schrauben spielen
Sonst sitzen sie zu locker
nein es wäre ein Schocker

den Bagger krachend kaputt zu fahren
Er darf am gutem Öl nie sparen
Der Baggerführer weiß es gut
Maschine pflegen und sie tut.

Um Menschen aber – sich Sorgen machen?
Obwohl sie quietschen anstatt lachen?
Man steckt ihnen doch Geld zu.
Verdienen tut ihr, gebt doch Ruh!

Menschen die sind schwierig
lüstern, unbesonnen, gierig
Menschen sind so kompliziert,
dass man leicht den Faden verliert,

in ihrem Seelenlabyrinth
Weil sie selbstgesteuert sind.
Weil sie ein Gedächtnis haben
eine Geschichte mit sich tragen.

Lange Strecken bis man versteht
Doch kommt es darauf an?
Solange es um Kohle geht?
Man sie auch pressen, drücken kann?

Man kann doch mit dem Hammer schrauben
Man spürt es kaum, dass man versagt.
Man kann an seine Berufung glauben
Solange es nicht schrecklich hakt.

Man wählt sich besser Leute aus
die zum Unternehmen passen
die anderen drückt man raus
muss sie am Wegrand lassen.

Wer Menschen nicht versteht
Kann sie nur tauschen, wechseln
und wird bis er zugrunde geht
Schalter und Hebel verwechseln.

Man hämmert immer dieselben Löcher
fast immer falsch dimensioniert
man schlägt drauf, noch und nöcher
Nennt sich erfahren und ist frustriert.

Manager sind selten Führer
am Bagger würden sie versagen
Sie sind oft Schlangenbeschwörer
meinen sie könnten der Schlange was sagen.

Nein sie kennen die Hebel nicht
keine Motive und Freiheitsgrade
Die Entfernungen messen sie nicht
Erkennen weder Kreis noch Gerade.

Sie haben nur mit Geld zu tun
können nur Einnahmen Ausgaben verstehen
alle anderen Dimensionen nun
da sind Sie blind und können nichts sehen.

Die ganze Komplexität verstehen
dass nicht nur einer, viele agieren
kann ohne Übung gar nicht gehen
Manager müssen oft blind jonglieren.

Aber ja so ist sie diese Welt!
Der Unverstand er trottet voran
weil er zumindest Entscheidungen fällt
deren Güte man aber schwer messen kann.

Am Ende fallen alle – bis auf ein paar
die meinen, sie hätten das Loch gefunden,
dabei hat sich das Loch doch klar,
nur in ihrer nächsten Nähe befunden.

Aber ein Weiser kann es auch nicht besser
er weiß ja, dass Führen unmöglich ist
Er weiß ihm fehlt das scharfe Messer
Er weiß, dass er nie – genau genug misst.

um langfristig Zukunft vorherzusagen
und damit die Zukunft zu steuern
Während Dumme weniger klagen
und stets ihr großes Wissen beteuern.

Der Hellere muss immer leiden
und ist auch immer arrogant
weil der Beschränktere von beiden
den Hellen einfach nie verstand.

Doch wenn man mich nicht versteht
Bin ich dann automatisch hell?
Ich weiß, dass dieser Schluß nicht geht
falsch ist und unglaublich vorschnell.

Ich dreh mich also um zu mir selbst
Erkenne, dass ich keineswegs besser bin,
mich erkenne im Alter und Herbst
im Großen ergibt sich kein Sinn.

Alles ist Chaos, Verwirrung, Fall
und ich lobe feiere das
so wuchtig, lebendig ist das All
so außerordentlich ohne Maß.

Und ich bin ein Teil noch am Leben
Teil dieser ganzen umfassenden Kraft
Streit und Kraft und Schuld, ein Beben,
dass immer wieder neues erschafft.

Weshalb ist Weisheit wichtig?
Weisheit sollte praktisch sein
Weisheit das macht lebenstüchtig
Weisheit führt ins Glück hinein.

Weise ist einer mit Verstand und Mut
Und weiß doch, er wird bald fallen
Denn er weiß, egal was er tut
am Ende wird er wie alles zerfallen.

Es gibt keine Haltung gegen den Tod
die uns zufrieden stellen kann.
Tod ist einfach Weinen und Not
Das Wissen, dass man nie siegen kann.

Wirft Dich in Geld und alle kurzen Süchte
die machen das Leben doch lebenswert!
Die Weisheit schlägt all das zunichte
Ist so oft traurig, nie unbeschwert

Was machst du dir Thomas solche Gedanken?
Denken raubt uns doch nur die Zeit
Denken löst nur einfache Schranken
ist zu schwach für die Wirklichkeit.

Fall in die Wirklichkeit hinein
du bist in den Umständen gefangen
Was du auch tust, sagst, ja oder nein
Schlange bleibst du unter Schlangen.

Sonnenaufgang

Schau die leichten Sonnentänze,
sie wirft glitzernde Strahlen ins Meer.
Der Horizont verschwimmt, als ob die Grenze
zwischen Meer und Himmel gar nicht wär.

Ruhig schlagen laut die Wellen,
die Sonne thront hell über dem Strand.
Alles taucht in Strahlen, die füllen
mit Licht und Farbe Wasser und Land.

Seht ihre ganze Freigiebigkeit,
so prall selbst hier aus weiter Ferne:
dort donnerndes Plasma, hier Gutmütigkeit,
stilles Licht, ganz großer Sterne.

Das Meer, es wiederholt sein Rauschen endlos,
klatscht und wütet, bricht am Strand.
Die Natur, wie riesig groß,
der Mensch betrachtend steht am Rand.

Du kannst also ruhig toben,
dem Meer, der Sonne gleicht es nie.
Das Meer, die Sonne bleiben oben,
sie stürmen, leuchten ohne Müh.

Zerbrochenes Epos

Thomas, in nur wenigen Jahren,
dann hältst Du Dein Epos in der Hand.
Füll es mit Versen wunderbaren,
füll’s mit Ideen, spring über die Wand,

mach Dich sichtbar und halt durch,
bekenne Dich zu Deiner Wut,
bleib nicht schlaff, ein fetter Lurch,
bleib eigensinnig und hab Mut.

Viele schütteln schon den Kopf,
obwohl es erst der Anfang ist.
Was will der alte, zerbrochene Topf,
der so unrein, jetzt Scheiße frisst?

Aber nein, überhöh Dich jetzt nicht,
sieh nicht alles so dramatisch.
Du bist kein Kyniker, kein Licht,
kein Weiser und auch nicht extatisch.

Kein Redner und kein Schauspieler,
Du bist nur einfach furchtbar wütend.
Kein Lehrer der Wut, höchstens Schüler,
ein Texter nur, über Versen brütend.

Der nun ein paar Jahre lang,
vielleicht jeden Tag beschreibt,
mit schrillen Versen ohne Rang.
Mal sehen, ob meine Wut groß bleibt.

Bleib, ja bleib, oh holde Sirene,
schenk mir viel Gift und Mut!
Gib mir scharfe, bissige Zähne,
lass es hochkochen, mein Blut!

Thomas, Du wirst kein Epos schreiben,
nur Sätze in die Tasten hämmern,
ganz wenige, vielleicht dürfen bleiben,
ganz viele höchstens einmal schimmern.

Und die meisten wirst Du vergessen,
selbst Du, der sie geschrieben hat.
In wenigen Jahren ist alles gegessen,
und Du stirbst müde, lustlos und matt.

Rentenpolka

Lass dich Alter nicht erpressen,
du musst nicht alles fressen.
Dich in die Rente reinzudrücken,
das ist Zwang und lässt tief blicken.

Sie wollen Dich degradieren,
anders können sie nicht führen.
Ihr Latein ist schnell am Ende –
ihr Vorgehen spricht Bände.

Sie stellen dich hart vor die Wahl
geh früh in Rente oder trink die Qual
lass dich verspotten, vorführen –
unsere Macht sollst du spüren

Doch wer kann auf Alte verzichten?
Sollen wenige Junge alles richten?
Die Firmen sehen bei Alten nur rot
und peitschen die Jungen dafür tot!

Die Firma will uns Alte nicht,
schließt vor den Alten fest und dicht.
Die Jungen können bald nicht mehr,
sie tragen an der Rente schwer.

Denn Alte sind oft unbequem
passen nicht ins moderne System.
Man stempelt sie als „unbrauchbar“ ab,
und kehrt sie in die Gruben hinab.

Doch wer kann auf Alte verzichten?
Sollen wenige Junge alles richten?
Die Firmen sehen bei Alten nur rot
und peitschen die Jungen dafür tot!

Länger arbeiten heißt die Devise!
Alles sonst ist verlogen und miese.
Die Firma will nur Geld einsparen,
die Mannschaft gegen Wände fahren.

Geschichte spielt dabei keine Rolle,
man zielt nach vorn ins Wundervolle,
wo keiner mehr die Rente bezahlt,
unser System die Jungen zermahlt.

Doch wer kann auf Alte verzichten?
Sollen wenige Junge alles richten?
Die Firmen sehen bei Alten nur rot
und peitschen die Jungen dafür tot!

Lass dich also nicht erpressen,
du musst nicht jede Dummheit fressen!
Geschichte kann man nicht ignorieren,
sie werden das in Zukunft spüren!

Alter Kerl!

Nun, du alter Wahnsinniger,
nun musst du durch drei Jahre gehn,
du alter Eigensinniger,
wo wirst du nach drei Jahren stehn?

Sie wollen es nicht,
dass du weitermachst,
sie möchten nicht,
dass du weiterlachst.

Du sollst dich in der Rente strecken,
schwerbehindert, ach,
schwerbehindert – bald verrecken?
Doch ich mache Krach!

Ich werde durch die Büros tanzen.
Ich werde lachen – ach – Helau!
Erfinde mich neu – im Ganzen
wird es aber dennoch rau.

Werde ich es überstehen?
Habe ich die Kraft dazu?
Wenn alle Wände brennen, glühn,
mich umschließen und die Tür ist zu?

Hast du dann Erfolg oder nicht?
Bist du der schweren Zeit entkommen,
siehst du am Ende Licht,
oder bist du umgekommen?

Ach Thomas, alter Kerl,
du weißt nicht aus noch ein!
Sag allem Wissen Farewell!
Ich werf mich in den Abgrund hinein!

Ich werde tief im Abgrund tanzen.
Ich kann dort etwas lernen.
Ich stehe zu mir im Ganzen,
schaue hoch zu den Sternen.

Es gibt nur dieses eine Leben,
das muss nicht immer das beste sein,
es wird sich schon wieder geben,
und du wirst vielleicht weiser sein.

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