Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 19 von 19)

Bodensee I

Viele kleine Boote
Schwimmen auf dem See
Blaue weiße rote
Wohin ich auch seh

Gleiten sanft durch Treten
Oder mit Motor
Neben windgeblähten
Segelschiffen vor

Orten, Hügeln, Bergen
Drüben in der Schweiz
Menschen gleichen Zwergen
die Landschaft ist voll Reiz

Zeppeline, Zigarren,
schweben oben still,
halten und verharren,
wenn der Fahrer will.

Weiter Blick auf Boote
Weit über den See
Blaue weiße rote
Wenn ich runter seh

Frühverrentung

Die Deutschen sollten länger schuften,
wieder mehr nach Arbeit duften,
die Angestellten ganz besonders,
als Basis eines neuen Wunders.

Man sollte nicht zu früh ausscheiden,
da sonst die Kinder und Enkel leiden.
Auch Schwerbehinderung nicht dazu nutzen,
um Arbeitsjahre wegzustutzen.

Das fordert Merz und die Regierung
für die Rentenfinanzierung,
damit nicht bald fast über Nacht
das Rentensystem zusammenkracht.

Und Merz sieht auch in der Gewerkschaft
den Beschäftigten die Gegenkraft,
die seine Reformen behindern wollen.
Die Arbeitgeber tun das was sie sollen.

Die Arbeitgeber ziehen mit ihm am Strang,
die umarmen die Alten mit Überschwang.
Die wollen die Rente am liebsten verbieten,
ihre Alten bis ins Grab behüten.

Ich habe aber auch nichts dagegen,
will mich gar nicht früh schlafen legen.
Doch die Arbeitgeber nutzen
die Frühverrentung, um zu putzen.

Um ohne Widerstand und Fragen
die Arbeit zügig abzutragen,
durch Frühverrentung einzusparen,
noch mehr Kohle einzufahren.

Sie sind die alten Leute leid,
es ist auch eine schnelle Zeit.
Altes Wissen, das schnell verpufft,
stößt die Alten hinaus in die Luft.

Bemüh dich um die Rente – schnell,
hinter dir wird’s nicht mehr hell.
Mit dir ist nichts mehr anzufangen,
du sitzt fest, fest zwischen Zangen.

Was willst Du denn noch arbeiten
uns so weiter Stress bereiten?
Du bist ein abgebrannter Reaktor,
unbequem und Kostenfaktor.

Wir müssen uns an den Jungen versündigen,
du musst in Rente oder wir kündigen.
Egal was diese Regierung will,
sei ruhig jetzt, ertrag es still.

Schließlich tut dir die Rente gut,
du hast auch noch ein heißes Blut,
du willst sogar noch einmal studieren,
uns würdest du nur ruinieren.

Wir müssten dich umsonst bezahlen
und litten dadurch große Qualen.
Geh in Rente, geh nun, weg jetzt!
Mit Dir sind wir völlig falsch besetzt.

Sommer

Blumen seufzen Trockenheit,
Gräser verlieren saftiges Grün,
Vögel fliegen um Wasser weit,
Keiner kann sich der Hitze entziehen.

Bäche erwärmen sich, auch Flüsse,
Seen werden grüne Brühen,
Fische, die nicht weiter wissen,
schnappen Luft, die Algen blühen.

Ameisen huschen über Asphalt,
Hitze würde sie gern braten,
Spinne macht beim Netzbau halt,
ihr feines Netz will nicht geraten.

Selten hängt noch ein Insekt,
zappelt in den weiten Netzen,
Tischlein jetzt so mager gedeckt,
warst einst voll von Schätzen.

Weiter machen, weiter spinnen,
denk jetzt nicht und zieh den Faden,
gib nicht auf, du wirst gewinnen,
träum von dicken Fliegen, Maden.

Plötzlich hört sie kraftlos auf,
rollt sich erschöpft zusammen.
Heißer Atem zieht herauf,
zündelt – alles steht in Flammen.

Alles versengt die heiße Sonne,
Rinder brüllen, finden nichts,
trocken strahlt die Regentonne,
spiegelt die Hitze des Lichts.

Sommer, so wie Sommer immer,
heißer als der Letzte war,
heißer, immer etwas schlimmer,
bis er dann der Letzte war.

Warme Welt

Es ist warm und wundervoll,
leicht fällt es mir, Gutes zu sehen.
Alles ist bunt, alles ist toll,
wenn so laue Lüfte wehen.

Vergessen kann ich allen Streit,
ob im Kleinen oder Großen.
Die sanfte Stimmung trägt mich weit
weg vom trostlos Hoffnungslosen.

Das ist die Welt, wie ich sie liebe,
die ich entspannt und gerne küsse.
Wie kitzeln mich jetzt süße Triebe,
und wie ich tanze, nichts vermisse.

Turmbau zu Stuttgart

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutsche-bahn-bahn-verschiebt-start-von-stuttgart-21-offenbar-auf-ende-2031/100235424.html

An Stuttgart Einundzwanzig dem Wunder
baut man bald einundzwanzig Jahre.
Doch schon der alte Bahnhof, Plunder,
brauchte vierzehn – viele Haare

fallen Gläubigern, Planern noch aus
Bis das verwirrende Werk gelingt
Ein Zug aus dem Kessel heraus
durch Tunnel sich zur Alb hoch schwingt.

Beim Alten kam ein Krieg dazwischen,
und auch noch eine Inflation
das will ich nicht beiseite wischen,
doch was sind die weiteren Jahre schon!

Im Vergleich zur großen Pyramide
Die Ägypter, fleißig, nie müde,
in dreißig Jahren hoch auftürmten.
Auch um Kathedralen stürmten

peitschten Regen Jahrhunderte
bis einer plötzlich – fertig! rief.
Das heute tief bewunderte,
lief früher öfter erst mal schief.

So wie der schiefe Turm von Pisa,
über hundert Jahre stand der da,
und niemand setzte einen Stein,
da war er grad drei Stockwerk klein.

Erst dann hat man sich höher getraut
noch ein paar Stockwerke drüber gebaut,
doch weit tiefer als geplant,
der Abschlusstein sein Plätzchen fand.

Der Bahnhof Stuttgarts gedeiht also gut,
auch wenn es wohl noch Jahre geht,
zum Turmbau zu Babel gehört eben Mut
mal sehen wie lange er danach noch steht.

An Stuttgart Einundzwanzig dem Wunder
baut man bald einundzwanzig Jahre.
Doch schon der alte Bahnhof, Plunder,
brauchte vierzehn – viele Haare

fallen Gläubigern, Planern noch aus
Bis das verwirrende Werk gelingt
Ein Zug aus dem Kessel heraus
durch Tunnel sich zur Alb hoch schwingt.

Beim Alten kam ein Krieg dazwischen,
und auch noch eine Inflation
das will ich nicht beiseite wischen,
doch was sind die weiteren Jahre schon!

Im Vergleich zur großen Pyramide
Die Ägypter, fleißig, nie müde,
in dreißig Jahren hoch auftürmten.
Auch um Kathedralen stürmten

peitschten Regen Jahrhunderte
bis einer plötzlich – fertig! rief.
Das heute tief bewunderte,
lief früher öfter erst mal schief.

So wie der schiefe Turm von Pisa,
über hundert Jahre stand der da,
und niemand setzte einen Stein,
da war er grad drei Stockwerk klein.

Erst dann hat man sich höher getraut
noch ein paar Stockwerke drüber gebaut,
doch weit tiefer als geplant,
der Abschlusstein sein Plätzchen fand.

Der Bahnhof Stuttgarts gedeiht also gut,
auch wenn es wohl noch Jahre geht,
zum Turmbau zu Babel gehört eben Mut
mal sehen wie lange er danach noch steht.

Tickets statt Träume

Ach, ich liebe die Hitze, das Leben,
alles, alles will ich euch geben!
Nur bei der Arbeit – werde ich still,
weil ich weiter träumen will.

Thomas, Thomas – komm ran ans Geschirr,
du bist doch nicht schon morgens müde!
Die Träume in deinem Nervengewirr
sind eh zu wild und viel zu rüde.
Die Tickets hier sind das, was zählt,
mit Träumen kannst du nichts verdienen.

Wir wissen schon länger, was dich quält,
du äugelst nur nach saftig grünen
Wiesen, auf denen du dich streckst,
träumst von duftenden, bunten Blumen…

…bis du dann mit Schreck entdeckst:
Es ist Zeit, jetzt komm zum Zoomen!

Thomas, Thomas – komm ran ans Geschirr…

Doch niemand kann das ändern, das ist der Lauf der Welt.
Ist nicht anders – in anderen Ländern,
zieh also jetzt – dein Geschirr – es hält!

Männertag

heute habe ich frei
am freien Tag der Männer,
strample ich nicht im Brei
aus Arbeit, schlafe länger

Heute scheint die Sonne,
und ich schreibe ein Gedicht
da reime ich kess auf Wonne,
das darf man ja sonst nicht.

Und lustig geht es zu
in meinem ganzen Kopf,
singe jetzt ohne Ruh,
packe das Leben am Schopf

nehm ein, zwei Kästen Bier
und zieh sie hinter mir her,
es gibt ja was zu feiern hier,
was will ich also mehr?

Ja – ein Mädchen umarmen,
sie grüßen durch ein Gedicht,
von ihr träumen und schwärmen,
mehr – darf ich leider nie.

Neuere Beiträge »

© 2026 Kamellenregen

Theme von Anders Norén — Hoch ↑