Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 17 von 19)

Glühwürmchen

Ein Würmchen glüht hier, ein paar glühen dort,
die fliegenden Männchen sind noch fort,
nur wenige fanden bis jetzt den Wald,
oft schwirrten, verbrannten sie ganz kalt –
blütig ermordet an heißen Lampen oder
verirrten sich im wilden Geloder der Funken
von Fenstern und fernen, blassen Lämpchen.

Nur glückliche Männchen finden An-ge-be-te-te,
sofort von ihnen rasant umtänzelte,
knackige, leuchtend schöne Glühwürminnen.
Vereinen sich mit ihnen bald, bedrängen sie kurz,
halten sie festgedrückt an ihr Insektenherz,
verhaken sich ganz feurig mit ihr,
ganz ähnlich dem, wie wir
es tun – nur nicht so lyrisch beschrieben,
wie wir es besingen, wie wir es trieben.
Das tun sie eben doch nicht.
Ihnen reicht ein wenig Glühwürmchenlicht.

Nachdem sich Männchen, Weibchen getroffen –
das schreibe ich nun hart und offen –
haben sie ihr Ziel bereits erfüllt.
Die Erwachsenen haben keinen Hunger gestillt,
sie lebten nur noch von Larvenfett
und legten sich bald aufs Totenbett.
Eier, Larven, Imagos, neue Generationen –
ein smarter Weg, muss ich betonen.
Ein millionenfach begangener Weg,
ein eingefahrener, fester, gerader Steg.

Vermehren, nicht weniger werden zumindest,
ein kurzes Glück, wenn du Partner findest.
Mehr glauben diese Würmchen nicht –
nur wir sehen tiefer, sehen ins Licht,
sehen, meinen, da wäre ein Plan,
als bräche sich da doch mehr Bahn,
als bloße Vermehrung – viel mehr! Erkenntnis!
Alles durchschauen, verstehen – Hybris!

Wir wollen dahinter mehr erkennen,
das was wir Sinn – dahinter – nennen.
Das Leben mit all seinem Leiden, der Qual –
das ist doch letztendlich nicht so banal!
Das hat doch irgendwie mehr Sinn,
da steckt doch noch viel mehr dahinter,
dass grade – ich – jetzt hier auf Erden bin!

Wohin?

Wohin nur treibt uns unsre Welt,
wenn unser Wert dank der K-I zerfällt,
die K-I auch wenn sie nie was denkt,
so viele von uns zur Seite drängt?

Wenn sie den Anwalt, den Banker ersetzt
das Messer des Chirurgen wetzt
den Influencer arbeitslos macht
sie uns im Film entgegen lacht?

Wenn sie erfolgreich und routiniert
ganz automatisch Firmen führt.
Drehbücher dicke Romane schreibt.
Als zahmer Reschi-sör im Büdschett bleibt?

Ja selbst das Handwerk geht verloren
denn Robo fängt an frei zu bohren,
nun steht es um den Nachwuchs schlecht.
Das wird gefährlich ungerecht.

Auch Planen kann der Rechner besser,
alles wird fein und genau optimiert.
Die Pläne lieben Zahlenfresser,
doch Menschen streichbar werden reduziert.

Denn Menschen brauchen Ruhe Zeiten,
auch Urlaub, Feiertage bereiten
den Planern nur Eines: Restriktionen.
Die Menschen werden sich nicht mehr lohnen.

Sie sollten zwar viel mehr arbeiten
vor allem ihrer Rente wegen
doch sie sind einfach vorbei die Zeiten
wo Menschen mehr als Maschinen bewegen.

Ohne Menschen läuft es effizient,
am Besten bleiben Sie zuhaus.
Der sperrige Mensch verpufft, verbrennt.
Uns presst die K-I aus der Arbeit heraus.

Noch schauen viele gerne weg
Verlassen sich drauf: Ich habe Glück!
sie lassen Katastrophen geschehen
Bis sie – nach ihrer Kündigung – gehen!

Sie haben nicht damit gerechnet
nun einmal wirklich frei zu sein
Sie haben die Zukunft falsch berechnet
zu gerechter Verteilung sagten sie nein.

Sie wollten immer weiter schuften,
Sie wollten immer klassisch duften,
nach Schweiß und herber Anstrengung.
Nun sind sie Opfer ihrer Verdrängung.

Bald schürfen sie immer weniger Kohle
und der Konsum bricht deshalb ein
die Wirtschaft hängt fest in der Sohle
gerät immer tiefer ins Tal hinein.

Die Menschen durchsuchen kein Angebot
Die Wirtschaft klemmt, gerät in Not
Die Wirtschaft die die Chancen verschlingt
wild um die letzten Käufer springt,

schreit und tanzt und bricht zusammen.
Der Reichtum investiert nicht mehr.
Die ganze Ordnung steht in Flammen.
Alle Kassen sind nun leer.

Ach nein! Reißt doch das Ruder herum!
Den Menschen edel schlagt nicht krumm!
Der Mensch verdient als Mensch schon Lohn,
setzt alle Menschen auf den Thron!

Gebt Menschen Geld um zu konsumieren
und lasst die Maschinen alleine schuften
Der Mensch, der soll sich doch amüsieren
und glücklich nach schönen Träumen duften!

Ach nein! Reißt doch das Ruder herum!
Den Menschen edel schlagt nicht krumm!
Der Mensch verdient als Mensch schon Lohn,
setzt alle Menschen auf den Thron!

Gebt Menschen Geld um zu konsumieren
und lasst die Maschinen alleine schuften
Der Mensch, der soll sich doch amüsieren
und glücklich nach schönen Träumen duften!

Plakat

Ich träume von einem Plakat
das ich nur kurz schreiben muss
Und die Welt steht akkurat
glänzend da aus einem Guss.

Ich will die Arbeit sprengen
und rufen: Das ist vorbei
Schluss mit dieser engen
Welt wir sind nun frei!

Ja so will ich es schreiben
das soll uns beflügeln
uns tragen, bei uns bleiben
den Kampf eröffnen und besiegeln.

Dann dreht die Erde wieder richtig
so wie Milliarden Jahre zuvor
Wo sich niemand arbeitssüchtig
in kranken Phantasien verlor

Ich will die Arbeit sprengen
und rufen: Das ist vorbei
Schluss mit dieser engen
Welt wir sind nun frei!

Ich könnte zum Augenblicke sagen
Ei das wäre wirklich toll!
und müsste nicht weiter klagen
mein Krug, der wäre richtig – voll

Dann wäre ich wieder daheim
Am Morgen würde ich aufstehen
In einem schönen lieblichen Hain
In ebener Weite jagen gehen.

Später am Feuer wenn der Abend graut
würden einander Geschichten erzählt
ehrfürchtig in den Himmel geschaut.
Niemand hätt sich mit Steuern gequält

Die man bezahlt, zurückhält
Für die man viel, viel Zeit vergeudet
Tage verkauft die abgezählt
am Tode enden, wie man leidet

An Dingen die uns nicht verführen
Die dröge sind und glatt und eben
Die wir nicht tasten und spüren
Keine Geschichte erzählen und leben

Die uns von uns selber trennen
Zerlegen in Knochen, Fett und Haut
Um die wir tanzen und rennen
und schreien, klagen ständig laut

Weil sie uns keine Erlösung bieten
so wie uns schon ein flüchtiges Küssen
erlösen kann, wir ziehen nur Nieten
die wir dann teurer bezahlen müssen.

Lapidarium Stuttgart

Ich habe etwas sehr Schönes entdeckt
ein Kleinod in der Autostadt.
Kommt zu mir, Musen, zum Lied erweckt
mir was der Tag nur müde, matt

aus kleinen Augenwinkeln sah.
Hier liegt eine Reihe Dichter*innen,
als Grabaufnahmen ruhig da
die für uns magisch Zeit gewinnen

Mehr Zeit um ruhig zu entspannen
auch wenn die Autos draußen dröhnen
den Stress in dieser Ecke zu bannen
um langsamer zu schwimmen im Schönen.

Der Himmel ist zwar grau bedeckt
Doch das tut gut, ist angenehm
wird wie das beste Eis geschleckt
die Zeit gedehnt entspannt extrem.

Wie ruhig! Man will nirgendwo
anders sein, fühlt sich daheim
Mein Tinnitus selbst zirpte froh
im romantischen Dichterheim

Doch das ist nur ein kleiner Teil,
der Garten dehnt sich weiter aus,
teils geht es hoch auch steil
Neugier führt mich weiter hinaus.

Zu Skulpturen, die man aus Steinen schlug
die alt sind, aus Sand einer Wüste
die alt war, heiß war, kein Leben trug
wo keine Blume, kein Garten grüßte

Doch das ist unendlich lange her
das kann man einfach nicht glauben
Sand wird fest, wird Stein, ist schwer
und dieser Stein umrankt nun Lauben

bildet Bögen, biegt dünne Tore,
die hingesät sind ohne Plan,
dazwischen auch mal eine Amphore,
was haben die Maurer da getan?

Ruinen sollen es wohl sein
und alte graue Zeiten beschwören,
das stupst uns zu den Dichtern hinein,
dorthin, wo wir hin gehören.

Es geht noch etwas höher dort,
doch werden die Wege da schmal,
die Bäume tragen das Licht weit fort
Da schaue ich beim nächsten Mal.

Ich schaute zurück zur langen Wand
auf deren Verputz Steine schwimmen
wie Orden auf gelblich-beigen Tuchgewand
Einzelheiten kaum zu bestimmen.

Oh schon spät, die Zeit sie tickt,
pocht im Handy rasend schnell,
bin gleich fester eingestrickt,
auch vom Magen klingt Gebell.

Also zurück in die heutige Zeit
die Trockenheit der Firmenzahlen
gefeiert werden sie weit und breit
hinein in Stress und Zahlungsqualen.

Doch nicht mehr heute
erst kommt die Nacht
hier verschwinden die Leute,
das Eisentor kracht.

Träume

Wilde Träume trommeln, tanzen
bauen mir mein Paradies
Völlig ohne Stopp und Grenzen
Die Wirklichkeit ist – träge mies

Ich träume deshalb gerne
putze alles bunt heraus
Auch die Nächte ohne Sterne
Falle nie aus meinem Haus

Dort draußen droht es kalt
spinnt Frau Welt geschäftig
Von außen schein ich alt
Gebändigt und nicht kräftig

Doch Träumen ist mein Manifest
Im Bett lass mich Frau Welt in Ruh
Kein Mond hält meine Träume fest
Schließe meine Äuglein zu.

© kamellenregen.art

Karlshöhe Stuttgart

Hab vom alten Karl von der Höhe
weit in die Stadt hinunter geschaut
ich nahm die Treppe hinauf hatte Mühe
doch reizend der Ausblick so unverbaut

Bin nun dem Arbeitstag entkommen
und trinke hier ein fröhliches Bier
ich habe mir eine Halbe genommen
noch ich dazu, ergibt’s ein Tier.

Ein Tier das sich entspannt genießt
das seine Plage ganz vergisst
die Stadt von oben freundlich grüßt
nicht mehr in Arbeitsmaßen misst.

Das sich nicht kreuzigt und verkommen
noch weiter mit der Arbeit beschmutzt
das alle Kohlen die zu ihm kommen
sammelt und sich niemals putzt.

das hungrig ist und hungrig bleibt
und gierig für Geld alles tut
das dermaßen übertreibt
niemals schwelgt oder ruht.

Thomas sei wenigstens jetzt nicht gierig
wenigstens jetzt an die Liebe denken
aber auch die Liebe ist schwierig
wohin also in Gedanken schwenken?

Ich schwenke von oben über die Stadt
über viele Häuser, Dächer, Fenster
alles pastellene, leicht schon matt.
Schon wieder Herbst, schon wieder bald finster?

Nein! – noch ist August, August
Nur ein kurzer leichter Regentag
Vor mir wächst ein Baum voll Lust
spreizt Blätter ins Licht hinein in den Tag

Doch hör von unten drängt Verkehr
brummend durch die Bäume herauf
Ja diese Stadt keucht unten schwer
doch hört hier oben einfach nicht drauf.

Blick Dich um zu den wenigen Gästen
Die haben sich auch nach oben verirrt
Um sich an der Ruhe hier zu mästen
ein Vogel kiebst und schwirrt

Ja denk an den Frühling hier im Sommer
damit er nicht so schnell vergeht
und an den Wein im Voraus nicht an den Jammer
der alles zerfetzt und niedermäht.

glücklich lass den Blick jetzt ziehen
von diesem Hügel in die Tiefe
noch ist alles prall so bunt und grün
und sendet allen liebe Grüße!

Siebenter Tag 25.08.2026

Komm, lass uns in die Tiefe steigen,
wo Rechnungen, Tickets, Briefe brennen –
soll ich dir die Postfächer zeigen?
Die vielen Leute, die ständig rennen?

Weil die Angst sie ständig jagt,
sie keine Zeit verlieren wollen.
Sie lachen selbst – wenn man sie plagt.
Die nur noch tun – was sie tun sollen.

Ja – du musst hier schlau sein,
dich unter Geschäftigkeit verstecken.
Doch ich bin gierig öfter unrein,
denke an wenig, außer dem Stecken.

Nein – Thomas – sei nicht so töricht!
Du wirfst die Leute aus der Bahn!
Sobald der Krug im Brunnen bricht,
zerspringt dein Leben mit dem Wahn.

Sei treu und ehrlich und schrei
nicht – hier hilft dir keine Lust.
Du bist verdammt und vogelfrei,
drück dich nieder! Sag: Du musst!

Sag zur Freiheit nie – Du musst!
Sonst reißt sie dich auseinander,
zeigt dir ihre scharfen Krallen,
schlägt dich mehrfach hintereinander,
lässt dich von oben – herunterfallen.

So böse wird die Freiheit,
ahnt sie nur den Zwang,
verwirft alle Bescheidenheit,
steigert sich hoch in ihrem Drang,

Ihren Willen sich zu behaupten
mit kräftigen Stößen – heiligem Nein!
Will sich holen, was sie ihr raubten,
und abschmettern Stein um Stein.

Ja, die Freiheit, sie will singen,
obwohl man ihr den Mund zudrückt,
sie will beißen, toben, ringen,
bis ein Stoß von ihr dann glückt.

Die Freiheit, sie will stark sein,
sie springt mit einem Satz,
in alte Regeln, Dornen hinein
und schafft sich neuen Platz.

Und ich will wieder dort sein,
wo ich am Anfang stand und war,
ich bin nicht tot, ich bin nicht klein,
ich schreibe direkt und klar.

Sechster Tag 24.08.2026

Ruhig war es heute
Die Straße gerade geteert
Worüber ich mich freute
Niemand hat sich beschwert

Man ließ mich meine Arbeit tun
Oder hat sich nicht getraut
Leichter freier ging ich nun
Ihabe nach den Räumen geschaut

Ist es die Ruhe vor dem Sturm?
Ich kleiner Frosch ich springe
durch die Räume drück den Wurm
in mich rein und singe.

Flog durch Sie und schrieb
manches fehlte da und dort
Es erschien still und lieb
Man wechselte kein Wort

Überall lauert hier Gefahr
Man traut sich nicht bleibt still
Missachtet meine Fragen klar
Auf die man gar nicht eingehen will

Ist es die Ruhe vor dem Sturm?
Ich kleiner Frosch ich springe
durch die Räume drück den Wurm
in mich rein und singe.

Doch meine Fragen sind nicht geklärt
dann kann ich auch nichts tun
Heute hat sich keiner beschwert
und nichts erklärt was nun?

Gut ich habe Arbeit genug
Ich kenne langsam die Räume
ich lerne gerade Zug um Zug
betrachte alles ohne Träume

Ist es die Ruhe vor dem Sturm?
Ich kleiner Frosch ich springe
durch die Räume drück den Wurm
in mich rein und singe.

Es ist ruhig doch der Sturm
Der kann schon morgen kommen
Morgen – heute ist der Wurm
gediehen und nicht umgekommen!

Tot

Es wird nicht schwierig, einsam sein
weder Nacht noch Tag und klar
du gehst wieder ins Nichts hinein
dorthin, wo niemals etwas war

Es gibt da weder Glück noch Qualen
nichts bekommst du, musst nichts zahlen
du wirst nichts mehr spüren,
kein Licht, kein Laut und kein berühren.

Du schmeckst nichts mehr, nichts riecht
es rennt nichts, fliegt nichts und nichts kriecht
Alles wird ruhig, unhörbar. Du warst
und wirst nun nie mehr sein
Man legt nichts mehr ins Grab hinein

außer einer leblosen Hülle
Verschwunden ist die Fülle
der Eindrücke und bunten Muster
aber es ist auch nicht duster

nichts mehr, weil da gar nichts war
Kein Erinnern macht es dir klar
Restlos wird alles verschwinden
Du wirst dich selbst nie finden

Du wirst dich selbst auch nicht mehr suchen
und diesen Zustand nicht verfluchen
alles ist dann tot
errettet aus der Not

Der Preis ist, dass es niemand weiß
Nichts ist gerade Nichts dreht im Kreis
Es wird so einfach, so einfach sein
als Lebender da sagst du nein

Als Lebender da willst du fühlen
und dein Hirn ist voll von Zielen
Plötzlich ist dann alles fort
doch du denkst nicht mehr das Wort
Verschwunden alles, nie warst du da.

Fünfter Tag 21.08.2026

Heut wurde ich sehr kritisiert
das hat mich wirklich amüsiert
man will mich hier ja quälen
und meine kleinsten Popel zählen

Will mich fangen, fassen
nicht entkommen lassen
will mir eine scheuern,
mich am Ende feuern

und ich will alles garnieren
quer durch meine Strophen führen
in die weite Welt verstreuen
mich an meinen Reimen freuen.

Will Euch immer kontra geben
mich vielleicht zum Himmel heben
werde mich nun nicht mehr scheuen
laut zu kreischen und so schreien

Ja ich werde unter gehen
doch Verse, Verse werden entstehen!
Ihr lasst mich hier nicht programmieren?
Dann will ich mich gut amüsieren!

Verse, Strophen, Texte machen,
Euch garnieren und laut lachen.

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