Tübingens erster schöner Tag Die laue Luft ist angenehm Manche schon im Grase lag Und hat den Himmel angesehen
Tübingen und dieses erste Gedicht das ich zärtlich schrieb Für dich, es ist sicher das Kleinste Indem ich auch nicht übertrieb
Und sicher das Liebste, welch ein Gefühl Wie tief wühlt es in mich hinein Es wurde auch kein kurzes Spiel Ohne Dich das kann nicht sein
Ein Gefühl das mich noch heute Aus weiter Ferne gleich zu dir führt Wenn ich wieder den alten botanischen Garten durchschreite Wie sehr hast du mich berührt
Das sind nun mehr als vierzig Jahre Ein kurzer Zeitraum für die Welt Tübingen du große, wunderbare Zauberhafte, die mir gefällt
Ich tauche in dich und du verführst Und ich gehe dir immer auf den Leim Und wenn du mich zur Wiese führst Atme ich auf und schreie: Daheim
Und auf der Wiese liegen Frauen Wie damals ist es Frühling wieder Der Winter jetzt ist kalt ein Grauen Nur der Frühling schenkt mir Lieder
Die er durch den Winter durchschiebt Wenn er mich winters mal besucht Mir immer kleine Geschenke gibt Für mich extra herausgesucht
Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen! Wo Liebe erste Knospen schlug. Mich Pegasus auf seinen Schwingen zur schönen Aphrodite trug.
Ins Paradies hinein in den „Zoo“, wo ich die Unschuld ganz vergaß, verbrannte lichterloh und atmete und dort genas.
Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen! Die allererste Erinnerung: Als kleiner Junge, die Neckargasse hoch, die Stützmauer der Stiftskirche entlang, um sie herum, zur Treppe am Holzmarkt. Ein Ausflug mit der Oma, sonst alles vergessen.
Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen! Du süßer, toller Venusberg. Wo Tage und Nächte ineinander springen Du Festung, Bollwerk
gegen die reine Realität. Ich Alter jetzt, damals so jung, einer der in der Freude brät, alles voller Leben, voller Schwung!
Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen! Zur Schule mit dem Zug. Zurück aus der Schule zum Busbahnhof, zurück zu Fuß, die ganze Strecke von Derendingen her. Die Busfahrt danach am Abend zurück ins Dorf, ans Ende der Welt, lange vor langer Zeit.
Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen! Die Milchkaffees im ‚Storchen‘. Die Milchkaffees will ich besingen, muss tief hinein in sie horchen.
Erzählen mir von Stunden, die ich dort schreibend saß, um (mathematische 😉 ) Strukturen zu umrunden, noch öfter aber Zeitung las.
Oh ‚Storchen‘ Heimat am Nachmittag, am Abend, bevor’s zur Nacht losging. Bevor er aufging, der Taubenschlag, man andern Orts, zusammenhing.
Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen! Als ich im Schlossgraben Shakespeare sah und dort der Liebsten nah, am anderen Abend, als wir von oben die Mauer hinabsahn, hinab in den Graben, uns berührten, spürten, bebend nah!
Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen! Meine Jugend ging in Dir verloren! Pegasus nun alte Schwingen, sind grau und kurz geschoren!
Was bleibt denn nur? Nur diese Tränen? Augenblicke klagen, weinen. Der Anlagensee mit seinen Schwänen, Der Neckar voll von Stocherkähnen. Erinnerungen – Perlen, die Kleinen die plötzlich so lebendig scheinen.
Oh bin ich denn, nicht mehr lebendig, pocht denn mein Herz nicht mehr? Ists schon so kalt, so windig? Ist mein Leben schon so leer?
Oh spendet mir die Wassertropfen, damit der Flieder wieder wächst, helft die vielen Löcher stopfen, wo Wasser verschwindet, links und rechts.
Damit ich mich wieder erfrische, die Welt wieder blinkt und strahlt. Ich wieder mit Leichtigkeit vermische, die Perlen langer Tage und Nächte.
Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen! In Dir – da ist die Heimat In Dir – da pulst das Leben In Dir – da ruft mich jeder Stein!
Lass mich zu Dir fliegen, zu Dir die Flügel heben, schleunigst bei Dir sein!