Einen Falken zog ich wohl über ein Jahr auf und schmückte ihn wunderbar mit farbigen Bändchen im Fittich. Ich ließ ihn fliegen – nach kurzer Zeit da wählte er sich die Freiheit, flog nie zu mir zurück.
Ich sehe ihn immer wieder, erkenne ihn an seinen Bändchen. War gut zu ihm, ein gutes Händchen hatt ich, sang ihm schöne Lieder. Nun seh ich ihn, wie er die Freiheit genießt, mich nur noch aus der Ferne grüßt. Trennt sie nie, die sich wirklich lieben!
Von dieser reizvollen Frau von Rang mög’ mir ein schöner Dank zufallen und ihr der Ehrenplatz im Gesang – isie ist die lieblichste von allen. Auch wenn ich gerne allen diene, hab’ ich sie mir erkoren. Ein anderer wählt sich seine; sei Melodie und Text auch mein – kein Zorn! Wenn er sie rühmt, nimmt er nichts fort. Ich rühme hier, und er rühmt dort.
Ihr Antlitz schenkt mir Wonne ein, als wolle es dem Himmel gleichen. Was anders kann es gar nicht sein, sein Glanz kann leicht den Himmel erreichen. Aus dem da leuchten groß zwei Sterne, in denen möchte ich mich erblicken. Ja käme sie näher zu mir aus der Ferne, so würde bestimmt das Wunder glücken. und Ich, ich würde bestimmt wieder jung, und käme begierig, voll Sehnsucht, in Schwung.
Und ihre Kehle, ihre Hände, jeder Fuß, die sind vollkommen schön. Ich sende ihr einen lobenden Gruß, ich wähnte, auch noch mehr zu sehen. doch ungern gerufen: „Tauch in den Fluss!“, als ich sie nackt dort sah. Sie sah es nicht, wie er traf – ihr Schuss, der noch so schmerzt wie damals da, sobald ich an das Bad der Lieben dort denke, wie sie ihm entstiegen.
Gott formte ihre Wänglein mit Fleiß, er trug so schöne Farben auf: so reines Rot, so reines Weiß, rot Rosen dort, Lilien darauf. Ich muss ich mir zur Schande sagen, ich sah sie immer genauer an, viel mehr als den Himmel, den Himmelswagen. Oh weh, was lobe ich, närrischer Mann, sie so, und heb sie so in die Höhe – voll Herzlob erst, danach voll schmerzlicher Mühe.
Sie hat ein Kissen rot; gewänne das mein Mund, so höb’ es mich aus aller Not, ich würde wieder gesund. Wo immer sie dann ihr Wänglein legt, da wäre ich immer ganz nah dabei. Es duftet, wenn man es bewegt, als ob es voller Balsam sei. Das soll sie mir leihen, ich würde schweben und will sie es wieder, ihr auch wieder geben.
Sie ließ mir nie den Kampf ansagen und plant dennoch und plant noch immer, schadet mir Ich kann nicht länger, schweigen, klagen muss ich, denn sie will noch immer jedes Land verheeren, Räuberin, wildes Tier Ihre Tugend und Schönheit tun Männern weh Die sie ansieht nimmt sie gefangen hier, zerdrückt sie mit Sorgen, eisigem Schnee.
Voll Zuversicht als Dienstmann so diente ich und war ihr Eigen. Sah sie treu an und war ihr gut, da fachte sie die Liebe an, nahm mich gefangen, verneigen, musste ich mich als sie grüßte, sprach – da kochte mein Blut. War vor Freude krank, mein Herz war wund ganz ausgeraubt durch ihre Augen voller Glut, von ihrem rosenfarbnen roten Mund.
Manch Herzen tut der Winter viel zuleide. Das hat der Wald und auch die Heide mit ihrem grün gefärbten Kleide nun überwunden – Trauer – Scheide!
Wenn der Mai die kalte Zeit beschließt, mit Tau die Blumen und die Wiesen gießt, der Wald voll der Gesänge überfließt, mein Leib so viele Freuden genießt.
Mein Liebster mag mich gern zur Linde bringen sein Herz feste zwischen meine Brüste zwingen, den Tau von Blumen blasen, schwingen mit mir – um mein zartes Kränzlein ringen.
Ich weiß, dass er mich niemals davon abbringt, was mein Herz an seinem Leib besingt, der meine Trauer lindert bis sie verklingt, und unter uns die Blume bricht und sinkt.
Will ihn mit nackten Armen umfassen den roten Mund an seinen passen und meine Augen bekennen lassen: Nie konnte Liebe mich so erfassen!
Sommerfarben, bunte Strahlengarben, Heide, Feld, Wiesen und Wald. Da und dort, nun schau, weiß, rot, blau, gelb, braun, grün, die schöne Gestalt. Warm, herrlich, freundlich, zärtlich – ganz alles, was die Erde trägt. Selig der Mann, der es spüren kann, der dient und Mühe erträgt, vor lauter Liebe bebt.
Wem Gott gibt, dass er liebt, die Liebe, den umfasst sie ganz! Ohne Leid geschenkt wird ihm das ganze Jahr der Glanz des Mai, und frei liebt er verspielt den Tanz. Ein frohes Leben kann sie leicht geben, die Minne, wem sie will, viel, so wie sie will!
Wem ein Weib den Leib zärtlich umfasst und er sagt nicht: „Seltene Perle, glänzendes Licht!“, der hat sein Glück verpasst! Ihm ist geschehen, muss er gestehen, dass die Trauer Fieber erfasst, und er ohne Kummer getauft vom Kerzenschimmer von sanften weißen Armen umschlungen wird.
Ein feuriger Hort, ist ein Wort, das beim Küssen geschieht, mitten im Spiel, voller Gefühl, spielt der Liebste, sieht, ob da nicht ihr Augenlicht glänzt und strahlt und dann, ja fürwahr, ganz und gar, lieb und wohlgetan, stürmt die Lust heran.
Die Minne walte und entfalte sich, wenn um einen Mann ein Weib um ihren Leib vier Arme gehen, dann ganz dicht und heiß da brennt ein Licht!, das sie befeuern kann. Ob da nichts glüht und scharf aufblüht der kleine feuerrote Mund, wird von der Minne gefunden und findet Trost und kann gesunden.
Wohlig die Stunde, als von rotem Munde mir Liebe geschah. Der konnte mich fesseln mit zartem Lächeln. Ich sprach schon da: „Ihr Mündchen, das freche, das formt sich so fein, als ob’s fünfe spreche, sanft klingt es und rein.“
Ach, wer den küsste, gewiss hat Gelüste nach Freuden ohne Not. Sein feines Gekose, nie wurde die Rose nur halb so rot. Kehle und Hände, weißer als Schnee! Geliebt ohne Ende, weshalb tust du mir weh?
Willst du mich zwingen, weil ich dir singen will, offen und klar? Tröste mich – alleine bin ich – der Deine, der immer treu dir war. Mein Zuckerküken, rette und hilf mir – kräftig, trautes Herz, dich drücken. Ich lieb dich ewig, heftig.
Sommerzeit, ich freu mich, Helau! dass ich sie sehn kann und scherzen, mit dieser süßen, glücklichen Frau, sie liegt mir nahe am Herzen. Eine Maid, die Kräuter sucht und ich als ihr Geliebter habe sie mir auserkoren, zu ihrem Dienst bin ich geboren.
Warte, pass auf, auf dich! Wer heimlich liebt, der hüte sich!
Sie war den ganzen Winter lang versperrt, zum Ärger beider. Nun führt zur Heide hinaus ihr Gang und sie trägt Maienkleider. Dort bricht sie Blumen für einen Kranz, den sie zum Tanz tragen will. Dort kose ich sie viel – doch still.
Warte, pass auf, auf dich! Wer heimlich liebt, der hüte sich!
Ich freu mich auf die schöne Stund, wenn sie entschwindet in den Garten und ihr roter Rosenmund mir befiehlt, ich solle warten. Da wird mir schon ganz wohl zumut, weil sie die Mutter dann nicht hütet, ihr – vor der ich mich sehr hüten soll, leicht entsprang – wie wundervoll!
Warte, pass auf, auf dich! Wer heimlich liebt, der hüte sich!
Da ich mich in Acht nehmen soll vor deiner Mutter, deren List, sei meine Liebste mutig, liebevoll, damit du mich dann nicht nur küsst. Brich ihren Widerstand, hüte nicht das Haus, zeig mir deine Güte, und solange ich lebe, weißt du, dass ich dir Besitz und Leben gebe.
Warte, pass auf, auf dich! Wer heimlich liebt, der hüte sich!
Steinmar, sammle deinen Mut! Wenn ich mir diese edle Frau genommen, sie ist so höfisch und so gut, dann wirst du viele Ehren bekommen. Dann gehörst du zu jenem besten Teil, der von der Freude und dem Heil dieser Welt wohl hören soll, und das wäre ja doch wundervoll!
Warte, pass auf, auf dich! Wer heimlich liebt, der hüte sich!
Gesegnet die Heide! Gesegnet die Au! Gesegnet der Vöglein süßer Gesang! Blumen und Laub, beide geben eine Modenschau die der kalte Winter heute. fast durch den Frost bezwang. Wie sie nun vor Freude ins Glück springen So könnte ich mich auch durch Freude verjüngen, mich trösten der rote Mund, für den mein Herz schon immer sang.
Mir war es meine Leiden, die hätten ein friedliches Ende, als der Bote sagte, ich solle selig, fröhlich sein, könnte mich in Freuden weiden. Mein Kummer lief in die Fremde als ich glaubte, ihr glühend roter Mund träte ein, in mein Herz und würde fröhlich mit mir lachen. So könnte die Minne an uns beiden ein Wunder entfachen. Minne tu was du willst mit mir, ich bin dein!
Roter Mund nun lach dass meine Sorge verschwinde, roter Mund nun lach, dass meine Sehnsucht vergeht. Lach mit, nun mach, damit ich Freude finde. Roter Mund nun lach, dass meine Freude fest steht Weil Dein Lachen mitreißend ist, nun dann roter Mund, lach für mich, weil du so gütig bist Lächelnd und rosig, mehr braucht es nicht, seht!
Liebliche Hoffnung sing, erfreu mich manche Stunde, dass mich tröstet der rote Mund, den ich noch nie vergaß Glück in der Liebe geling, tanzt fröhlich Runde um Runde. Es gibt auf der Welt, nicht noch mehr Spaß Roter Mund hilf mir aus meinen Nöten Niemand kann Dich außer Gott so erröten. Gott schuf Dich voller Freude, schön im Ebenmaß
Wollte mir die liebliche Hehre die Sehnsuchtsqualen niederringen. Das nähme ich für den Vogelsang und für die leuchtenden Blumen her und folgt sie meiner Lehre gemäße Freuden zu mir zu bringen, dann wäre meine Trauer krank und freuen würde ich mich immer sehr Hilf mir gültige, süße Minne bezwing meine Liebste, wie sie meine Sinne bezwang, bis sie meine Pein bedenkt und gibt mir immer mehr.
Sommer sei gegrüßt, von mir hunderttausend Mal. Die Herzen, die voll Qual mit dem langen Winter rangen, sind geheilt, ihre Leiden zersprangen, sind nun befreit, die Not vergangen.
Herrlich kommst du, schwing dich hinab zur Welt, in jedes Land, bist zu allen Menschen gesandt. Den Armen und Reichen verkündet, dass der traurige Winter verschwindet – ihr Jungen euch schmückt, zusammenfindet.
Der Wald hat seine Krambude zum Mai hin aufgeschlagen, und ich hörte sagen, ihr dürft in guter Ware kramen: kräftige, freudespendende Samen – großzügig kauft sie, Männer und Damen.
Dort wird auch gegen Trauer der Vögelchen Gesang angeboten – ihr schöner Klang. Davon nehme ich einen Teil: Die singen Winterwunden heil, sagt eine Alte, lustig und geil.
Der hatte die Minne Herz und Sinn berauscht; und ein Mädchen, das sie belauscht, hat Übermut im Sinn und sagt zu ihr gewandt: „Ei, Königin, wie vielen raubst du den Verstand! Hab allen Grund, zu holen Salben und Verband.“
„Sie hat mich mit dem Pfeil tödlich getroffen, aus Sehnsucht leide ich nun große Qual. Er ist aus rotem Gold und nicht aus Stahl. Mein Herz rast jetzt, und es ist offen – viel Blut, viel Blut ist schon geflossen, hat mir urplötzlich ins Herz geschossen!“
„Sagt, wie kam es dazu, dass die Minne auf dich schoss?“ „Als sie Sehnsucht unsanft über mich ergoss, da konnte sie ihren Wahn entfachen und zwingt mich nun, über mein Leid zu lachen, oft schlaflos, traurig, lange zu wachen.“
Die Junge verstand es gut, dass bei der Alten jeder Gedanke nach tiefer Erfüllung verlangte; erhoffte, was auch ich so gerne täte, wählte – wenn mich nicht schmerzliches Verlangen quälte – das Glück, der herzlichen Liebe nicht fehlte.