Weißt du, alles ist nicht so einfach. Die Welt steckt voller kleiner Details. Sie reiht sich nicht sauber Fach an Fach, treffend ist das Bild des Knäuels.
Aber nicht ordentlich aufgespult, sondern chaotisch in sich verstrickt, von Regeln durchzogen, durchgewühlt, in denen man keine Ordnung erblickt.
Zerschneidet man ihn, dann fällt er in kurze Fädchen auseinander. Dann fehlt, was ihn zusammenhält: die Kreuzungen übereinander.
Da versagt die einfache Weltsicht, nichts scheint mehr zu passen. Die ganze Welt bricht auseinander – man kann sie einfach nicht umfassen.
Traurig ist mein Klagen, weil die Minne tief in mich schnitt. Minne – wehe! Wie soll ich dieses Herzleid tragen? Dieses Leid reist immer mit, brennt stets in meiner Nähe.
So soll ich Minne – freien? Nein! – Ich wehre ab den Schaden Ich rette mich aus dieser Not, will mich schnell befreien, mich – so schwer beladen
durch den Tod!
Der verjage was ich beklage alle Tage voll endlosem Leid. Ich singe wie ein Schwan der sich dem Kahn des Todes naht, im Wahn seine Lieder schreit
Ach meine Freundin edle Rebe, wundert dich nicht, dass ich noch lebe? Ja meine treue Zuversicht tröstet und verlässt mich nicht. Nichts sonst hilft – Minne in diesem Leben, dem harten, dass du mir gegeben. Soll wohl getrennt von meiner Liebsten – oh Nein! dein Schildknappe sein?
Der kann dann die Not beklagen muss den Schild alleine tragen und kommt in große Not wenn der Schild sich gegen ihn wendet Ihr Treffen ohne Treffer endet. Schon ohne zu sterben ist er tot!
Doch lasst sie erst zusammenkommen, dann wird ein Spielchen unternommen, das Freude über Freude entfacht, bis es sie nach dem Abschied grämt, vom langen traurigen Schach gelähmt, aus hellen Tagen fällt die Nacht!
Die Minne ist so ein Geselle, wer ihr auch dient, die Quelle, ist heute süß und morgen bitter, das sind Liebessturmgewitter. Wer je einmal spielte unter dem Liebesschilde, tat es übel, Leid und Gut, was ihr Liebenden so tut.
Uns erzählten die Alten von solch sehnsuchtsvoller Not, dass sich mancher darbot dem grimmigen Tod, als ihn die Minne übermannt. Nun lehre mich, Minne, wie mach ich deinen Schild und dich schön und minniglich meinen Freunden bekannt.
Komm auf und tritt hinzu, strebst du ihr freudig zu? Willst du ihr guter Dienstmann sein mit Hoffnung auf herrlichen Lohn? Dann lasse ich es hier dich wissen, sage dir, wie Venus gab und geben kann ihr Minnezeichen, ihren Ton.
Nun habt acht, das ist der Schild mit dem mancher spielt so wild. Auf rotem Feld ein nacktes Kind mit einer Krone, das ist blind ein Pfeil aus Gold in einer Hand. und in der anderen Feuerbrand.
Das Kind es hat zwei Flügel im schnellen Fluge ausgebreitet bis zum Rand auf dem Schildhügel. Spange sind um den Schild geleitet.
Habt ihr vernommen woher sie kommen der Schild und sein Material? Schild und Kind, sie sind nur Wind, vergessen wir die Auslegung mal.
Weck auf Minne, Schärfe die Sinne. Tu deine Pflicht durch das dein Heer dich erkennt Schießt und brennt! Deine Feinde erkenn an der Gegenwehr.
Wahrhaftig hier kommt Amor geflogen bringt die Fackel und den Bogen Sein Pfeil durchschlägt eine ganze Wand und hinterher schleudert er Brand dann kommt Feuer und Lust bald in die nach Liebe verlangende Brust
Was er tut und was er treibt ist alles nur kindliches Spiel Weshalb man ihn als Kind beschreibt voll kindischer Tücke, ohne Ziel.
Die Krone trägt er voller Würde der manchen König bezwang. Ei flieh, flieh! Weich! Wie stolz ist er, wie reich und überwindet wonach er greift.
Geht um zu schauen nach lieblichen Frauen und lasst euch dort auch sehen Kommt dann leise still beiden der Wunsch: Ich will! Toll! Dann ist ein Schuss geschehen!
Schone Minne schone, tob nicht mit der Krone. Du bist in ihrem Land setz nicht alles in Brand Du trafst gleich auf einmal zwei mit einem Pfeil voll Qual gleich so miteinander verstrickt haben sich ihre Augen erblickt, drückten sie aneinander die Brüste entzünden sich ihre Lüste, ihr Feuer selbst auf der Straße und sprengte alle Maße
Doch muß ich deine Blindheit beklagen denn zu oft sieht man einen Zagen nach dem sollte hohe Minne jagen. Nackt und blind hast du immer gespielt erkenn es wers erkennen will, doch reden hilft nichts, ich bleib still.
Verlangen, heiße Gedanken das ist dein Gefieder das schlägst du mit schlanken Flügeln auf und nieder. Wen bringst du nicht ins straucheln, schwanken? Fliegst du mal weg, zurück fliegst Du wieder. Lass deinen Schild uns schauen Sein Feld ist rot, wo ein Mann bei Frauen, kommt in große Not. Dein Schwert es bringt dem einem Grauen, den anderen schlägt es tot.
Wer diesen Schild nun führen will stehe nicht betrübt und still, wenn das Kind mit der Krone Ihn zwingt und nie verschone er sich, sondern folge der Melodie, dem Tone, den Paris über das Meer aus dem Land der Griechen. brachte zu uns Kranken, Minnesiechen. Seit damals, als das Heer der Griechen Troja schlägt Ist der, der Minnefesseln trägt von Leid und Klagen geprägt von lauter Ach und Weh.
Die Sonne geht auf am Horizont, zügig steigt sie, sehr gekonnt. Sie steigt wird heiß und glüht. Begeistert jede Blume blüht.
Jede Pflanze streckt ihr die Blätter entgegen und schlürft aus ihrem Licht ihr Leben Oh schöner, großer, glühender Ball, so weit von uns weg, freischwebend im All.
Du weißt es nicht und wirst es nie wissen, wie sehr wir dich, jede Nacht vermissen. Doch nun bist du da und du steigst auf und ziehst uns mit Dir ein Stück hinauf.
Und unsere Herzen jauchzen glücklich: Die Sonne geht auf! Oh Endlich! Endlich!
Arbeiten kannst du bis ins Grab, wenn du tust, was andere wollen. Lass dich führen, Galopp statt Trab. Schöpf für andere aus dem Vollen.
Natürlich sollst du kreativ sein. Doch eigene Ideen in deinem Kopf? Das darf doch jetzt nicht wahr sein. Die pressen sie dir doch in den Schopf!
Natürlich heißt es: Wandel wagen, doch wichtige Steine nicht versetzt! Auch nie die Ordnung hinterfragen. Sonst sind zu viele darüber entsetzt.
Natürlich sollst du wirtschaftlich handeln, doch deshalb nicht mehr Geld verdienen. Du sollst all deine Bedürfnisse bündeln, andere dürfen sich selbst bedienen.
Du fragst: Wofür? Du fragst: Wozu? Du drückst dich dünne – Tag für Tag. Öffne die Tür – lass es nicht zu! Flieg raus aus deinem Taubenschlag!
Natürlich sollst du erfolgreich sein und deinem Chef den Vortritt lassen. Er sonnt sich dann in deinem Schein und darf nach seinen Lorbeeren fassen.
Natürlich darfst du Kosten sparen. Du bist dein eigenes Sparpaket. Du darfst am eigenen Leib erfahren, wie Kosten einsparen richtig geht.
Natürlich sind wir ein bunter Kreis – siehe nur den Schrank voll bunter Tassen! Alle genormt und langweilig weiß? Dann ist mit uns wohl nicht zu spaßen!
Du fragst: Wofür? Du fragst: Wozu? Du drückst dich dünne – Tag für Tag. Öffne die Tür – lass es nicht zu! Flieg raus aus deinem Taubenschlag!
Natürlich ist irgendwann Schluss, das bedauern wir ehrlich sehr, dass man von hier mal scheiden muss, sonst lägen die Alten doch kreuz und quer.
So läuft es weiter bis ins Grab, so wirst du sehr viel Zeit verlieren. Am Ende lässt man dich hinab, doch lass dich davon nicht frustrieren!
Frag nicht zu früh nach dem Sinn, sonst willst du nicht mehr fliegen. Du wirfst deine Flügel zu früh hin oder kannst sie nicht mehr biegen.
Du fragst: Wofür? Du fragst: Wozu? Du drückst dich dünne – Tag für Tag. Öffne die Tür – lass es nicht zu! Flieg raus aus deinem Taubenschlag!
Eine Dame stand allein, schaute weit in die Heide hinein, schaute aus, nach ihrem Liebsten.
Träumt mit ihm, dort draußen zu liegen. Da sah sie einen Falken fliegen. „Gut Falke, dass es dich gibt!
Du fliegst wohin du willst, dorthin wo du dich selig fühlst, auf diesen Baum, der dir gefällt.
Das habe ich auch gemacht, den Mann gewählt, den ich einzig lieben kann, den meine Augen fanden, erkoren.
Doch neidisch macht das and’re Frauen die ihn nun umtänzeln, locken, beschauen. Weshalb so neidisch? Nein lasst ihn mir! Schau auch nach keinem anderen hier!“
Ein Blick, ein Schwenk, Freude und Leid zeigt mir ein Husch ihrer Augen. Wendet sie ihren Blick von mir ab, zerreißt es mein Freudenkleid mitten in zwei Stücke. Was sie auch will, Sorgen, Spiele, kann sie mir schenken.
Keiner der Falken stürzt doch schneller hinab zur Beute wie mein Herz ihres anfliegt. Kühn immer wieder stürzt es, stößt an ihr Herz. Es ist ein großes Wunder, das es sie nicht niederstößt.
So heftig wie je, so ist mein Herz und viele wunderts, wie leicht sie es hinführt, das wilde Herz, dass es nicht zuckt. Das was stets so wild und unstet ist, dann sogar noch zu ihr fliegt.
Liebe wird mir widerfahren mein Herz wird sich vergnügen Geist und Seele zum Himmel fahren wie Falken, Adler – schweben, fliegen. Doch ich lasse die Freunde zurück. Es ist mein größter Wunsch, mein Glück dass ich sie finde, wie ich sie verließ.
Sehr gut ist es, bei ihr zu sein Gott gestatte sie wiederzusehen! Statt ihrer Sorgen gibts Sonnenschein ums gutzumachen, solls besser gehen. Und quälen sie irgendwelche Sorgen, soll sie erleichtert aufstehen am Morgen, und sie erleichtern mich auch.
So können wir beide Freunde genießen Schön ist dann die lange Nacht. Was könnte mich an ihr verdrießen?