Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 15 von 19)

Homeofficehymne

Die Uhr sie tickt und tickt – Vier!
Die Rollläden hoch, die Fenster auf!
Ich verwandle mich, aus einem Tier
werde ich – Mensch, der Lauf

der Dinge, ändert sich total.
Ich dreh mich nicht mehr um,
Salzsäule würde ich – fatal –
Der Gott des Lebens, brächte mich um!

Die Arbeit dunkel, drohend – speit Feuer,
es regnet Tickets, es verbrennen Millionen,
es wälzen sich Ströme – Ungeheuer,
aus Geld, die werden niemanden schonen.

Flieh und blick nicht zurück!
Dreh Dich nicht zur Arbeit herum!
Sonst wirst Du hart, ein Stück,
Stein und Du bleibst ewig stumm.

Vor allem Ischtar wäre eifersüchtig,
da muss ich furchtbar vorsichtig sein.
Bekäme Ärger und zwar richtig,
die triebe mich in die Hölle hinein.

In ihrer Schwester Ereschkigals Welt,
wos dunkel, kalt und traurig ist.
Wo der Körper, die Seele zerfällt,
man nichts als Maden und Erde frisst.

Dort wo kein Ausweg kontrahiert,
Jeder Ausgang wieder ins Innere zeigt,
Der Raum randlos kollabiert.
Man Treppen nach oben – hinuntersteigt.

Wo Tickets sich minütlich verdoppeln,
und keines davon mehr verschwindet.
Wo Aufgaben durch die Freizeit hoppeln,
man gar keine Freizeit findet!

Dorthin käme ich! Oh nein, oh nein!
Das muss ganz ernst verhindert werden!
Das muss dann doch – wirklich nicht sein!
Da wird es Zeit – sich zu Erden!

Um Viere – Fenster auf und lüften!
Atmen – frische Gedanken, Träume,
schweben, in die Freiheit driften,
weite, offene, unendliche Räume!

Tübingen

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Wo Liebe erste Knospen schlug.
Mich Pegasus auf seinen Schwingen
zur schönen Aphrodite trug.

Ins Paradies hinein in den „Zoo“,
wo ich die Unschuld ganz vergaß,
verbrannte lichterloh
und atmete und dort genas.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Die allererste Erinnerung:
Als kleiner Junge,
die Neckargasse hoch,
die Stützmauer der Stiftskirche entlang,
um sie herum,
zur Treppe am Holzmarkt.
Ein Ausflug mit der Oma,
sonst alles vergessen.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Du süßer, toller Venusberg.
Wo Tage und Nächte ineinander springen
Du Festung, Bollwerk

gegen die reine Realität.
Ich Alter jetzt, damals so jung,
einer der in der Freude brät,
alles voller Leben, voller Schwung!

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Zur Schule mit dem Zug.
Zurück aus der Schule zum Busbahnhof,
zurück zu Fuß, die ganze Strecke von Derendingen her.
Die Busfahrt danach am Abend
zurück ins Dorf,
ans Ende der Welt,
lange vor langer Zeit.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Die Milchkaffees im ‚Storchen‘.
Die Milchkaffees will ich besingen,
muss tief hinein in sie horchen.

Erzählen mir von Stunden,
die ich dort schreibend saß,
um (mathematische 😉 ) Strukturen zu umrunden,
noch öfter aber Zeitung las.

Oh ‚Storchen‘ Heimat am Nachmittag,
am Abend, bevor’s zur Nacht losging.
Bevor er aufging, der Taubenschlag,
man andern Orts, zusammenhing.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Als ich im Schlossgraben Shakespeare sah
und dort der Liebsten nah,
am anderen Abend,
als wir von oben die Mauer hinabsahn,
hinab in den Graben,
uns berührten, spürten,
bebend nah!

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Meine Jugend ging in Dir verloren!
Pegasus nun alte Schwingen,
sind grau und kurz geschoren!

Was bleibt denn nur?
Nur diese Tränen?
Augenblicke klagen, weinen.
Der Anlagensee mit seinen Schwänen,
Der Neckar voll von Stocherkähnen.
Erinnerungen – Perlen, die Kleinen
die plötzlich so lebendig scheinen.

Oh bin ich denn, nicht mehr lebendig,
pocht denn mein Herz nicht mehr?
Ists schon so kalt, so windig?
Ist mein Leben schon so leer?

Oh spendet mir die Wassertropfen,
damit der Flieder wieder wächst,
helft die vielen Löcher stopfen,
wo Wasser verschwindet, links und rechts.

Damit ich mich wieder erfrische,
die Welt wieder blinkt und strahlt.
Ich wieder mit Leichtigkeit vermische,
die Perlen langer Tage und Nächte.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
In Dir – da ist die Heimat
In Dir – da pulst das Leben
In Dir – da ruft mich jeder Stein!

Lass mich zu Dir fliegen,
zu Dir die Flügel heben,
schleunigst bei Dir sein!

Wol mich der stunde (Heinrich Hetzbold von Weißensee)

Wohlig die Stunde,
als von rotem Munde
mir Liebe geschah.
Der konnte mich fesseln
mit zartem Lächeln.
Ich sprach schon da:
„Ihr Mündchen, das freche,
das formt sich so fein,
als ob’s fünfe spreche,
sanft klingt es und rein.“

Ach, wer den küsste,
gewiss hat Gelüste
nach Freuden ohne Not.
Sein feines Gekose,
nie wurde die Rose
nur halb so rot.
Kehle und Hände,
weißer als Schnee!
Geliebt ohne Ende,
weshalb tust du mir weh?

Willst du mich zwingen,
weil ich dir singen
will, offen und klar?
Tröste mich – alleine
bin ich – der Deine,
der immer treu dir war.
Mein Zuckerküken,
rette und hilf mir – kräftig,
trautes Herz, dich drücken.
Ich lieb dich ewig, heftig.

Sumerzit, ich froͤwe mich din (Steinmar)

Sommerzeit, ich freu mich, Helau!
dass ich sie sehn kann und scherzen,
mit dieser süßen, glücklichen Frau,
sie liegt mir nahe am Herzen.
Eine Maid, die Kräuter
sucht und ich als ihr Geliebter
habe sie mir auserkoren,
zu ihrem Dienst bin ich geboren.

Warte, pass auf, auf dich!
Wer heimlich liebt, der hüte sich!

Sie war den ganzen Winter lang
versperrt, zum Ärger beider.
Nun führt zur Heide hinaus ihr Gang
und sie trägt Maienkleider.
Dort bricht sie Blumen für einen Kranz,
den sie zum Tanz
tragen will.
Dort kose ich sie viel – doch still.

Warte, pass auf, auf dich!
Wer heimlich liebt, der hüte sich!

Ich freu mich auf die schöne Stund,
wenn sie entschwindet in den Garten
und ihr roter Rosenmund
mir befiehlt, ich solle warten.
Da wird mir schon ganz wohl zumut,
weil sie die Mutter dann nicht hütet,
ihr – vor der ich mich sehr hüten soll,
leicht entsprang – wie wundervoll!

Warte, pass auf, auf dich!
Wer heimlich liebt, der hüte sich!

Da ich mich in Acht nehmen soll
vor deiner Mutter, deren List,
sei meine Liebste mutig, liebevoll,
damit du mich dann nicht nur küsst.
Brich ihren Widerstand, hüte
nicht das Haus, zeig mir deine Güte,
und solange ich lebe,
weißt du, dass ich dir Besitz und Leben gebe.

Warte, pass auf, auf dich!
Wer heimlich liebt, der hüte sich!

Steinmar, sammle deinen Mut!
Wenn ich mir diese edle Frau genommen,
sie ist so höfisch und so gut,
dann wirst du viele Ehren bekommen.
Dann gehörst du zu jenem besten Teil,
der von der Freude und dem Heil
dieser Welt wohl hören soll,
und das wäre ja doch wundervoll!

Warte, pass auf, auf dich!
Wer heimlich liebt, der hüte sich!

Saelig si diu heide (Gottfried von Neifen)

Gesegnet die Heide!
Gesegnet die Au!
Gesegnet der Vöglein süßer Gesang!
Blumen und Laub, beide
geben eine Modenschau
die der kalte Winter heute. fast durch den Frost bezwang.
Wie sie nun vor Freude ins Glück springen
So könnte ich mich auch durch Freude verjüngen,
mich trösten der rote Mund, für den mein Herz schon immer sang.

Mir war es meine Leiden,
die hätten ein friedliches Ende,
als der Bote sagte, ich solle selig, fröhlich sein,
könnte mich in Freuden weiden.
Mein Kummer lief in die Fremde
als ich glaubte, ihr glühend roter Mund träte ein,
in mein Herz und würde fröhlich mit mir lachen.
So könnte die Minne an uns beiden ein Wunder entfachen.
Minne tu was du willst mit mir, ich bin dein!

Roter Mund nun lach
dass meine Sorge verschwinde,
roter Mund nun lach, dass meine Sehnsucht vergeht.
Lach mit, nun mach,
damit ich Freude finde.
Roter Mund nun lach,
dass meine Freude fest steht
Weil Dein Lachen mitreißend ist,
nun dann roter Mund, lach für mich, weil du so gütig bist
Lächelnd und rosig, mehr braucht es nicht, seht!

Liebliche Hoffnung sing,
erfreu mich manche Stunde,
dass mich tröstet der rote Mund, den ich noch nie vergaß
Glück in der Liebe geling,
tanzt fröhlich Runde um Runde.
Es gibt auf der Welt, nicht noch mehr Spaß
Roter Mund hilf mir aus meinen Nöten
Niemand kann Dich außer Gott so erröten.
Gott schuf Dich voller Freude, schön im Ebenmaß

Wollte mir die liebliche Hehre
die Sehnsuchtsqualen niederringen.
Das nähme ich für den Vogelsang und für die leuchtenden Blumen her
und folgt sie meiner Lehre
gemäße Freuden zu mir zu bringen,
dann wäre meine Trauer krank und freuen würde ich mich immer sehr
Hilf mir gültige, süße Minne
bezwing meine Liebste, wie sie meine Sinne
bezwang, bis sie meine Pein bedenkt und gibt mir immer mehr.

Sumer, wis enphangen (Neidhart)

Sommer sei gegrüßt,
von mir hunderttausend Mal.
Die Herzen, die voll Qual
mit dem langen Winter rangen,
sind geheilt, ihre Leiden zersprangen,
sind nun befreit, die Not vergangen.

Herrlich kommst du, schwing
dich hinab zur Welt, in jedes Land,
bist zu allen Menschen gesandt.
Den Armen und Reichen verkündet,
dass der traurige Winter verschwindet –
ihr Jungen euch schmückt, zusammenfindet.

Der Wald hat seine Krambude
zum Mai hin aufgeschlagen,
und ich hörte sagen,
ihr dürft in guter Ware kramen:
kräftige, freudespendende Samen –
großzügig kauft sie, Männer und Damen.

Dort wird auch gegen Trauer
der Vögelchen Gesang
angeboten – ihr schöner Klang.
Davon nehme ich einen Teil:
Die singen Winterwunden heil,
sagt eine Alte, lustig und geil.

Der hatte die Minne
Herz und Sinn berauscht;
und ein Mädchen, das sie belauscht,
hat Übermut im Sinn und sagt zu ihr gewandt:
„Ei, Königin, wie vielen raubst du den Verstand!
Hab allen Grund, zu holen Salben und Verband.“

„Sie hat mich mit dem Pfeil tödlich getroffen,
aus Sehnsucht leide ich nun große Qual.
Er ist aus rotem Gold und nicht aus Stahl.
Mein Herz rast jetzt, und es ist offen –
viel Blut, viel Blut ist schon geflossen,
hat mir urplötzlich ins Herz geschossen!“

„Sagt, wie kam es dazu,
dass die Minne auf dich schoss?“
„Als sie Sehnsucht unsanft über mich ergoss,
da konnte sie ihren Wahn entfachen
und zwingt mich nun, über mein Leid zu lachen,
oft schlaflos, traurig, lange zu wachen.“

Die Junge verstand es gut,
dass bei der Alten jeder Gedanke
nach tiefer Erfüllung verlangte;
erhoffte, was auch ich so gerne täte, wählte –
wenn mich nicht schmerzliches Verlangen quälte –
das Glück, der herzlichen Liebe nicht fehlte.

Länger Arbeiten?

Die Deutschen sollen wieder rackern,
die haben Jahrzehnte nichts getan,
nun wird es Zeit wieder zu ackern,
und noch dazu – mit viel Elan!

Die lagen einfach zu Hause im Bett,
haben sich dort Geschichten erzählt,
die wurden stinkfaul und fett,
die haben immer die Falschen gewählt.

Die haben entschieden bei VW:
„Wir machen nicht auf Elektromobil!“
Die waren es, die sagten: „Nee!“
Deshalb crasht es kurz vor dem Ziel.

Weil alle nur noch Elektro wollen,
bis auf ein paar Deutsche – wurden alle schwach.
Dabei röhrten die Wägen doch aus dem Vollen,
der Ton von damals! – Aber ach!

Die Arbeiter wollten doch nur Benziner!
Die haben doch die Konzerne gelenkt!
Die Politik wollte es auch immer cleaner,
die hätte uns gerne Elektros geschenkt!

Doch die Arbeiter rannten nur in Fabriken
um an Kolben und Pleueln herumzuschrauben.
Solche Arbeiter kann man doch kicken!
Da kann man als Chef – nur schnauben!

Und Fabriken nach China verlegen –
doch auch da – will man sie nicht mehr!
Sie brachten Deutschland keinen Segen,
ihre Schädel sind nur hohl und leer.

Die Cinesen machen sie selbst – alle Teile
und deutsches Management braucht man dort nicht.
Das schwingt bald nur noch in Deutschland die Keule,
und löscht hier ein weiteres Licht.

Das haben sie schon öfter getan,
Bei Uhren, Textil, bei Solarpaneelen,
sie kamen öfter ab von der Bahn
in Zukunft – kann ich mehr aufzählen.

Und geht man weiter zum Krieg zurück,
dann lernt man: – Führer sind Verführer!
sie finden in der Welt kein Glück,
zum Glück! – Sind viele Verlierer.

Die schauen nicht in die Zukunft voraus,
die schauen auf ihr Portemonnaie.
Doch Kurzsicht zahlt sich einfach nicht aus –
am Ackern aber – lag es nie! – Nee! Nee!

Die Arbeiter sind in die Fabriken gerannt!
Oder haben sich alle nicht mehr beworben?
Haben alle die Zeit nur verbrannt?
Sind alle zu Hause – aus Faulheit gestorben?

Die Führung hatte keine neuen Ideen!
Sie hat das Alte nur wiedergekaut.
Sie ließ die Visionen ins Ausland gehen,
hat Neues gemieden, nach hinten geschaut!

Deshalb sollen wir nun rackern,
damit noch weniger Leute was denken.
Denn besser ist schwitzen, ackern,
anstatt vordenklich, entspannt zu lenken.

Wir brauchen den Hunger auf’s Neue,
dass man hier – das Unmögliche denkt,
dass man hier – hinausschaut ins Freie,
dass man hier – den Blick Richtung Zukunft lenkt!

Doch Ideen zählt man nicht in Minuten,
die springen manchmal aus dem Nebel,
Die folgen keinen geplanten Routen,
Und Arbeitszeit – ist der falsche Hebel.

Die Welt

Ach Liebste, ach mein Liebster Du,
ich hadre oft mit dieser Welt.
In der rast alles aufs Ende zu
und selbst das Schönste – zerfällt!

Überall lauert der sichere Tod.
Begrenzt ist alles, zu jeder Zeit.
Die Sorgen drücken und die Not.
Hier kommt man niemals weit.

Natur sie treibt mit uns nur Spott,
vertuscht das Leid mit bunten Scherben.
Kurz glaubt man dann an einen lieben Gott,
der doch Krankheiten erfand und elendes Sterben!

Die Erde hält uns fest, in einem Raum,
der endlos weit und furchtbar leer ist.
Ein riesiger, ewiger, wilder Albtraum:
Oft steinig, eisig, zu heiß, zu kalt, zu trist.

Nur von fern, ganz fern, ganz weit,
funkeln sie harmlos, die Sterne.
Leichte Pünktchen, was uns freut,
die sind so schön, die sehen wir gerne.

Doch etwas näher und gar nicht so nah,
dann tötet uns das Sternenlicht.
Von Zartheit ist dann nichts mehr da,
der Albtraum kocht, der Schein zerbricht.

Die Welt ist schon im Kern brutal,
mit viel zu viel Kraft, um zärtlich zu sein.
Oft furchtbar öde, kalt und kahl,
oft Wüste aus Feuer, Lavagestein.

In diesem Elend der Leere gedeiht,
verloren in diesem endlosen All
und von ihm bedroht, die ganze Zeit,
und manchmal kurz vor dem Zerfall –

das Leben! Pflanzen Tiere, Pilze,
die Archäeen, Bakterien, Viren zusammen,
vermengt mit Wasser, sie bilden Filze,
dünne Filme, dann weite Wälder, Savannen.

Sie tummeln sich im großen Meer!
Und sind füreinander Delikatessen!
Sie saugen einander gierig leer,
und jagen sich und fressen.

Das Leben frisst sich voll,
an sich selbst, die Lebewesen,
so schön sie sind und wundervoll,
sind Ausgeburten des Bösen,

sie töten, um zu überleben.
Sie nutzen dazu alle Tricks,
sie lernen feine Netze weben,
sie schlagen zu, ganz fix.

Die Zeit schärft ihren Körperbau,
durch fangen, fressen, fliehen,
durch Hirne werden sie schlau,
mit Augen um nach Feinden zu sehen,

um dicke Beute zu machen. Vieles entsteht,
nur unter dem Druck der feindlichen Welt,
nur weil ein rauer Wind hier weht,
die Umwelt leichte Wege verstellt.

So viel verdanken wir dem Grauen!
Erraubten, erkämpften den Intellekt
Einzelne, Gruppen – stechen und hauen,
der Weg zu uns – ist blutbefleckt!

Die ganze Welt – sie ist so eng!
Sie drückt in uns die Gewalt hinein!
So eisern ist alles, fest und streng!
Die Welt, sie hält uns kurz und klein!

Die Welt – sie ist nicht Eden,
die Existenz oft voller Qual,
die Tatsachen erzählen, reden,
beschreiben – ein großes Jammertal!

Gerade‘ der Mensch nutzt seine Einsicht,
oft nur dazu, um tief zu schaden.
Tötet, zerstört mit Absicht
freut sich daran, im Blut zu baden.

Gesetze sind oft nur ein Trick,
um die Gerechtigkeit zu biegen.
Die Macht drängt immer das Recht zurück,
erdrückt Verlierer, die am Boden liegen.

Ich hadere mit dieser Welt,
sie ist bestimmt nicht gut!
Hier, wo alles stirbt, zerfällt,
braucht es besonderen Mut!

Habt Mut! Habt Mut! Hier zu leben,
das war niemals Zucker schlecken!
Hier stehen Fallen, öffnen sich Gräben!
Doch lasst Euch nicht erschrecken!

Ihr dürft Euch nicht erschrecken lassen!
Ihr könnt der Welt ja nicht entkommen
Ihr könnt ihre Tiefe auch nie erfassen
Und was sie uns gibt, wird uns wieder genommen.

Doch Liebste und mein Liebster Du,
wir sind aus hartem Stein geschlagen!
Wir stehen auf, wir gehen in Ruh
auch bittere Wege, um Neues zu wagen!

Aus dunklen, riesigen, eisigen Wolken,
rieseln Flocken, in einen See,
voll Tränen und alle Blumen welken,
es fällt dort viel – so viel Schnee!

Die Welt sie ist gewaltdurchdrungen,
vom Fressen, vom gefressen werden,
die herrliche Welt – ist zersprungen,
scheint voller Leid, voller Beschwerden.

Da singt ein Vogel, ein Fröschlein quakt,
die Liebeslieder, die die beiden singen,
durchbrechen den Schmerz – gewagt
seh ich die zwei zum Weibchen springen.

Ein neues Motto wird entworfen,
die Lust, sich gut tun, bekommt seine Chance.
Das Hauen und Stechen wird kurz verworfen,
das Männchen, Weibchen geraten in Trance.

Die Schönheit steigt aus dem Meer,
die Schaumgeborene neigt sich uns zu,
sie hebt uns hoch, nichts scheint mehr schwer,
ein Tanz beginnt, zwischen ich und du.

DIe Blumen locken mit warmen Düften,
die Bienen tauchen in Blüten hinein.
Sie tragen den Pollen an ihren Hüften,
zu anderen Blüten, zu sich heim.

Sehr schöne Melodien entsteigen,
den kalten Seen, dem eisigen Meer
und einen kurzen Moment da schweigen,
die Leiden, die Liebe legt sich quer.

Die Liebe lässt keine Klage mehr zu,
wie sie uns mit Musik begeistert!
Trumpft auf, sie gibt keine Ruh,
das Leben wird mit Farben bekleistert!

Das Leben erhält durch sie seinen Sinn,
das Leben wird durch sie lebenswert,
oh gebt Euch leicht der Liebe hin,
und sträubt Euch nicht, begehrt!

Oh meine Liebste, oh mein Liebster Du,
lass uns die Augenblicke feiern,
die Guten, Schönen, den Träumen zu,
dorthin lasst uns rudern und steuern!

Arbeit wird überschätzt

Arbeit – Arbeit – wird überschätzt,
sie gibt deinem Leben keinen Sinn.
Sei sicher: Bist du alt und abgewetzt –
dann wirft man dich zum Abfall hin.

Der Sinn der Arbeit – ist Geld, ist Geld!
Doch denk nicht – Geld für dich!
Du lebst in keiner gerechten Welt,
man denkt hier niemals an dein Ich.

Du musst, um dir Erfolge zu holen,
viel in den Schein investieren.
Dein Branding bestimmt die Kohlen,
nicht wirkliche Arbeit – du wirst dich verlieren.

Es geht hier niemals wirklich um dich,
nur deine Maske ist wesentlich.
Doch du erkennst: Das bin nicht ich –
was wolltest du denn eigentlich?

Sicher, die Kohlen – die werden gebraucht,
doch musst du dich deshalb verbrennen?
Dann bist du tot, in den Wind verraucht,
bald wird dich niemand mehr kennen.

Auch ein sinnvoller Job bringt keine Millionen,
damit schlägst du nicht den Markt.
Er wird sich auch in Zukunft kaum lohnen,
wirst schnell entsorgt und weggeparkt.

Und das liegt nicht an deinem Chef,
auch der hat sich dem Markt verkauft,
ist ein Sklave wie du auf einem Schiff,
auf dem man um jeden Kreuzer rauft,

sich schlägt und schreit – doch nicht
sein Innerstes, sein Selbst noch spürt,
sein feines, alles empfindende Ich
hoffnungslos den Weg verliert.

Doch was ist das Eigentliche,
wenn Geld jeden Wert verliert?
Dann sucht man das Feste, Beständige,
ein Feuer, das man in sich spürt,

das brennt und etwas wissen will
und dafür über Grenzen geht,
die Mauern einschlägt, einreißen will,
etwas, das wild stürmisch weht.

Etwas, was man machen muss,
auch wenn es keinen Gewinn erbringt,
ein Wagnis, wie der erste Kuss,
ein Blitz, ein Schlag, der in uns dringt.

Etwas, was du einfach fühlst,
was dir niemand sagen muss,
wenn du in deinen Gefühlen wühlst,
stehst, watest im wilden Fluss.

Dann greif zu und denk an die Jahre,
die du schon jetzt verschwendet hast,
und denk an die Zukunft, die Bahre,
wenn du es heute nicht erfasst

nicht fängst den eigenen Fisch,
für den du doch dein Leben riskierst,
als Leibspeise auf deinen Tisch,
für den du keine Zeit mehr verlierst?

Denk dann nicht mehr an die Kohlen,
den ganzen Konsum, den du verpasst.
Der Teufel soll das alles holen –
dich hat dein Selbst, dein Ich erfasst!

Faul sein

Liege am liebsten lang gestreckt
zwischen weichen Daunenkissen,
werd von ihnen leicht bedeckt,
Entspannung, lass dich küssen!

Wie sanft das weiche, zarte Feeling,
so warme, herrliche Gefühle –
ich werf mich ins Bett in den Ring,
heraus aus der schrecklichen Mühle,

der Arbeitswelt mit zehntausend Regeln.
Zehntausend Küsse sind doch süßer!
In der Firma nimmt man mich zum Kegeln,
doch im Bett – da bin ich Genießer.

Vergesse alles und tue mir gut,
ich will nun schwelgen, einfach liegen.
Manchmal kocht dann hoch mein Blut,
oder ich träume vom Meer im Süden.

Alles ist jedenfalls aufgeräumt,
ich denke nicht mehr viel,
gefühlt wird, schön geträumt,
hier und da ein zärtliches Spiel.

Thomas – das kann doch nicht ewig gehen!
Nicht Ewigkeiten – ein einziger Tag!
Sich tief entspannen, Faulheit pflegen,
nur machen, was ich wirklich mag.

Ich tue nichts – das ist nicht schlecht,
mich beißt nicht mal mein großer Zeh.
Die geschäftige Welt ist ungerecht,
zerstört, konsumiert die Umwelt – oh weh!

Nein, das will ich einfach nicht!
Sie ist der Teufel, die Betriebsamkeit.
Ich bleibe faul, ein elender Wicht –
mein Bett gibt mir die Heiterkeit.

Ja, manchmal muss ich pupsen,
Bakterien, Hefen sind arbeitsam.
Das Gas – muss raus! Ein leichtes Schubsen,
nichts Lautes – leise und zahm.

Im Bett den Körper fallen lassen,
lange – und doch nur ein einziger Tag.
An diesem Tag muss ich nicht passen,
der Tag läuft so, wie ich es mag!

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