
Sommer sei gegrüßt,
von mir hunderttausend Mal.
Die Herzen, die voll Qual
mit dem langen Winter rangen,
sind geheilt, ihre Leiden zersprangen,
sind nun befreit, die Not vergangen.
Herrlich kommst du, schwing
dich hinab zur Welt, in jedes Land,
bist zu allen Menschen gesandt.
Den Armen und Reichen verkündet,
dass der traurige Winter verschwindet –
ihr Jungen euch schmückt, zusammenfindet.
Der Wald hat seine Krambude
zum Mai hin aufgeschlagen,
und ich hörte sagen,
ihr dürft in guter Ware kramen:
kräftige, freudespendende Samen –
großzügig kauft sie, Männer und Damen.
Dort wird auch gegen Trauer
der Vögelchen Gesang
angeboten – ihr schöner Klang.
Davon nehme ich einen Teil:
Die singen Winterwunden heil,
sagt eine Alte, lustig und geil.
Der hatte die Minne
Herz und Sinn berauscht;
und ein Mädchen, das sie belauscht,
hat Übermut im Sinn und sagt zu ihr gewandt:
„Ei, Königin, wie vielen raubst du den Verstand!
Hab allen Grund, zu holen Salben und Verband.“
„Sie hat mich mit dem Pfeil tödlich getroffen,
aus Sehnsucht leide ich nun große Qual.
Er ist aus rotem Gold und nicht aus Stahl.
Mein Herz rast jetzt, und es ist offen –
viel Blut, viel Blut ist schon geflossen,
hat mir urplötzlich ins Herz geschossen!“
„Sagt, wie kam es dazu,
dass die Minne auf dich schoss?“
„Als sie Sehnsucht unsanft über mich ergoss,
da konnte sie ihren Wahn entfachen
und zwingt mich nun, über mein Leid zu lachen,
oft schlaflos, traurig, lange zu wachen.“
Die Junge verstand es gut,
dass bei der Alten jeder Gedanke
nach tiefer Erfüllung verlangte;
erhoffte, was auch ich so gerne täte, wählte –
wenn mich nicht schmerzliches Verlangen quälte –
das Glück, der herzlichen Liebe nicht fehlte.
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