Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 12 von 19)

moderne Softwareentwicklung

Ich weiß, ich bin ein elender Wicht,
nur ganz dumm – das bin ich nicht!
Etwas Besseres – das ist schneller,
modernere Lampen brennen heller,

oder sind sparsamer im Verbrauch.
Das gilt für die Softwareentwicklung auch.
Vor tausenden Jahren, da wurde gerupft,
mit bloßen Händen das Korn gezupft.

Da kam einer und nahm sein Messer,
und siehe da, es ging schon weit besser!
Dessen Form nun noch verbessert geschmiedet,
damit man nicht so schnell ermüdet!

Dann Sensen und Rechen und Säcke erfunden,
und schneller drehen die Schnitter die Runden.
Der Pflug, der Korb, der Mahlstein, der Flegel,
die Bauern hissen ihre Segel!

Und segeln geschwind in alle Welt.
Fortschritt, Effizienz, voran! Man hält
nun Rinder, um den Pflug zu ziehen.
Immer mehr Leute, weniger Mühen,

für immer mehr, mehr als man braucht zum Leben,
um’s zu verkaufen, Nahrung weiterzugeben,
an die, die nicht mehr schuften, sondern denken,
der Menschheit die Schrift, die Zahlen schenken.

Immer weiter ging der Weg nach oben,
immer weniger haben mehr hochgehoben.
Weniger Menschen brachten mehr Korn,
man war stolz darauf und dachte nach vorn.

Viel später kam dann die Industrie,
die Traktoren, Mähdrescher erfanden sie.
Das Rind, die Pferde wurden ersetzt,
doch niemals das alte Gesetz verletzt!

Modern bedeutet: Man braucht nicht mehr,
braucht weniger, leichter wird’s – nicht schwer.
Moderne Methoden laufen nicht leer!
Doch heute liegen die Stangen quer.

Die moderne Entwicklung, die braucht doch heute
nicht weniger, sondern viel mehr Leute!
Sie braucht Betreuer um die Entwickler herum,
sonst fallen sie uns noch im Sitzen um.

Um jedes Programm schart sich ein Team,
die alle dran gemeinsam ziehn,
Entwickler die einen, die andren Betreuer,
die Chefs darüber schüren das Feuer!

Und Entwickler braucht man mindestens zwei,
besser noch sind es mindestens drei,
noch besser sind dann mindestens vier,
ach nein, man braucht viel mehr hier!

Man braucht gleich ein ganzes Heer!
Doch wo, nur wo, kommen sie her?
Vor allem dann, wenn die Alten
abserviert, sie nicht mehr mitgestalten?

Die besseren Tools, die brauchen halt viel,
so viel mehr, für das ganz große Spiel.
Wie moderne Traktoren, die brauchen nicht einen,
sondern mehrere Fahrer – sonst nützen sie keinem!

Das stimmt doch nicht! Die fährt doch Einer allein!
Einer bestellt schon viele Felder! Du träumst doch! Nein! Nein!
Doch! Auf dem Feld braucht man noch einen – der zuguckt!
Und einen, der froh – aus dem Fenster luckt!

Und einen, der dann immer aufschreibt,
was dieser Traktor auf dem Feld so treibt!
Man muss erst den Weg übers Feld besprechen,
und wer ihn nun führt, den modernen Rechen.

Da kann man sicher der Software verzeihen,
dass sie, was früher einer, jetzt schafft mit dreien.
Ein Traktor, modern, der braucht eben viel –
wie viel dann bei uns, beim großen Spiel!

Ein Traktor, ja, der ist kompliziert,
wird sicher nicht allein konstruiert.
Ja hinter dem Traktor steht die Industrie!
Thomas, bedenk das, vergiss es nie!

Damit sind viele Leute beschäftigt,
sehr viele denken, und das ziemlich heftig!
Viele tausend Traktoren, stabiles Metall,
zehntausend sogar, und in jedem Fall

hat auch die Industrie eine Software-Abteilung.
Auch dort zelebriert man den Tanz der Heilung,
den Tanz vieler Teams um den wenigen Brei.
Doch Fortschritt – nein! – Nur noch mehr Geschrei!

Berühmt werden will ich

Berühmt werden will ich
doch weshalb? – Wozu?
Was quäle ich mich

damit denn ab?
Denn auch dann
steige ich hinab!

Elend von Anbeginn,
elendes Streben nach mehr!
Es macht keinen Sinn.

Alle Türme zerfallen
an Sprachverwirrung,
wir alle krallen

uns am Sargboden fest!
Winden uns – das war’s also,
das war mein großes Fest!!

Ein großes Heulen! – Es war mehr
das Fest meiner Henker!
Ich war nur der Tanzbär,

der wie alle anderen tanzt.
Und wenige Bären tanzen vor –
was ans Lächerliche grenzt.

Den Bären war das Tanzen ernst!
Den Bären war es immer wichtig!
Kleiner Bär, tanz, damit du lernst,

du etwas Richtiges
wirst – was Tüchtiges,
was Wichtiges,

aus dir und deinem Grunzen
wird – und du bekannt

  • machst ein paar Münzen

mehr. Aber Sinn macht’s nicht,
wenn man das Wort zu weit fasst –
weiter, weiter als dieses Gedicht.

Denn heute ist es schon sinnvoll,
für morgen vorzusorgen,
sich um sich zu kümmern – hingebungsvoll,

bis zu dem Punkt,
an dem man über sein Ende
hinausspringt – und tunkt

die Nase ins Paradies
oder platscht in die Hölle.
Beides wäre ziemlich mies.

Also bleib ich, was ich bin,
versteck mich hinter Reimen,
werf glatte Strophen hin,

damit die anderen ausrutschen
und meinen ich – will Sinn!
Dabei will ich nur lutschen.

Nur mal lutschen dürfen.
Doch kann ich’s nicht bezahlen –
kostet zu viele Nerven!
Kostet zu viele Nerven!

Kälte

Kälte – verdammt, ich brauch was Heißes,
das mich in den Himmel hievt
Was Lautes, Wildes und nicht Leises,
Scharfes, das vor Geilheit trieft.

Kälte – nein ich wehr mich,
dreh nicht nur die Heizung nach oben,
ich kämpfe schreibend Strich um Strich
gegen Wolken und Regen die groben

Knechte solcher kalter Tage!
Oh kommt mir, kommt mir zu Hilfe
Doch wer? – Die Lust! – Ich nage
am Bleistift – oh süßer, feiner Gehilfe,

bring mir meinen Wahnsinn wieder!
Öffne mich dem Leben! – Gib Kraft!
Drück den ganzen Regen nieder,
verschließ die Wolken in Einzelhaft.

Gib mir den Himmel wieder frei!
Mach die Sonne wieder sichtbar!
Verschling den ganzen Wolkenbrei,
blau soll er sein, blau und klar!

Wilder Regen

So dunkel ist es
und so mächtig
türmen sich Wolken
über mir.
Grau in Grau, prächtig.

Depressiv, kein Rausch,
kein wilder Gedanke
peitscht durch meine elende Seele,
überspringt keine Schranke.

Was wollen wir?
Immer nur ständig zur Arbeit eilen –
grau und verschmiert bleibt trotzdem,
von der Sonne kein Schimmer!

Dass die überhaupt
noch über den Wolken leuchtet –
wenn man der Physik noch glauben darf –
eine echte Überraschung.

Es fällt mir schwer, darauf zu wetten,
bei dem Wetter!
Dass die nicht längst weg ist.

Erfolge

Ach ich weiß uns küssen Erfolge
oft in wilden Träumen nur.
Richtige Wege bedecken welke
Blätter und leer ist die frostige Flur.

Was soll das Wort Erfolg denn heißen
In einer Welt in der man verliert
In der wir stets zu Gräbern reisen,
man stirbt und danach nichts mehr spürt?

Erfolge sind sinnlose Schatten,
voll Hoffnung, dass man uns nie vergisst
zumindest nicht so, wie man die Ratten
nach ihrem Tod nicht mehr vermisst.

Frühlingsfest

Ein Gewusel in den Gassen
auf den Straßen – so viel los,
schoppen oder essen fassen
alles wirkt, ist bunt, ist groß.

Kinder ziehen Luftballons,
Männer sitzen beim Barbier
Frauen duften nach Flakons
Die Alten trinken immer Bier

Die Kinder trinken Cola
Holen rennend Schwung
Alter Franz und alte Lola
küssen sich zusammen jung

Sonne bläst in die Trompeten,
Taler fallen vom Geäst
Händler sammeln die Moneten,
alle jubeln heut – ein Fest!

Alles ist so schön so heiter
Alle grüßen geben Kuss,
Verse stricken Strophen weiter,
bis zum Ende, dann ist Schluss!

Grippaler Infekt

Ich bin erschlagen müde
Die Krankheit legt Gewichte auf,
belastet mich und rüde
quält sie im harten Verlauf.

Ich habe keine Schmerzen,
doch leichtes Fieber so heiß.
und keines tief im Herzen,
ein echtes Fieber – nicht nice.

Ich meinte: Halb so schlimm.
Doch stand ich erst am Anfang.
’Ne Pille rein – da nimm,
das stützt den Tag entlang.

Doch nein! Das Virus schlägt ein,
es schlägt wie wild drauf drauf,
Ich liege schwer wie Stein
und rappel mich selten auf.

Ins Bett darf ich nicht pissen –
hab Lust auf Mandarinen
will Süßes nicht vermissen
die Krone davon: Pralinen!

Die feinen Stücke trösten,
sehr ungesund, ich bin aber krank.
Die Viren wollen mich rösten!
Pralinen euch sage ich Dank.

Ein Haufen Elend träumt vom süßen
Leben auf einer schmucken Yacht,
vom Strand, vom Meer, Alpenwiesen –
das böse Virus, wie es da lacht!

und springt und zieht mir schwere,
Ketten – Mattheit – um die Brust.
Die Träume fallen ins Leere,
ich habe auf nichts mehr Lust.

Da geht nichts, geht nichts mehr.
Das Virus kocht, ich bleiche.
Es geht nichts, klebe wie Teer –
ich liege starr – eine Leiche!

Das ist das letzte Protokoll:
die traurige Todesballade.
Packt mein Grab mit Blumen voll –
voll Pralinen und Schokolade!

An den Frühling

Jag oh Frühling durch die Städte,
jag im Porsche durch die Welt,
Lieg bei mir im Jugendbette
und am Strand im Plastikzelt!

Frühling an den fremden Küsten,
am Hotelpool knallig heiß.
Saug Dich fest an Sommerbrüsten,
Schau Frühlingsschenkel zentnerweis.

Frühling will sein blaues Band,
entlang der Autobahnen tragen.
Bunte Bänder quer durchs Land
die im Winde flattern, schlagen.

Flattert es dann durch die Lüfte
Lacht der Frühling, springt auf Berge,
bekränzt auch dort noch ein paar Lifte,
Zufrieden sieht er seine Werke.

Die Technik bekommt ganz neuen Glanz,
der Frühling gibt ihr reichlich Sprit
und sie vergisst sich schließlich ganz,
reißt all die schönen Fabriken mit!

Reißt sie aus den Dörfern, Städten,
wie steinerne Tippiche wirbeln sie!
Blau sind nun die Maschinengärten,
Roboter tanzen! Sieht man sonst nie!

Frühling, Frühling mit welcher Wucht
hebelst Du die Ordnung aus!
Maschinen, Menschen, Tier und Frucht,
strömen zur Natur hinaus!

Taliban

Die Taliban verfolgen alle,
erst Frauen, nun Männer, sich selbst zuletzt.
Sie stecken in einer Falle,
der Teufel lacht – und Gott ist entsetzt!

Taliban! – Ich schuf euch doch!
Ich habe doch niemals Kleider geboten!
Nackt schuf ich euch – und immer noch
sind Babys nackt – und ihr meint: Verboten!

Ich schuf euch doch um frei zu sein,
ich schuf euch doch mit Hirn und Verstand!
Doch ihr schreit und schreitet: „Nein! Nein!“
Ihr bringt mich wirklich an den Rand

des Wahnsinns! – Wie schuf ich euch denn?
Wann habe ich je Nacktheit verboten?
Ich schuf euch vollkommen – alles hat Sinn,
lasst sie da weg – eure Pfoten!

Schneidet da überhaupt nichts rum!
Weder an Frauen noch Männern!
Ich mach da extra ’ne Haut drumrum –
und ihr, verstockte Kenner

der Biologie, schneidet wieder was weg?
Meint ihr, ich weiß nicht, was ich mache?
Das Ding hätte gar keinen Zweck?!
Meint ihr das ich darüber lache?

Ich bin der Herr – und vernichte euch!
Ich habe das alles gut geschaffen!
Und ihr meint und beschäftigt euch,
korrigiert mir meine ureigenen Sachen!

Ich schuf euch so, wie ich euch schuf!
Ich schuf euch nicht mit Kleidern!
Deshalb bin ich Gott – das ist mein Beruf!
Soll mich eure Dummheit erheitern?

Ihr könnt nur an der Kleidung mäkeln?
Ihr sollt verdammt noch mal Gutes tun!
Oder euch besser – in der Sonne räkeln,
entspannt mich fühlen und still sein und ruhn!

Meinen Gesetzen und Liedern lauschen,
verstehen, was euch die Wirklichkeit sagt,
nicht immer oben mit unten vertauschen –
obwohl ihr euch abmüht, habt ihr versagt!

Halloween

Im Frühjahr hab ich noch gelacht,
den Gott des Frühlings besungen,
nun scheint die dunkle Nacht,
mein Hochgefühl, es ist verklungen.

Im Frühling war es mir noch heiß,
da glühten mir die Wangen,
da malte ich im bunten Kreis,
noch all die Träume – sie zersprangen!

Nun ist er da – der November,
die düstere Nacht ist da,
ohne Hoffnung auf Lösung und Wunder,
die Toten sehr, sehr nah!

Nun steigen sie aus den Gräbern,
wir selber, wir fallen hinein.
Der Krieg er dröhnt mit furchtbaren Liedern,
er türmt Gebein auf Gebein.

Der Wahnsinn er ist wiedergekehrt,
Geschütze krachen, Raketen fliegen,
die Erde brennt – ein Flammenherd,
voll Menschen, vielen, gequälten, müden.

Und alles nicht erdacht, real!
Der Schrecken ist gar nicht zu fassen,
Keine Worte für all die Qual!
Vernichtung, sterben, alles in Massen!

Im Frühling – keine Erinnerung,
war alles damals nur geträumt,
nun Wirklichkeit – Zertrümmerung,
die Träume längst zur Seite geräumt.

Halloween – wir brauchen das nicht,
wir müssen uns nicht mehr verkleiden!
Real und wirklich, es gibt kein Licht!
Nur Dunkel, Tod und noch mehr Leiden!

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