Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 11 von 19)

Soldatenlied

Wir sind gar keine Helden
Wir sterben gar nicht gern
Wir haben bloß nichts zu melden
Wie wollen leben – wie unsre Herrn

Herren die sich für zu wichtig halten
um in einem Krieg zu sterben
Kerle die lieber Macht entfalten
die statt zu verrecken lieber erben

Ja das sind die Wichtigen
die kennen die Masche: Wichtig tun!
Die für den Tod zu Beschäftigten
die gern in ihren Villen ruhn

Leuchtende Sonne

Die leuchtende Sonne wird untergehen,
macht sich bereit für den Abend.
Bald wird sie beginnen zu sprühen,
erfreut uns und – in ihrer Röte badend,

wird sie in der Tiefe verschwinden.
Sie legt sich dort wie wir zur Ruh,
wird Glück und Entspannung finden.
Vielleicht träumt sie auch, wie ich und du.

Und dann kam irgendwann – irgendeiner
und riss dir deinen Traum aus der Brust:
„Ein Stern sei die Sonne!“ – „Beseelt?“ „Sei keiner!“
„Ein Gasball nur – ohne Verstand und Lust“.

Und sie ginge auch nicht unter,
die Erde wär es, die sich dreht.
Was träumt der Irre da putzmunter?
„Man kann doch sehn, dass sie untergeht!“

Doch irgendwann wissens fast alle,
dass man nicht immer sieht, wie’s ist.
Die Wahrnehmung ist oft eine Falle,
auch wenn du dir ganz sicher bist.

Doch mancher Wahn ist so resistent,
mit so viel Ängsten und Panik verbunden,
dass man noch heute Menschen verbrennt,
die sagen, sie hätten ihn überwunden.

Der schlimmste Wahn ist übersinnlich,
dagegen kann man kaum was machen.
Der ist nicht von hier, ist unüberwindlich,
kümmert sich um die ganz großen Sachen.

Der Wahn ist, zu Göttern zu flehen,
seien es mehrere oder nur einer.
Man kann es wenden und drehen,
am Ende bleibt dann immer – keiner!

Wie sollte er denn beschaffen sein?
Warum erschuf er nicht nur den Himmel?
Weshalb ist er grundlos zu Kindern gemein?
Warum erfand er Viren und Schimmel?

Weshalb muss sein Sohn uns erlösen?
Warum braucht er Propheten, Vermittler?
Warum muss er uns oft Furcht einflößen?
Der ist doch gut, kein Adolf Hitler.

Der ist doch weise und verständig,
der hat doch tiefes Mitgefühl.
Der hat uns geschaffen, auswendig
kennt er uns – und treibt doch ein Spiel?

Dass er verborgen ist und uns bestraft
und vor dem Himmel erst tüchtig quält?
Dass er nebenbei die Hölle erschafft,
und nie alleine kämpft, sondern auf uns zählt.

Auf die Gläubigen zählt, denn die müssen töten.
Gott selbst, der tötet nur selten, fast nie.
Sie glauben auch alles – ohne Erröten,
und Gläubige rufen: „Das ist Blasphemie!“

Gott selbst sitzt still, bescheiden im Dunkeln.
Wer Unsinn glaubt, hat den Test verfehlt.
Verständige sucht er in allen Winkeln –
hat bisher nur Atheisten erwählt.

Tote Asche

Wisst ihr, die Sonne singt
und die Erde lacht,
und alles, was daneben klingt,
das hat der Mensch gemacht.

Der hat die Welt zerschlagen
mit Kapital und Kohle,
schlug sich immer voller den Magen
und schrie immer – zum Wohle!

Der hat die Vielfalt geplättet
durch industrielle Monokultur.
Wenn der sich seinen Arsch noch rettet,
dann wär das ein Wunder pur.

Das hat es nie gegeben,
das wird auch nie so sein.
Weil wir am Alten kleben,
rasen wir ins Verhängnis hinein.

Wir rasen, wir beschleunigen,
Bremsen will nicht gelingen.
Wir werden uns erledigen,
die Welt knallend zerspringen.

Am Ende ruft man: Geld! Mehr Geld!
Noch schneller ist der Tod der Rasche.
Denn Geld, das ignoriert die Welt

die Hitze bleibt, der Zeiger fällt -,
die Sonne brennt auf tote Asche.

Wieder mal wieder Glückskamellen

Wieder mal wieder ein Wochenende
wieder vorbei – ein Wochenlauf.
Vergiss die Arbeit! – mach ne Wende,
träum oder steig in die Berge hinauf.

Ach Gott – ich geh’s gewöhnlich an.
Morgen wird erst einmal geputzt.
Vorher kommt der Einkauf dran.
Der Samstag der wird ausgenutzt.

Nur Sonntags kann man sich entspannen,
hat zumindest Aussicht aufs Glück.
Sammelt ein paar Blüten zusammen
und isst ein kleines Kuchenstück.

Warum muss man immer bescheiden,
so kleine Glückskamellen lutschen?
Statt sich am Glück besaufen – leiden?
Nicht von oben runter-rutschen

ins Glück sich stürzen – in einen Pool
voller Billionen großer Scheine.
Dagobert Duck – das wäre cool!
Nicht Lebenswege voller Steine.

Ach Glück – Thomas! Das ist nicht Geld!
das können keine Millionen erzwingen.
Das weißt du auch – in dieser Welt,
kann Glück nur klein dosiert gelingen.

Nur Augenblicke, höchstens Stunden,
danach ist man schon wieder im Tal.
Glück immer spärlich in Runden um Runden
und sicher wieder – beim nächsten Mal.

Verdampft

Immer wieder wieder Regen
der Dauerregen reibt mich auf
Er bringt zwar Pflanzen Segen,
doch auf mich schlägt er nur drauf!

Er macht mich kirre und zerlegt
Gedanken in kurze kantige Töne
ein Sturm der mich schlicht wegfegt
vor dem ich nieder falle und stöhne.

Kann nicht die Sonne wieder scheinen
mir öffnen mein dunkles, kaltes Grab?
Dann sitz ich auf – steh auf den Beinen,
rappel mich hoch, renne im Trab.

Umarme, küsse die Lust, die Triebe,
bade im Sonnensaft der Strahlen.
Ihre feinen, erbarmungslosen Hiebe
verbrennen mich in heißen Qualen.

Jetzt leuchtet, strahlt die ganze Welt!
Wie hell und blendend zucken Blitze!
Wenn dann der Regen wieder fällt
verdampft der einfach in der Hitze!

Sommerträume

Die Sommerwelt weit ausgebreitet,
von Freude und von Lust belebt,
der Horizont noch ausgeweitet,
ein Vogel, der über allem schwebt!

Das will ich sein und nicht so kleinlich,
die Tage mit Sandsteinen vollgestopft.
Nein! Hinauf in den Himmel! herrlich, reinlich
werde ich glücklich umgetopft.

Träume! Träume! Alles nur Luft!
So verwegen sie auch sind.
Ich bin Mensch, ein elender Schuft!
Und auf beiden Augen blind!

Ich weiß nicht, was die Welt von mir will,
ich hoff nur immer, dass es gut geht,
dass ich gelassen bleibe, eher still,
und mutig, wenn ein Sturm weht.

Was und wozu? Ich bin aus Erde!
Geformt dazu, zu überleben
in all dem Dreck und ohne Würde
und den Kopf – manchmal – in den Himmel heben!

Und ihn natürlich nicht verstehen.
Denn der hat sich selbst auch nichts gedacht.
Periodisch, immer am Kommen und Gehen,
aufwärts, abwärts – Tag und Nacht.

Die Bühne der Welt hat keinen Sinn,
es ist das Spiel, das Stück, das zählt.
Ich hoffe, dass ich ein Schauspieler bin,
der sich eine gute Rolle wählt.

Die beste Rolle die es geben kann,
wenn sich alles um mich verhakt.
Am liebsten liege ich dann
tief unten, stürmisch, wild und nackt.

Das ist schön, so heiß der Ritt,
so kurz die Augenblicke auch sind,
sie reißen mich dennoch so mit!
Ja – Ich bin Erde! – Und blind!

Ausgelöscht

Alles läuft mir gerade so quer
so ohne einen Sinn –
läuft rasant und leer
und rennt ohne Gewinn.

Jeder strengt sich nochmal an,
reibt, erhitzt die Welt,
reibt so lange er reiben kann,
als ob das Reiben was aufhält.

Doch noch leben wir ja bequem,
ballt es sich erst langsam zusammen.
Man kann zwar schon was brennen sehen,
doch sind es noch keine richtigen Flammen.

Doch wenn es richtige Flammen sind,
bleibt nur noch das Entsetzen,
die Funken – eilig verteilt sie der Wind
und Donner rasen und blitzen

und alle Unternehmenswerte –
helfen nichts – für das laute Geschrei
um Rettung als man Panik spürte,
ist die Zeit dann längst vorbei.

Die Wirtschaft war nie ineffizient,
sie holte viel zu viel aus dem Boden,
verteilts überall, dass es überall brennt,
ist sehr effektiv, beim Sägen und Roden.

Und niemals schrien wir: Genug!
Ein rasanter Höhenflug!
ein fataler Selbstbetrug,
ein letzter, allerletzter Zug

aus der qualmenden Kippe des Wahns,
im Engen, Begrenzten stets weiter zu wachsen,
die Hybris dieses unsinnigen Plans,

plötzlich wird der Luftballon platzen,

zerfetzt – und niemand hält dagegen,
gegen die ganze Welt voll Physik.
Die Hitze, die Strahlung, zerlegen
unsere Pläne, das schnelle Stück,

das ganze Theater um Aktien und Boni.
Was gar nicht zählt! – Nur pure Energie!
Planks Strahlungsformel, Geld doch nie,
Geld zählte nie – ist leere Magie.

Rasant war es! – In dreihundert Jahren

eine ganze Welt gekräscht!
Blitzschnell gegen die Wand gefahren,
immer rasanter – ausgelöscht!

Ein träger Tag

Es ist ein träger Tag.
Wie träge Tage mal so sind.
Trägt mich träg, so träg ich’s mag,
träg ist sogar schon der Wind.

Schon träg zum Frühlingsanfang.
Da sollte der Wind doch stärker sein!
Das fängt ja gar nicht gut an,
ein träger Wind! Nein, nein!

Der Träge trägt kein einziges Blatt,
kein Papierchen in die Welt hinaus.
Der schläft ja fast, wie ich, so matt.
Los, Wind! — Jetzt saus und braus!

Ich bin glücklich hier, so träg,
hab also gar nichts falsch gemacht.
Die Welt fliegt eh schon schräg,
dass sie bald ins Weltall kracht.

Da will ich’s nicht übertreiben,
die Hitze genügt schon jetzt vollkommen.
Da will ich sie nicht weiter treiben,
da liege ich bewusst, besonnen,

ganz bewusst: — Ich arbeite nicht!
Denn Arbeit zerstört, ist unerträglich.
Genauso Konsum — ist schlicht
sehr oft Verschwendung, unsäglich,

eine Revolution gegen den Verstand
sind alle Aktionen und Ideen,
die Neues kreieren. Verbrannt
ist alles dadurch — träge vergehen

die heiligen Stunden auf der Couch.
Ich habe längst keine Ideen mehr,
liege flach und lege zerknautsch’
meine Knochen zurecht. — Sehr

schön! Ich betrachte die Pflanzen,
das frische Grün im Zimmer.
Glück! Ein Traum vom harmonischen Ganzen.
Es fallen dicke Tropfen vom Schimmer

der Sonne in meine Trägheit hinein.

Leben

Lass Dein Leben ziehn
es verschwendet sich in Dir
Lass es brennen, glühn
Du bist einzigartig hier.

In Dir erkennt sich die Natur,
Dein Leben fasst sie zusammen.
Menschen allein auf weiter Flur,
erkennen woher sie stammen.

Erkenns auch Du und schau,
geh in die Welt zum Blumen pflücken,
misch Dich hinein in sie und trau
Dirs zu, es wird Dir sicher glücken.

Vielleicht nicht grad beim ersten Mal,
Du hast ja Zeit, ums gut zu lernen
Beim Zweiten, Dritten lohnt die Qual,
Du blickst hinauf, zu den Sternen.

Erkenn es einmal, immer wieder,
selbst dann, wenn alles schief geht,
zwingt Dich dennoch niemand nieder,
der einmal, wie Du, vorm Grab steht.

Erkenn auch Deine Abhängigkeit,
such sicheren Halt im Netz.
Verachte nicht die Geborgenheit,
die Sicherheit vor Blitz.

Erkenns und dann zieh,
die eigenen Schlüsse daraus,
vernichte nicht, zerstöre nie
Dein Dir anvertrautes Haus.

Besonders bewahre die Natur,
sie ist unsre Quelle, kein Beiwerk,
ohne sie, vergehn wir ohne Spur,
denn alles ist im All – ein Zwerg.

Warteschleifen

Warteschleifen sind der Wahnsinn!
Sie lassen die Tickets weit offen.
Wo wende ich mich hin?
Die Hoffnung auf Antwort – ersoffen!

Warteschleifen, wiederholen
Schritt für Schritt, nach und nach,
langsam wird die Zeit gestohlen,
der schnelle Weg zerbrach.

Warteschleifen – Bandmusik,
stets dieselbe Melodie
wann hört sie auf? Zum Glück,
war es keine Symphonie.

Warteschleifen – Autoreifen,
drehen sich gerne im Kreis,
wieder und wieder zum Hörer greifen,
sagen: Ich will…, ich heiß…

Hör oft monotones Tuten
oder werde flirtend heiß.
Doch die süßen Träume verbluten,
da sie am Ende auch nichts weiß.

Sie gibt mich eine Nummer weiter,
wo ich wieder etwas träume,
lache und gebe mich heiter,
während ich die Zeit versäume.

Warteschleifen – schnelle Antwort,
klingt nur einmal verheißungsvoll,
meldet aber oft: Bin fort!
Der Strand, der Pool ist toll.

Der Vertreter alles lösend,
soll das Blatt dann immer wenden,
und ist immer selbst abwesend,
niemand kann ihn finden.

Endlos ist das Warten, die Zeit
scheint sich auszustreichen
um aufzulegen, immer bereit,
dem Tod die Hand zu reichen.

Warteschleifen kalte Öfen!
Muss weiter Reime gebären.
Warteschleifen weitere Strophen
Wiederholung beschwören.

Warteschleifen – Unendlichkeit
Knoten, magnetische Zeichen,
die garantierte Sicherheit,
Ziele nie zu erreichen.

Warteschleifen – kosmische Wirbel,
Schleifenurgrund unserer Welt.
Was dreht die innerste Kurbel?
was formt sich und zerfällt?

Warteschleifen, Träume reifen.
nach Abbruch, Ende! Nur wie?
Wir lassen uns zu Tode schleifen,
auf dem ewigen Weg ins Nie.

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