Lyrik und Sound

Kategorie: Hell (Seite 4 von 6)

Wieder mal wieder Glückskamellen

Wieder mal wieder ein Wochenende
wieder vorbei – ein Wochenlauf.
Vergiss die Arbeit! – mach ne Wende,
träum oder steig in die Berge hinauf.

Ach Gott – ich geh’s gewöhnlich an.
Morgen wird erst einmal geputzt.
Vorher kommt der Einkauf dran.
Der Samstag der wird ausgenutzt.

Nur Sonntags kann man sich entspannen,
hat zumindest Aussicht aufs Glück.
Sammelt ein paar Blüten zusammen
und isst ein kleines Kuchenstück.

Warum muss man immer bescheiden,
so kleine Glückskamellen lutschen?
Statt sich am Glück besaufen – leiden?
Nicht von oben runter-rutschen

ins Glück sich stürzen – in einen Pool
voller Billionen großer Scheine.
Dagobert Duck – das wäre cool!
Nicht Lebenswege voller Steine.

Ach Glück – Thomas! Das ist nicht Geld!
das können keine Millionen erzwingen.
Das weißt du auch – in dieser Welt,
kann Glück nur klein dosiert gelingen.

Nur Augenblicke, höchstens Stunden,
danach ist man schon wieder im Tal.
Glück immer spärlich in Runden um Runden
und sicher wieder – beim nächsten Mal.

Sommerträume

Die Sommerwelt weit ausgebreitet,
von Freude und von Lust belebt,
der Horizont noch ausgeweitet,
ein Vogel, der über allem schwebt!

Das will ich sein und nicht so kleinlich,
die Tage mit Sandsteinen vollgestopft.
Nein! Hinauf in den Himmel! herrlich, reinlich
werde ich glücklich umgetopft.

Träume! Träume! Alles nur Luft!
So verwegen sie auch sind.
Ich bin Mensch, ein elender Schuft!
Und auf beiden Augen blind!

Ich weiß nicht, was die Welt von mir will,
ich hoff nur immer, dass es gut geht,
dass ich gelassen bleibe, eher still,
und mutig, wenn ein Sturm weht.

Was und wozu? Ich bin aus Erde!
Geformt dazu, zu überleben
in all dem Dreck und ohne Würde
und den Kopf – manchmal – in den Himmel heben!

Und ihn natürlich nicht verstehen.
Denn der hat sich selbst auch nichts gedacht.
Periodisch, immer am Kommen und Gehen,
aufwärts, abwärts – Tag und Nacht.

Die Bühne der Welt hat keinen Sinn,
es ist das Spiel, das Stück, das zählt.
Ich hoffe, dass ich ein Schauspieler bin,
der sich eine gute Rolle wählt.

Die beste Rolle die es geben kann,
wenn sich alles um mich verhakt.
Am liebsten liege ich dann
tief unten, stürmisch, wild und nackt.

Das ist schön, so heiß der Ritt,
so kurz die Augenblicke auch sind,
sie reißen mich dennoch so mit!
Ja – Ich bin Erde! – Und blind!

Frühlingsfest

Ein Gewusel in den Gassen
auf den Straßen – so viel los,
schoppen oder essen fassen
alles wirkt, ist bunt, ist groß.

Kinder ziehen Luftballons,
Männer sitzen beim Barbier
Frauen duften nach Flakons
Die Alten trinken immer Bier

Die Kinder trinken Cola
Holen rennend Schwung
Alter Franz und alte Lola
küssen sich zusammen jung

Sonne bläst in die Trompeten,
Taler fallen vom Geäst
Händler sammeln die Moneten,
alle jubeln heut – ein Fest!

Alles ist so schön so heiter
Alle grüßen geben Kuss,
Verse stricken Strophen weiter,
bis zum Ende, dann ist Schluss!

An den Frühling

Jag oh Frühling durch die Städte,
jag im Porsche durch die Welt,
Lieg bei mir im Jugendbette
und am Strand im Plastikzelt!

Frühling an den fremden Küsten,
am Hotelpool knallig heiß.
Saug Dich fest an Sommerbrüsten,
Schau Frühlingsschenkel zentnerweis.

Frühling will sein blaues Band,
entlang der Autobahnen tragen.
Bunte Bänder quer durchs Land
die im Winde flattern, schlagen.

Flattert es dann durch die Lüfte
Lacht der Frühling, springt auf Berge,
bekränzt auch dort noch ein paar Lifte,
Zufrieden sieht er seine Werke.

Die Technik bekommt ganz neuen Glanz,
der Frühling gibt ihr reichlich Sprit
und sie vergisst sich schließlich ganz,
reißt all die schönen Fabriken mit!

Reißt sie aus den Dörfern, Städten,
wie steinerne Tippiche wirbeln sie!
Blau sind nun die Maschinengärten,
Roboter tanzen! Sieht man sonst nie!

Frühling, Frühling mit welcher Wucht
hebelst Du die Ordnung aus!
Maschinen, Menschen, Tier und Frucht,
strömen zur Natur hinaus!

Wochenende wird es gekürzt?

Ich liebe es das Wochenende,
und hätt es gern viel länger
Am Besten wäre es ohne Ende.
Das wär ein echter Renner.

Doch nein – wird es gekürzt?
Merz ist alles zuzutrauen!
Schon der Gedanke, wie er schmerzt,
ist verrückt, ein Grauen.

Da müssen wir uns wehren
Sonst werden wir zu Sklaven.
Als ob wirs nicht schon wären!
Uns drohen ständig Strafen!

Wo würde ich gern Sklave sein?
Doch höchstens bei den Frauen.
Bei Merz niemals!! Da Schrei ich nein!
Der darf mich nie verhauen!!

Ich liebe es das Wochenende,
und hätt es gern viel länger
Am Besten wäre es ohne Ende
Das wär ein echter Renner.

Viel lieber mit den Enten schnattern
als mit dem Merz zusammen rackern
den alten Mann aus Sauerland
hat uns die Weltwirtschaft gesandt

Der kann nur Geld verdienen,
die gute Laune ist ihm fremd,
dem schmecken nur die sauren Mienen
der wilde Strom, ist abgeklemmt

Doch ich liebe Wochenenden,
und hätt sie gerne länger
Ja Feste sollen sie sein, nie enden,
und wilde Tänze, Dauerbrenner .

Ich liebe es das Wochenende,
und hätt es gern viel länger
Am Besten wäre es ohne Ende
Das wär ein echter Renner.

Ratschläge für den Mann

Was ist der Rat für einen Mann,
auf den er sich verlassen kann?
Was soll er tun und was soll er lassen,
um in unsere Welt zu passen?

Es gibt zu viele Richtungen!
Ein Wald hat immer zu viele Bäume!
Unübersichtlich, ohne Lichtungen!
Frauen haben zu viele Träume!

Also einfach aufgeben?
Unter vielen passt Eine allein?
Oder suchen nach den guten Reben,
sags mir Ratschlagsdschungelhain!

Hör einer Frau wirklich mal zu!
Und sag ihr auch mal – nein!
Sei konsequent, entscheide und du
sollst ausgewogen, respektvoll sein.

Und lass sie nicht zu viel von dir wissen!
Sonst kann sie nichts mehr hoffen.
Neues sucht sie, will spielerisch küssen,
ist auch für Abenteuer offen.

Doch genug der tollen Phrasen,
lasst uns froh und munter sein!
Lasst uns tollen wie die Hasen,
suhlen wir uns wie ein Schwein!

Sacre du printemps

Stravinsky – „Le Sacre Du Printemps“ https://www.youtube.com/watch?v=CrBt_D-iJjg&list=PLeJRCxHGs9sGTcBSJ9NjCuQJWv1BdR_fb&index=5 auch https://www.youtube.com/watch?v=aAQSQYdMeRQ

Das Eis der Flüsse knistert,
knackt, kracht und bricht entzwei,
die Schollen drängen nordwärts,
an langen Ufern vorbei.

Vögel fliegen von Süden ein,
es zwitschert wieder im Wald,
Sonne fällt in den Schnee hinein
und löst ihn auf ohne Halt!

Nur kurze Zeit noch! Geschmolzen
springt der Schnee in den Bach,
sieht man ihn sich über Steine wälzen,
sprudelt zusammen, wächst hundertfach.

Schnell, so schnell erblüht es,
keiner trauert und liegt brach.
Licht, die Sonne gießt es,
wirft es einem jedem nach.

Voller praller Sonne, wildem Spiel,
fehlt bald das Eis, die Blüte bricht,
alle überwältigt Gefühl,
alles will Licht, mehr Licht!

Leben explodiert, drängt und rast nach oben,
zetert, trillert, quakt und schnattert.
Licht, Strahl um Strahl! Hinausgeschoben
wird Blatt um Blatt. Ein Eichhorn ergattert

seine erste Nuss, herausgehoben
hat sich ein Keimling aus dem Samen,
öffnet breit sein Blatt zur Sonne,
sprosst hoch, sprengt seinen Rahmen.

Die Herzen hüpfen, tanzen, alles springt,
alles lacht, erschlägt seine Sorgen,
alles gelingt, es wächst, gedeiht und singt.
Jeder Tag ist voll, ein immer neuer Morgen.

Göttin Frühling, wie bist du so groß!
Du hast ja alles überflutet mit Werken!
Komm, binde uns die Winterfesseln los!
Halt deine Kraft nicht mehr verborgen!

Sei zugeneigt, uns gnädig,
gib uns ein leichtes, lichtes Los!
Sei mit uns morgens früh schon tätig,
zieh munter mit zum Säen los!

Erbarme dich und schenk für immer
so herrlichen Beginn am Tag.
Doch Ängste schick sie nimmer!
Send keine Krankheit, keinen Schlag!

Kein Verderben! – Diese Welt sei grün!
Wir müssen ihre Wallung bewahren,
fröhlich feiern, Furchen ziehen,
unsere Göttin soll sich offenbaren!

Sendet zu ihr eine mutige Seherin,
ein junges, unbeschwertes Mädchen,
hinauf zur großen Göttin hin,
als Weihgeschenk von Land und Städtchen.

Sendet sie, dass sie erfleht
weiter herrliche, schöne Tage,
dass es weiter – Prost! – so blüht,
weiter glänzt in herrlicher Lage!

Wie können wir die Götter erreichen?
Wer darf von uns zu ihnen ziehn?
Wann, auf welches Zeichen?
Welche von uns ist so kühn?

Seht! Keine will das Opfer sein!
Alle fliegen schnell aus dem Kreis.
Priester rennen, fangen ein,
alle rufen: „Um keinen Preis!“

Wie Vögel, die ins Weite ziehen,
stoben die Mädchen auseinander!
Eine davon, die hilft kein Fliehen,
umkreisen die Alten eng beieinander.

Versperren wie Adler ihren Weg
und jagen sie zurück zur Mitte.
Sie findet keinen Ausweg,
ihr hilft auch keine Bitte.

Tanzen muss die Junge, Schöne!
Reine Magd, durchjag den Abend,
durchjagt die finstere Nacht,
jagt auch am frühen Morgen.
Fall erst mittags in gleißender Pracht!

Damit die Götter, die große Göttin,
sich versöhnt mit ihrem Stamm, der Erde,
gibt sie sich tanzend hin,
nimmt auf sich schwere Bürde.

Tanzen muss sie, wirbeln,
wie Shiva durch das Chaos reiten,
schnell, ganz eng um die Achse zwirbeln,
ihre Arme ganz weit ausgebreitet.

Langsamer werden, höher springen,
rasend um den Tanzplatz sausen,
sich verbiegen, sich verschlingen,
Haare, Locken, Kleidung zerzausen.

Löst den Schopf, sie dreht,
wirbelt die Haare im Kreis herum.
Sturmwind, der durch sie weht,
schnellt gerade, klappt sich krumm.

Springt hoch, verschwendet
im Zusammenbruch ihr Leben.
In Trance, zitternd überwindet
sie den Abgrund, fliegt, bebt,

wankt, schwankt, fällt,
zitternd Schritt nach Schritt,
erschöpft zu Boden knallt –
dumpf. Ihr Körper kommt nicht mit!

Doch ihre Seele jagt nach oben, zittert,
sie fasst der Göttin Hand!
Donnern, Grollen, Erschüttern!
Sie steht im anderen Land!

Die Göttin küsst und grüßt sie,
umarmt sie, erfüllt sie mit Glück.
Nur ihren leeren Leib ließ sie,
Göttin nun selbst – zurück!

Sonnenaufgang

Die Sonne geht auf am Horizont,
zügig steigt sie, sehr gekonnt.
Sie steigt wird heiß und glüht.
Begeistert jede Blume blüht.

Jede Pflanze streckt ihr die Blätter entgegen
und schlürft aus ihrem Licht ihr Leben
Oh schöner, großer, glühender Ball,
so weit von uns weg, freischwebend im All.

Du weißt es nicht und wirst es nie wissen,
wie sehr wir dich, jede Nacht vermissen.
Doch nun bist du da und du steigst auf
und ziehst uns mit Dir ein Stück hinauf.

Und unsere Herzen jauchzen glücklich:
Die Sonne geht auf! Oh Endlich! Endlich!

Plakat

Ich träume von einem Plakat
das ich nur kurz schreiben muss
Und die Welt steht akkurat
glänzend da aus einem Guss.

Ich will die Arbeit sprengen
und rufen: Das ist vorbei
Schluss mit dieser engen
Welt wir sind nun frei!

Ja so will ich es schreiben
das soll uns beflügeln
uns tragen, bei uns bleiben
den Kampf eröffnen und besiegeln.

Dann dreht die Erde wieder richtig
so wie Milliarden Jahre zuvor
Wo sich niemand arbeitssüchtig
in kranken Phantasien verlor

Ich will die Arbeit sprengen
und rufen: Das ist vorbei
Schluss mit dieser engen
Welt wir sind nun frei!

Ich könnte zum Augenblicke sagen
Ei das wäre wirklich toll!
und müsste nicht weiter klagen
mein Krug, der wäre richtig – voll

Dann wäre ich wieder daheim
Am Morgen würde ich aufstehen
In einem schönen lieblichen Hain
In ebener Weite jagen gehen.

Später am Feuer wenn der Abend graut
würden einander Geschichten erzählt
ehrfürchtig in den Himmel geschaut.
Niemand hätt sich mit Steuern gequält

Die man bezahlt, zurückhält
Für die man viel, viel Zeit vergeudet
Tage verkauft die abgezählt
am Tode enden, wie man leidet

An Dingen die uns nicht verführen
Die dröge sind und glatt und eben
Die wir nicht tasten und spüren
Keine Geschichte erzählen und leben

Die uns von uns selber trennen
Zerlegen in Knochen, Fett und Haut
Um die wir tanzen und rennen
und schreien, klagen ständig laut

Weil sie uns keine Erlösung bieten
so wie uns schon ein flüchtiges Küssen
erlösen kann, wir ziehen nur Nieten
die wir dann teurer bezahlen müssen.

Lapidarium Stuttgart

Ich habe etwas sehr Schönes entdeckt
ein Kleinod in der Autostadt.
Kommt zu mir, Musen, zum Lied erweckt
mir was der Tag nur müde, matt

aus kleinen Augenwinkeln sah.
Hier liegt eine Reihe Dichter*innen,
als Grabaufnahmen ruhig da
die für uns magisch Zeit gewinnen

Mehr Zeit um ruhig zu entspannen
auch wenn die Autos draußen dröhnen
den Stress in dieser Ecke zu bannen
um langsamer zu schwimmen im Schönen.

Der Himmel ist zwar grau bedeckt
Doch das tut gut, ist angenehm
wird wie das beste Eis geschleckt
die Zeit gedehnt entspannt extrem.

Wie ruhig! Man will nirgendwo
anders sein, fühlt sich daheim
Mein Tinnitus selbst zirpte froh
im romantischen Dichterheim

Doch das ist nur ein kleiner Teil,
der Garten dehnt sich weiter aus,
teils geht es hoch auch steil
Neugier führt mich weiter hinaus.

Zu Skulpturen, die man aus Steinen schlug
die alt sind, aus Sand einer Wüste
die alt war, heiß war, kein Leben trug
wo keine Blume, kein Garten grüßte

Doch das ist unendlich lange her
das kann man einfach nicht glauben
Sand wird fest, wird Stein, ist schwer
und dieser Stein umrankt nun Lauben

bildet Bögen, biegt dünne Tore,
die hingesät sind ohne Plan,
dazwischen auch mal eine Amphore,
was haben die Maurer da getan?

Ruinen sollen es wohl sein
und alte graue Zeiten beschwören,
das stupst uns zu den Dichtern hinein,
dorthin, wo wir hin gehören.

Es geht noch etwas höher dort,
doch werden die Wege da schmal,
die Bäume tragen das Licht weit fort
Da schaue ich beim nächsten Mal.

Ich schaute zurück zur langen Wand
auf deren Verputz Steine schwimmen
wie Orden auf gelblich-beigen Tuchgewand
Einzelheiten kaum zu bestimmen.

Oh schon spät, die Zeit sie tickt,
pocht im Handy rasend schnell,
bin gleich fester eingestrickt,
auch vom Magen klingt Gebell.

Also zurück in die heutige Zeit
die Trockenheit der Firmenzahlen
gefeiert werden sie weit und breit
hinein in Stress und Zahlungsqualen.

Doch nicht mehr heute
erst kommt die Nacht
hier verschwinden die Leute,
das Eisentor kracht.

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