Lyrik und Sound

Kategorie: Tübingen

Erstes Gedicht

Tübingens erster schöner Tag
Die laue Luft ist angenehm
Manche schon im Grase lag
Und hat den Himmel angesehen

Tübingen und dieses erste
Gedicht das ich zärtlich schrieb
Für dich, es ist sicher das Kleinste
Indem ich auch nicht übertrieb

Und sicher das Liebste, welch ein Gefühl
Wie tief wühlt es in mich hinein
Es wurde auch kein kurzes Spiel
Ohne Dich das kann nicht sein

Ein Gefühl das mich noch heute
Aus weiter Ferne gleich zu dir führt
Wenn ich wieder den alten botanischen Garten durchschreite
Wie sehr hast du mich berührt

Das sind nun mehr als vierzig Jahre
Ein kurzer Zeitraum für die Welt
Tübingen du große, wunderbare
Zauberhafte, die mir gefällt

Ich tauche in dich und du verführst
Und ich gehe dir immer auf den Leim
Und wenn du mich zur Wiese führst
Atme ich auf und schreie: Daheim

Und auf der Wiese liegen Frauen
Wie damals ist es Frühling wieder
Der Winter jetzt ist kalt ein Grauen
Nur der Frühling schenkt mir Lieder

Die er durch den Winter durchschiebt
Wenn er mich winters mal besucht
Mir immer kleine Geschenke gibt
Für mich extra herausgesucht

In Tübingen

Die Vögel trillern so schön Lieder
und Gott! Wie ist der Himmel blau!
In Tübingen gibt es immer wieder
so herrliche Tage zart und lau.

Ja Tübingen ist eh immer schön!
Mir schlägt das Herz schon hoch beim Namen.
Bunt ist’s, froh und immergrün.
Vertrautes Bild im kleinen Rahmen.

Ich übertreibe sicher so zehn hoch zehn
Doch rauscht das Bächlein hier halt anders,
verwandelt mich bis zu den Zeh’n,
ich werde Teil des städtischen Wunders.

Ja, ja – ja, ja! – Doch halt! Mal langsam!
Da hat sich auch immer viel verändert!
Dort wo man früher immer hin kam,
steht nun nichts mehr, total geändert

haben sich seither die Clubs.
Ich trau mich da, längst nicht mehr rein.
Nur wenige bekannte Pubs
Dort schenkt man aus: nostalgischen Wein.

Es flog die Zeit, verbrannten Jahre
Ich kralle mich am Vergangenem fest.
Und hüpf jetzt mutig von der Bahre!
Der heutige Tag ist auch ein Fest!

Ein großes Fest aus Licht und Farbe,
der Spatzen und der Amsellieder.
Aus Kaffeegeschmack oder der herbe
des Biers, dem milden Duft von Flieder.

Es ist doch: Jetzt! Jetzt! Spür den Wind,
der über die warmen Pflaster weht
und feir – feir, dass wir lebendig sind!
So vieles ganz, ganz neu entsteht!

Zoo

Überwuchert, ganz verwildert

liegt der „Zoo“ nun da,
nicht wie ihn Erinnerung bebildert,
wie ich ihn damals sah.

Damals tanzten wir Nutbush
standen Schlange vor der Türe
Wie ich Vergänglichkeit – husch,
den Verfall jetzt spüre!

Es gibt keine Erlösung,
auch Neues wird wieder vergehen
Genieße jetzt! – Auch keine Lösung
will man für länger bestehen.

Aristoteles meint: Wählt die Mitte
dort ist es sicher – zwischen den Büschen
Individuum und Sitte
dürfen sich dort vermischen.

Ammergasse

Ammergasse

Die Ammer, ein kleines Flüsschen,
eingefasst in einen Kanal,
überquert von Eisenbrückchen,
bei jedem Haus zumindest einmal.

Am Abend, wo schon Lichter schauen,
aus den Fenstern dort hoch oben.
Vom Himmel, dem schon dunkelgrauen,
hell erleuchtet abgehoben,

Im ersten Stock, im Storchen,
da hörte ich ein Lachen.
Ein Blick nach oben, horchen,
Erinnerungen entfachen.

Geh mal dort wieder hoch!
Locken mich innere Stimmen.
Den kennst du doch noch,
den Bienenstock von innen.

Natürlich sind fast alle jünger.
Kerl so alt bist du ja schon!
Doch die Freude ist nicht geringer.
Das Leben läuft hier nicht davon.

Geruch im Storchen

Ich habe etwas gerochen,
am Moder vergangener Zeit.
Vergangenes wurde besprochen
und dieser verhexte Dämon schreit

und spuckt mir Bilderfolgen aus.
Hab manche schon so oft erinnert.
Ein kleiner Blumenstrauß,
der voller Wehmut wimmert.

Nun komm jetzt, reiss dich zusammen!
Der Tag, der Letzte, er ist noch nicht da!
Entzùnde neue Ideen und Flammen.
Die Welt ist zugänglich und nah!

Sie riecht nach Braten und Speck.
Sie riecht nach Rosen und Veilchen.
Sie tanzt und zaubert Glück,
zumindest noch ein Weilchen

Tübingen

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Wo Liebe erste Knospen schlug.
Mich Pegasus auf seinen Schwingen
zur schönen Aphrodite trug.

Ins Paradies hinein in den „Zoo“,
wo ich die Unschuld ganz vergaß,
verbrannte lichterloh
und atmete und dort genas.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Die allererste Erinnerung:
Als kleiner Junge,
die Neckargasse hoch,
die Stützmauer der Stiftskirche entlang,
um sie herum,
zur Treppe am Holzmarkt.
Ein Ausflug mit der Oma,
sonst alles vergessen.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Du süßer, toller Venusberg.
Wo Tage und Nächte ineinander springen
Du Festung, Bollwerk

gegen die reine Realität.
Ich Alter jetzt, damals so jung,
einer der in der Freude brät,
alles voller Leben, voller Schwung!

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Zur Schule mit dem Zug.
Zurück aus der Schule zum Busbahnhof,
zurück zu Fuß, die ganze Strecke von Derendingen her.
Die Busfahrt danach am Abend
zurück ins Dorf,
ans Ende der Welt,
lange vor langer Zeit.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Die Milchkaffees im ‚Storchen‘.
Die Milchkaffees will ich besingen,
muss tief hinein in sie horchen.

Erzählen mir von Stunden,
die ich dort schreibend saß,
um (mathematische 😉 ) Strukturen zu umrunden,
noch öfter aber Zeitung las.

Oh ‚Storchen‘ Heimat am Nachmittag,
am Abend, bevor’s zur Nacht losging.
Bevor er aufging, der Taubenschlag,
man andern Orts, zusammenhing.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Als ich im Schlossgraben Shakespeare sah
und dort der Liebsten nah,
am anderen Abend,
als wir von oben die Mauer hinabsahn,
hinab in den Graben,
uns berührten, spürten,
bebend nah!

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
Meine Jugend ging in Dir verloren!
Pegasus nun alte Schwingen,
sind grau und kurz geschoren!

Was bleibt denn nur?
Nur diese Tränen?
Augenblicke klagen, weinen.
Der Anlagensee mit seinen Schwänen,
Der Neckar voll von Stocherkähnen.
Erinnerungen – Perlen, die Kleinen
die plötzlich so lebendig scheinen.

Oh bin ich denn, nicht mehr lebendig,
pocht denn mein Herz nicht mehr?
Ists schon so kalt, so windig?
Ist mein Leben schon so leer?

Oh spendet mir die Wassertropfen,
damit der Flieder wieder wächst,
helft die vielen Löcher stopfen,
wo Wasser verschwindet, links und rechts.

Damit ich mich wieder erfrische,
die Welt wieder blinkt und strahlt.
Ich wieder mit Leichtigkeit vermische,
die Perlen langer Tage und Nächte.

Oh Tübingen, Tübingen, Tübingen!
In Dir – da ist die Heimat
In Dir – da pulst das Leben
In Dir – da ruft mich jeder Stein!

Lass mich zu Dir fliegen,
zu Dir die Flügel heben,
schleunigst bei Dir sein!

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