Lyrik und Sound

Kategorie: Stuttgart

Neckargarten

In Cannstatt gibts nen Neckargarten
den habe ich für mich entdeckt
Es gibt dort Spätzle, Salate – verschiedene Arten
Maultaschen – alles – was Hunger weckt.

Der Garten liegt nicht weit vom Neckar
nicht weit auch vom Theaterschiff,
schöne Tage, es schmeckt lecker,
die Sonne hat mich hier im Griff.

Ich höre die Autos der Straße,
das Zwitschern der Menschen im Garten
die leeren die Halben und Maße.
und manche können nicht warten,

bis die Gläser vor ihnen stehen,
bis sie sich Prosit, zum Wohle sagen,
Erholung suchend zur Sonne sehn,
das Leben liebend, zu leben wagen.

Viele Worte verschmelzen zum Quaken,
interferieren wie Wellen im Fluss
öfter haha und manchmal ein Quicken,
und etwas verstehen – eine harte Nuss.

Ich bin da und betrachte,
schaue mir ihr Treiben an,
nichts ist, wonach ich trachte,
und irgendwann – geh ich dann.

Lapidarium Stuttgart

Ich habe etwas sehr Schönes entdeckt
ein Kleinod in der Autostadt.
Kommt zu mir, Musen, zum Lied erweckt
mir was der Tag nur müde, matt

aus kleinen Augenwinkeln sah.
Hier liegt eine Reihe Dichter*innen,
als Grabaufnahmen ruhig da
die für uns magisch Zeit gewinnen

Mehr Zeit um ruhig zu entspannen
auch wenn die Autos draußen dröhnen
den Stress in dieser Ecke zu bannen
um langsamer zu schwimmen im Schönen.

Der Himmel ist zwar grau bedeckt
Doch das tut gut, ist angenehm
wird wie das beste Eis geschleckt
die Zeit gedehnt entspannt extrem.

Wie ruhig! Man will nirgendwo
anders sein, fühlt sich daheim
Mein Tinnitus selbst zirpte froh
im romantischen Dichterheim

Doch das ist nur ein kleiner Teil,
der Garten dehnt sich weiter aus,
teils geht es hoch auch steil
Neugier führt mich weiter hinaus.

Zu Skulpturen, die man aus Steinen schlug
die alt sind, aus Sand einer Wüste
die alt war, heiß war, kein Leben trug
wo keine Blume, kein Garten grüßte

Doch das ist unendlich lange her
das kann man einfach nicht glauben
Sand wird fest, wird Stein, ist schwer
und dieser Stein umrankt nun Lauben

bildet Bögen, biegt dünne Tore,
die hingesät sind ohne Plan,
dazwischen auch mal eine Amphore,
was haben die Maurer da getan?

Ruinen sollen es wohl sein
und alte graue Zeiten beschwören,
das stupst uns zu den Dichtern hinein,
dorthin, wo wir hin gehören.

Es geht noch etwas höher dort,
doch werden die Wege da schmal,
die Bäume tragen das Licht weit fort
Da schaue ich beim nächsten Mal.

Ich schaute zurück zur langen Wand
auf deren Verputz Steine schwimmen
wie Orden auf gelblich-beigen Tuchgewand
Einzelheiten kaum zu bestimmen.

Oh schon spät, die Zeit sie tickt,
pocht im Handy rasend schnell,
bin gleich fester eingestrickt,
auch vom Magen klingt Gebell.

Also zurück in die heutige Zeit
die Trockenheit der Firmenzahlen
gefeiert werden sie weit und breit
hinein in Stress und Zahlungsqualen.

Doch nicht mehr heute
erst kommt die Nacht
hier verschwinden die Leute,
das Eisentor kracht.

Karlshöhe Stuttgart

Hab vom alten Karl von der Höhe
weit in die Stadt hinunter geschaut
ich nahm die Treppe hinauf hatte Mühe
doch reizend der Ausblick so unverbaut

Bin nun dem Arbeitstag entkommen
und trinke hier ein fröhliches Bier
ich habe mir eine Halbe genommen
noch ich dazu, ergibt’s ein Tier.

Ein Tier das sich entspannt genießt
das seine Plage ganz vergisst
die Stadt von oben freundlich grüßt
nicht mehr in Arbeitsmaßen misst.

Das sich nicht kreuzigt und verkommen
noch weiter mit der Arbeit beschmutzt
das alle Kohlen die zu ihm kommen
sammelt und sich niemals putzt.

das hungrig ist und hungrig bleibt
und gierig für Geld alles tut
das dermaßen übertreibt
niemals schwelgt oder ruht.

Thomas sei wenigstens jetzt nicht gierig
wenigstens jetzt an die Liebe denken
aber auch die Liebe ist schwierig
wohin also in Gedanken schwenken?

Ich schwenke von oben über die Stadt
über viele Häuser, Dächer, Fenster
alles pastellene, leicht schon matt.
Schon wieder Herbst, schon wieder bald finster?

Nein! – noch ist August, August
Nur ein kurzer leichter Regentag
Vor mir wächst ein Baum voll Lust
spreizt Blätter ins Licht hinein in den Tag

Doch hör von unten drängt Verkehr
brummend durch die Bäume herauf
Ja diese Stadt keucht unten schwer
doch hört hier oben einfach nicht drauf.

Blick Dich um zu den wenigen Gästen
Die haben sich auch nach oben verirrt
Um sich an der Ruhe hier zu mästen
ein Vogel kiebst und schwirrt

Ja denk an den Frühling hier im Sommer
damit er nicht so schnell vergeht
und an den Wein im Voraus nicht an den Jammer
der alles zerfetzt und niedermäht.

glücklich lass den Blick jetzt ziehen
von diesem Hügel in die Tiefe
noch ist alles prall so bunt und grün
und sendet allen liebe Grüße!

Turmbau zu Stuttgart

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutsche-bahn-bahn-verschiebt-start-von-stuttgart-21-offenbar-auf-ende-2031/100235424.html

An Stuttgart Einundzwanzig dem Wunder
baut man bald einundzwanzig Jahre.
Doch schon der alte Bahnhof, Plunder,
brauchte vierzehn – viele Haare

fallen Gläubigern, Planern noch aus
Bis das verwirrende Werk gelingt
Ein Zug aus dem Kessel heraus
durch Tunnel sich zur Alb hoch schwingt.

Beim Alten kam ein Krieg dazwischen,
und auch noch eine Inflation
das will ich nicht beiseite wischen,
doch was sind die weiteren Jahre schon!

Im Vergleich zur großen Pyramide
Die Ägypter, fleißig, nie müde,
in dreißig Jahren hoch auftürmten.
Auch um Kathedralen stürmten

peitschten Regen Jahrhunderte
bis einer plötzlich – fertig! rief.
Das heute tief bewunderte,
lief früher öfter erst mal schief.

So wie der schiefe Turm von Pisa,
über hundert Jahre stand der da,
und niemand setzte einen Stein,
da war er grad drei Stockwerk klein.

Erst dann hat man sich höher getraut
noch ein paar Stockwerke drüber gebaut,
doch weit tiefer als geplant,
der Abschlusstein sein Plätzchen fand.

Der Bahnhof Stuttgarts gedeiht also gut,
auch wenn es wohl noch Jahre geht,
zum Turmbau zu Babel gehört eben Mut
mal sehen wie lange er danach noch steht.

An Stuttgart Einundzwanzig dem Wunder
baut man bald einundzwanzig Jahre.
Doch schon der alte Bahnhof, Plunder,
brauchte vierzehn – viele Haare

fallen Gläubigern, Planern noch aus
Bis das verwirrende Werk gelingt
Ein Zug aus dem Kessel heraus
durch Tunnel sich zur Alb hoch schwingt.

Beim Alten kam ein Krieg dazwischen,
und auch noch eine Inflation
das will ich nicht beiseite wischen,
doch was sind die weiteren Jahre schon!

Im Vergleich zur großen Pyramide
Die Ägypter, fleißig, nie müde,
in dreißig Jahren hoch auftürmten.
Auch um Kathedralen stürmten

peitschten Regen Jahrhunderte
bis einer plötzlich – fertig! rief.
Das heute tief bewunderte,
lief früher öfter erst mal schief.

So wie der schiefe Turm von Pisa,
über hundert Jahre stand der da,
und niemand setzte einen Stein,
da war er grad drei Stockwerk klein.

Erst dann hat man sich höher getraut
noch ein paar Stockwerke drüber gebaut,
doch weit tiefer als geplant,
der Abschlusstein sein Plätzchen fand.

Der Bahnhof Stuttgarts gedeiht also gut,
auch wenn es wohl noch Jahre geht,
zum Turmbau zu Babel gehört eben Mut
mal sehen wie lange er danach noch steht.

Weltcafé – Stuttgart

Im großen Hof dem Viereck
da steht ein Weltenbaum
verheißt uns Kaffee, Glück
ein grünes Dach, den Traum
In Stuttgart Ruhe zu finden,
eingelegt in volle Straßen
sich an diesen Baum zu binden,
es fehlen nur die Hasen,

die Murmeltiere, Berge,
deshalb bezweifele ich die Ruhe!
Es gibt hier keine bösen Zwerge,
keine Riesen, Zauberschuhe.
es gibt Mercedes hier und Porsche,
ich hoffe noch für lange,
denn China, der wilde, forsche
starke Staat, der macht mir bange.

in diesem kleinen Weltcafé,
dreht die Erde auf der Stelle
und draußen schneller, schneller als je,
schwimmen weg die Felle
die Stadt hat schon gekürzt
Kultur wälzt sich in Schmerzen
die Einnahmen sind abgestürzt
da wird es schwer zu scherzen

Da sitzt man nun im Weltcafé
betrachtet diesen Baum
ein Weltenbaum am Tränensee?
Wächst hier Zukunft noch in den Raum?

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