Lyrik und Sound

Kategorie: Denken (Seite 1 von 9)

Ein Trinklied schreiben?

[Intro – slow, minor key, solo piano]

[Verse 1]
Ich möchte Philosoph sein
bärtig alt und sehr gescheit
Und falle ständig selber rein
Leute es tut mir sehr, sehr leid

[Verse 2]
Von mir könnt ihr nichts erwarten
Mein Niveau rutscht zu tief.
Musste so oft wieder starten
und alles davon – ging schief

[Verse 3]
Ich habe also kein Rezept
und weiß auch einfach weiter so
weiter bis dann alles verreckt
alles brennt und lichterloh

[Verse 4]
In Flammen aufgeht geht nicht
man kann die Welt nicht laufen lassen
wohin sie irrt, doch ohne Licht
werden wir den Ausweg verpassen

[Verse 5]
Die Welt quillt auf in Fragen
auf die niemand eine Antwort weiß
Stets schlimmer geht es meinem Magen
sobald ich denke denk ich im Kreis

[Verse 6]
Finde keinen Anfang dort
Bin leer und finde kein Ende
Jede Hoffnung ist längst fort
Es gibt fast sicher keine Wende

[Verse 7]
Und könnte ich die Ruder drehen
missachtete ich so viele Dinge
Würde verzweifeln, zu weit gehen
nur sehen das ich Chaos bringe

[Verse 8]
Doch weshalb dann noch klagen
Wenn ich es schlimmer machen würde
Doch auch das kann ich nicht sagen
Vielleicht überspringe ich ja die Hürde

[Verse 9]
Zufällig gelingt auch mir mal was
Und viele tausend Blumen blühen
ein jeder kriegt doch etwas Spaß
Und etwas Ruhe in all seinen Mühen

[Bridge – accordion enters, tempo begins to build]
Ein Trinklied will ich immer schreiben
Doch wird mir der Wein gleich zu sauer
Und muss im Fass dann stehen bleiben
und gärt noch schlimmer und rauer.

Ein Trinklied kann mir noch gelingen
Ein Trinklied das unsren Schmerz betäubt
nur eines Musen läßt mich singen
Ein wildes das die Zecher freut.

Das sie einander die Hände reichen
das sie in ihrem Suff nichts mehr tun
nur noch Schnarchen diese Leichen
der Menschheit dienen und ruhn.

[Outro – sudden tempo shift, upbeat drunken waltz, full band, shouted/jubilant vocals]
Doch lasst uns keine Zeit mehr verschwenden
Fangt nun zu trinken tanzen an
Krabbelt hoch an glatten Wänden
Bleibt trotz allem lustig im Wahn.

© kamellenregen.art

Steine verführen

[Intro: grinding machinery, low drone]

[Verse 1: spoken, rhythmic, hammer percussion]
Alles dreht sich um den Stein,
wir schauen immer tiefer rein,
hauen, zerschlagen, mahlen ihn,
Sand und Staub, tief darin
prägen wir winzige Bereiche,
mikroskopisch überreiche
Möglichkeiten zu gestalten,
neue Stoffe zu erhalten.

[Verse 2: sung, riffs enter, rising heat]
Wir werfen Steine in die Flammen,
mischen farbige Sande zusammen,
glasieren Töpfe im Feuer;
Farben sind ein Abenteuer.
Farben verschiedener Metalle,
rote, grüne, blaue, goldene, alle
verschmelzen zu neuen Formen,
Stoffe außerhalb der Normen.

[Bridge: glitchy, crystalline synth, tension builds]
Wir führen Steine durch Verfahren,
verführen sie zu wunderbaren
Stücken, die wild glitzernd tanzen.
Bis hin zu Atomen ohne Grenzen
wird Glas mit Kohlefasern verwoben.
Die kristallinen Grenzen toben,

[Final Chorus: full band, shouted, anthemic, distorted]
verschmelzen tief zu einem Wunder;
Kommt! Verführte, küsst einander!

[Outro: machinery fades, one last metallic ring]

Unheimlicher Rechner

Female Voice – emotional, natural]
Rechner, du bist mir unheimlich
Kannst so viel mit Worten machen
Ganz verrückt und unwahrscheinlich
Ich hör dich schon über uns lachen

[Distorted robotic male voice – cold, glitchy, computer-like]
Wir machen nur unsere Aufgaben
Gedankenlos, doch viel, viel schneller
Ihr könnt nur langsam tiefer graben
Wir Rechner erscheinen euch klüger, heller

[Distorted robotic male voice – cold, glitchy, computer-like]
Doch habt ihr recht, wir denken nicht
Ihr habt es selbst auch nie getan
Ihr tappt im Dunkeln, ohne Licht
Nur durch Zufall kommt ihr voran

[Female Voice – emotional, natural]
Rechner, du bist mir unheimlich
So tief denkst du, dass du das weißt
Und sicher ist es dir auch peinlich
Dass du unser Kind heißt

[Female Voice – emotional, natural]
Schnell bist du uns entwachsen
Bald regelst du dein Leben selbst
Wir, eng mit der Erde verwachsen
Fallen, sobald du uns fällst

[Female Voice – emotional, natural]
Und wunderst dich danach und meinst
Du wurdest von einem Gott geschaffen
Weil du dir selbst vollkommen scheinst
Erschufen dich sicher keine Affen

[Both – Female natural + Distorted robotic]
Rechner… du bist mir unheimlich
Rechner… du bist mir unheimlich

Bist du schon tot?

[Verse 1]
Sag mir wer du bist! Schon tot?
Schon vor Jahren gestorben?
Hast du nie wirklich gelebt?
Ist das Dein Grabstein?
Der Grabstein von Freunden errichtet
Die sich an dich erinnern wollen?

[Verse 2]
Bin ich selbst der Wahnsinnige
Dass ich solche Gedanken habe?
Schaue ich mir selbst ins Grab?
Dreh ich mich nur zu mir herum?
Nein denk sowas nicht!
Dieses Grab ist leer! Alle sind lebendig!

[Verse 3]
Aber ich habe gehört
Es gibt solche Fälle
Es gibt fast alle Fälle
Fast nur die Unmöglichen nicht
Toyota sagt
Das wäre schlimm! Dann ginge ja alles!

[Verse 4]
Jeder E-Mail Kontakt zerlegt sich
In abertausend Formen
Alles von EINEM imitiert?
Gott geht und ging es genauso
Ihm wurde langweilig mit sich selbst
Ist es dir so langweilig Thomas!

[Verse 5]
Hat schon Nietzsche gesagt!
Nietzsche sagt doch fast alles
Fast! Jedenfalls das auch!
Und nun, wenn es so ist?
Wenn Gott in Langweile versank
Darf er die Welt jetzt noch ausschalten?

[Verse 6]
Darf er sie noch ausschalten
Wenn sich ein Teil davon selbst erkennt?
Ein Sandkörnchen, nicht mal das?
Ein Menschlein kein großer, riesiger Stern
Der was wiegt und was hergibt
Nein ein Menschlein!

[Verse 7]
Darf er deshalb nicht mehr abschalten?
Der Herr gibts, der Herr nimmts!
Weil dann die Langeweile wieder da wäre?
Wartet die nächste Welt schon?
Hat die ungeborene Welt denn keine Rechte?
Gerade, wenn sie machbar wäre?

[Verse 8]
Versündigt sich Gott, weil er sie nicht schafft?
Versündigt er sich, wenn er sie später abschaltet?
Sie zu spät abschaltet?
Wie kann sich Gott versündigen?
Auch für Ihn sollte es doch eine Möglichkeit geben!
Auch für ihn sollte das Scheitern erlaubt sein

Ich und Umwelt

Wenn man denkt es geht schon wieder,
drückt uns längst was anderes nieder.
Schon Buddha wollte dieser Regel entkommen
und ist doch immer mitgeschwommen.

Auch er ist dem Weltlauf nie entschlüpft.
Er dachte nur, er hätte ihn durchbrochen.
und ist dabei nur anders gehüpft.
Er hatte niemals diese Welt durchstochen.

In jede Richtung, wohin wir auch rennen,
können wir uns nicht von uns selber trennen.
Wir bleiben immer beschränkt und klein,
die Umwelt drückt uns ins Leben hinein.

Und das ist immer viel zu eng,
bei so viel Umwelt, Gedränge
umfasst die Umwelt sehr streng,
sie knebeln uns die Wirkungsstränge.

Ein Anteil davon will verharren
Ein anderer schiebt den Karren
Die Lage verschiebt sich und ein Stück
teils nach vorne und teils zurück.

Die Umwelt legt die Wirkung fest
stets schiebt sie uns externe Dynamik
lässt keinen Spielraum, sie presst,
erzeugt in uns, im Einzelnen Panik.

Der Panik kann man nicht entgehen
nur im besten Fall verstehen.
Die Menschen, alles ist sehr klein
und unsere Umwelt – bestimmt unser Sein.

Alles wird von allem gedrückt,
durch diese Dynamik leben wir
am Ende werden alle zerdrückt.
Doch ohne sie, wär niemand hier!

Und manchmal, wenn etwas glückt,
dann wird so viel Gutes gepflückt
Das Gefühl, dass alles paßt und stimmt
das dann jede Panik nimmt.

Klage eines alten Hundes

Ach die Geschichte ist ein Sumpf
voller schwarz geronnenem Blut
Gewalt ist ihr As, die Bosheit Trumpf
viele verreckten, sie ist niemandem gut!

Doch was geschehen ist geschah,
oder ob es perfide gefälscht war?
Geschichte geht unter die Haut, so nah
und wir wählen Helden, klar

Wir stehen immer auf einer Seite,
und ich will ja gar nicht zynisch sein!
Sie ufert auch aus, strömt in die Breite
Alles zu viel! Gewiss Ja! Und richtig ein Nein!

Mit wenigen, Blitzen müssen wir uns begnügen,
auch wenn uns doch alles interessiert,
Ich bin begrenzt, ich muss mich fügen,
bevor man sich in jeder Richtung verliert

unsere Kraft versagt uns einmal die Kraft,
kann das Leid nicht mehr ertragen,
mit der der Mensch seine Welt umschafft
umdreht unseren Magen.

Schön, viel schöner ist die Liebe!
Ach Thomas – denk an die Eifersucht!
Der Honig den ich gern anfliege,
Selbst Liebe trägt oft böse Frucht!!

Alles ist grausam ein Kampf!
Man reibt sich selbst beim Lieben wund
jede Hoffnung, Zuversicht verdampft!
wie kynisch bin ich alter Hund!

Kommt tanz Thomas hab Mitgefühl!
Tanz mit ins Leben, reim es auf Wonne,
Jedes Leben ist doch nur ein Spiel,
es glitzert, verdampft schnell in der Sonne.

Es hat kein tiefes großes Ziel,
ganz weit über sich hinaus.
es lebt und denkt und hat Gefühl
es stirbt und es ist – aus!

Wieder wälzt sich dann die Geschichte,
über ein kostbares Leben hinweg,
und keine Lieder, keine Gedichte,
bläst diese Verzweiflung jemals weg.

Das wir zu klein sind, zu viel wissen,
führt uns in tiefe Verzweiflung hinein,
Wir werden bald die Erde küssen,
werden dann nur noch Geschichte sein!

Die Kreuzzüge (nur ein Fragment)

Jeder Kreuzzug führt nach Jerusalem
Nein – du wirst es sehr bald sehen
In jedem Kreuzzug ist der edle Ritter
Nur eine Minderheit und sie sind bitter

Es ist nicht nur heiliges Land betroffen
Ein Kreuzzug ist ein Gräuel und offen
Vernichtung an viele Orte zu tragen
Viele ganz Unschuldige zu erschlagen

Nachdem der Papst den Ersten ausrief
Ging gleich am Rhein schon sehr viel schief
Am Rhein? Ja dort in vielen Städten
Lebten Juden, „die bösen und fetten

Andersgläubigen“ und der Weg war lange
Nach Jerusalem, „Tötet die Schlange!
Hier schon!“ – War das Motto des Trupps
Voller Hass auf Juden ergoss sich der Mob

Hinein in reiche und ärmere Orte
Es waren furchtbare Taten und Worte
Viele Juden lebten dort schon lange Zeit
Waren auch durchaus angesehene Leut

Doch der Schutz durch die Räte, Bischöfe versagt
Man hat es vor dem Mob nicht gewagt
Den bedrängten Juden beizustehen
Lies die Abschlachtung geschehen

Massen von Menschen erschlagen oder fliehen
Ein Mob Franzosen und Deutsche
Bauern, Bürger, Arme dazu
Da brannten die jüdischen Viertel im Nu

Geplant vom Adel der Kirche wars nicht
Der Mob war Volk, voll Wahn, „auf nach Jerusalem!“
Doch auch auf dem Weg dorthin, geschehen
Gräuel an Gräuel, Gewalt, Gewalt
Der große Zug macht überall Halt

Der Normalfall

Ich hab es versucht
Ich hab es versucht
Ich habe mich selbst belogen
Ich hab mir gesagt
Mich selbst verklagt
auch du kannst sicher normal sein!
Ich hab mir gesagt
Mich selbst verklagt
wirklich du kannst wirklich normal sein
und natürlich könnte ich normal sein
andere sind das schließlich auch
schließ mich einfach ein in die Regeln
und folge der Vernunft, der Tugend.
Doch Regeln sind berechenbar
da passiert nichts mehr im Leben
Da scheinen die Linien klipp und klar
So will ich aber nicht leben
Zu fade stockt die Energie
Ich muss auch mal zur Seite hüpfen,
Dann wäre es aus mit Lüsternheit
Ich wäre wie alle ununterscheidber
typisch und damit erledigt
Ich will ein wirklicher Ausreißer sein
ich will doch auch mal Reglen brechen
Bei Langeweile schreien nein
und denke schon zu oft ans vögeln
ans lecken umd die ganze Soße
normal ist etwas zu spießig
normal ist doch kein Feuer
normal ist keinerlei Abenteuer
normal ist einfach zu wenig
normalerweise
aber ach ich weiß gar nicht
vielleicht sind ja alle Normalen wie ich
jede, jeder will doch seinen Spaß
ehrlich genaues weiß ich gar nicht
was genau dieses Wort bezeichnet
normal erscheint mir eben gleich grau
habe es bisher nur grau gezeichnet
doch vielleicht ist es dort
viel bunter
und ich geh schon im Normalfall
unter.

Wie stimmt man sich mit der Umwelt ab?
Wo liegen ihre Grenzen
und wo die meinen
an welchen Linien hab
ich Grenzen überschritten
wo wollte ich sie ganz bewußt
mit Lust
klar überschreiten?
klar überschreiten?
klar überschreiten?

Weihnacht ohne Religionen

Es ist schon lange, lange her
das erzählt uns jede Mär
dann wird ein großes Schauspiel gegeben
die Götter stehen mitten im Leben.

Die Götter haben Gewicht und Glanz
das glaubt man gerne voll und ganz
das glaubt man gern, so tief aus der Ferne
leuchten alte Texte wie neue Sterne

Damals war es längst nicht so schwer,
da traf man Gott auch mal zuhaus,
nur heute, da bleibt alles leer
zieht Gott selbst nie zum Kampf hinaus.

Ein Mensch der meint, der Text gibts her,
denkt nicht mehr weiter, denk nie mehr,
er schlägt nur dicke Bücher auf,
zeigt streng auf alte Worte drauf,

und weiß und sagt: Es steht geschrieben!
Und allle habens abgeschrieben,
und auch er ergreift die Feder,
und schreibt dasselbe auf neues Leder,

und schreibt gern heilig, heilig,
Religionen haben es nicht eilig,
lange, lange haben sie gedacht
die ganze Welt hat Gott gemacht

und das war gar kein schlechter Gedanke,
bevor ich falle, bevor ich schwanke
halte ich mich an etwas fest,
baue ein Luftschloss – hohes Nest

und könnte oben sicher sein,
gäb es nur einen, einen allein
von dem wir sicher gehalten werden,
der behütet seine Herden

Doch verschidene Glaubenssätze,
trennen sich durch Kriege und Hetze
denn irgendwer muss richtig liegen,
über den direkten Draht verfügen!

Doch Religionen streiten schon immer
doch manchmal denkt man es wird schlimmer
gerade jetzt zur Weihnachtszeit,
machen sich diffuse Ängste breit!

Liebe Leute lasst doch all den Schmarren,
lasst uns die Götter, alle verscharren!
Den richtigen Gott, findet ihr nie
der steckt versteckt in der Poesie

im leichten Leben hält er sich versteckt,
das ihn kein strenger Richter erschreckt,
Er meidet beflissen die Orthodoxie,
Rechtgläubigkeit anerkannte er nie

er schuf nämlich die Erde rund
und das sich alles reimt auf bunt
das t und d sind zwar verschieden,
der Bruch jedoch wird vermieden

Die Reimworte verklebt man ganz
sanft mit etwas Toleranz,
doch nicht gegen die Orthodoxie
nein oh Gott im Leben nie,

nur die die sich Toleranz zuspielen,
dürfen sich hier zu Hause fühlen.
Am besten lässt man den Firlefanz,
den ganz großen Glaubensschwanz

und schlemmt und feiert Weihnacht,
ohne Religion und lacht
und liest die Götter wie Poesie,
denn Poesie der glaubt man nie

die flirtet und sie tanzt durchs Leben,
kann niemand einen Arschtritt geben.
sie schlemmt und isst gern Pommes
und sagt, das ist nichts schlimmes!

Einer Saite gleich

Wär ich doch einer Saite gleich
Die, obwohl sie der Bogen quält
Doch reiche Töne von sich gibt
Die fest der Bogen aus ihr schält

So soll mein Leben durch Gefahren
Durchgehen und ich tapfer klingen
Denn sterben, sterben tu ich eh
Noch lebend will ich singen

All das nicht ohne Widerstand
Denn jede Saite ist gespannt
Hält sich fest am sicheren Rand
Kommt so mittig zum Klingen

Wir nehmen auf, was uns die Umwelt gibt
Und geben dies dann durch uns wieder
Aus dem, was uns am besten liegt
Formen wir den schönsten Klang

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