Lyrik und Sound

Schlagwort: Tod

Bist du schon tot?

[Verse 1]
Sag mir wer du bist! Schon tot?
Schon vor Jahren gestorben?
Hast du nie wirklich gelebt?
Ist das Dein Grabstein?
Der Grabstein von Freunden errichtet
Die sich an dich erinnern wollen?

[Verse 2]
Bin ich selbst der Wahnsinnige
Dass ich solche Gedanken habe?
Schaue ich mir selbst ins Grab?
Dreh ich mich nur zu mir herum?
Nein denk sowas nicht!
Dieses Grab ist leer! Alle sind lebendig!

[Verse 3]
Aber ich habe gehört
Es gibt solche Fälle
Es gibt fast alle Fälle
Fast nur die Unmöglichen nicht
Toyota sagt
Das wäre schlimm! Dann ginge ja alles!

[Verse 4]
Jeder E-Mail Kontakt zerlegt sich
In abertausend Formen
Alles von EINEM imitiert?
Gott geht und ging es genauso
Ihm wurde langweilig mit sich selbst
Ist es dir so langweilig Thomas!

[Verse 5]
Hat schon Nietzsche gesagt!
Nietzsche sagt doch fast alles
Fast! Jedenfalls das auch!
Und nun, wenn es so ist?
Wenn Gott in Langweile versank
Darf er die Welt jetzt noch ausschalten?

[Verse 6]
Darf er sie noch ausschalten
Wenn sich ein Teil davon selbst erkennt?
Ein Sandkörnchen, nicht mal das?
Ein Menschlein kein großer, riesiger Stern
Der was wiegt und was hergibt
Nein ein Menschlein!

[Verse 7]
Darf er deshalb nicht mehr abschalten?
Der Herr gibts, der Herr nimmts!
Weil dann die Langeweile wieder da wäre?
Wartet die nächste Welt schon?
Hat die ungeborene Welt denn keine Rechte?
Gerade, wenn sie machbar wäre?

[Verse 8]
Versündigt sich Gott, weil er sie nicht schafft?
Versündigt er sich, wenn er sie später abschaltet?
Sie zu spät abschaltet?
Wie kann sich Gott versündigen?
Auch für Ihn sollte es doch eine Möglichkeit geben!
Auch für ihn sollte das Scheitern erlaubt sein

Ereschkigal

Erechkigal ist die große Todes- und Erdgöttin.
Hier habe ich ein paar Mythen um sie zusammen
gebunden und verreimt.


Dies ist ein Gesang für Ereschkigal,
der schwarzen traurigen Nachtigall,
deren betörend schönes Lied,
alles Tote zu ihr zieht.

Pflanzen-, Tier- und Menschenseelen,
kurz verstorbene, verweste, quälen
sich hinauf ins ferne Land der Berge,
dort hinab ins Innerste der Erde,
zu ihr, zurück in der Mutter Schoß.
Dumpf vergeht dort alle Freude, was groß,
wird mit dem Kleinen klein, verschwindet
aus dem Gedächtnis der Welt, und findet
sich nicht mehr in ihren großen Hallen,
durch die nur die letzten Gebete hallen,
der gebeugten, todgeweihten Kreaturen.
Kreischende Schreie schattenhafter Lemuren,
leises Flehen und letzte Bitten,
umsingen ihren Thron, inmitten
aller Leiden sitzt sie da und singt
ihr Lied, das aus der Erde dringt.

Niemand, selbst Götter nicht, entrissen ihr einen Fang,
alle folgen sie, früher, später, ihrem Gesang
hinein ins dunkle Reich.
Die Seele kommt sehr leicht hinein,
doch nie hinaus,
aus Ereschkigals Totenhaus.

Sieben Tore stehen entlang der breiten Straße,
an jedem wird die Seele gezwungen, dass sie mehr lasse,
von ihrer Eigenart, nichts bleibt, keine Erleuchtung,
zerschmolzen ins Nichts wird ihre Bedeutung,
letztendlich wird sie ein Hauch,
verdunstet zu etwas kaltem Rauch.

Selbst Deine geliebte Schwester Ischtar,
geschmeidig, reich verziert, die Augen klar,
hat, als sie die Ersten der Tore aufgerissen,
für Ihren Wahn schwer büßen müssen.
Auch sie musste an jedem Tor mehr geben,
von ihrer Kraft, ihrem Reichtum, ihrem Leben.
Zuletzt stand sie, reizvoll dann nackt vor Dir,
ausgesetzt ohne Macht, Deiner kalten Gier.
Ein einziger Blick von Dir von Deinem Sitz,
sie stolpert, fällt, schlägt auf – ein Blitz.
Tot lag da, wie ein Baum gefällt,
die Königin der Oberwelt.
Die hast Du dann genagelt,
an Felsen, wie einen Schmetterling genadelt.
Die ist dann so aufgehängt, verreckt und ausgedörrt
und hätte Dich nicht länger gestört.

Doch mit Ischtar welkte die Erde, unfruchtbar,
ausgedörrt wurde auch sie, furchtbar
stieß dies den anderen Göttern auf,
keine Opfer stiegen mehr hinauf,
nur öde und kahl wurde alles Land.
Keiner der Götter, soviel die streiften, fand
noch in den Tempeln den Opferduft der fetter Rinder,
ausgestorben fast die Menschenkinder.
Das Leben kurz vor dem Untergang,
den Göttern wurde Angst und bang.
Auch quälte die Götterhengste im Mute,
dass Ischtar nun fehlte, die gute Stute.

Da erlöste Ischtar des Höchsten, Elils Wort,
brachte sie heraus aus ihrem Verbannungsort.
Aber auch der bot Dir Ereschkigal Ersatz,
für Ischtars nun freigewordenen Platz.
Die trieb dann ihren Geliebten, Dumuzi hinab,
um Dir Ereschkigal zu dienen, in ihrem Grab.

Hatte der sich doch in Prunk gehüllt,
sich einen jeden Wunsch erfüllt,
sich den Leib geschmückt, geölt,
mit ihr aber, kein Mitleid gefühlt.
Mit Ihr Ischtar, als sie gefangen war,
nicht nur gefangen, tot sogar,
lag er nicht in Asche, nicht im Sack.
So bannte ihn ein einziger Blick.
Sie die Himmelkönigin grollte ihm sehr
schlug ihn, trieb ihn ins Grab – zu Dir.

Du, Ereschkigal hast Dich des Frühlingsgottes sehr gern bemächtigt,
er war nicht dämonisch wie Nergal, Dein Gatte, nicht grobschlächtig,
er glänzte wie Sterne am Himmelszelt,
brachte Dir Lust in Deine leere Welt.
Deshalb ließest Du ihn auch jedes halbe Jahr wieder gehen,
damit Ihm die Kräfte im Licht neu erstehen.
Bei ständiger eisiger Grottenhaft,
zerginge ihm nur seine Kraft.
Oben hingegen kräftigt Ischtars Wärme,
ihre Liebeskunst, seinen Körper und nur von ferne
denkt er dann an seinen herbstlichen Niedergang,
seine Zeit in Deinen kühlen Armen, den Abgang
von der sonnig schönen Bühne.

Ereschkigal Dein Glück und Ischtars Sühne!
Die büßte schwer für Ihr Verbrechen,
den Tod durch Liebe zu zerbrechen.
Auch im Krieg bringt Dir Ischtar
seitdem so viele gute Opfer dar.

Erst ein Anderer hat dir die Macht entrissen,
Du irrtest herum, die Kleider zerschlissen.
Tot dann die Todesgöttin, die durch Gebete
zuvor doch durch den Glauben lebte.
Nacht umfing Dich Ereschkigal,
Du traurig tote Nachtigall.

Nebel

Noch ist es Nacht, Fünfe, doch der Nebel
leuchtet draußen trüb im Schein der Laternen.
Ich sehe ihn also, den Knebel
meiner Fröhlichkeit. Von den Sternen

aber sieht man nichts mehr. Kühl
friert es mich schon vom Sehen.
Über den Rücken läuft ein Eisgefühl.
Dieser Herbst wird nicht mehr gehen

und dem Sommer wieder Platz machen.
Ich mag es nicht zu frieren.
Das erinnert mich ans kalte Grab. Lachen
kann ich frierend nicht. Verlieren,

fallende Blätter, keine Kraft, Frost und Eis –
Ende, Erstarrung – alles grausame Worte.
Natürlich, auch zu heiß
ist es nichts, aber kalte Orte

sind trotzdem etwas schlimmer.
Da gibt es eben überhaupt nichts mehr,
nur der Tod und ein grimmer
Schneesturm fegt alles aus. So leer,

gefühllos wird alles. Ich zittere tief drin.
Nebel, dunstig beleuchtet, blubbert
in den Tälern feucht vor sich hin,
dringt in mich, kühlt mich aus, knabbert

von meinen Knochen das kalte Fleisch.
Im unangenehm feuchtkalten Grab
zittern meine Kiefer. Das Geräusch
klappernder Zähne, die nicht aufhören, gab

einen Eindruck davon, was es heißt,
in der kalten Erde eines Friedhofs zu ruhen.
Wenn es dir vor Kälte die Haut zerreißt
in den Särgen, diesen engen Truhen,

knackt – kommt alles noch auf uns zu!
Warten wir’s ab und kuscheln wir jetzt
schnell in unsere wärmsten Decken.
Wir werden ja nichts spüren davon.

Machen wir uns keine Hoffnung!

Der Tod

Der Tod – er ist das Tor zum Leben,
zu mir meiner begrenzten Zeit, .
Er fragt mich, wonach will ich streben?
und was gibt Halt und Sicherheit?

Der Tod – der Anfang des Denkens,
er reißt aus der gewohnten Bahn.
In welche Richtung soll ich lenken?
Ja worauf kommt es mir denn an?

Den Tod – bedenk ich jede Zeit,
damit er mich nicht zu früh findet.
Mich nicht überrascht, meine Endlichkeit,
trotz aller Grenzen ins Leben mündet.

Der Tod – der gibt mir tiefe Ruhe.
Ich kann hier nichts verlieren.
Verrückt darf ich sein – bis zur Truhe!
und darf mich selbst verführen.

und darf mich öffnen, muss nicht zuschlagen,
ja nichts gibt’s , was mich zum Quälen zwingt,
Ich lasse mich nicht plagen!
Nicht pressen, bis mein Leib zerspringt.

Wir sind hier frei! – Entscheiden!
Nein alle fallen, stürzen, sinken!
Verdammt, verdammt dazu zu leiden,
bis wir den letzten Becher trinken.

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