Lyrik und Sound

Schlagwort: Alter

Niedergeschlagen

Ich bin nun alt und verrückt,
die Pläne wurden alle zerpflückt,
und ziemlich viel ist mir missglückt,
ich wurde zermahlen, zerdrückt!

Ich stand nie in der ersten Reihe,
bekam auch nie eine höhere Weihe,
und fühle mich schwach, befreie
mich nie – und niemals schreie,

ich dagegen – zeige Zähne.
Nein – ich habe meine Migräne,
bleibe schlaflos wach und gähne,
den Tag entlang ohne Pläne.

Mein Leben – unsichere Striche,
Wege, Pfade, Schliche,
und eine Unzahl Stiche.
Ich gehe nicht, ich krieche.

Gedanken habe ich auch öfter scharf,
die man gar nicht haben darf,
und Gesetzen unterwarf
ich mich nie – bewarf

die Welt mit wirren Gedichten.
Aufgetürmt in vielen Schichten
dienen sie dazu, alles zu richten,
ohne etwas tief zu belichten.

Am Ende weine ich herbe Tränen,
Erinnerungen halten, fassen, lähmen,
manche davon sind zum Schämen.
Will mich einmauern, mich grämen.

Und die Welt? – Oh, komm doch, schau! –
Siehst du Farben? Alles grau!
Nichts ist glatt, nein, alles ist rau.
Hier gibt es kein Wasser, keinen Tau!

Du kannst mir nichts davon erzählen.
Ich finde keine Orangen zum Schälen,
kann ständig nur das Gleiche wählen.
Und wie viele Menschen Menschen quälen!

Trotzdem sagen sie: „Es ist gut!“
Und sie sagen: „Verlier nicht den Mut,
trockne nicht aus! – Die Sonnenglut
verdampft es nicht – bißchen Blut!“

Alles Quatsch und ganz fatal,
das verstärkt nur noch die Qual.
Ich will Liebe – nicht Härte, nicht Stahl,
ich will Leben – nur einmal!

Nebel

Noch ist es Nacht, Fünfe, doch der Nebel
leuchtet draußen trüb im Schein der Laternen.
Ich sehe ihn also, den Knebel
meiner Fröhlichkeit. Von den Sternen

aber sieht man nichts mehr. Kühl
friert es mich schon vom Sehen.
Über den Rücken läuft ein Eisgefühl.
Dieser Herbst wird nicht mehr gehen

und dem Sommer wieder Platz machen.
Ich mag es nicht zu frieren.
Das erinnert mich ans kalte Grab. Lachen
kann ich frierend nicht. Verlieren,

fallende Blätter, keine Kraft, Frost und Eis –
Ende, Erstarrung – alles grausame Worte.
Natürlich, auch zu heiß
ist es nichts, aber kalte Orte

sind trotzdem etwas schlimmer.
Da gibt es eben überhaupt nichts mehr,
nur der Tod und ein grimmer
Schneesturm fegt alles aus. So leer,

gefühllos wird alles. Ich zittere tief drin.
Nebel, dunstig beleuchtet, blubbert
in den Tälern feucht vor sich hin,
dringt in mich, kühlt mich aus, knabbert

von meinen Knochen das kalte Fleisch.
Im unangenehm feuchtkalten Grab
zittern meine Kiefer. Das Geräusch
klappernder Zähne, die nicht aufhören, gab

einen Eindruck davon, was es heißt,
in der kalten Erde eines Friedhofs zu ruhen.
Wenn es dir vor Kälte die Haut zerreißt
in den Särgen, diesen engen Truhen,

knackt – kommt alles noch auf uns zu!
Warten wir’s ab und kuscheln wir jetzt
schnell in unsere wärmsten Decken.
Wir werden ja nichts spüren davon.

Machen wir uns keine Hoffnung!

Ruhe nach dem Sturm

Wenn die alten Jahre blühen,
blühen sie gegen die Zeit
rennen gegen den Tod
in längst verbrannte Jugend

Träume umzüngeln erstarrte Bahnen
saugen heraus Text, Poesie
malen Seen voll mit Schwänen
voller Leben, Phantasie

dann verschwindet alles im Dunkeln
Uhren ticken zum letzten Mal
langsam in einsamen Winkeln
verschwindet die Lust, löst sich die Qual

Der Tod

Der Tod – er ist das Tor zum Leben,
zu mir meiner begrenzten Zeit, .
Er fragt mich, wonach will ich streben?
und was gibt Halt und Sicherheit?

Der Tod – der Anfang des Denkens,
er reißt aus der gewohnten Bahn.
In welche Richtung soll ich lenken?
Ja worauf kommt es mir denn an?

Den Tod – bedenk ich jede Zeit,
damit er mich nicht zu früh findet.
Mich nicht überrascht, meine Endlichkeit,
trotz aller Grenzen ins Leben mündet.

Der Tod – der gibt mir tiefe Ruhe.
Ich kann hier nichts verlieren.
Verrückt darf ich sein – bis zur Truhe!
und darf mich selbst verführen.

und darf mich öffnen, muss nicht zuschlagen,
ja nichts gibt’s , was mich zum Quälen zwingt,
Ich lasse mich nicht plagen!
Nicht pressen, bis mein Leib zerspringt.

Wir sind hier frei! – Entscheiden!
Nein alle fallen, stürzen, sinken!
Verdammt, verdammt dazu zu leiden,
bis wir den letzten Becher trinken.

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