Tübingens erster schöner Tag Die laue Luft ist angenehm Manche schon im Grase lag Und hat den Himmel angesehen
Tübingen und dieses erste Gedicht das ich zärtlich schrieb Für dich, es ist sicher das Kleinste Indem ich auch nicht übertrieb
Und sicher das Liebste, welch ein Gefühl Wie tief wühlt es in mich hinein Es wurde auch kein kurzes Spiel Ohne Dich das kann nicht sein
Ein Gefühl das mich noch heute Aus weiter Ferne gleich zu dir führt Wenn ich wieder den alten botanischen Garten durchschreite Wie sehr hast du mich berührt
Das sind nun mehr als vierzig Jahre Ein kurzer Zeitraum für die Welt Tübingen du große, wunderbare Zauberhafte, die mir gefällt
Ich tauche in dich und du verführst Und ich gehe dir immer auf den Leim Und wenn du mich zur Wiese führst Atme ich auf und schreie: Daheim
Und auf der Wiese liegen Frauen Wie damals ist es Frühling wieder Der Winter jetzt ist kalt ein Grauen Nur der Frühling schenkt mir Lieder
Die er durch den Winter durchschiebt Wenn er mich winters mal besucht Mir immer kleine Geschenke gibt Für mich extra herausgesucht
Jag oh Frühling durch die Städte, jag im Porsche durch die Welt, Lieg bei mir im Jugendbette und am Strand im Plastikzelt!
Frühling an den fremden Küsten, am Hotelpool knallig heiß. Saug Dich fest an Sommerbrüsten, Schau Frühlingsschenkel zentnerweis.
Frühling will sein blaues Band, entlang der Autobahnen tragen. Bunte Bänder quer durchs Land die im Winde flattern, schlagen.
Flattert es dann durch die Lüfte Lacht der Frühling, springt auf Berge, bekränzt auch dort noch ein paar Lifte, Zufrieden sieht er seine Werke.
Die Technik bekommt ganz neuen Glanz, der Frühling gibt ihr reichlich Sprit und sie vergisst sich schließlich ganz, reißt all die schönen Fabriken mit!
Reißt sie aus den Dörfern, Städten, wie steinerne Tippiche wirbeln sie! Blau sind nun die Maschinengärten, Roboter tanzen! Sieht man sonst nie!
Frühling, Frühling mit welcher Wucht hebelst Du die Ordnung aus! Maschinen, Menschen, Tier und Frucht, strömen zur Natur hinaus!
Das Eis der Flüsse knistert, knackt, kracht und bricht entzwei, die Schollen drängen nordwärts, an langen Ufern vorbei.
Vögel fliegen von Süden ein, es zwitschert wieder im Wald, Sonne fällt in den Schnee hinein und löst ihn auf ohne Halt!
Nur kurze Zeit noch! Geschmolzen springt der Schnee in den Bach, sieht man ihn sich über Steine wälzen, sprudelt zusammen, wächst hundertfach.
Schnell, so schnell erblüht es, keiner trauert und liegt brach. Licht, die Sonne gießt es, wirft es einem jedem nach.
Voller praller Sonne, wildem Spiel, fehlt bald das Eis, die Blüte bricht, alle überwältigt Gefühl, alles will Licht, mehr Licht!
Leben explodiert, drängt und rast nach oben, zetert, trillert, quakt und schnattert. Licht, Strahl um Strahl! Hinausgeschoben wird Blatt um Blatt. Ein Eichhorn ergattert
seine erste Nuss, herausgehoben hat sich ein Keimling aus dem Samen, öffnet breit sein Blatt zur Sonne, sprosst hoch, sprengt seinen Rahmen.
Die Herzen hüpfen, tanzen, alles springt, alles lacht, erschlägt seine Sorgen, alles gelingt, es wächst, gedeiht und singt. Jeder Tag ist voll, ein immer neuer Morgen.
Göttin Frühling, wie bist du so groß! Du hast ja alles überflutet mit Werken! Komm, binde uns die Winterfesseln los! Halt deine Kraft nicht mehr verborgen!
Sei zugeneigt, uns gnädig, gib uns ein leichtes, lichtes Los! Sei mit uns morgens früh schon tätig, zieh munter mit zum Säen los!
Erbarme dich und schenk für immer so herrlichen Beginn am Tag. Doch Ängste schick sie nimmer! Send keine Krankheit, keinen Schlag!
Kein Verderben! – Diese Welt sei grün! Wir müssen ihre Wallung bewahren, fröhlich feiern, Furchen ziehen, unsere Göttin soll sich offenbaren!
Sendet zu ihr eine mutige Seherin, ein junges, unbeschwertes Mädchen, hinauf zur großen Göttin hin, als Weihgeschenk von Land und Städtchen.
Sendet sie, dass sie erfleht weiter herrliche, schöne Tage, dass es weiter – Prost! – so blüht, weiter glänzt in herrlicher Lage!
Wie können wir die Götter erreichen? Wer darf von uns zu ihnen ziehn? Wann, auf welches Zeichen? Welche von uns ist so kühn?
Seht! Keine will das Opfer sein! Alle fliegen schnell aus dem Kreis. Priester rennen, fangen ein, alle rufen: „Um keinen Preis!“
Wie Vögel, die ins Weite ziehen, stoben die Mädchen auseinander! Eine davon, die hilft kein Fliehen, umkreisen die Alten eng beieinander.
Versperren wie Adler ihren Weg und jagen sie zurück zur Mitte. Sie findet keinen Ausweg, ihr hilft auch keine Bitte.
Tanzen muss die Junge, Schöne! Reine Magd, durchjag den Abend, durchjagt die finstere Nacht, jagt auch am frühen Morgen. Fall erst mittags in gleißender Pracht!
Damit die Götter, die große Göttin, sich versöhnt mit ihrem Stamm, der Erde, gibt sie sich tanzend hin, nimmt auf sich schwere Bürde.
Tanzen muss sie, wirbeln, wie Shiva durch das Chaos reiten, schnell, ganz eng um die Achse zwirbeln, ihre Arme ganz weit ausgebreitet.
Langsamer werden, höher springen, rasend um den Tanzplatz sausen, sich verbiegen, sich verschlingen, Haare, Locken, Kleidung zerzausen.
Löst den Schopf, sie dreht, wirbelt die Haare im Kreis herum. Sturmwind, der durch sie weht, schnellt gerade, klappt sich krumm.
Springt hoch, verschwendet im Zusammenbruch ihr Leben. In Trance, zitternd überwindet sie den Abgrund, fliegt, bebt,
wankt, schwankt, fällt, zitternd Schritt nach Schritt, erschöpft zu Boden knallt – dumpf. Ihr Körper kommt nicht mit!
Doch ihre Seele jagt nach oben, zittert, sie fasst der Göttin Hand! Donnern, Grollen, Erschüttern! Sie steht im anderen Land!
Die Göttin küsst und grüßt sie, umarmt sie, erfüllt sie mit Glück. Nur ihren leeren Leib ließ sie, Göttin nun selbst – zurück!
Liebe, Liebe, lasst uns singen, Liebe, Liebe – und kein Leid! Lasst uns besser tanzend springen, schmeckt euch alle, lächelt breit!
Im Bett, ach, wollen wir uns spüren, mit zarten Küssen, wundervoll, alles, alles, ach, berühren, ei, das macht uns heiß und toll!
Lasst uns die Moral verklagen, feiert den Frühling schon jetzt! Lasst uns heute nichts versagen, macht es langsam, nicht gehetzt!*
Lasst die Arbeit fröhlich liegen, liegt zusammen, heiß und feist, während andere ins Büro fliegen, erhebt den Becher, wie er kreist!
Lasst uns aneinander betrinken, übergossen mit Küssen überall! Lasst alle Gewalt zusammensinken, liebt euch, tanzt, lacht auf dem Ball!
Thomas, ja, und welch ein Feuer, alles sprüht hier im Geviert! Doch der Bildschirm – das Ungeheuer! Dieser Bildschirm, er verwirrt!
Was kann man vor dem Bildschirm machen? Nur einsam, einsame, einsamste Sachen! Komm, schau, die Sonne im Fenster! Komm, mach Sport und wein nicht finster!
Schreib nicht mehr, geh nun ans Tun, statt nur zu tippen, lass das Ruhn! Schau! die Sonne strahlt! Ihr Blick! Blick jetzt nicht zum Rechner zurück!
Schalt einfach diesen Rechner aus! Schau und öffne die Tür und hinaus! Hinaus und weg an die frische Luft! Mach Frühing! genieß ihn den Sonnenduft!
Ich habe Urlaub und ich seh kein YouTube, keine Nachrichten mehr Ich tanz und mit mir hüpft der See Mein Kahn er lacht, er freut sich sehr.
Wie ihn die Wellen schnittig tragen! Am Ufer vorbei durch Licht und Schatten, Wo Blättchen sich nun ins Freie wagen, frühlingsgrün die jungen, glatten.
Im Urlaub bin ich und es fällt die Hölle hinter mir ein die Welt wird auf den Kopf gestellt Ich schlüpf ins Leben rein.
Ich greif ins kühle Wasser, fein! Aus der Ferne grüßt ein Schwan, schaut in sein Spiegelbild hinein, zieht galant eine weite Bahn.
Ich tanz‘, ich habe Urlaub drehe jetzt mein Ding Mein Ding an das ich glaub sei es auch klein, gering.
Und auf anderen Booten lachen, Kinder, Alte und die Welt, Bezaubernde Blumen erwachen, genießen, Sonnenregen fällt.
Alles blüht, auch ich im Urlaub Ich zück‘ der Freiheit Freifahrschein Zu Pflichten hin, stell ich mich taub. Ich tanze nur und spüre Sein.
Komm jetzt wieder Frühling, gib mir wieder einen Kuss zärtlich leg mich zu Dir hin, schreibe, schreibe ohne Schluss!
Eins ans andre, höher, höher! Jauchze, dichte von der Flur, von Wald und Heide und vom Weiher, von Sonnenstrahlen, Honig pur!
Doch Frühling ach, du brauchst mich nicht, du hast ja selbst schon so viel Kraft, die Sonne bist du, das pralle Licht, das wirklich Leidenschaft erschafft.
Ich kommentiere nur, ein laues Lüftchen an das man sich nur kurz erinnert, ein kleiner Kahn, ein Schiffchen, das auf dem Gartenteich schimmert.
Nie kann ich Dich erreichen, versuche es aber immer wieder, meine Fiedel gut zu streichen, zärtlich, zarte, wilde Lieder
Alles Leben soll Dich besingen. Blüten sollen springen Lerchenchöre klingen, jede Saite in uns schwingen!
So komm jetzt wilder Frühling, durchström mich, starker Fluss, zärtlich leg Dich zu mir hin, schenk mir wieder einen Kuss.
Inspiration: Schönes Wetter und das Ende des April brachten mich auf diese Idee