Lyrik und Sound

Kategorie: Alter Mann

Schatten deuten

Ei, ich bin ein alter Mann,
der Schattenbilder deuten kann.
An meiner Wand, im Abendlicht,
erscheint ein fremdes, stilles Gesicht.

Aus dem Fenster kanns nicht kommen,
denn es ist Abend, nicht besonnen,
sind alle Fenster, sie starren dunkel.
Woher kommt dieses Schattengefunkel?

Es ist nicht der prasselnde Kamin,
denn kein Holz legt ich in ihn.
Da prasselt nichts und es ist still.
Mal sehen, was dieser Schatten will!

Bin ich es selbst? Mit der Laterne?
Von unten hoch, statt aus der Ferne?
Ja – denn blas ich meine Laterne aus
ist es stockdunkel jetzt in Haus.

Alle Schatten sind auf einmal verschwunden,
zumindest ich hab keinen gefunden,
aber vielleicht waren sie ja noch da,
weil ich sie ohne Licht nicht sah.

Tropfen deuten

Ei, ich bin ein alter Mann,
der Tropfen lesen, deuten kann.
Auf dem Fensterbrett, ganz rund,
liegt er da — der neue Fund!

Die Tropfen – die sind sehr empfindlich,
drum gieße ich sie ungefähr stündlich
mit ganz kleiner Kanne, das ist klar,
Das geht mit Übung wunderbar.

Dann sehe ich sie genauer an,
ob man ne Ecke drin finden kann
die ohne Ecke, da läuft alles rund,
die Ecken nur, tun Geheimnisse kund.

Ich zähle sie langsam und genau,
sind sie spitzig oder recht rau?
die spitzigen Ecken bedeuten Krieg
die Rauen auch einen harten Sieg!

Wie und wann das kann man nicht sagen,
da müsste man andere Tropfen fragen,
weil die aber arme Tropfen sind,
deutet man am besten blind,

Sagt irgendwelche zukünftigen Jahre,
kratzt dabei auch noch öfter die Haare
Und deutet das die Tropfen sagen,
wir hätten einen leeren Magen!

Ein leerer Magen – ohne Tropfen!
Arme Tropfen sitzen hier!
Arme Tropfen – prost dem Hopfen!
Trinkt schnell ein großes Krüglein Bier!

Nach zwei. drei Stunden Tropfenkunde,
eröffnet der Kellner die Tropfenrunde
bei der man alles wieder vergisst,
was ein Kenner aus Tropfen liest.

Rührend

Ei, ich bin ein alter Mann,
dem man nicht vertrauen kann.
Was ich schreibe, was ich klage,
alles, was ich hier so sage –

nichts wird unvergänglich sein,
lädt nicht zur Veränderung ein.
Leben ist eben Abenteuer,
kalt ist es und auch ein Feuer.

Groß ist es und konzentriert,
kann es niemals fassen,
und wie schnell man es verliert!
So im Großen muss ich passen.

Doch vielleicht gelingt es noch im Kleinen?
Ins Kleine kann es doch noch passen,
zumindest kann es so scheinen
die Essenz dort noch zu fassen.

Wirbelstürme im Wasserglas,
Löffelrühren macht mir Spaß.
Diese kleine Welt in meiner Tasse
ist schon groß genug – denn ich erfasse

nur wenig von dem, was dort wirkt,
was dieser, jener Stoff bewirkt.
Für mich ist es nur Milch, nur Kaffee,
für einen anderen nur ein Tee.

Wie viele Stoffe schwimmen hier!
Und treiben es ständig miteinander,
Das bunte Chaos treibt die Gier
nach Elektronen zueinander.

Doch ein Wort soll es beschreiben!
Soll das was hier geschieht benennen,
Soll „es“ in die Enge treiben
so tun, als ob wir’s kennen!

Ein Wort nur für ein Stoffgemisch!
Was steht denn hier – auf diesem Tisch?
Eine kleine riesige Welt,
die auf ein Wort zusammenfällt:

Milchkaffee!

Nicht schreiben können

Ei, ich bin ein alter Mann,
der stundenlang nichts schreiben kann.
Vor mir liegt ein Blatt – ganz leer,
und nach Stunden wird’s nicht mehr!

Meine Ideen – sie sind blockiert,
was mich erschlägt und tief frustriert.
Ich hänge zwischen den Nerven fest,
ich hasse das – wie die Pest!

Mir muss doch irgendwie was kommen,
ein Griff in die Welt – herausgenommen!
Die Situationen, die ulkigen Sachen,
aus jeder kann ich doch was machen.

Aber jeder Griff – geht ins Leere,
ich erinnere nichts – kehre
nur nutzlose Reste zusammen,
egal, woher sie stammen.

Doch nichts, nichts will passen,
muss ich heute passen?
Und morgen auch? Geht’s immer weiter?
Ach, da macht mich nichts mehr heiter!

Doch schaue ich zum Fenster raus,
sehe ich Regen, ein Sturmgebraus,
die stürmische See!
Luv und Lee!

Ein Reimchen ist nun schon gefunden,
wird direkt mit dem Urlaub verbunden,
wird eine Reise in ein fernes Land,
wo sich noch keiner vor mir befand.

Rum-rum

Ei ich bin ein alter Mann,
der durchs Fenster träumen kann.
Wolken ziehn, als ob sie wüssten,
dass wir immer weiter müssten.

Weiter doch – immer – rum, rum!
Denn die Erde, sie ist krumm,
Ein felsiger, empfindlicher Ball
der sich rum treibt – mitten im All.

Der sich um seine Sonne rum dreht
so schnell, dass nur ein Jahr vergeht
für eine lange, lange Reise
sie dreht auch leise, leise.

Man hört von dieser Weltmusik.
nichts – zu keinem Augenblick!
So wie die Wolken lautlos ziehen,
fliegt die Erde ohne Mühen!

Tropfenkunde

Ei, ich bin ein alter Mann,
der Tropfen lesen, deuten kann.
Auf dem Fensterbrett, ganz rund,
liegt er da — der neue Fund!

Die Tropfen – die sind sehr empfindlich,
drum gieße ich sie ungefähr stündlich
mit ganz kleiner Kanne, das ist klar,
Das geht mit Übung wunderbar.

Dann sehe ich sie genauer an,
ob man ne Ecke drin finden kann
die ohne Ecke, da läuft alles rund,
die Ecken nur, tun Geheimnisse kund.

Ich zähle sie langsam und genau,
sind sie spitzig oder recht rau?
die spitzigen Ecken bedeuten Krieg
die Rauen auch einen harten Sieg!

Wie und wann das kann man nicht sagen,
da müsste man andere Tropfen fragen,
weil die aber arme Tropfen sind,
deutet man am besten blind,

Sagt irgendwelche zukünftigen Jahre,
kratzt dabei auch noch öfter die Haare
Und deutet das die Tropfen sagen,
wir hätten einen leeren Magen!

Ein leerer Magen – ohne Tropfen!
Arme Tropfen sitzen hier!
Arme Tropfen – prost dem Hopfen!
Trinkt schnell ein großes Krüglein Bier!

Nach zwei. drei Stunden Tropfenkunde,
eröffnet der Kellner die Tropfenrunde
bei der man alles wieder vergisst,
was ein Kenner aus Tropfen liest.

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