[Verse 1] Es geht um meine Darmspiegelung, ein ungewöhnlich heikles Thema. Da gibt’s Tabus mit fester Verriegelung, und selten auch wird sie zum Drama.
[Verse 2] Der Darm – er hat ein trauriges Image. Wir sind zwar um ihn herum gebaut, doch kriegt er bei Tinder nie ein Match und kaum, dass einer mal nach ihm schaut.
[Verse 3] Man dichtet ganz selten auf den Darm. Sie klingen so schlecht, die Pupse. Er hat ganz ehrlich wenig Charme. Die Lieder betreffen Schwänze und Möpse,
[Verse 4] doch nicht diesen langen Schlauch. Verdient hätte er es sicher, doch ist er abstoßend und auch zu feucht, zu dunkel seine Gemächer.
[Verse 5] Selbst wenn er sich selbst mal, wie heute, durchs Auge der Ärztin betrachtet, erzählt er nicht alles in epischer Breite, werden die Regeln des Anstands beachtet.
[Bridge] Vom oberen Eingang bis zur Mündung aber ist er ein Wunder: Funktionell gebaut, kein plumpes Rohrwerk, voller Empfindung, ein wirkliches Wunder, wohin man schaut.
[Verse 6] Und der wird also bald untersucht, mit kleinen Kameras erkundet. Und dorthin verschwindet das ausgesucht fette Fleisch, das uns so mundet.
[Verse 7] Auch das Gemüse, der bunte Salat, die Nüsse und die Pastinaken, das Süße, Saure…, aller Art, was wir erst schlemmen, danach kacken.
[Verse 8] Was in den Mund geht, wird gepriesen, tausende Speisen werden besungen. Sobald die Bissen tiefer fließen, ist die Lyra schnell verklungen.
[Verse 9] Das heißt: Im Darm ist erst mal Dreck. Am Tag zuvor wird ausgeputzt, der ganze Schlick muss raus und weg! Und dazu wird viel Wasser benutzt.
[Verse 10] Das will erst mal getrunken sein, am Abend zuvor und dann am Morgen. Zwei Liter je stürz‘ ich hinein, wär’s Bier – dann hätt‘ ich keine Sorgen.
[Verse 11] Doch ist’s kein Bier! Ein Salzgemisch! – Eine Mischung aus zwei Pulvern, fein in Wasser gelöst, steht’s auf dem Tisch, und alles, alles muss jetzt rein!
[Verse 12] Der Geschmack, er geht, nur halb so schlimm! Und dazu – normales Wasser, viel Tee. Schluck für Schluck, Prost, nimm jetzt, nimm! Trink dich nun voll, denk – ’s wär Kaffee.
[Verse 13] Im Klo – dort schließ‘ ich aber ab, das müsst ihr einfach selbst erleben. Man spült so einiges hinab, zum Himmel wird’s euch nicht erheben.
[Verse 14] Mulmig ist die Fahrt mit der Bahn. Man dichtet am besten, lenkt sich ab, denkt konzentriert, dann kommt man an. In die Umkleide jetzt! Die Hose herab!
[Verse 15] Ich lass‘ mir immer die Spritze geben, beim Stich, da träum‘ ich ’nen guten Kuss, und wenn dann meine Lippen beben, schlafe ich ein und es ist Schluss.
[Verse 16] Man bekommt dann gar nichts mit, ich träum‘ auch nicht, ich bin sediert. Das würde sonst sicher auch kein Hit, mit dem man jemand imponiert.
[Verse 17] Nach dem Spiegeln, Anziehen, Schlafen, oder auch Schreiben, einerlei, und will mein Schicksal mich jetzt nicht strafen, gibt mich der Arzt mit Glückwunsch frei.
[Chorus] Das Arztgespräch – die Spannung steigt. Ich hoff‘ nicht hart und überraschend. Doch kein Polyp hat sich gezeigt, ein Freispruch allumfassend!
[Outro] Ein Glück! – Ich kann nun glücklich gehen, tanzen, übers Trottoir schweben. Erst mal gleich nach Essen sehen und ohne große Sorgen leben!