Alles läuft mir gerade so quer so ohne einen Sinn – läuft rasant und leer und rennt ohne Gewinn.
Jeder strengt sich nochmal an, reibt, erhitzt die Welt, reibt so lange er reiben kann, als ob das Reiben was aufhält.
Doch noch leben wir ja bequem, ballt es sich erst langsam zusammen. Man kann zwar schon was brennen sehen, doch sind es noch keine richtigen Flammen.
Doch wenn es richtige Flammen sind, bleibt nur noch das Entsetzen, die Funken – eilig verteilt sie der Wind und Donner rasen und blitzen
und alle Unternehmenswerte – helfen nichts – für das laute Geschrei um Rettung als man Panik spürte, ist die Zeit dann längst vorbei.
Die Wirtschaft war nie ineffizient, sie holte viel zu viel aus dem Boden, verteilts überall, dass es überall brennt, ist sehr effektiv, beim Sägen und Roden.
Und niemals schrien wir: Genug! Ein rasanter Höhenflug! ein fataler Selbstbetrug, ein letzter, allerletzter Zug
aus der qualmenden Kippe des Wahns, im Engen, Begrenzten stets weiter zu wachsen, die Hybris dieses unsinnigen Plans,
plötzlich wird der Luftballon platzen,
zerfetzt – und niemand hält dagegen, gegen die ganze Welt voll Physik. Die Hitze, die Strahlung, zerlegen unsere Pläne, das schnelle Stück,
das ganze Theater um Aktien und Boni. Was gar nicht zählt! – Nur pure Energie! Planks Strahlungsformel, Geld doch nie, Geld zählte nie – ist leere Magie.
Rasant war es! – In dreihundert Jahren
eine ganze Welt gekräscht! Blitzschnell gegen die Wand gefahren, immer rasanter – ausgelöscht!
Ich weiß, ich bin ein elender Wicht, nur ganz dumm – das bin ich nicht! Etwas Besseres – das ist schneller, modernere Lampen brennen heller,
oder sind sparsamer im Verbrauch. Das gilt für die Softwareentwicklung auch. Vor tausenden Jahren, da wurde gerupft, mit bloßen Händen das Korn gezupft.
Da kam einer und nahm sein Messer, und siehe da, es ging schon weit besser! Dessen Form nun noch verbessert geschmiedet, damit man nicht so schnell ermüdet!
Dann Sensen und Rechen und Säcke erfunden, und schneller drehen die Schnitter die Runden. Der Pflug, der Korb, der Mahlstein, der Flegel, die Bauern hissen ihre Segel!
Und segeln geschwind in alle Welt. Fortschritt, Effizienz, voran! Man hält nun Rinder, um den Pflug zu ziehen. Immer mehr Leute, weniger Mühen,
für immer mehr, mehr als man braucht zum Leben, um’s zu verkaufen, Nahrung weiterzugeben, an die, die nicht mehr schuften, sondern denken, der Menschheit die Schrift, die Zahlen schenken.
Immer weiter ging der Weg nach oben, immer weniger haben mehr hochgehoben. Weniger Menschen brachten mehr Korn, man war stolz darauf und dachte nach vorn.
Viel später kam dann die Industrie, die Traktoren, Mähdrescher erfanden sie. Das Rind, die Pferde wurden ersetzt, doch niemals das alte Gesetz verletzt!
Modern bedeutet: Man braucht nicht mehr, braucht weniger, leichter wird’s – nicht schwer. Moderne Methoden laufen nicht leer! Doch heute liegen die Stangen quer.
Die moderne Entwicklung, die braucht doch heute nicht weniger, sondern viel mehr Leute! Sie braucht Betreuer um die Entwickler herum, sonst fallen sie uns noch im Sitzen um.
Um jedes Programm schart sich ein Team, die alle dran gemeinsam ziehn, Entwickler die einen, die andren Betreuer, die Chefs darüber schüren das Feuer!
Und Entwickler braucht man mindestens zwei, besser noch sind es mindestens drei, noch besser sind dann mindestens vier, ach nein, man braucht viel mehr hier!
Man braucht gleich ein ganzes Heer! Doch wo, nur wo, kommen sie her? Vor allem dann, wenn die Alten abserviert, sie nicht mehr mitgestalten?
Die besseren Tools, die brauchen halt viel, so viel mehr, für das ganz große Spiel. Wie moderne Traktoren, die brauchen nicht einen, sondern mehrere Fahrer – sonst nützen sie keinem!
Das stimmt doch nicht! Die fährt doch Einer allein! Einer bestellt schon viele Felder! Du träumst doch! Nein! Nein! Doch! Auf dem Feld braucht man noch einen – der zuguckt! Und einen, der froh – aus dem Fenster luckt!
Und einen, der dann immer aufschreibt, was dieser Traktor auf dem Feld so treibt! Man muss erst den Weg übers Feld besprechen, und wer ihn nun führt, den modernen Rechen.
Da kann man sicher der Software verzeihen, dass sie, was früher einer, jetzt schafft mit dreien. Ein Traktor, modern, der braucht eben viel – wie viel dann bei uns, beim großen Spiel!
Ein Traktor, ja, der ist kompliziert, wird sicher nicht allein konstruiert. Ja hinter dem Traktor steht die Industrie! Thomas, bedenk das, vergiss es nie!
Damit sind viele Leute beschäftigt, sehr viele denken, und das ziemlich heftig! Viele tausend Traktoren, stabiles Metall, zehntausend sogar, und in jedem Fall
hat auch die Industrie eine Software-Abteilung. Auch dort zelebriert man den Tanz der Heilung, den Tanz vieler Teams um den wenigen Brei. Doch Fortschritt – nein! – Nur noch mehr Geschrei!
Das Eis der Flüsse knistert, knackt, kracht und bricht entzwei, die Schollen drängen nordwärts, an langen Ufern vorbei.
Vögel fliegen von Süden ein, es zwitschert wieder im Wald, Sonne fällt in den Schnee hinein und löst ihn auf ohne Halt!
Nur kurze Zeit noch! Geschmolzen springt der Schnee in den Bach, sieht man ihn sich über Steine wälzen, sprudelt zusammen, wächst hundertfach.
Schnell, so schnell erblüht es, keiner trauert und liegt brach. Licht, die Sonne gießt es, wirft es einem jedem nach.
Voller praller Sonne, wildem Spiel, fehlt bald das Eis, die Blüte bricht, alle überwältigt Gefühl, alles will Licht, mehr Licht!
Leben explodiert, drängt und rast nach oben, zetert, trillert, quakt und schnattert. Licht, Strahl um Strahl! Hinausgeschoben wird Blatt um Blatt. Ein Eichhorn ergattert
seine erste Nuss, herausgehoben hat sich ein Keimling aus dem Samen, öffnet breit sein Blatt zur Sonne, sprosst hoch, sprengt seinen Rahmen.
Die Herzen hüpfen, tanzen, alles springt, alles lacht, erschlägt seine Sorgen, alles gelingt, es wächst, gedeiht und singt. Jeder Tag ist voll, ein immer neuer Morgen.
Göttin Frühling, wie bist du so groß! Du hast ja alles überflutet mit Werken! Komm, binde uns die Winterfesseln los! Halt deine Kraft nicht mehr verborgen!
Sei zugeneigt, uns gnädig, gib uns ein leichtes, lichtes Los! Sei mit uns morgens früh schon tätig, zieh munter mit zum Säen los!
Erbarme dich und schenk für immer so herrlichen Beginn am Tag. Doch Ängste schick sie nimmer! Send keine Krankheit, keinen Schlag!
Kein Verderben! – Diese Welt sei grün! Wir müssen ihre Wallung bewahren, fröhlich feiern, Furchen ziehen, unsere Göttin soll sich offenbaren!
Sendet zu ihr eine mutige Seherin, ein junges, unbeschwertes Mädchen, hinauf zur großen Göttin hin, als Weihgeschenk von Land und Städtchen.
Sendet sie, dass sie erfleht weiter herrliche, schöne Tage, dass es weiter – Prost! – so blüht, weiter glänzt in herrlicher Lage!
Wie können wir die Götter erreichen? Wer darf von uns zu ihnen ziehn? Wann, auf welches Zeichen? Welche von uns ist so kühn?
Seht! Keine will das Opfer sein! Alle fliegen schnell aus dem Kreis. Priester rennen, fangen ein, alle rufen: „Um keinen Preis!“
Wie Vögel, die ins Weite ziehen, stoben die Mädchen auseinander! Eine davon, die hilft kein Fliehen, umkreisen die Alten eng beieinander.
Versperren wie Adler ihren Weg und jagen sie zurück zur Mitte. Sie findet keinen Ausweg, ihr hilft auch keine Bitte.
Tanzen muss die Junge, Schöne! Reine Magd, durchjag den Abend, durchjagt die finstere Nacht, jagt auch am frühen Morgen. Fall erst mittags in gleißender Pracht!
Damit die Götter, die große Göttin, sich versöhnt mit ihrem Stamm, der Erde, gibt sie sich tanzend hin, nimmt auf sich schwere Bürde.
Tanzen muss sie, wirbeln, wie Shiva durch das Chaos reiten, schnell, ganz eng um die Achse zwirbeln, ihre Arme ganz weit ausgebreitet.
Langsamer werden, höher springen, rasend um den Tanzplatz sausen, sich verbiegen, sich verschlingen, Haare, Locken, Kleidung zerzausen.
Löst den Schopf, sie dreht, wirbelt die Haare im Kreis herum. Sturmwind, der durch sie weht, schnellt gerade, klappt sich krumm.
Springt hoch, verschwendet im Zusammenbruch ihr Leben. In Trance, zitternd überwindet sie den Abgrund, fliegt, bebt,
wankt, schwankt, fällt, zitternd Schritt nach Schritt, erschöpft zu Boden knallt – dumpf. Ihr Körper kommt nicht mit!
Doch ihre Seele jagt nach oben, zittert, sie fasst der Göttin Hand! Donnern, Grollen, Erschüttern! Sie steht im anderen Land!
Die Göttin küsst und grüßt sie, umarmt sie, erfüllt sie mit Glück. Nur ihren leeren Leib ließ sie, Göttin nun selbst – zurück!