Lyrik und Sound

Kategorie: Dunkel (Seite 3 von 7)

Ins Freie

Ins Freie will ich fliehen,
von dieser Welt hier nichts mehr sehen,
ihre Verbrechen, vergeblichen Mühen,
Schmerzen und Tod – zugrunde gehen.

Ich will fliehen in die Luft,
hoch, noch weiter, um Schönes zu sehen,
wo Sonnen, helle Sterne glühen,
die Wirbel wilder Schöpfung drehen.

Hinaus, hinauf, fort aus der Enge,
kleinlich-krämerischer Gedanken,
den Gefängnisen enger Zwänge,
dem Wirrwarr aus Zäunen, Schranken.

In Zärtlichkeit, Musik hinein,
hin zu betörenden Küssen, Festen,
in einen Bottich voll Milch und Wein,
in einen Tanz aus Licht und Liebe.

Hinaus, hinauf, fort aus der Enge,
in einen Tanz aus Licht und Liebe.

Plastik zu jedem Hauptgericht

Die Welt ist so verdorben,
ich hasse sie, diese Welt!
In ihr bekommen Mörder Orden,
und Schutzlose werden gequält!

Sie scheint mir voller Teufel,
es hausen hier dumpfe Affen,
daran habe ich keine Zweifel,
die rauben und zusammenraffen,

was immer sie nur schnappen können!
Ja, wir werden es schon schaffen,
wir werden die Welt verbrennen!
Zumindest die schlauen Affen!

Wir werden uns selbst vernichten
mit Hitze, Strahlung, Plastik,
wir werden bald verzichten
auf Kaviar, Hummer, feinen Aspik.

Plastik, ja – das schlucken wir
schon jetzt in rauen Mengen,
voll frisst sich davon jedes Tier,
in jeder Pflanze drängen

sich mikrokleine Plastikteilchen.
Bald wird es überall zu viel,
gut, das dauert noch ein Weilchen,
doch dann ist es aus – unser Spiel!

Man lacht gern über alte Römer, ihr Blei,
den Bleizucker, den sie gerne tranken,
doch wir genießen gerne Plastikbrei
und werden daran erkranken!

Und Blei – war damals noch nicht überall!
Dem Plastik aber – entkommen wir nicht!
Ob Ozean, Feld, ob Hühnerstall:
Plastik zu jedem Hauptgericht!

Und Plastik ist nur eines der Zeichen,
die wir, Teufel, schwarz in den Himmel malen.
Es gibt viel mehr! – Es wird gut reichen
zu vielen, vielen Schreien, Qualen.

Nerven

Weißt Du, meine Nervenketten
sind aus ihren Kränzen gesprungen,
da ist auch nichts mehr zu retten,
die Ritzel sind tief eingedrungen

ins weiche Gehirn, quirlten es flüssig.
Jetzt schäumt es auf nach allen Seiten,
seine prallen Falten fallen rissig
ein, unfähig Gedanken weiterzuleiten.

Niemand kann uns noch leiten,
Ordnung bringen in der Welt.
Worte, Sätze, nur Belanglosigkeiten,
die nichts mehr zusammenhält.

Nichts hält sich noch für errettbar,
entkommt dem Haus der Verwesung.
Ruinen, Ideologien starren leer, klar,
früher da schien noch alles machbar.

Neuer Wohlstand explodierte für alle,
der Brunnen Erde spuckte Reichtum.
Heute streckt CO₂ seine Kralle
aus und nichts wird’s mit grenzenlosem Konsum.

Der frisst die letzten Gedanken auf,
aufgelöst fließen Hirne in Gullys
– hinab, nicht in den Himmel hinauf,
– hinab mitten in die Kanäle, ins Verlies,

wo der schaumige Schleim der Träume
mit bitteren Tränen gemixt wird.
Nichts, luftige, ölige Schwärme
aus Pilzen, Bakterien, Algen, zersetzt, umschwirrt

von Fliegen und ausgeschlürft
von bald zerplatzenden Maden,
die der dunkle Fluss auswirft.
Wahnsinnige gehen dort noch baden.

Wahnsinnige suchen im blähenden Schaum
nach Licht und Weisheit und Erkenntnis,
geben der Hoffnung immer noch Raum.
Wahnsinnige! Das wird nichts!

Wir sind nicht dazu geboren,
um Erkenntnis aus dem Lauf der Welt zu filtern.
Wir stopfen unsere Mägen mit Kadavern voll, verloren
wären wir hier sonst, überwintern

müssen wir jedes Jahr im Dreck,
dem Boden voller Würmer, Pilzhyphen,
den Schleim schiebt man nicht weg,
die Hände und Lippen triefen.

Trinken Plastikcocktails aus blauen Flaschen,
rufen die Wogen der Meere,
erstickt in Netzen, Taschen,
voll riesiger Strudel, blauer Leere!

Kein Leben mehr außer Mikroben,
Fadenwürmer behausen Plastikwälder,
die die Meere durchziehen von unten bis oben,
nur noch leere, endlose Behälter!

Stille Begleiter

Das Leben hier erscheint uns sicher
Obwohl viele Brocken im All um uns tanzen
Ja, sorglos sind wir – gefährlich wahrscheinlicher
Sind unsere Selbstzerstörungstendenzen

Doch wenn sie treffen, treffen sie
Die Großen zertrümmern ganze Regionen
Wir beobachten – vermessen sie
Taumeln sie in gefährliche Zonen?

Dort hin, wo wir uns ganz sicher sind
Es knallt in wenigen Jahren!
Ein Brocken dort treibt sorglos und blind
Der wird es nie erfahren

Wir aber! Was können wir noch machen?
Genügt es, Raketen dorthin zu senden?
Lassen wir neben ihm Bomben krachen?
Können wir ihn, unser Schicksal noch wenden?

Doch sehen wir ihn denn überhaupt
Wenn uns die Sonne hinter ihm blendet?
Ein böser Gedanke, vor dem es mich graut
Fehlt uns die Zeit, nachdem man ihn findet?

Die Brocken schweben, fliegen weiter
Um uns und unsere Sonne herum
Es sind so viele, unsere stillen Begleiter
Und davon ein großer bringt uns mal um!

Doch wann? Und ist denn sonst nichts los?
Haben wir keine andren Probleme?
Hier sind doch längst die Sorgen groß
Beißen uns, zeigen giftige Zähne

Ja, wir treiben es noch ärger!
Die Mächtigen wollen nichts verlieren
Auch andere nicht, alle sind stärker
Und lassen alles – explodieren!

Und dann die Klimakatastrophe
Dank Wachstum, das den Halt verliert
Unser aller Konsum, der hypertrophe
Der uns stracks in die Hölle führt

Zerstört die Umwelt, unser Heim!
Die Schwermetalle, Plastikmeere
Wir sind doch nicht mehr sicher daheim
Fühlen schon die große Kehre

Die Wende zurück in magerste Zeiten
Weil uns die Erde nicht mehr erträgt
Doch unser Verstand kann uns nicht leiten
Die letzten Bäume schnell noch zersägt!

Die letzten Tropfen gierig getrunken
Die letzten Böden – weit weggeweht!
Die letzten Körner – nicht mehr gesät!
Die letzten Menschen – im Müll versunken!!

Zu klein

Zu klein ist uns hier diese Erde,
wir haben sie in Stücke zerbrochen,
durch uns verlor sie ihre Würde,
wir haben unsere Heimat erstochen.

Zu klein für unseren Neid, die Gier,
den Drang, es allen anderen zu zeigen.
Wir bleiben Affen, kurzsichtiges Tier,
wir drehen auf, anstatt zu schweigen.

Zu klein ist unser ganzes Denken,
zu klein die Demut vor der Welt.
Die Welt, sie soll uns alles schenken,
soll schenken, tun, was uns gefällt.

Die Welt, sie hat sich nie gewehrt,
erfühlt uns immer noch nicht.
Wir rauben sie aus, sie wird verheert,
wir verstehen, beachten sie nicht.

Wir sind und waren immer zu klein,
sie zu umfassen, zu verstehen.
Ja, unsere Größe war immer nur Schein –
wir werden bald zugrunde gehen.

Illusion

Blau ist der Himmel.
Wunderschön wölbt er sich über Stuttgart.
Frühling. Ich freue mich.
Alles scheint gut zu sein.

Ich weiß schon, dass das nur ein Traum ist,
dass Leid überall auf uns Menschen prasselt.
Ja, es ist nichts mit der Ordnung hier.
Furchtbar ist das.

Ich will weg.
Einfach weg von hier.
Der blaue Himmel ist eine Fata Morgana.
Aber er macht etwas mit mir,

streichelt mich so sanft.
Ich will alles vergessen, was diesen
blauen Himmel zu einer Zumutung,
einem Ärgernis macht.

Für sich allein und isoliert
küsst er mich so zärtlich,
und die Kanonen werden nicht schrecklicher,
wenn ich nicht an sie denke.

Einen Halt, einen Witz braucht man einfach.
Ich will raus, unter dem blauen Himmel stehen.
Ich verkünde eine neue Welt,
eine gerechte, großzügige Welt.

Eine Welt, wie sie nicht ist.
Ich verkünde sie trotzdem.
Ich rufe die gute Welt aus,
die warme, heiße Welt der Liebe.

Das wird nichts ändern,
macht aber auch nichts schlimmer.
Schlimmer sollte es dadurch nicht werden.

Schlaflos

Ich möchte noch nicht schlafen.
Ich will noch nicht ins Bett.
Vermeide Schlaf, den sicheren Hafen.
Ich will hinaus und einfach weg.

Obwohl die Augen drücken.
Sie fallen mir schon zu.
Ich drohe einzunicken,
doch geb ich keine Ruh.

Will Mitternacht durchschreiten,
als wäre sie ein heller Tag.
Die dunkle Nacht durchreiten,
wobei der Mond mir leuchten mag.

Doch draußen tut sich nichts.
Die Nacht sie schläft hier selber still.
Trotz des Monds, des Sternenlichts,
scheint alles ruhig.

Oh was zu Teufel will
ich hier in diesen leeren Gassen?
Keine Bar hat jetzt mehr offen.
Alle schlafen, Menschenmassen?
Wo? Was will ich hier noch hoffen?

Du bist am falschen Ort.
Das ist nicht deine große Stadt..
Du musst viel weiter fort.
Doch ich bin erledigt, matt.

Die Nacht verlief ins Nirgendwo.
Dabei war ich doch so aufgewühlt
so stark und wild und roh.
Doch niemand da, der mit mir spielt.

Doch werden neue Nächte kommen!
Wilde Nächte mit Goldbeschlag.
Nass und feurig ganz verkommen,
leuchtend wie der erste Tag.

Nichts tun!

Je mehr wir tun,
umso größer das Scheitern
wir sollten mehr ruhen
nur Betten erweitern.

Der wilde Konsum
vergiftet uns,
jeder Boom
verheizt uns.

Egal was wir bauen
alles zerfällt
Habt kein Vertrauen
mehr In diese Welt.

Hier müssen wir sehr sorgsam sein
Jede Ungeduld zerstört
Pfleg jeden Garten und Hain
sehr langsam, sehr, sehr abgeklärt.

Ruhe braucht das Leben
– eine gemütliche Welt
– keinen Dauerregen
aus Krisen, wenig Geld.

Tanzt! Versucht es zumindest,
die Welt sagt dazu nicht nein.
Sucht, ob ihr einen Ausweg findest
und prescht in die Lücken hinein.

Wir brauchen vor allem viel Humor,
um unter dem Galgen zu lachen.
Das kommt einem nie spaßig vor,
trotzdem muss man es machen.

Ohne Humor geht alles bankrott.
Feiern wir! – Mitten in der Wüste,
feiern wir mit Teufel und Gott,
auf öden Bergen, an windiger Küste.

Feiern wir ganz bescheiden,
mit dem, was unser Körper trägt,
und allen Prunk, das Fressen vermeiden,
weil es auf den Magen schlägt.

Ganz sanft sein und beweglich
und nackt und auch mal scharf.
Vielleicht die Sprache – anzüglich,
sagen, was man nicht sagen darf.

Allem aber entkommen,
was zu viel Energie bewegt.
Nicht mehr als drin ist entnommen,
die Welt gepflegt, gehegt!

Nicht ausgebeutet, aufgerissen,
das macht nur sehr viel Staub.
Sonst wird zu viel mit eingerissen,
irgendwann endet jeder Raub.

Und dann ist alles leer,
und nichts, gar nichts bleibt übrig,
Überleben ist unendlich schwer,
das Kapital – zu umtriebig!

Das Kapital – ein Turbo, ein Rotor,
der alles zerfetzt, zermahlt,
ein kräftiger, gefährlicher Motor,
für dessen Folgen niemand zahlt.

Das Kapital – seid faul, legt euch
in die großen Federbetten!
Geld ist Geld, reich ist reich,
doch kein Reichtum kann uns retten!

Nur Faulheit noch – nichts tun!
Nur Verzicht rettet das Leben!
Abwärts! Abwärts! Ruh’n, ja ruhn!
Nichts auf eitlen Luxus geben.

Unser Luxus das sind wir,
unser Körper, unser Geist
wer gierig ist der ist ein Tier,
das um leere Beutel kreist.

Es meint die Beutel seien voll,
sein Traum wächst immer mehr,
das Tier wird giftig, böse, toll,
es bricht sie auf – doch – alle leer!

Leer! – Alles leer und umsonst!
Die Kräfte – für nichts verausgabt,
Und kein Beutel mehr hier sonst,
das letzte Mahl – gehabt!

Verschwunden

Ach Thomas, Thomas!
Atme durch und halt mal an,
nimm nicht alles im Übermaß,
wo man nicht alles bekommen kann.

denn es gibt immer eine Grenze
die Dich stoppt und festhält
und noch so feurige Tänze
Du weißt wie schnell man fällt!

Viele scheinen kein zu viel zu kennen
Doch Grenzen, sie sind Realität
Man kann nicht über Klippen rennen
ohne, dass man ins Fallen gerät.

Doch ja, man rennt gern über das Ende
hinaus und setzt dann an zu Sprung
Doch hält die Luft nicht, noch starke Winde
ab den Sturz, den tödlichen Umschwung.

Ich höre zehntausend Teufel lachen:
„Die beschwören noch immer den Konsum!
Obwohl sie in die Katastrophe krachen
verharren sie weiter im Irrtum!

Und wollen noch immer mehr und mehr
und kriegen ihren Arsch nicht voll,
sie fallen deshalb übereinander her
und kreisen noch immer

um sich selbst wie toll

Ach sie werden es nie lernen
sie lernen das nie mehr
sie greifen zu den Sternen
doch ihr Verstand hat es schwer.

Die Gier, die hat sie groß gemacht,
die zog sie hoch aus dem Dreck
doch geben sie auf ihre Gier nicht acht,
und irgendwann

sind sie dann weg!

Frieden aber wann?

Ich will gerne tanzen,
froh sein will ich und lachen
und komme an meine Grenzen,
die mich unglaublich traurig machen.

Ich möchte ja so fröhlich sein,
doch alle kaufen noch mehr Waffen.
Nach zig Jahrtausenden – nein! –
wir konnten es nicht schaffen,

Frieden zum Normalfall zu machen,
an den man nur noch am Rande denkt,
über triste vergangene Zeiten zu lachen/
Alles ist gut, der Krieg ist gehängt!

Wie würde ich mich freuen,
wäre so glücklich und froh,
würde Blumenblüten streuen –
fein wären wir, nicht mehr so roh.

Doch wird das je einmal passieren?
Reicht uns dazu der Verstand?
Wie viele müssen noch ihr Leben verlieren?
Wann das je endet, bleibt unbekannt.

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