Lyrik und Sound

Kategorie: Dunkel (Seite 2 von 7)

Verlorener alter Himmel

Zum alten Himmel kann ich mich nicht strecken
dort findet man nur Menschenbilder
kann nur den Menschen entdecken
die Wirklichkeit, das All ist wilder

Und Menschenleer, fast völlig leer
und alles aus feinstem Staub geboren
nur kleine Flecken sind dort sehr schwer
der Menschengott ging darin verloren

Dort fühlte er sich nicht wohl
ist in diesen Weiten gestorben
ganz plötzlich tönten Theologen hohl
ihre Schlüsse töricht abgestorben

verdorrten die alten Träume, auch Yggdrasil
die ganzen Geschichten fielen herunter
wurden Texte, hüpfen noch, schlüpfrig, als Spiel
doch im All, da gingen sie unter

Religionen erklären nichts mehr
sie glänzen nur noch als alte Geschichten
sind fast wie das All, nur völlig leer
ausgebrannte alte Schichten

in der Geschichte besser aufgehoben
als in der Gesellschaft, der Politik
Die Physik, Chemie hat abgehoben
sie fliegen auch nicht mehr zurück

Apokalypse

Apokalypse, Sterne fallen
wie Raketen aus dem All.
Einschläge von Bomben,
Schüsse knallen.

Apokalypse
Apokalypse

Apokalypse, kein Regen,
weite, wogende Felder verdorrt,
werden überschwemmt,
wenn Stürme darüberfegen.

Apokalypse
Apokalypse

Apokalypse, Angst und Schrecken
im verminten Kampfgebiet,
grimmiger Tod brüllt,
falls uns die Zünder entdecken.

Apokalypse
Apokalypse
Apokalypse

Aufgabe 15 in Wie schreibe ich ein Gedicht?

Zur Hölle! Wir sind immer erreichbar,
nach oben aber, kommen wir nicht.
Wir arbeiten lautlos, ohne Licht,
wir Schatten bleiben unsichtbar.

Wie wir umsonst, die Räder drehen,
wie wir umsonst, zur Arbeit laufen,
umsonst, all diese Dinge kaufen,
die wir hier unten, doch nicht sehen.

In unserer Hölle wird gedroht:
Der Arbeitsmarkt braucht uns nicht mehr
und unsere Konten werden leer,
der Zufall nur, streut Geld und Brot.

Die Angst kann keine Hoffnung stillen.
Der Druck, setzt unsere Seelen in Brand,
er presst uns alle an die Wand,
raubt uns den Atem, bricht den Willen.

Lässt uns erschöpft und leer zurück.
Zur Hölle, da müssen wir raus!

Rennt! Jagt! Durch die Flammen hinaus!
Dort! – Ein Schimmern – Strahlen – das Glück?
Rennt! Jagt! Durch die Flammen hinaus!
Dort! – Ein Schimmern – Strahlen – das Glück?

Betrieb

Wir rennen durch die Räume,
springen in den Spagat,
vergessen all unsere Träume,
kochen bei zweihundert Grad.

Wir tauchen ab in die Kälte,
ziehn Zahlen, Zinsen, Ziele,
erzeugen Erfolge, Werte gestellte
und Lücken, Lücken viele.

Die Mühle zermahlt Leben,
die Mühle zermahlt Zeit.
Die Wände halten, kleben,
die Wände pressen breit.

Doch Wände hier – sind hart
und Zellen hier – sehr klein.
Bis man uns verscharrt,
schlagen wir gegen Stein.

Die Mühle zermahlt Leben,
die Mühle zermahlt Zeit.
Die Wände halten, kleben,
die Wände pressen breit.

Seht Grenzen näher kommen,
den Raum, der immer kleiner wird,
langsam wird uns der Atem genommen,
zusammengepresst, wir im Geviert.

Fein mahlt sie, fein, die Mühle,
krachend zu rohem Schrott.
Herum, herum wirbeln Arme, Gefühle,
kopflos, quetscht sie uns fort.

Ich kann die Welt nicht retten

Nein – ich kann die Welt nicht retten
die fühlt sich wohl in ihren Ketten
es scheint ihr noch nicht heiß genug
Die Menschen werden zu spät klug

Die Menschen erkennen ihr Verderben
Erst wenn sie reihenweise sterben
Erst wenn der Sargnagel sie trifft
doch dann ist alles – schon verschifft

Dann kann uns nichts mehr retten
Die letzten Toten wird niemand betten
in trockene Erde, Steine und Sand
bedecken feuerheißes Land

Aber das ist doch zu viel
ist ein Katastrophenspiel
So wird die Welt nicht untergehn
wird nicht wie die Venus glühn

Nur Übertreibung – Klagen, nur klagen
Doch können wir das mit Gewissheit sagen
mit Sicherheit, dass uns das nicht blüht
dass sich die Menschheit genügend bemüht

Sind viele Kippunkte überschritten
dann helfen allen keine Bitten
Das Leben wird es wohl überstehen
um uns jedoch ist es geschehen

Die Lieferketten splittern zerstreuen
die Pfeiler unserer Wirtschaft brechen
die Sonnenstrahlen Äcker zerstechen
wir werden unsere Kurzsicht bereuen

Nein – ich kann die Welt nicht retten
auch wenn wir vor dem Abgrund stehn,
Die Dummheit tobt in unseren Städten
die Menschheit wird zugrunde gehn

Tage getauscht

Gott, ich habe die Tage getauscht,
es ist an mir vorbei gerauscht.
Am Donnerstag dacht ich, dass Freitag ist,
es gruselt mich, was für ein Mist!

Das war kein kurzes Versehen,
lang habe ich es nicht gesehen,
mit Blindheit war ich geschlagen,
mir stellten sich keine Fragen.

Nun ein Blick auf die Uhr im PC
und plötzlich die Einsicht: Ach herrje!
Der Tag, der schon vergangen schien,
kommt erst noch, mit seinen Mühen!

Ist deshalb die Welt so böse und öde?
Weil ich so langsam schon verblöde?
Weil ich die Schönheit nicht mehr sehe,
an Hirnschwund elend zugrunde gehe?

Gewiss, ich glaube, ich kann noch denken
und Worte in schöne Sätze lenken,
doch kann es sein, das scheint nur so
und was ich schreibe, ist fürs Klo?

Macht jetzt schon nichts mehr Sinn,
weil ich bereits am Zerfallen bin?
Mir scheinen die Reime, die Sätze zu stimmen,
ihr aber seht – er ist von Sinnen!

Wie kann ich mich noch selbst erkennen,
wenn meine Nerven nicht richtig brennen?
Ich erkenne dann nicht mehr den Fall,
den Sturz, die Glätte überall!

Auch wenn ich rutsche, spüre ich’s nicht,
ich denke nur: Passt! Doch – es bricht!
Oh, sagt mir nicht, dass alles stimmig ist,
ihr seid nur lieb, bedeckt den Mist!

Ihr wollt es mir nur nicht gestehen,
doch könnt ihr schon den Wahnsinn sehen!
Die Sätze machen längst keinen Sinn mehr,
die Wörter stehen schon länger quer!

Nur mir erscheint noch alles klar,
ganz durchgestailt und wunderbar!
Ich habe mich völlig verrannt,
doch all das ist mir unbekannt!

Mein Gehirn ist so verschlissen,
ich kann, was fehlt, nicht mehr vermissen.
Und wenn das noch nicht jetzt geschieht,
weiß ich, dass es mir sicher blüht!

Dass es vielleicht gerade beginnt,
dass mein Verstand ganz langsam zerrinnt.
Und alle sind in der furchtbaren Lage,
kein Wunder, dass ich da verzage.

Ich sehe nur noch Krieg, die Plagen,
voll furchtbaren Leiden, die an uns nagen.
Wenn ein Gott wirklich die Welt erschuf,
hat er einen viel zu guten Ruf.

Denn er ergötzt sich versteckt, verborgen,
an all unsren Leiden, all unsren Sorgen.
Das hat der Teufel schon früh erkannt
und wurde dann gleich in die Hölle verbannt.

Ein Grausen packt mich und eisig kalt
läuft es mir den Rücken hinab!
Ja, ich werde, ach, bin schon alt!
Und irgendwann bricht alles ab!

Zum Teufel auch, zur Hölle hinab!
Das alles mag schon richtig sein.
Doch was bringt es, alter Sack?
Gibt’s nicht auch die Sonne, roten Wein?

Springt dir nicht manchmal das Herz
zum Himmel und du bist glücklich?
Lachst du nicht bei jedem Scherz?
Nur Unglück ist auch unmöglich!

Sei mutig, nicht vom Leben entsetzt,
parier ihm treffend jeden Schlag.
Freu dich, feiere das Gute im Jetzt.
Lob und genieß jeden warmen Tag.

Freu dich, schätze die Sorglosigkeit,
sag immer: All das hat noch Zeit!
Und wenn du wirklich gestorben bist,
ist alles vergessen, wird nichts vermisst.

Denn wer denkt, ist nicht gestorben,
und wer starb, vermisst keinen Morgen.
Lass dich verzweifelt, doch nie zerdrücken,
du darfst die süßen Äpfelchen pflücken!

Die Lage ist zwar gar nicht schön,
doch wohin könnten wir sonst gehen?
Geworfen sind wir in die Welt,
uns ist das Leben dadurch vergällt,

doch ein paar feine Kuchenstücke
gibt es – sucht euch jede Lücke,
schaut zum Unglück nicht zurück.
Sammelt sorgsam jedes Glück.

Pflanzt euch immer mal ’nen Baum,
der wächst, treibt Zweige, neue Triebe,
gebt ihm Platz und weiteren Raum,
pflegt ihn achtsam, gebt ihm Liebe.

Pflückt die prallen Äpfel dann,
backt einen wundervollen Kuchen,
saftig, darauf kommt es an,
nascht und lasst euch versuchen.

Appalachen Bluegrass

Bluegrass, Blaue Berge, armes Land,
keinen Kreuzer aber Glück,
mit dem Banjo in der Hand,
so denke ich zurück.

Male blaue Tapeten,
trillere auf rosa Saiten,
auch ganz ohne Moneten,
kann sich Spaß verbreiten.

War auch selbst nie da,
hab auch nie gehungert,
hab nicht dem Sterben nah,
in den Bergen rumgelungert.

Morgennebel

Nebelig und am Morgen noch dunkel,
ich spüre die Kälte, wenn ich’s nur sehe!
Milchig alles statt Sternengefunkel –
ich will nur Ruhe! Alles macht Mühe!

Ich will im Bett wieder verschwinden,
im warmen Bett, wo alles so schön ist!
Will Sträuße dort aus Gedanken binden,
einfach schlafen – doch so ein Mist!

Die Gesellschaft drängt zum Handeln,
zum Aufstehen, um zur Arbeit zu gehen.
Doch weshalb sollte grad ich so handeln?
Ich will doch jetzt keinen Nebel sehen!

Ich forme meine Lippen zum Kuss,
ja, küssen würde ich jetzt gerne.
Doch leider, wenn man arbeiten muss,
rücken Küsse in die Ferne!

Kalt ist mir, es ist erschreckend,
was so ein dichter Nebel macht!
Trostlos in die Welt raus blickend,
gibt es niemanden der lacht!

Womit kann ich Euch nur trösten?
Erlösen wenn mein Kuss versagt?
Durch kleine, zarte Gesten?
Nicht dadurch, dass man drüber klagt!

Also mit gespieltem Schwung,
den mir sicher niemand glaubt?
Mit einer Morgenübung?
Die gleich alle Power raubt!

Morgenübungen machen Spaß!
Aber nur, wenn es die Richtigen sind!
Ach Anspielung! Lass sie! Lass!
Wo wir doch noch so müde sind!

Das Geheimnis

Nein – ich weiß es nicht,
das Geheimnis dieser Welt
kenne ich nicht.
Ich weiß nicht einmal,
ob es überhaupt eins gibt.

Vielleicht ist es ja ganz einfach
und wird bis heute übersehen,
da es im Krach des Denkens
zu leise und selbstverständlich,
gar nicht zu hören ist.

Unsere Erwartungen viel zu hoch sind,
wir immer darüber hinweg schauen
und es deshalb nicht finden.

Ich jedenfalls – ich –
kenne dieses Geheimnis nicht,
meine zwar, dass es ein solches Geheimnis gibt
und die Welt sich irgendwie selbst am Schopf packen kann.

Die Welt in einer Endlosschleife mit sich selbst verwoben ist
und aufgeklärt werden kann,
weshalb es überhaupt etwas gibt.

Aber wissen tue ich es nicht
und ich werde wieder aus der Welt verschwinden
bevor ich nur einen Funken davon verstehe.

Das ist eine Tragik
ohne Ende und Trost!

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