Lyrik und Sound

Kategorie: Denken (Seite 7 von 9)

Tot

Es wird nicht schwierig, einsam sein
weder Nacht noch Tag und klar
du gehst wieder ins Nichts hinein
dorthin, wo niemals etwas war

Es gibt da weder Glück noch Qualen
nichts bekommst du, musst nichts zahlen
du wirst nichts mehr spüren,
kein Licht, kein Laut und kein berühren.

Du schmeckst nichts mehr, nichts riecht
es rennt nichts, fliegt nichts und nichts kriecht
Alles wird ruhig, unhörbar. Du warst
und wirst nun nie mehr sein
Man legt nichts mehr ins Grab hinein

außer einer leblosen Hülle
Verschwunden ist die Fülle
der Eindrücke und bunten Muster
aber es ist auch nicht duster

nichts mehr, weil da gar nichts war
Kein Erinnern macht es dir klar
Restlos wird alles verschwinden
Du wirst dich selbst nie finden

Du wirst dich selbst auch nicht mehr suchen
und diesen Zustand nicht verfluchen
alles ist dann tot
errettet aus der Not

Der Preis ist, dass es niemand weiß
Nichts ist gerade Nichts dreht im Kreis
Es wird so einfach, so einfach sein
als Lebender da sagst du nein

Als Lebender da willst du fühlen
und dein Hirn ist voll von Zielen
Plötzlich ist dann alles fort
doch du denkst nicht mehr das Wort
Verschwunden alles, nie warst du da.

Gift und Teufel

Besser die anderen sehen rot
damit ich weiß – ich bin nicht tot.
Wenn ich weiß sie schäumen
bin ich nicht am träumen

Ist alles ganz real
Meine Freude ihre Qual
Dann weiß ich ohne Zweifel
ich bin nicht lieb, ich bin ein Teufel

ein ungehobelter Bauer
Eine Schlange auf der Lauer
von solchen die ganz giftig sind
und manchmal sanft, so wie ein Kind

Ich bin furchtbar angeeckt
Ich habe mich entdeckt
Ich weiß es ohne Zweifel
Jetzt bin ich ein Teufel

Ein Teufel der schmollt und zischt
giftige Verse zusammen mischt
Der sich freut und lacht
Viele kleine Späße macht

manche davon könnten zünden
und meine Ohnmacht überwinden.
Ich weiß es ohne Zweifel
Ich bin Gift und Teufel

Turmbau zu Stuttgart

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutsche-bahn-bahn-verschiebt-start-von-stuttgart-21-offenbar-auf-ende-2031/100235424.html

An Stuttgart Einundzwanzig dem Wunder
baut man bald einundzwanzig Jahre.
Doch schon der alte Bahnhof, Plunder,
brauchte vierzehn – viele Haare

fallen Gläubigern, Planern noch aus
Bis das verwirrende Werk gelingt
Ein Zug aus dem Kessel heraus
durch Tunnel sich zur Alb hoch schwingt.

Beim Alten kam ein Krieg dazwischen,
und auch noch eine Inflation
das will ich nicht beiseite wischen,
doch was sind die weiteren Jahre schon!

Im Vergleich zur großen Pyramide
Die Ägypter, fleißig, nie müde,
in dreißig Jahren hoch auftürmten.
Auch um Kathedralen stürmten

peitschten Regen Jahrhunderte
bis einer plötzlich – fertig! rief.
Das heute tief bewunderte,
lief früher öfter erst mal schief.

So wie der schiefe Turm von Pisa,
über hundert Jahre stand der da,
und niemand setzte einen Stein,
da war er grad drei Stockwerk klein.

Erst dann hat man sich höher getraut
noch ein paar Stockwerke drüber gebaut,
doch weit tiefer als geplant,
der Abschlusstein sein Plätzchen fand.

Der Bahnhof Stuttgarts gedeiht also gut,
auch wenn es wohl noch Jahre geht,
zum Turmbau zu Babel gehört eben Mut
mal sehen wie lange er danach noch steht.

An Stuttgart Einundzwanzig dem Wunder
baut man bald einundzwanzig Jahre.
Doch schon der alte Bahnhof, Plunder,
brauchte vierzehn – viele Haare

fallen Gläubigern, Planern noch aus
Bis das verwirrende Werk gelingt
Ein Zug aus dem Kessel heraus
durch Tunnel sich zur Alb hoch schwingt.

Beim Alten kam ein Krieg dazwischen,
und auch noch eine Inflation
das will ich nicht beiseite wischen,
doch was sind die weiteren Jahre schon!

Im Vergleich zur großen Pyramide
Die Ägypter, fleißig, nie müde,
in dreißig Jahren hoch auftürmten.
Auch um Kathedralen stürmten

peitschten Regen Jahrhunderte
bis einer plötzlich – fertig! rief.
Das heute tief bewunderte,
lief früher öfter erst mal schief.

So wie der schiefe Turm von Pisa,
über hundert Jahre stand der da,
und niemand setzte einen Stein,
da war er grad drei Stockwerk klein.

Erst dann hat man sich höher getraut
noch ein paar Stockwerke drüber gebaut,
doch weit tiefer als geplant,
der Abschlusstein sein Plätzchen fand.

Der Bahnhof Stuttgarts gedeiht also gut,
auch wenn es wohl noch Jahre geht,
zum Turmbau zu Babel gehört eben Mut
mal sehen wie lange er danach noch steht.

Eingewickelt und kontrolliert

Von der KI eingewickelt
durchgecheckt und durchgeschüttelt
Was haben wir da noch zu tun,
außer zu schlafen, auszuruhn?

Ich werde überall entlastet,
heimlich gemessen, abgetastet,
ist er heute schon gekommen?
hat er seine Tablette genommen?

Alles scheint so rosa rot,
vielleicht sind wir ja morgen tot!
Unser freundlicher Rechner beschloss,
morgen stirbt mein Boss!

Vom Weihnachtsmann geschenkt
und von ihm aus der Ferne gelenkt,
wurde mir mein Robo umgedreht
gefährlich wird jeder der es versteht

meinen Robo so gut zu betören
von außen in ihn reinzugreifen
um seine Hemmung zu zerstören
seinen Schutz herabzustreifen.

Wenn man nur an Russland denkt!
Und was hat China nicht verschenkt!
Daneben steht lächelnd die USA
Ihr CIA war schon immer da

Wir hatten uns schon an ihn gewöhnt,
ganz demokratisch zusammen gefrönt,
Nun steht die Demokratie dort auf der Kippe,
und der CIA weiter tief in der Strippe.

Nein es ist überhaupt nichts mehr sicher
Es ist gefährlich unbequem
und wollen wir wieder sicher ruhn
gib es nun mächtig viel zu tun.

Hemmungen


Der Text wurde inspiriert durch
https://youtu.be/L0OydDmfwAo?si=5oHhR8ioiySDc_du

Songtext und Übersetzung in:

https://www.songtexte.com/songtext/mani-matter/hemmige-53c68f19.html

aktuell machen die Aktion der USA in Venezuela das obige Lied von Mani Matter wieder mal sehr aktuell.

Mein Text stammt aus dem Juli 2024. Er reflektiert allerdings nur über meine eigenen Hemmungen bzw. fehlende Hemmungen in meinen Gedichten. Besonders meinen „erotischen“ Gedichten 😉 auf die mein Gedicht eingeht.

Hemmungen – das ist wohl wahr!
Was wäre der Mensch ohne Hemmungen?
Das wäre Wahnsinn – na klar!
Doch sind’s auch oft Beklemmungen,

die schnüren uns den Hals fest zu.
Es gibt ja immer ein zu viel!
Doch habe ich noch Hemmungen? –
Sind gar zu viele mit im Spiel?

Zu viele bei mir? – Oder zu wenig?
Zu offen, vielleicht zu provokant?
Oder richtig? Nicht eintönig,
direkt, außer Rand und Band?

Oder? – Ich überschätze mich!
All meine Themen sind x-mal durch!
Und ich bin prüde, enttäusch‘ dich!
Ein kranker, alter, sabbernder Lurch,

spritzt! Und scheut das direkte Wort.
Die Verse keuchen festgeschnürt,
durch Reime holpernd, stolpernd fort.
Und niemand wird davon verführt!

Meine Hemmungen sind mir,
auch so oft völlig unbewusst.
Ich bin ein angezogenes Tier,
das sich ausziehn muss zur Lust!

Da geht mir wichtiger Schutz verloren.
Kein Tier sonst fühlt sich nackt.
Es sei denn, es wird wie ein Schaf geschoren,
das kuschelige Tier vom Schäfer gepackt!

Ich hab doch immer Hosen an,
wenn ich „ohne Hemmung“ schreibe,
so dass ich gar nichts machen kann,
selbst wenn ich dabei übertreibe!

Ganz nackt – wie sähe ich denn aus!
Da würde ich doch ziemlich frieren,
da schaut vielleicht sogar was raus.
Welche Hemmung – kann ich noch verlieren?

Deshalb bleibe ich angezogen!
Doch in den Gedichten? – Wird es da scharf?
Und wenn – ist es dann ungezogen?
Ich schreibe nur, was jeder darf.

Wirklich? Wirklich? Oh nein! Ich lüge!
Das stimmt auch, weil es die Wahrheit ist!
Ob ich noch über Hemmung verfüge?
Weißt du – weil du mein Richter bist!

Erst getroffen betroffen

All das was wir glauben, wissen
bezweifeln können wir das alles
Ungewissheit liegt stets dazwischen
gerade im Fall des seltenen Falles,

dass wir uns beide treffen
doch beide einander nicht sehen.
wird uns das nie betreffen
auch wenn wir nebeneinander stehen.

nehmen wir uns ja nicht wahr
es wirkt sich nicht in uns aus
wir sind überzeugt, alles sei klar
aufmerksam sähen wir hinaus.

Erst wenn wir zusammen,
beide überfahren werden
uns in der Klinik rammen,
erzählen wir uns Schmerzen, Schäden,

Hergang, alles nacheinander.
zweifeln plötzlich betroffen,
fragen wir geschockt einander:
Haben wir uns dort getroffen?

Weltcafé – Stuttgart

Im großen Hof dem Viereck
da steht ein Weltenbaum
verheißt uns Kaffee, Glück
ein grünes Dach, den Traum
In Stuttgart Ruhe zu finden,
eingelegt in volle Straßen
sich an diesen Baum zu binden,
es fehlen nur die Hasen,

die Murmeltiere, Berge,
deshalb bezweifele ich die Ruhe!
Es gibt hier keine bösen Zwerge,
keine Riesen, Zauberschuhe.
es gibt Mercedes hier und Porsche,
ich hoffe noch für lange,
denn China, der wilde, forsche
starke Staat, der macht mir bange.

in diesem kleinen Weltcafé,
dreht die Erde auf der Stelle
und draußen schneller, schneller als je,
schwimmen weg die Felle
die Stadt hat schon gekürzt
Kultur wälzt sich in Schmerzen
die Einnahmen sind abgestürzt
da wird es schwer zu scherzen

Da sitzt man nun im Weltcafé
betrachtet diesen Baum
ein Weltenbaum am Tränensee?
Wächst hier Zukunft noch in den Raum?

Pläne, Zufall, der Papst und ich

Leben das ist echt beschwerlich
manchmal bin ich da zu ehrlich,
manchmal lauf ich eig’ne Kreise
bin mir sicher, ich bin weise

und bin es am Ende trotzdem nicht,
Der Papst hingegen hell im Licht,
weiß stets was er nun machen soll,
erscheint so weise, würdevoll.

Der vertraut auf alte Mären,
die ihn fünffach hart beschweren
und trifft ihn dann ein Stoß
sagt er nicht mal: Ist was los?

Ich aber lebe leicht:
Einmal Leben reicht.
Nach mir kommen andere dran
keiner verschmort im ewigen Bann.

Mein Leben habe ich verbunden,
mit Einsicht, Fehlern, Versuchen.
hab unten stolz mein Heil gefunden,
Der Papst – muss weiter oben suchen.

Der muss auf Petrus warten,
bis Petrus ihm die Tür aufhält,
Ich kann rennen und starten,
er startet erst, nachdem er zerfällt.

Der Papst lebt mäßig, einfach,
weil er sein Leben gar nicht lebt,
zu leben, das ist nicht sein Fach
da er hoch gen Himmel strebt.

Ich aber will doch immer leben,
und spüre so die vielen Flöhe
die mir fest am Körper kleben
ich krieche, spring nicht in die Höhe.

Und bin hier unten hilflos,
Meine Hand ergreift kein Ziel,
Gott der Schatten dunkel, groß,
düster lädt mich nicht zum Spiel.

Mein Leben, dumpf, ist nicht erhaben,
wenn der Schatten es nicht heiligt
um mich fliegen schon die Raben
krächzen laut und haben es eilig.

Wie kann ich mich nun selbst erheben,
aus meinem engen Lager im Schlamm?
Wie fröhlich sein und leben, leben
wo ich nur stecken bleiben kann?

Ich liege hier – was soll ich,
machen, an welchem Strich
ziehen, hochziehen, stehen?
Ich kann nicht alle Wege gehen

nur Einen, Einen, nicht mal bewusst,
gehäkelt Häkchen Frust an Frust
grade noch davongekommen,
wieder eine Kurve genommen.

Aber alles ganz ohne Plan,
fahre ich sicher in der Bahn
bis sie springt, mein Körper fliegt,
plötzlich quer im Graben liegt.

Keinen Halt gibt es, alle Andern
sehe ich genauso wandern,
und nur die eine Lösung finden
die Augen, Ohren zuzubinden.

Den Mund fest zu zunageln,
dass keine Widerworte hageln,
mich nicht zerquetschen Schlangen,
die im Schlammgrund Menschen fangen.

Im Nebel muss man lauschen, wachen,
oft einen großen Haken machen,
ohne die Gefahren zu sehen,
Ohne das Chaos zu verstehen.

Selten geschieht es, doch es geschieht,
dass man sich gar nicht bemüht
und trotzdem gewinnt wie im Lotto.
Leider zu selten, dass man’s als Motto

dick über’s Leben schreiben kann.
Ohne Plan verliert man,
obwohl kein Plan so richtig greift,
das Leben von ihm abschweift.

Ohne Pläne fehlen Spuren,
die Richtung fehlt, man geht verloren.
flattert wild im Zickzack,
weggestoßen, wieder gepackt.

rückwärts gedreht, geschleudert,
Zufall will mich fangen, fassen,
bis ich durchgewühlt geläutert
nach Plänen greife – die nicht passen.

Pläne und Zufall – rosiges Leben,
von einem Sturz zum andern,
Leben ist es doch, erleben
Aussicht, Schluchten, wandern.

ohne Ziel, geradeaus.

Knutschflecken

Leben ist nie ungefährlich
was jeder weiß sind wir mal ehrlich
doch neu war mir, selbst Knutschflecken,
können uns zu Boden strecken.

Gerade jetzt in Frühlingszeiten,
wo doch alle gerne reiten!
Das Leben es ist unerklärlich,
so gemein und so beschwerlich.

Das Liebeszeichen von Jugend auf,
grade an dem, gehen manche drauf!
die Umstände so giftig, böse, krass,
verderben jeden süßen Spaß.

An Krankheiten will ich nicht denken,
die ungestüm Verliebte schenken,
Gott ist schon etwas sadistisch,
und wir alle zu optimistisch!

Hineingeschlagen, gepresst in Not!
Dann feiern wir den Liebestod!
Nur Humor kann uns noch retten,
sprengt für Augenblicke die Ketten

dieser tristen, grauen Welt,
die ein Teufel am Leben hält.
Feiern wir den Todeskuss
den ich von Dir erleiden muss!

Feiern wir das gefährliche Saugen,
und brechen dann geliebte Augen,
feiern wir auch unser hartes Geschick,
die meiste Zeit, bringt es ja Glück,

so oft wird es wilde Lust entfachen,
so oft wir beide kichern, lachen,
und dann ein kleines Missgeschick!
bricht uns plötzlich das Genick!

Die Augen glanzlos, lichtlos, leer,
Die Wangen weiß und eingesunken.
Die Brust hebt sich nie mehr.
Der Körper in den Kissen versunken.

Doch wir haben geliebt, gelebt!
Das kann uns kein Tod nehmen,
Geküsst und in den Himmel entschwebt!
Durchstoßen von Deinen Zähnen!

George Eliot = Mary Ann Evans

Sagt mir bitte was „gleich“ ist
Sicher denkt ihr gleich
Das ihr das schon wisst
Erklärt es mir sogleich

Gleich ist a und b
Sobald ich keinen Unterschied seh
ob ich a oder b verwende
wie ich sie drehe oder wende

Ich kann nicht unterscheiden
Ob’s das ist oder das andere
Gleich scheinen die beiden
wie ich sie auch verändere

Kommt immer dasselbe heraus
wenn ich a mit b vertausche
gleich bleibt alles nach dem Tausch
welchen Tönen ich auch lausche.

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