Lyrik und Sound

Kategorie: Denken (Seite 6 von 9)

November


Ach du grauer, trister November,
selbst der Klimawandel läßt Dich kalt.
Du bist von reichlich tumber,
dunkler und nebliger Gestalt.


Sei froh darüber und laß mich ruhn.
Ihr seid hingegen zu viel beschäftigt,
der Erde Schlechtes anzutun.
tut so viel schlimmes, wer hat euch berechtigt,

Arten reihenweis auszulöschen?
Meint ihr, ihr rettet die Welt mit Geld?
Da muss ich euch tief enttäuschen,
Geld kommt nicht vor, in unserer Welt!

Da Geld nur Schein ist, ohne Bezug,
zur Ewigkeit, den Kräften der Welt,
nur Scheine sinds, doch ihr nicht klug
und euer Traum, ach er zerfällt!

Eure Bits und Bytes und all das Papier,
das Gold gehortet, ihr könnt es bald – fressen!
Ihr seid genau, wie jedes andere Tier,
auf viel zu kurzen Vorteil versessen.

Ihr habt einfach nicht das Format
und das ändert sich auch nicht.
Ich kenne da nur einen Rat
und der wird nicht schmecken, übt Eines: Verzicht!

Doch keiner will den Rat je hören,
von mir dem November, denn ich bin trist.
Als würdet ihr euch – um gar nichts scheren,
bis es zu spät, für euch alle ist!

Geh also weg und lass mich in Ruh.
Ich fühl mich im Dunkeln so wohl.
Geh gerne straks auf den Winter zu
und finde den lockeren Mai so hohl!

Und wäre ich auch nur einmal so schön,
einmal so schön wie der Mai!
Dann würdest du zugrunde gehn.
Im Sommer wärs vorbei.

Panta rhei

Nichts ist, was bleiben kann und muss
verschwinden, alles bleibt im Fluss.
Diese Einsicht ist so altbekannt,
allgemein und abgebrannt,

man kann sie kaum noch spüren,
sie scheint mich gar nicht zu berühren.
Dennoch ist sie ein Abgrund
ein Schlund, man reibt sich rot und wund,

sobald man es tragisch selbst erlebt,
Gewissheit und Bisheriges bebt.
Ja die Welt, sie lässt es nicht zu,
Entspannt zu bleiben und die Ruh

verwirbelt ins Nichts im großen Fluss,
in dem nichts bleibt, alles Enden muss.
Der mich nun selbst packt, so sehr ich mich wehre,
trotzdem wegstößt – tief ins Leere!

Hokuspokus

Ich möchte gerne ein Zauberer sein,
sage dann einfach: Hokuspokus!
Dann renkt sich alles von allein,
alles immer selber ein. Ein Genuss,

wäre es auch, wenn man nie zunimmt,
selbst wenn alles wunderbar schmeckt.
Ein Leben, in dem alles stimmt,
das offen ist und nichts versteckt.

Ein Meer, ein Ausblick weit hinaus,
türkis und ständig Sonnenschein,
dennoch trocknet aber nichts aus —
aus Quellen springt Wasser und Wein!

Man badet dort und neckisch spritzt
das Wasser, und macht alles nass.
Alles passt zusammen und sitzt,
nur noch Liebe, nirgendwo Hass.

Das Leben könnte so einfach sein,
ein gutes Leben, ohne Nacht,
ein herrliches Leben, lustvoll und rein,
ein Leben, das stets glücklich macht.

Das Leben könnte so einfach sein —
wer hat es nur so schwierig gemacht?
Wer war denn wirklich so gemein?
Wer hat uns so viele Sorgen gebracht?

War ich es, oder warst es du?
Oder schieben wir’s dem Teufel zu?
Die Frage lässt mich nie in Ruh’ —
wer warf uns all die Sorgen zu? – Puh!

Ich weiß nicht, was die Zauberei
vielleicht aus gutem Grund behindert.
Ich bin gefangen, ich bin nicht frei,
und nichts, was diese Erkenntnis lindert,

ist mir bekannt. Nur Chemie und Kraut,
nur Phantasie treibt mit uns Spott,
dass sie zaubert, Wirklichkeit baut —
und sicher auch die Hoffnung Gott

und all die anderen Fabelwesen:
Dämonen, Nixen selbst der Teufel —
können dieses Geheimnis nie lösen.
Das weiß ich, weiß ich ohne Zweifel!

Nichts kann mich zum Zaubern führen,
nichts folgt meinem reinen Willen.
Muss immer greifen, stemmen, spüren,
doch kann das nicht die Sehnsucht stillen,

nach diesem Ruf – nach Hokuspokus!

Die Welt

Ach Liebste, ach mein Liebster Du,
ich hadre oft mit dieser Welt.
In der rast alles aufs Ende zu
und selbst das Schönste – zerfällt!

Überall lauert der sichere Tod.
Begrenzt ist alles, zu jeder Zeit.
Die Sorgen drücken und die Not.
Hier kommt man niemals weit.

Natur sie treibt mit uns nur Spott,
vertuscht das Leid mit bunten Scherben.
Kurz glaubt man dann an einen lieben Gott,
der doch Krankheiten erfand und elendes Sterben!

Die Erde hält uns fest, in einem Raum,
der endlos weit und furchtbar leer ist.
Ein riesiger, ewiger, wilder Albtraum:
Oft steinig, eisig, zu heiß, zu kalt, zu trist.

Nur von fern, ganz fern, ganz weit,
funkeln sie harmlos, die Sterne.
Leichte Pünktchen, was uns freut,
die sind so schön, die sehen wir gerne.

Doch etwas näher und gar nicht so nah,
dann tötet uns das Sternenlicht.
Von Zartheit ist dann nichts mehr da,
der Albtraum kocht, der Schein zerbricht.

Die Welt ist schon im Kern brutal,
mit viel zu viel Kraft, um zärtlich zu sein.
Oft furchtbar öde, kalt und kahl,
oft Wüste aus Feuer, Lavagestein.

In diesem Elend der Leere gedeiht,
verloren in diesem endlosen All
und von ihm bedroht, die ganze Zeit,
und manchmal kurz vor dem Zerfall –

das Leben! Pflanzen Tiere, Pilze,
die Archäeen, Bakterien, Viren zusammen,
vermengt mit Wasser, sie bilden Filze,
dünne Filme, dann weite Wälder, Savannen.

Sie tummeln sich im großen Meer!
Und sind füreinander Delikatessen!
Sie saugen einander gierig leer,
und jagen sich und fressen.

Das Leben frisst sich voll,
an sich selbst, die Lebewesen,
so schön sie sind und wundervoll,
sind Ausgeburten des Bösen,

sie töten, um zu überleben.
Sie nutzen dazu alle Tricks,
sie lernen feine Netze weben,
sie schlagen zu, ganz fix.

Die Zeit schärft ihren Körperbau,
durch fangen, fressen, fliehen,
durch Hirne werden sie schlau,
mit Augen um nach Feinden zu sehen,

um dicke Beute zu machen. Vieles entsteht,
nur unter dem Druck der feindlichen Welt,
nur weil ein rauer Wind hier weht,
die Umwelt leichte Wege verstellt.

So viel verdanken wir dem Grauen!
Erraubten, erkämpften den Intellekt
Einzelne, Gruppen – stechen und hauen,
der Weg zu uns – ist blutbefleckt!

Die ganze Welt – sie ist so eng!
Sie drückt in uns die Gewalt hinein!
So eisern ist alles, fest und streng!
Die Welt, sie hält uns kurz und klein!

Die Welt – sie ist nicht Eden,
die Existenz oft voller Qual,
die Tatsachen erzählen, reden,
beschreiben – ein großes Jammertal!

Gerade‘ der Mensch nutzt seine Einsicht,
oft nur dazu, um tief zu schaden.
Tötet, zerstört mit Absicht
freut sich daran, im Blut zu baden.

Gesetze sind oft nur ein Trick,
um die Gerechtigkeit zu biegen.
Die Macht drängt immer das Recht zurück,
erdrückt Verlierer, die am Boden liegen.

Ich hadere mit dieser Welt,
sie ist bestimmt nicht gut!
Hier, wo alles stirbt, zerfällt,
braucht es besonderen Mut!

Habt Mut! Habt Mut! Hier zu leben,
das war niemals Zucker schlecken!
Hier stehen Fallen, öffnen sich Gräben!
Doch lasst Euch nicht erschrecken!

Ihr dürft Euch nicht erschrecken lassen!
Ihr könnt der Welt ja nicht entkommen
Ihr könnt ihre Tiefe auch nie erfassen
Und was sie uns gibt, wird uns wieder genommen.

Doch Liebste und mein Liebster Du,
wir sind aus hartem Stein geschlagen!
Wir stehen auf, wir gehen in Ruh
auch bittere Wege, um Neues zu wagen!

Aus dunklen, riesigen, eisigen Wolken,
rieseln Flocken, in einen See,
voll Tränen und alle Blumen welken,
es fällt dort viel – so viel Schnee!

Die Welt sie ist gewaltdurchdrungen,
vom Fressen, vom gefressen werden,
die herrliche Welt – ist zersprungen,
scheint voller Leid, voller Beschwerden.

Da singt ein Vogel, ein Fröschlein quakt,
die Liebeslieder, die die beiden singen,
durchbrechen den Schmerz – gewagt
seh ich die zwei zum Weibchen springen.

Ein neues Motto wird entworfen,
die Lust, sich gut tun, bekommt seine Chance.
Das Hauen und Stechen wird kurz verworfen,
das Männchen, Weibchen geraten in Trance.

Die Schönheit steigt aus dem Meer,
die Schaumgeborene neigt sich uns zu,
sie hebt uns hoch, nichts scheint mehr schwer,
ein Tanz beginnt, zwischen ich und du.

DIe Blumen locken mit warmen Düften,
die Bienen tauchen in Blüten hinein.
Sie tragen den Pollen an ihren Hüften,
zu anderen Blüten, zu sich heim.

Sehr schöne Melodien entsteigen,
den kalten Seen, dem eisigen Meer
und einen kurzen Moment da schweigen,
die Leiden, die Liebe legt sich quer.

Die Liebe lässt keine Klage mehr zu,
wie sie uns mit Musik begeistert!
Trumpft auf, sie gibt keine Ruh,
das Leben wird mit Farben bekleistert!

Das Leben erhält durch sie seinen Sinn,
das Leben wird durch sie lebenswert,
oh gebt Euch leicht der Liebe hin,
und sträubt Euch nicht, begehrt!

Oh meine Liebste, oh mein Liebster Du,
lass uns die Augenblicke feiern,
die Guten, Schönen, den Träumen zu,
dorthin lasst uns rudern und steuern!

KI ist sie kreativ?

Geschmetter der Pauken
Die Götter die Lauten
Sie rasen im Tempel
Spielen den Krenpel

all der KI Musik
Jedes einzelne Stück
Ob klangvoll oder aggressiv
Ob hohe Töne oder tief

KI ist sie kreativ?
In den Tempeln klingts nicht schief
Laut schlagen die Götter die Pauken
Diese alten, uralten Rabauken.

Weißt du, alles ist nicht so einfach

Weißt du, alles ist nicht so einfach.
Die Welt steckt voller kleiner Details.
Sie reiht sich nicht sauber Fach an Fach,
treffend ist das Bild des Knäuels.

Aber nicht ordentlich aufgespult,
sondern chaotisch in sich verstrickt,
von Regeln durchzogen, durchgewühlt,
in denen man keine Ordnung erblickt.

Zerschneidet man ihn, dann fällt
er in kurze Fädchen auseinander.
Dann fehlt, was ihn zusammenhält:
die Kreuzungen übereinander.

Da versagt die einfache Weltsicht,
nichts scheint mehr zu passen.
Die ganze Welt bricht auseinander –
man kann sie einfach nicht umfassen.

Staub

Wohnungen – muss man putzen.
Jedes Staubkorn wird aufgesaugt.
Rein sein muss es, es muss blitzen,
und der Boden proper gelaugt.

Doch schon nach wenigen Tagen
findet man den Gegner wieder
Ohne laut etwas zu sagen
ließ er sich überall nieder.

Der ist dreist! Wir hoffnungslos!
Wie schafft der Staub das nur alleine?
Wie macht er das denn bloß?
Anweisungen gab ich ihm keine!

So schnell ist er schon wieder da.
Verteilt sich überall geschäftig
er rückt den Möbeln viel zu nah,
ein Kämpfer ist er wild und heftig!

Raubt uns viele Stunden.
Aufs Leben aufaddiert,
dreht man endlos Runden.
Wieviel Zeit man so verliert!

Der Dreck hat sich verschworen,
drängt tief und frech herein.
Den lasse ich nicht ungeschoren.
Ab jetzt – ab in den Müll hinein!

Kein Körnchen soll entkommen,
kein Stäubchen soll entgehn.
Danach kann ich entspannen,
hinaus zur frohen Sonne seh’n.

Doch nein! – Der Sonnenschein
lässt den Staub erst richtig scheinen!
Er strudelt, tanzt ins Zimmer hinein,
er lacht – bringt mich zum Weinen!

Wir sind zum ewigen Wischen verdammt
Als Sisyphos mit Besen und Kehrwisch
Die ganze Menschheit insgesamt,
fegt diese Erkenntnis – unter den Tisch!

Tropfenkunde

Ei, ich bin ein alter Mann,
der Tropfen lesen, deuten kann.
Auf dem Fensterbrett, ganz rund,
liegt er da — der neue Fund!

Die Tropfen – die sind sehr empfindlich,
drum gieße ich sie ungefähr stündlich
mit ganz kleiner Kanne, das ist klar,
Das geht mit Übung wunderbar.

Dann sehe ich sie genauer an,
ob man ne Ecke drin finden kann
die ohne Ecke, da läuft alles rund,
die Ecken nur, tun Geheimnisse kund.

Ich zähle sie langsam und genau,
sind sie spitzig oder recht rau?
die spitzigen Ecken bedeuten Krieg
die Rauen auch einen harten Sieg!

Wie und wann das kann man nicht sagen,
da müsste man andere Tropfen fragen,
weil die aber arme Tropfen sind,
deutet man am besten blind,

Sagt irgendwelche zukünftigen Jahre,
kratzt dabei auch noch öfter die Haare
Und deutet das die Tropfen sagen,
wir hätten einen leeren Magen!

Ein leerer Magen – ohne Tropfen!
Arme Tropfen sitzen hier!
Arme Tropfen – prost dem Hopfen!
Trinkt schnell ein großes Krüglein Bier!

Nach zwei. drei Stunden Tropfenkunde,
eröffnet der Kellner die Tropfenrunde
bei der man alles wieder vergisst,
was ein Kenner aus Tropfen liest.

Plakat

Ich träume von einem Plakat
das ich nur kurz schreiben muss
Und die Welt steht akkurat
glänzend da aus einem Guss.

Ich will die Arbeit sprengen
und rufen: Das ist vorbei
Schluss mit dieser engen
Welt wir sind nun frei!

Ja so will ich es schreiben
das soll uns beflügeln
uns tragen, bei uns bleiben
den Kampf eröffnen und besiegeln.

Dann dreht die Erde wieder richtig
so wie Milliarden Jahre zuvor
Wo sich niemand arbeitssüchtig
in kranken Phantasien verlor

Ich will die Arbeit sprengen
und rufen: Das ist vorbei
Schluss mit dieser engen
Welt wir sind nun frei!

Ich könnte zum Augenblicke sagen
Ei das wäre wirklich toll!
und müsste nicht weiter klagen
mein Krug, der wäre richtig – voll

Dann wäre ich wieder daheim
Am Morgen würde ich aufstehen
In einem schönen lieblichen Hain
In ebener Weite jagen gehen.

Später am Feuer wenn der Abend graut
würden einander Geschichten erzählt
ehrfürchtig in den Himmel geschaut.
Niemand hätt sich mit Steuern gequält

Die man bezahlt, zurückhält
Für die man viel, viel Zeit vergeudet
Tage verkauft die abgezählt
am Tode enden, wie man leidet

An Dingen die uns nicht verführen
Die dröge sind und glatt und eben
Die wir nicht tasten und spüren
Keine Geschichte erzählen und leben

Die uns von uns selber trennen
Zerlegen in Knochen, Fett und Haut
Um die wir tanzen und rennen
und schreien, klagen ständig laut

Weil sie uns keine Erlösung bieten
so wie uns schon ein flüchtiges Küssen
erlösen kann, wir ziehen nur Nieten
die wir dann teurer bezahlen müssen.

Träume

Wilde Träume trommeln, tanzen
bauen mir mein Paradies
Völlig ohne Stopp und Grenzen
Die Wirklichkeit ist – träge mies

Ich träume deshalb gerne
putze alles bunt heraus
Auch die Nächte ohne Sterne
Falle nie aus meinem Haus

Dort draußen droht es kalt
spinnt Frau Welt geschäftig
Von außen schein ich alt
Gebändigt und nicht kräftig

Doch Träumen ist mein Manifest
Im Bett lass mich Frau Welt in Ruh
Kein Mond hält meine Träume fest
Schließe meine Äuglein zu.

© kamellenregen.art

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