Zu klein ist uns hier diese Erde, wir haben sie in Stücke zerbrochen, durch uns verlor sie ihre Würde, wir haben unsere Heimat erstochen.
Zu klein für unseren Neid, die Gier, den Drang, es allen anderen zu zeigen. Wir bleiben Affen, kurzsichtiges Tier, wir drehen auf, anstatt zu schweigen.
Zu klein ist unser ganzes Denken, zu klein die Demut vor der Welt. Die Welt, sie soll uns alles schenken, soll schenken, tun, was uns gefällt.
Die Welt, sie hat sich nie gewehrt, erfühlt uns immer noch nicht. Wir rauben sie aus, sie wird verheert, wir verstehen, beachten sie nicht.
Wir sind und waren immer zu klein, sie zu umfassen, zu verstehen. Ja, unsere Größe war immer nur Schein – wir werden bald zugrunde gehen.
Blau ist der Himmel. Wunderschön wölbt er sich über Stuttgart. Frühling. Ich freue mich. Alles scheint gut zu sein.
Ich weiß schon, dass das nur ein Traum ist, dass Leid überall auf uns Menschen prasselt. Ja, es ist nichts mit der Ordnung hier. Furchtbar ist das.
Ich will weg. Einfach weg von hier. Der blaue Himmel ist eine Fata Morgana. Aber er macht etwas mit mir,
streichelt mich so sanft. Ich will alles vergessen, was diesen blauen Himmel zu einer Zumutung, einem Ärgernis macht.
Für sich allein und isoliert küsst er mich so zärtlich, und die Kanonen werden nicht schrecklicher, wenn ich nicht an sie denke.
Einen Halt, einen Witz braucht man einfach. Ich will raus, unter dem blauen Himmel stehen. Ich verkünde eine neue Welt, eine gerechte, großzügige Welt.
Eine Welt, wie sie nicht ist. Ich verkünde sie trotzdem. Ich rufe die gute Welt aus, die warme, heiße Welt der Liebe.
Das wird nichts ändern, macht aber auch nichts schlimmer. Schlimmer sollte es dadurch nicht werden.
Ich glaube übrigens, dass auch die Sterne nicht immer nur glücklich sind – so vereinsamt, getrennt, in weiter Ferne, da weht doch sicher ein kalter Wind.
Manchmal sind auch Sterne wütend, ein paar sogar ohne Grund. Atome weiter in sich brütend – läuft doch irgendwas nicht rund.
Ein Stern, ganz wütend, der rotiert, rast hin und her im Raum, verschluckt sich fast und explodiert – der Koloss, er spürt es kaum.
Er spürt es nicht! Vor dem uns graut. Er lebt auch nicht in einer Haut.
Er hat auch keine Augen, Ohren – zu rund ist er dafür. Oder Gott hat sie ihm abmontiert, der Arme war danach… pikiert!
Er glüht auch bestimmt nicht aus Liebe, das ist nur ein Plasmaball. Er bläst oft Plasmaschübe ins grenzenlose All.
Dem wird das auch nicht langweilig, so jahrmillionen Jahre lang – ich aber hab’s nun eilig: Kling jetzt aus, mein Sonnengesang!
Ich hasse es, mein Alter, und die Erde ist auch verdreckt. Himmel, Gott – großer Verwalter, hast du das damals nicht gecheckt?
Dass deine Engel viel älter werden und selbst die dümmsten Teufel. Ich habe da viele Beschwerden, ich habe erhebliche Zweifel.
Du hast die Engel für ewig erschaffen, zum Trompeten, Jubilieren und holtest uns heraus aus den Affen – du hattest Lust zum Experimentieren.
Die Teufel sagt man, sind die Engel, die mal was anderes spielen wollten. Denen wuchs dann plötzlich ein Schwengel, doch wussten sie nicht, was sie machen sollten,
mit diesem komischen Dingsda dran. Da wurde einer so verrückt und fing damit zu spielen an. Gleich waren sie alle davon entzückt!
Dass sie sich die Hölle bauten – nur wir bekamen das nicht mit. Was die sich alles trauten! Dass Gott die Führung fast entglitt!
Er musste sie in der Hölle binden, aber ewig leben sie doch. Die machen dauernd schlimme Sünden, aber wir sitzen einsam im Loch
unserer ewigen Endlichkeit! Gott – ich find das so ungerecht! Korrigier das! Willst du dafür Zeit? Ein Ja – das wäre nicht schlecht!
Oh Gott, was würde ich machen! Erst mal hundert Jahre lachen! Über die Erde, was sie da entfachen – Kriege, Gier und blutige Lachen,
aus Verzweiflung, hilflosen Schreien, sie folgen jeder Brut, wollen sich befreien, verlieren aber den Mut.
Die sind doch nie mit sich zufrieden, die hängen sich auf – ohne Humor. Tun immer so übertrieben, als hätten sie tatsächlich vor,
was Nützliches zu tun, nicht nur von ihren Taten zu sprechen. Ich aber – ewig kann ich ruhn, mir meinen Kopf darüber zerbrechen,
wie irre diese Menschen sind. Ich fordere das ewige Leben! Immer wieder mal ein Kind und immer Gutes erleben!
Gott, das geht nicht, dass die Engel ewig leben und wir nicht! Gewiss, das gibt ein ziemliches Gedrängel – dann blas die Welt auf, dass sie nicht bricht!
Wir brauchen einfach nur mehr Welt! Gott, du hast doch alles bedacht! Du hast doch Gleichungen aufgestellt – irgendwann hast du irgendwo Fehler gemacht!
Ich weiß doch auch nicht, wo und wann, versuch das bitte zu klären, damit ich ewig leben kann. Die Suche kann nicht ewig währen!
Du brauchst dafür nicht ewig Zeit! Du schufst die Welt in sieben Tagen. Ich geh dir jetzt zu weit? Ich soll’s mir aus der Birne schlagen?
Nein, das ist mein Recht! Will wie die Engel ewig leben und auch so gut, nicht schlecht. Ich will mich über die Welt erheben.
Will hinauf, hinaus ins All, ewig fliegen dem Licht hinterher viel, viel schneller als der Schall – Gott! Wenn alles ewig wär!