Längst ist diese Zeit vergangen, doch das Lied erklingt so schön, hält mich melancholisch gefangen, möchte sie ganz weit rückwärts dreh’n,
zurück, zurück in jene ferne Zeit, wo die Welt viel besser war, zumindest besser noch wie heut, mit Bächlein fröhlich, flink und klar.
Doch nun bin ich dort und mein Gefühl verdunstet gleich im Nebel: Hier schwitzt man oft und treibt es selten bunt, zieht mit schwacher Kraft ganz schwere Hebel,
treibt das Fahrzeug Richtung Zukunft! Hofft auf immer stärkere Kraft, träumt von einer schnellen Ankunft, und sind wir dort, dann ist’s geschafft!
Dunkel schwarz springen die Steine Hoch hinauf in den Himmel Staunend schaut ein Mensch, der kleine Hinauf, heraus aus dem Gewimmel
Der Menschen auf dem Domplatz Hinein in die blaue Pracht, das Licht Das gute Wetter ist ein Schatz Das die große alte Masse zerbricht
Und strahlend neu den Dom erbaut Der entlang dem stählernen Eisenband Der Gleise weit hinausschaut Ins Tal, das weite flache Land
Über die Brücke und den Rhein Wie mächtig auch der ist und groß Ich fühl mich als Mensch ganz klein Und so begrenzt, so hoffnungslos
Doch in der Weite des Flusses, des Himmels Da kann man sich auch geborgen fühlen Inmitten des immensen Getümmels Sich fröhlich und gut glücklich fühlen
Nacht und wieder Morgen Rattert wieder die Arbeit Unablässig husten Sorgen Ich vergeude meine Zeit
Seh ich’s nicht? – Nur – ein – Leben! Wie lange will ich mich treiben lassen? Statt mich aus dem Alltag zu heben! Um meine Ziele – anzufassen!
Ziele? – Verschwinden um die Ecke! Ein festes Ziel kann es nicht sein Doch bin ich mehr als eine Mücke Ich sage zur Verzweiflung nein!
Du bist aber überheblich! Die Mücke lebt so gern wie du! Du bist wie sie – nichts und sterblich Du rennst auf dein Verhängnis zu!
Dein Denken ist nur schöner Schein Ein eitler Teufel, der uns betrügt Ist unser Spiegel: Wir allein! Oh, wie dieser Spiegel lügt!
Schau das All – seine Weiten! Und nirgendwo ist dort ein Ende! Und diese schier endlosen Zeiten! Und deine Eitelkeit ist Sünde!
Die Mücke lebt genauso froh In ihrer beschränkten Welt Wie du das Tier im Menschenzoo In deinem verrückten Gedankenzelt
Du hast da keinen Vorteil Nein – du weißt nur zu viel mehr! Du weißt, du hast den schrecklichen Teil! Du spürst dein Verhängnis zu sehr!
Es versauert dir den Glücksmoment Es scheißt auf jeden deiner Tage! Du weißt, alles wird weggeschwemmt Du stehst viel schlechter! – Keine Frage!
Aber du – du bist so viel eitler, größer! Dein Gehirn – es träumt zu viel! Du bist viel teuflischer und böser! Und du meinst, es gäbe ein Ziel!
Doch diese Welt ist für niemand geschaffen Ein Niemand war’s auch, der sie schuf! Nichts niemand – nur ein paar Affen Hörten plötzlich – diesen Ruf!
Diesen Ruf – den sie sich selbst zuriefen War herzzerreißender Selbstbetrug! Als sie träumten, miteinander schliefen! Doch – ach – nun sind sie noch so klug,
Ihren eigenen Unsinn zu erkennen! Ihren Unsinn erkennen zu müssen! Alle Träume über sich zu verbrennen! Zurück ins Glied zu müssen!
Zurück, um die Mücke anzusehen! Und um mit ihr zusammen zu weinen! Doch die Mücke wird es nie verstehen Sie tanzt unermüdlich auf sechs Beinen
So bin ich also bestraft! So bin ich also geschlagen! Auf Lebenszeit in Einzelhaft Zu lebenslänglichem Klagen!
Nein! – Schau wie die Mücken tanzen! Wie wild schwirren sie herum! Die lieben es, sich fortzupflanzen Das treibt die winzig Kleinen um!
Was willst du denn viel weiter schauen? Tanz froh mit ihnen zu ihrer Musik! Sieh nicht andauernd auf das Grauen! Und tanz jetzt mutig, munter, flüssig!
Ja tanz jetzt in den erwachenden Morgen! Schau jetzt – der Himmel färbt sich blau! Der zertanzt dir fröhlich deine Sorgen Der befreit die Welt aus ihrem Grau!
Lern von deinen kleinen Brüdern Wie sie mit vielen Beinen tanzen Summ nach ihren weisen Liedern Doch such keinen Sinn mehr im Ganzen
Aus ferner, fremder Zeit, da klingt ein Lied zu mir, es klingt so sanft, und weit öffnet Tor und Tür
in fremde, ferne Zeiten, mit Bauern, Mönchen, Bürgern, wo wilde Ritter reiten, voll von schrecklichen Würgern,
die sehr, sehr viele hinraffen. Da gibt es Stände und Zünfte, zwischen denen Gräben klaffen. Man liebt und wütet, schlägt und schimpft,
genauso wie es auch heute geschieht, nur ohne Smartphone und Elektrizität, und die Häuser, durch die der Wind zieht, bieten nur wenig Platz für Intimität.
Fernes Lied aus and’rer Zeit, sing mir Liebe, erzähl davon, ob so wie immer, so wie heut, frisch und feurig war der Ton,
voll frischer Luft, hellem Gesang? Mit einem kecken, frivolen Blick zu Frauen stolz von hohem Rang, jauchzend schau ich hoch ins Glück!
Ja! Sing mir, Lied, mit frohen Tönen, mach mir deine Welt bekannt, mal mir ein paar bunte Szenen aus deiner Zeit im fremden Land.
Erst traurig, schwer klingst du herein, schwebst du, träge, kalt und karg, dann wirst du schneller, Sonnenschein, und plötzlich tanzt du – es wird arg.
Du lustiges Mädchen, lass dich küssen, dreh dich wild im Tanz nach vorn. Die Ritter werden dich vermissen, zieh’n sie weg zum Kampf ganz fern!
Du liebliches Lied aus fernen Zeiten, ich hör‘ deiner schönen Stimme zu, lass mich gern in Träume gleiten, hops zum wilden Tanz wie du.
Ferne, fremde Zeiten zieh’n an der Ewigkeit entlang, Lieder, die sie stolz begleiten, geben ihnen ihren Klang,
öffnen die Vergangenheit, strömen in die Gegenwart, sind frisch vom Staub befreit, bereit zu einem neuen Start.
Lieder, schöne, fern, vergangen, klingen, springen aus der Zeit. Schnell, ach, sie verklangen – bin ich zurück im Heut!
Burgen, trostlos, längst Ruinen, träumen noch vom frohen Fest. An ihren Mauern wilde Bienen bauen dort ihr Felsennest.
Ich glaube übrigens, dass auch die Sterne nicht immer nur glücklich sind – so vereinsamt, getrennt, in weiter Ferne, da weht doch sicher ein kalter Wind.
Manchmal sind auch Sterne wütend, ein paar sogar ohne Grund. Atome weiter in sich brütend – läuft doch irgendwas nicht rund.
Ein Stern, ganz wütend, der rotiert, rast hin und her im Raum, verschluckt sich fast und explodiert – der Koloss, er spürt es kaum.
Er spürt es nicht! Vor dem uns graut. Er lebt auch nicht in einer Haut.
Er hat auch keine Augen, Ohren – zu rund ist er dafür. Oder Gott hat sie ihm abmontiert, der Arme war danach… pikiert!
Er glüht auch bestimmt nicht aus Liebe, das ist nur ein Plasmaball. Er bläst oft Plasmaschübe ins grenzenlose All.
Dem wird das auch nicht langweilig, so jahrmillionen Jahre lang – ich aber hab’s nun eilig: Kling jetzt aus, mein Sonnengesang!