Lyrik und Sound

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Zurück!

Längst ist diese Zeit vergangen,
doch das Lied erklingt so schön,
hält mich melancholisch gefangen,
möchte sie ganz weit rückwärts dreh’n,

zurück, zurück in jene ferne Zeit,
wo die Welt viel besser war,
zumindest besser noch wie heut,
mit Bächlein fröhlich, flink und klar.

Doch nun bin ich dort und
mein Gefühl verdunstet gleich im Nebel:
Hier schwitzt man oft und treibt es selten bunt,
zieht mit schwacher Kraft ganz schwere Hebel,

treibt das Fahrzeug Richtung Zukunft!
Hofft auf immer stärkere Kraft,
träumt von einer schnellen Ankunft,
und sind wir dort, dann ist’s geschafft!

Kölner Dom

Dunkel schwarz springen die Steine
Hoch hinauf in den Himmel
Staunend schaut ein Mensch, der kleine
Hinauf, heraus aus dem Gewimmel

Der Menschen auf dem Domplatz
Hinein in die blaue Pracht, das Licht
Das gute Wetter ist ein Schatz
Das die große alte Masse zerbricht

Und strahlend neu den Dom erbaut
Der entlang dem stählernen Eisenband
Der Gleise weit hinausschaut
Ins Tal, das weite flache Land

Über die Brücke und den Rhein
Wie mächtig auch der ist und groß
Ich fühl mich als Mensch ganz klein
Und so begrenzt, so hoffnungslos

Doch in der Weite des Flusses, des Himmels
Da kann man sich auch geborgen fühlen
Inmitten des immensen Getümmels
Sich fröhlich und gut glücklich fühlen

Zoo

Überwuchert, ganz verwildert

liegt der „Zoo“ nun da,
nicht wie ihn Erinnerung bebildert,
wie ich ihn damals sah.

Damals tanzten wir Nutbush
standen Schlange vor der Türe
Wie ich Vergänglichkeit – husch,
den Verfall jetzt spüre!

Es gibt keine Erlösung,
auch Neues wird wieder vergehen
Genieße jetzt! – Auch keine Lösung
will man für länger bestehen.

Aristoteles meint: Wählt die Mitte
dort ist es sicher – zwischen den Büschen
Individuum und Sitte
dürfen sich dort vermischen.

Ammergasse

Ammergasse

Die Ammer, ein kleines Flüsschen,
eingefasst in einen Kanal,
überquert von Eisenbrückchen,
bei jedem Haus zumindest einmal.

Am Abend, wo schon Lichter schauen,
aus den Fenstern dort hoch oben.
Vom Himmel, dem schon dunkelgrauen,
hell erleuchtet abgehoben,

Im ersten Stock, im Storchen,
da hörte ich ein Lachen.
Ein Blick nach oben, horchen,
Erinnerungen entfachen.

Geh mal dort wieder hoch!
Locken mich innere Stimmen.
Den kennst du doch noch,
den Bienenstock von innen.

Natürlich sind fast alle jünger.
Kerl so alt bist du ja schon!
Doch die Freude ist nicht geringer.
Das Leben läuft hier nicht davon.

Mückentanz

Nacht und wieder Morgen
Rattert wieder die Arbeit
Unablässig husten Sorgen
Ich vergeude meine Zeit

Seh ich’s nicht? – Nur – ein – Leben!
Wie lange will ich mich treiben lassen?
Statt mich aus dem Alltag zu heben!
Um meine Ziele – anzufassen!

Ziele? – Verschwinden um die Ecke!
Ein festes Ziel kann es nicht sein
Doch bin ich mehr als eine Mücke
Ich sage zur Verzweiflung nein!

Du bist aber überheblich!
Die Mücke lebt so gern wie du!
Du bist wie sie – nichts und sterblich
Du rennst auf dein Verhängnis zu!

Dein Denken ist nur schöner Schein
Ein eitler Teufel, der uns betrügt
Ist unser Spiegel: Wir allein!
Oh, wie dieser Spiegel lügt!

Schau das All – seine Weiten!
Und nirgendwo ist dort ein Ende!
Und diese schier endlosen Zeiten!
Und deine Eitelkeit ist Sünde!

Die Mücke lebt genauso froh
In ihrer beschränkten Welt
Wie du das Tier im Menschenzoo
In deinem verrückten Gedankenzelt

Du hast da keinen Vorteil
Nein – du weißt nur zu viel mehr!
Du weißt, du hast den schrecklichen Teil!
Du spürst dein Verhängnis zu sehr!

Es versauert dir den Glücksmoment
Es scheißt auf jeden deiner Tage!
Du weißt, alles wird weggeschwemmt
Du stehst viel schlechter! – Keine Frage!

Aber du – du bist so viel eitler, größer!
Dein Gehirn – es träumt zu viel!
Du bist viel teuflischer und böser!
Und du meinst, es gäbe ein Ziel!

Doch diese Welt ist für niemand geschaffen
Ein Niemand war’s auch, der sie schuf!
Nichts niemand – nur ein paar Affen
Hörten plötzlich – diesen Ruf!

Diesen Ruf – den sie sich selbst zuriefen
War herzzerreißender Selbstbetrug!
Als sie träumten, miteinander schliefen!
Doch – ach – nun sind sie noch so klug,

Ihren eigenen Unsinn zu erkennen!
Ihren Unsinn erkennen zu müssen!
Alle Träume über sich zu verbrennen!
Zurück ins Glied zu müssen!

Zurück, um die Mücke anzusehen!
Und um mit ihr zusammen zu weinen!
Doch die Mücke wird es nie verstehen
Sie tanzt unermüdlich auf sechs Beinen

So bin ich also bestraft!
So bin ich also geschlagen!
Auf Lebenszeit in Einzelhaft
Zu lebenslänglichem Klagen!

Nein! – Schau wie die Mücken tanzen!
Wie wild schwirren sie herum!
Die lieben es, sich fortzupflanzen
Das treibt die winzig Kleinen um!

Was willst du denn viel weiter schauen?
Tanz froh mit ihnen zu ihrer Musik!
Sieh nicht andauernd auf das Grauen!
Und tanz jetzt mutig, munter, flüssig!

Ja tanz jetzt in den erwachenden Morgen!
Schau jetzt – der Himmel färbt sich blau!
Der zertanzt dir fröhlich deine Sorgen
Der befreit die Welt aus ihrem Grau!

Lern von deinen kleinen Brüdern
Wie sie mit vielen Beinen tanzen
Summ nach ihren weisen Liedern
Doch such keinen Sinn mehr im Ganzen

Fernes fremdes Lied

Aus ferner, fremder Zeit,
da klingt ein Lied zu mir,
es klingt so sanft, und weit
öffnet Tor und Tür

in fremde, ferne Zeiten,
mit Bauern, Mönchen, Bürgern,
wo wilde Ritter reiten,
voll von schrecklichen Würgern,

die sehr, sehr viele hinraffen.
Da gibt es Stände und Zünfte,
zwischen denen Gräben klaffen.
Man liebt und wütet, schlägt und schimpft,

genauso wie es auch heute geschieht,
nur ohne Smartphone und Elektrizität,
und die Häuser, durch die der Wind zieht,
bieten nur wenig Platz für Intimität.

Fernes Lied aus and’rer Zeit,
sing mir Liebe, erzähl davon,
ob so wie immer, so wie heut,
frisch und feurig war der Ton,

voll frischer Luft, hellem Gesang?
Mit einem kecken, frivolen Blick
zu Frauen stolz von hohem Rang,
jauchzend schau ich hoch ins Glück!

Ja! Sing mir, Lied, mit frohen Tönen,
mach mir deine Welt bekannt,
mal mir ein paar bunte Szenen
aus deiner Zeit im fremden Land.

Erst traurig, schwer klingst du herein,
schwebst du, träge, kalt und karg,
dann wirst du schneller, Sonnenschein,
und plötzlich tanzt du – es wird arg.

Du lustiges Mädchen, lass dich küssen,
dreh dich wild im Tanz nach vorn.
Die Ritter werden dich vermissen,
zieh’n sie weg zum Kampf ganz fern!

Du liebliches Lied aus fernen Zeiten,
ich hör‘ deiner schönen Stimme zu,
lass mich gern in Träume gleiten,
hops zum wilden Tanz wie du.

Ferne, fremde Zeiten
zieh’n an der Ewigkeit entlang,
Lieder, die sie stolz begleiten,
geben ihnen ihren Klang,

öffnen die Vergangenheit,
strömen in die Gegenwart,
sind frisch vom Staub befreit,
bereit zu einem neuen Start.

Lieder, schöne, fern, vergangen,
klingen, springen aus der Zeit.
Schnell, ach, sie verklangen –
bin ich zurück im Heut!

Burgen, trostlos, längst Ruinen,
träumen noch vom frohen Fest.
An ihren Mauern wilde Bienen
bauen dort ihr Felsennest.

Feierabend

Komm wir machen Feierabend!
Die Arbeit legen wir zur Seite,
Über keinen Stress mehr klagend,
öffnen wir die Terrasse ins Weite.

Setzten wir uns hin,
liegen wir hier entspannt!
So macht das Leben Sinn!
Ein Weinglas in der Hand!

Und unsre Träume fliegen hinaus,
die kennen das Wort Arbeit nicht,
Die tanzen gern und gehn gern aus,
sie feiern die Sonne und ihr Licht.

Die feiern bis der Abend kommt,
die feiern noch tief in der Nacht!
Wir naschen viel und nichts verkommt,
viel wird geredet und noch mehr gelacht!

Wir wollen alles und noch mehr,
nur Arbeit, die wollen wir nicht!
Entspannt liegt kreuz liegt quer!
Nun Achtung! Löscht das Licht!

Sonnengesang

Ich glaube übrigens, dass auch die Sterne
nicht immer nur glücklich sind –
so vereinsamt, getrennt, in weiter Ferne,
da weht doch sicher ein kalter Wind.

Manchmal sind auch Sterne wütend,
ein paar sogar ohne Grund.
Atome weiter in sich brütend –
läuft doch irgendwas nicht rund.

Ein Stern, ganz wütend, der rotiert,
rast hin und her im Raum,
verschluckt sich fast und explodiert –
der Koloss, er spürt es kaum.

Er spürt es nicht!
Vor dem uns graut.
Er lebt auch nicht
in einer Haut.

Er hat auch keine Augen, Ohren –
zu rund ist er dafür.
Oder Gott hat sie ihm abmontiert,
der Arme war danach… pikiert!

Er glüht auch bestimmt nicht aus Liebe,
das ist nur ein Plasmaball.
Er bläst oft Plasmaschübe
ins grenzenlose All.

Dem wird das auch nicht langweilig,
so jahrmillionen Jahre lang –
ich aber hab’s nun eilig:
Kling jetzt aus, mein Sonnengesang!

Leben

Lass Dein Leben ziehn
es verschwendet sich in Dir
Lass es brennen, glühn
Du bist einzigartig hier.

In Dir erkennt sich die Natur,
Dein Leben fasst sie zusammen.
Menschen allein auf weiter Flur,
erkennen woher sie stammen.

Erkenns auch Du und schau,
geh in die Welt zum Blumen pflücken,
misch Dich hinein in sie und trau
Dirs zu, es wird Dir sicher glücken.

Vielleicht nicht grad beim ersten Mal,
Du hast ja Zeit, ums gut zu lernen
Beim Zweiten, Dritten lohnt die Qual,
Du blickst hinauf, zu den Sternen.

Erkenn es einmal, immer wieder,
selbst dann, wenn alles schief geht,
zwingt Dich dennoch niemand nieder,
der einmal, wie Du, vorm Grab steht.

Erkenn auch Deine Abhängigkeit,
such sicheren Halt im Netz.
Verachte nicht die Geborgenheit,
die Sicherheit vor Blitz.

Erkenns und dann zieh,
die eigenen Schlüsse daraus,
vernichte nicht, zerstöre nie
Dein Dir anvertrautes Haus.

Besonders bewahre die Natur,
sie ist unsre Quelle, kein Beiwerk,
ohne sie, vergehn wir ohne Spur,
denn alles ist im All – ein Zwerg.

Träume

Wilde Träume trommeln, tanzen
bauen mir mein Paradies
Völlig ohne Stopp und Grenzen
Die Wirklichkeit ist – träge mies

Ich träume deshalb gerne
putze alles bunt heraus
Auch die Nächte ohne Sterne
Falle nie aus meinem Haus

Dort draußen droht es kalt
spinnt Frau Welt geschäftig
Von außen schein ich alt
Gebändigt und nicht kräftig

Doch Träumen ist mein Manifest
Im Bett lass mich Frau Welt in Ruh
Kein Mond hält meine Träume fest
Schließe meine Äuglein zu.

© kamellenregen.art

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