Lyrik und Sound

Kategorie: Denken (Seite 2 von 9)

Betroffenheitslyrik

Oh, es hat mich wirklich getroffen,
die Wunde unverzerrt liegt offen,
Betroffenheitsgedichte überall,
ein Betroffener – klarer Fall!

Und tief im Innersten verletzt,
und er schreit und ist entsetzt,
er hat jetzt nur noch seinen Humor
doch selbst der – kommt spanisch vor.

Doch was kann ich gerade auch machen,
als etwas über mich selbst zu lachen!
Nicht zu sehr zu übertreiben,
streng bei der Poesie zu bleiben!

Bei den Tönen, der Metrik, der Melodie,
jetzt schüttel die Texte – kämm sie!
Stell Deine Tränen hinten an,
damit man schwelgen, feiern kann.

Streng bei der Poesie… ja…
damit man schwelgen, feiern kann.

Wie Obelix

Wie Obelix

Ich bin wie Obelix ersoffen
Als Kind in einem Zauberbrei
Der Topf war tief, er stand weit offen
Ich fiel hinein, in Spielerei!

Seither muss ich nichts mehr nehmen
Das war schon damals viel zu viel
Das Zeug, es würde mich nur lähmen
Seither tanze ich das Spiel

Seither weiß ich um mein Ende,
Und dass mir keine Zeit mehr bleibt
Alles zerstreut sich doch im Winde,
Wie man sich auch die Zeit vertreibt.

Deshalb weg mit Geld und Ehre
Verdien mir lieber Zeit und Ruh.
Fliege gegen alle Schwere,
auf den offenen Himmel zu

Selbst über manches Unglück lachen
Das auch die Trauer nicht vertreibt
Ihm eine lange Nase machen
Lang bevor es richtig reibt

Seither weiß ich um mein Ende,
Und dass mir keine Zeit mehr bleibt
Alles zerstreut sich doch im Winde,
Wie man sich auch die Zeit vertreibt.

Doch auch da, immer auch wissen
Am Ende verlierst du das Spiel
Doch du durftest dafür küssen
Unsre Natur, sie gibt so viel!

Sie ist ein solcher Schatz, den wir
Uns bewahren, pflegen dürfen
Voll Spaß und voller Einsicht hier
freundlich, reichlich schlürfen.

Wie Obelix

Frankfurt (Palmengarten, Senckenberg Museum)

Nun Frankfurt ist schon stressig!
Ich aber sitze ruhig im Garten.
Im Palmengarten, leicht und lässig,
dort ausgestreckt auf gar nichts warten.

Gedanken an Millionen von Jahren,
durch Jura, Perm und Kambrium,
dreh ich zurück, wir fahren
in Vergangenes und schauen uns um.

Im Senckenberg, dem Ort meiner Träume,
ich hab’s mir anders vorgestellt,
durchhusche ich die großen Räume,
finde dort manches, was mir gefällt.

Seh riesige Saurier, kleine Käfer,
sehr alte Säuger, sogar Frösche.
Eingebettet, gerettet in Schiefer,
herauspräpariert in neuer Frische.

Millionen starben, zerfielen ganz,
nur Einzelne wurden erhalten,
Werden, Vergehen, ewiger Tanz,
wenn Altes stirbt, kann sich Neues entfalten.

Und auch diese Menschheit,
sie wird einmal vergehn
und ich hoffe auch danach,
kann noch Neues entstehn.

Vergangenheit

Vergangenheit – mein Tröster.
Ich habe ja so viel erlebt!
Komm her, umarme mich fester!
Wie der Boden nochmals bebt!

Vergangenheit – Versöhner
Mit allen Fehlern, die ich bereue.
Entspannt lehnst du am Gartenzaun, du Schöne,
späte Sonne, auf die ich mich freue!

Vergangenheit – du süße Falle,
zurück erscheint so vieles schöner,
du schnappst schnell zu, packst alle!
Überdecker, Maler, rosa Töner!

Vergangenheit – mein Tröster.
Ich habe ja so viel erlebt!
Komm her, umarme mich fester!
Wie der Boden nochmals bebt!

Vergangenheit – Versöhner
Mit allen Fehlern, die ich bereue.
Entspannt lehnst du am Gartenzaun, du Schöne,
späte Sonne, auf die ich mich freue!

Vergangenheit – du süße Falle,
zurück erscheint so vieles schöner,
du schnappst schnell zu, packst alle!
Überdecker, Maler, rosa Töner!

Vergangenheit

61 Jahre

Einundsechzig – es steigt die Zahl
der Jahre bis hinauf zum Ende.
Mal seh’n, ob ich ein einziges Mal
auch mal den Rückwärtsgang finde.

Der mich um Jahre jünger macht
(mit Monaten wäre ich nicht zufrieden).
Dann geht es ab, dann gute Nacht!
Dann fang‘ ich sicher an zu sieden.

Doch leider, weiß es Gott wohl auch
und fürchtet, dass spräche sich ‚rum.
Verwandelt alle Tricks in Rauch.
Die Zeiger drehen sich einfach nicht um!

Zur Strafe muss ich mir selbst zusehen,
wie alles langsam langsamer geht.
Wie alles erstarrt, bis zu den Zehen,
ein immer kälterer Wind um mich weht.

Nur der Humor malt mir noch Farben
und fährt mich ein wenig ins Licht,
holt aus vertrockneten Garben
lausige Ähren, aber mehr auch nicht.

Doch will ich jetzt nicht weiter weinen,
da hier kein Weinen etwas bringt.
Seh‘ lieber schön die Sonne scheinen
und wie das Weltei zerspringt und singt!

Singt Liebeslieder und der Mai,
der spielt dazu, lässt uns tanzen.
Der Maizauber sagt eins, zwei, drei!
Verzaubert diese Welt im Ganzen.

Verzaubert und zerbricht,
jeglichen Zaun und Zaum,
wirft Feuer, Licht auf Licht,
Farbe hinaus in den Raum.

Parmenides – Sein

Nein ich hasse Hits
Zuckungen und Blitz
Hier tanzt niemand mit
hält sich niemand fit

Kein Schlager und kein Gassenhauer
Keiner ist am Ende schlauer
Geht auch nicht nur insgeheim
um den Rhythmus und den Reim

Ich will niemanden erlösen
sondern in der Sonne dösen
Bevor ich noch mehr Zeit verliere
Es geht um nichts und niemand hier

Das Nichts die Leere
nicht Sein das Schwere
Das Nichts erscheint uns leicht
da es zum Sein nicht reicht

Das Sein dagegen ist schwer
Doch wo kommt es denn her
Kann es aus dem Nichts entstehen
Da sollte das Nichts zuvor bestehen

Doch Nichts – da ist kein Sein
es bohrt ins Sein ein Loch hinein
Es sagt das hier ja gar nichts ist
Doch hier da ist ein Ort der ist

Selbst ein Loch ist also was
ein Durchgang Loch in einem Fass
lässt Wasser aus ihm fließen
und ein Sieb hilf uns beim Gießen

Das Loch zeigt Wirkung um sich her
selbst wenn im Loch rein gar nichts wär
Das Loch das kann sehr wirksam sein
Da ist etwas da muss was sein

Was ist ein wirkliches Nichts
Nichts ist einfach Nichts
Nicht vorhanden nicht existent
nichts das Wort das nichts benennt

Dieses Wort deutet auf Nichts
Es deutet deutlich ins Nichts
Nur Seiendes kann sein
kann stimmig klingen rein

Und ist etwas dann ist es hier
nicht weniger nicht mehr
hier ist es es wirkt ist Sein
es ist Sein und steht allein

Da ist kein Unterschied
was ist man fühlt man sieht
das ist und ist immer gleich
geartet nicht arm nicht reich

Es ist einfach einfach ist es
hat keine Grenze Zerteilt es
Ihr könnt es nicht spalten
selbst mit allen Gewalten

trennt ihr das Sein nicht auseinander
denn der trennende Spalt ein Wunder
der Spalt der ist und existiert
wie man schnell durchs Fallen spürt

So gibt es deshalb nur ein Sein
überall und eines allein
Ungetrenntes aneinander gelegt
ist undenkbar Ganz unbewegt

ist Sein es kann sich nicht bewegen
wir können es nicht zerlegen
wir können es nicht verschieben
wir können es nicht verbiegen

Das Sein es ist auf ewig fest stabil
das Sein wird weder heiß noch kühl
das Sein ist einfach klar und rund
es ist nicht eingefärbt und bunt

Kein Blitz kein Stoß
unbegrenzt riesig groß
einzig und allein
überall ist Sein

Ich kann die Welt nicht retten

Nein – ich kann die Welt nicht retten
die fühlt sich wohl in ihren Ketten
es scheint ihr noch nicht heiß genug
Die Menschen werden zu spät klug

Die Menschen erkennen ihr Verderben
Erst wenn sie reihenweise sterben
Erst wenn der Sargnagel sie trifft
doch dann ist alles – schon verschifft

Dann kann uns nichts mehr retten
Die letzten Toten wird niemand betten
in trockene Erde, Steine und Sand
bedecken feuerheißes Land

Aber das ist doch zu viel
ist ein Katastrophenspiel
So wird die Welt nicht untergehn
wird nicht wie die Venus glühn

Nur Übertreibung – Klagen, nur klagen
Doch können wir das mit Gewissheit sagen
mit Sicherheit, dass uns das nicht blüht
dass sich die Menschheit genügend bemüht

Sind viele Kippunkte überschritten
dann helfen allen keine Bitten
Das Leben wird es wohl überstehen
um uns jedoch ist es geschehen

Die Lieferketten splittern zerstreuen
die Pfeiler unserer Wirtschaft brechen
die Sonnenstrahlen Äcker zerstechen
wir werden unsere Kurzsicht bereuen

Nein – ich kann die Welt nicht retten
auch wenn wir vor dem Abgrund stehn,
Die Dummheit tobt in unseren Städten
die Menschheit wird zugrunde gehn

Schein und sein

Lest ihr die Worte meiner Texte?
So lest – doch nehmt sie nicht für wahr
Die Wahrheit ist das Allerletzte
Ich schreibe Träume – klipp und klar

Doch traut auch diesen Worten nicht
Auch sie – sind nur gereimt
egal ob Wahrheit oder nicht
zu einem schönen Vers vereint

Doch glaubt mir alles, was aus mir schreit
Ich habe es alles selbst geschrieben

Es ist nicht alles Schein was scheint
etwas Wahrheit ist geblieben

Heraklit – Wandel

Die Sonne geht auf,
die Sonne geht unter.
Sie steigt hinauf
sie taucht unter.

Der Tag ist warm
und mild und hell,
gibt allem Charme,
der lichte Quell.

Die Nacht ist kalt,
finster im Dunkeln.
oben die Vielfalt,
der Sterne funkeln.

Wie alles schwingt
durch Tag und Nacht:
tags hoch springt,
nachts fällt und kracht!

Ganz langsam ziehen
die Tage durchs Jahr,
im Frühling erblühen
sie heller und klar.

Im Sommer beginnen
die heißesten Wochen,
die Herzen springen
nun ununterbrochen,

bis wilde Stürme
durchfegen den Herbst,
du Regenschirme
zum Schutz erwirbst.

Blätter bunte
sind wunderbar,
doch jede Stunde
mit Sonne wird rar.

Dunkler wird’s noch
hin zum November,
ein schwarzes Loch
bis Ende Dezember.

Der Winter bedeckt
die Welt mit Schnee,
und bald wieder weckt
der Frühling – Juchee!

So schwingen wir,
so wechseln Zeiten,
ob Mensch, ob Tier,
sie führen und leiten.

Aus dem Tag, der lacht
im sonnigen Glanz,
nun zurück in die Nacht,
geleitet ihr Tanz.

Die hält uns gefangen
im dunklen Raum.
Da raus zu gelangen
gelingt nur dem Traum.

Wir träumen: Der Tag
befreit jede Nacht!
Was kurz ihr erlag,
erwacht zur Pracht.

Wir zappeln, kleben,
wir geben nie auf.
Hoch! Das ist Leben!
Zieh’n wir hinauf!

Wir ziehen bestehen,
gewinnen Kämpfe!
Wir stolpern, stehen,
verspielen Trümpfe.

Wir wagen, springen,
wir krallen uns fest,
wir lachen, verbringen
das Leben als Fest.

Mit einem Blick
voll Sorgen: Gib acht!
Doch kein zurück!
Dem Tag folgt die Nacht!

Bald findet das Glück
noch jüngere Tänzer
wir fallen zurück,
um uns wird es finster.

Wir tasten nach vorn,
wo der Pfad verlief,
der Pfad ist verlor’n,
wir fallen sehr tief.

Doch unser Schrei
trifft stumme Steine,
spricht uns nicht frei,
verhallt von alleine.

Die Kraft, sie schwindet,
ein leises Verstummen.
Verluste verkündet
der Blick auf die Summen.

So wälzen Jahre
uns hobelnd ins Tal,
ergrauen Haare,
verrostet Stahl.

Man wetzt sich ab
und watet, versinkt
und stürzt hinab
und fällt, ertrinkt.

An tiefer Stelle
von Schlamm bedeckt,
als nahrhafte Quelle,
als Schatz entdeckt

von Wurm und Fisch
als Leckerbissen,
geschätzt am Tisch,
zerfetzt, zerrissen.

Vergangen! Die Nacht
taucht aus dem Licht,
verschluckt die Pracht,
das Ende ist’s nicht!

Nur wechselnde Wesen
die Formen tauschen.
durch Rhythmen rauschen
nie bleiben – fließen.

Die blaue Blume

Lass dort die schöne Blume stehen,
und gönn ihr die sonnigen Tage.
Soll nicht vertrocknen sie soll blühen
soll blüh’n und stell ihr keine Frage,

reiß ihr nicht die Blättchen einzeln
aus dem weichen Blütengrund.
Lass nur die Augen sehen, blinzeln,
ein Lächeln schenke diesem Fund.

Ruf sie, die Liebste, her, ganz nah,
bewundert diese blauen Blüten,
sie zu bewundern ist sie da,
ihr Duft ist dunkel wie alte Mythen.

Legt euch ins satte Gras, ins weiche,
dort lugt durch Zweige alter Bäume
die Sonne hell, im Schatten reiche
ihr deinen Mund ganz sanft und träume.

Küss sie – und lasst die Blumen stehen,
damit sich alle an ihnen freuen.
Gib ihr den Kuss – lang, wunderschön,
und immer wieder, wieder von neuem.

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