Lyrik und Sound

Kategorie: Arbeit (Seite 2 von 5)

Betrieb

Wir rennen durch die Räume,
springen in den Spagat,
vergessen all unsere Träume,
kochen bei zweihundert Grad.

Wir tauchen ab in die Kälte,
ziehn Zahlen, Zinsen, Ziele,
erzeugen Erfolge, Werte gestellte
und Lücken, Lücken viele.

Die Mühle zermahlt Leben,
die Mühle zermahlt Zeit.
Die Wände halten, kleben,
die Wände pressen breit.

Doch Wände hier – sind hart
und Zellen hier – sehr klein.
Bis man uns verscharrt,
schlagen wir gegen Stein.

Die Mühle zermahlt Leben,
die Mühle zermahlt Zeit.
Die Wände halten, kleben,
die Wände pressen breit.

Seht Grenzen näher kommen,
den Raum, der immer kleiner wird,
langsam wird uns der Atem genommen,
zusammengepresst, wir im Geviert.

Fein mahlt sie, fein, die Mühle,
krachend zu rohem Schrott.
Herum, herum wirbeln Arme, Gefühle,
kopflos, quetscht sie uns fort.

An der Bar

Hier ist es wild, die Gläser klirren
ein paar schnelle Damen schwirren
bringen, holen, Tassen, Teller.
Mir dreht sich alles immer schneller.

Es geht hier rund, ein Sturm, man fühlt,
das Team ist super eingespielt!
Der Durst der Gäste wird gestillt,
Halbe, Weizen gut gefüllt,

Wein mal rot und einmal weiß,
auch der Kaffee gut und heiß.
Die Spülmaschine ausgeräumt.
Der Cappuccino aufgeschäumt.

Und ich sitze und schaue zu
und sitze hier und habe Ruh.
Das turbulente Chaos vor mir,
wo ich den Überblick verlier,

nicht mehr weiß, was da, was dort,
der Wirbel packt mich, bläst mich fort!
Hier – da lässt es sich gut Essen,
kann sich mit den Besten messen.

Hier ist so viel Leben, Krach und los!
Die Küche gut und einfach famos.
Wie viele Gäste, Wünsche, Speisen,
hier durch diese Räume kreisen!

Chaos im Büro

Mehr Chaos brauch ich nicht zu machen,
das tanzt von sich aus ganz alleine.
Steckt man nicht drin, kann man lachen,
mir aber ist so, dass ich weine.

Ich brauch auch gar nicht still zu sein,
das Chaos trommelt eh schon laut.
Es kreischt mir so in die Ohren rein,
dass es selbst mich, den Teufel, graut.

Das Chaos ist mein Element,
so sagte ich früher immer,
doch nun, wo alles brennt,
will mein Wahnsinn nimmer!

Ich Teufel sehn mich, schrei: Jetzt Ruhe!
Doch hören kann mich keiner mehr.
Ich verschwand in einer Truhe,
dort ist es ruhig und leer.

Daraus schaue ich sehr oft nur zu,
doch gerade das kann stressen.
Man kann die Spannung in der Ruh
mit Teratonnen Sprengstoff messen.

Und mir bleibt nur noch das Grübeln,
das Nichtwissen, wo jetzt hin,
was mir auch viele gleich verübeln,
dass ich ein so ruhiger Teufel bin.

Da schlägt die Turmuhr vier,
dank dir, altem Christentum!
Ich dank dir, altem Gott, dafür,
das lockert alle um mich herum.

Doch morgen ist es wieder so,
das Kapital hat wirklich Macht.
Man zerspringt im Stress und lächelt froh,
und teuflische Ruhe gibt dann den Rest.

Feierabend

Komm wir machen Feierabend!
Die Arbeit legen wir zur Seite,
Über keinen Stress mehr klagend,
öffnen wir die Terrasse ins Weite.

Setzten wir uns hin,
liegen wir hier entspannt!
So macht das Leben Sinn!
Ein Weinglas in der Hand!

Und unsre Träume fliegen hinaus,
die kennen das Wort Arbeit nicht,
Die tanzen gern und gehn gern aus,
sie feiern die Sonne und ihr Licht.

Die feiern bis der Abend kommt,
die feiern noch tief in der Nacht!
Wir naschen viel und nichts verkommt,
viel wird geredet und noch mehr gelacht!

Wir wollen alles und noch mehr,
nur Arbeit, die wollen wir nicht!
Entspannt liegt kreuz liegt quer!
Nun Achtung! Löscht das Licht!

Tropfen deuten

Ei, ich bin ein alter Mann,
der Tropfen lesen, deuten kann.
Auf dem Fensterbrett, ganz rund,
liegt er da — der neue Fund!

Die Tropfen – die sind sehr empfindlich,
drum gieße ich sie ungefähr stündlich
mit ganz kleiner Kanne, das ist klar,
Das geht mit Übung wunderbar.

Dann sehe ich sie genauer an,
ob man ne Ecke drin finden kann
die ohne Ecke, da läuft alles rund,
die Ecken nur, tun Geheimnisse kund.

Ich zähle sie langsam und genau,
sind sie spitzig oder recht rau?
die spitzigen Ecken bedeuten Krieg
die Rauen auch einen harten Sieg!

Wie und wann das kann man nicht sagen,
da müsste man andere Tropfen fragen,
weil die aber arme Tropfen sind,
deutet man am besten blind,

Sagt irgendwelche zukünftigen Jahre,
kratzt dabei auch noch öfter die Haare
Und deutet das die Tropfen sagen,
wir hätten einen leeren Magen!

Ein leerer Magen – ohne Tropfen!
Arme Tropfen sitzen hier!
Arme Tropfen – prost dem Hopfen!
Trinkt schnell ein großes Krüglein Bier!

Nach zwei. drei Stunden Tropfenkunde,
eröffnet der Kellner die Tropfenrunde
bei der man alles wieder vergisst,
was ein Kenner aus Tropfen liest.

Ausgelöscht

Alles läuft mir gerade so quer
so ohne einen Sinn –
läuft rasant und leer
und rennt ohne Gewinn.

Jeder strengt sich nochmal an,
reibt, erhitzt die Welt,
reibt so lange er reiben kann,
als ob das Reiben was aufhält.

Doch noch leben wir ja bequem,
ballt es sich erst langsam zusammen.
Man kann zwar schon was brennen sehen,
doch sind es noch keine richtigen Flammen.

Doch wenn es richtige Flammen sind,
bleibt nur noch das Entsetzen,
die Funken – eilig verteilt sie der Wind
und Donner rasen und blitzen

und alle Unternehmenswerte –
helfen nichts – für das laute Geschrei
um Rettung als man Panik spürte,
ist die Zeit dann längst vorbei.

Die Wirtschaft war nie ineffizient,
sie holte viel zu viel aus dem Boden,
verteilts überall, dass es überall brennt,
ist sehr effektiv, beim Sägen und Roden.

Und niemals schrien wir: Genug!
Ein rasanter Höhenflug!
ein fataler Selbstbetrug,
ein letzter, allerletzter Zug

aus der qualmenden Kippe des Wahns,
im Engen, Begrenzten stets weiter zu wachsen,
die Hybris dieses unsinnigen Plans,

plötzlich wird der Luftballon platzen,

zerfetzt – und niemand hält dagegen,
gegen die ganze Welt voll Physik.
Die Hitze, die Strahlung, zerlegen
unsere Pläne, das schnelle Stück,

das ganze Theater um Aktien und Boni.
Was gar nicht zählt! – Nur pure Energie!
Planks Strahlungsformel, Geld doch nie,
Geld zählte nie – ist leere Magie.

Rasant war es! – In dreihundert Jahren

eine ganze Welt gekräscht!
Blitzschnell gegen die Wand gefahren,
immer rasanter – ausgelöscht!

Warteschleifen

Warteschleifen sind der Wahnsinn!
Sie lassen die Tickets weit offen.
Wo wende ich mich hin?
Die Hoffnung auf Antwort – ersoffen!

Warteschleifen, wiederholen
Schritt für Schritt, nach und nach,
langsam wird die Zeit gestohlen,
der schnelle Weg zerbrach.

Warteschleifen – Bandmusik,
stets dieselbe Melodie
wann hört sie auf? Zum Glück,
war es keine Symphonie.

Warteschleifen – Autoreifen,
drehen sich gerne im Kreis,
wieder und wieder zum Hörer greifen,
sagen: Ich will…, ich heiß…

Hör oft monotones Tuten
oder werde flirtend heiß.
Doch die süßen Träume verbluten,
da sie am Ende auch nichts weiß.

Sie gibt mich eine Nummer weiter,
wo ich wieder etwas träume,
lache und gebe mich heiter,
während ich die Zeit versäume.

Warteschleifen – schnelle Antwort,
klingt nur einmal verheißungsvoll,
meldet aber oft: Bin fort!
Der Strand, der Pool ist toll.

Der Vertreter alles lösend,
soll das Blatt dann immer wenden,
und ist immer selbst abwesend,
niemand kann ihn finden.

Endlos ist das Warten, die Zeit
scheint sich auszustreichen
um aufzulegen, immer bereit,
dem Tod die Hand zu reichen.

Warteschleifen kalte Öfen!
Muss weiter Reime gebären.
Warteschleifen weitere Strophen
Wiederholung beschwören.

Warteschleifen – Unendlichkeit
Knoten, magnetische Zeichen,
die garantierte Sicherheit,
Ziele nie zu erreichen.

Warteschleifen – kosmische Wirbel,
Schleifenurgrund unserer Welt.
Was dreht die innerste Kurbel?
was formt sich und zerfällt?

Warteschleifen, Träume reifen.
nach Abbruch, Ende! Nur wie?
Wir lassen uns zu Tode schleifen,
auf dem ewigen Weg ins Nie.

moderne Softwareentwicklung

Ich weiß, ich bin ein elender Wicht,
nur ganz dumm – das bin ich nicht!
Etwas Besseres – das ist schneller,
modernere Lampen brennen heller,

oder sind sparsamer im Verbrauch.
Das gilt für die Softwareentwicklung auch.
Vor tausenden Jahren, da wurde gerupft,
mit bloßen Händen das Korn gezupft.

Da kam einer und nahm sein Messer,
und siehe da, es ging schon weit besser!
Dessen Form nun noch verbessert geschmiedet,
damit man nicht so schnell ermüdet!

Dann Sensen und Rechen und Säcke erfunden,
und schneller drehen die Schnitter die Runden.
Der Pflug, der Korb, der Mahlstein, der Flegel,
die Bauern hissen ihre Segel!

Und segeln geschwind in alle Welt.
Fortschritt, Effizienz, voran! Man hält
nun Rinder, um den Pflug zu ziehen.
Immer mehr Leute, weniger Mühen,

für immer mehr, mehr als man braucht zum Leben,
um’s zu verkaufen, Nahrung weiterzugeben,
an die, die nicht mehr schuften, sondern denken,
der Menschheit die Schrift, die Zahlen schenken.

Immer weiter ging der Weg nach oben,
immer weniger haben mehr hochgehoben.
Weniger Menschen brachten mehr Korn,
man war stolz darauf und dachte nach vorn.

Viel später kam dann die Industrie,
die Traktoren, Mähdrescher erfanden sie.
Das Rind, die Pferde wurden ersetzt,
doch niemals das alte Gesetz verletzt!

Modern bedeutet: Man braucht nicht mehr,
braucht weniger, leichter wird’s – nicht schwer.
Moderne Methoden laufen nicht leer!
Doch heute liegen die Stangen quer.

Die moderne Entwicklung, die braucht doch heute
nicht weniger, sondern viel mehr Leute!
Sie braucht Betreuer um die Entwickler herum,
sonst fallen sie uns noch im Sitzen um.

Um jedes Programm schart sich ein Team,
die alle dran gemeinsam ziehn,
Entwickler die einen, die andren Betreuer,
die Chefs darüber schüren das Feuer!

Und Entwickler braucht man mindestens zwei,
besser noch sind es mindestens drei,
noch besser sind dann mindestens vier,
ach nein, man braucht viel mehr hier!

Man braucht gleich ein ganzes Heer!
Doch wo, nur wo, kommen sie her?
Vor allem dann, wenn die Alten
abserviert, sie nicht mehr mitgestalten?

Die besseren Tools, die brauchen halt viel,
so viel mehr, für das ganz große Spiel.
Wie moderne Traktoren, die brauchen nicht einen,
sondern mehrere Fahrer – sonst nützen sie keinem!

Das stimmt doch nicht! Die fährt doch Einer allein!
Einer bestellt schon viele Felder! Du träumst doch! Nein! Nein!
Doch! Auf dem Feld braucht man noch einen – der zuguckt!
Und einen, der froh – aus dem Fenster luckt!

Und einen, der dann immer aufschreibt,
was dieser Traktor auf dem Feld so treibt!
Man muss erst den Weg übers Feld besprechen,
und wer ihn nun führt, den modernen Rechen.

Da kann man sicher der Software verzeihen,
dass sie, was früher einer, jetzt schafft mit dreien.
Ein Traktor, modern, der braucht eben viel –
wie viel dann bei uns, beim großen Spiel!

Ein Traktor, ja, der ist kompliziert,
wird sicher nicht allein konstruiert.
Ja hinter dem Traktor steht die Industrie!
Thomas, bedenk das, vergiss es nie!

Damit sind viele Leute beschäftigt,
sehr viele denken, und das ziemlich heftig!
Viele tausend Traktoren, stabiles Metall,
zehntausend sogar, und in jedem Fall

hat auch die Industrie eine Software-Abteilung.
Auch dort zelebriert man den Tanz der Heilung,
den Tanz vieler Teams um den wenigen Brei.
Doch Fortschritt – nein! – Nur noch mehr Geschrei!

Erfolge

Ach ich weiß uns küssen Erfolge
oft in wilden Träumen nur.
Richtige Wege bedecken welke
Blätter und leer ist die frostige Flur.

Was soll das Wort Erfolg denn heißen
In einer Welt in der man verliert
In der wir stets zu Gräbern reisen,
man stirbt und danach nichts mehr spürt?

Erfolge sind sinnlose Schatten,
voll Hoffnung, dass man uns nie vergisst
zumindest nicht so, wie man die Ratten
nach ihrem Tod nicht mehr vermisst.

Wochenende wird es gekürzt?

Ich liebe es das Wochenende,
und hätt es gern viel länger
Am Besten wäre es ohne Ende.
Das wär ein echter Renner.

Doch nein – wird es gekürzt?
Merz ist alles zuzutrauen!
Schon der Gedanke, wie er schmerzt,
ist verrückt, ein Grauen.

Da müssen wir uns wehren
Sonst werden wir zu Sklaven.
Als ob wirs nicht schon wären!
Uns drohen ständig Strafen!

Wo würde ich gern Sklave sein?
Doch höchstens bei den Frauen.
Bei Merz niemals!! Da Schrei ich nein!
Der darf mich nie verhauen!!

Ich liebe es das Wochenende,
und hätt es gern viel länger
Am Besten wäre es ohne Ende
Das wär ein echter Renner.

Viel lieber mit den Enten schnattern
als mit dem Merz zusammen rackern
den alten Mann aus Sauerland
hat uns die Weltwirtschaft gesandt

Der kann nur Geld verdienen,
die gute Laune ist ihm fremd,
dem schmecken nur die sauren Mienen
der wilde Strom, ist abgeklemmt

Doch ich liebe Wochenenden,
und hätt sie gerne länger
Ja Feste sollen sie sein, nie enden,
und wilde Tänze, Dauerbrenner .

Ich liebe es das Wochenende,
und hätt es gern viel länger
Am Besten wäre es ohne Ende
Das wär ein echter Renner.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Kamellenregen

Theme von Anders Norén — Hoch ↑