Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 9 von 19)

Fernes fremdes Lied

Aus ferner, fremder Zeit,
da klingt ein Lied zu mir,
es klingt so sanft, und weit
öffnet Tor und Tür

in fremde, ferne Zeiten,
mit Bauern, Mönchen, Bürgern,
wo wilde Ritter reiten,
voll von schrecklichen Würgern,

die sehr, sehr viele hinraffen.
Da gibt es Stände und Zünfte,
zwischen denen Gräben klaffen.
Man liebt und wütet, schlägt und schimpft,

genauso wie es auch heute geschieht,
nur ohne Smartphone und Elektrizität,
und die Häuser, durch die der Wind zieht,
bieten nur wenig Platz für Intimität.

Fernes Lied aus and’rer Zeit,
sing mir Liebe, erzähl davon,
ob so wie immer, so wie heut,
frisch und feurig war der Ton,

voll frischer Luft, hellem Gesang?
Mit einem kecken, frivolen Blick
zu Frauen stolz von hohem Rang,
jauchzend schau ich hoch ins Glück!

Ja! Sing mir, Lied, mit frohen Tönen,
mach mir deine Welt bekannt,
mal mir ein paar bunte Szenen
aus deiner Zeit im fremden Land.

Erst traurig, schwer klingst du herein,
schwebst du, träge, kalt und karg,
dann wirst du schneller, Sonnenschein,
und plötzlich tanzt du – es wird arg.

Du lustiges Mädchen, lass dich küssen,
dreh dich wild im Tanz nach vorn.
Die Ritter werden dich vermissen,
zieh’n sie weg zum Kampf ganz fern!

Du liebliches Lied aus fernen Zeiten,
ich hör‘ deiner schönen Stimme zu,
lass mich gern in Träume gleiten,
hops zum wilden Tanz wie du.

Ferne, fremde Zeiten
zieh’n an der Ewigkeit entlang,
Lieder, die sie stolz begleiten,
geben ihnen ihren Klang,

öffnen die Vergangenheit,
strömen in die Gegenwart,
sind frisch vom Staub befreit,
bereit zu einem neuen Start.

Lieder, schöne, fern, vergangen,
klingen, springen aus der Zeit.
Schnell, ach, sie verklangen –
bin ich zurück im Heut!

Burgen, trostlos, längst Ruinen,
träumen noch vom frohen Fest.
An ihren Mauern wilde Bienen
bauen dort ihr Felsennest.

Zu klein

Zu klein ist uns hier diese Erde,
wir haben sie in Stücke zerbrochen,
durch uns verlor sie ihre Würde,
wir haben unsere Heimat erstochen.

Zu klein für unseren Neid, die Gier,
den Drang, es allen anderen zu zeigen.
Wir bleiben Affen, kurzsichtiges Tier,
wir drehen auf, anstatt zu schweigen.

Zu klein ist unser ganzes Denken,
zu klein die Demut vor der Welt.
Die Welt, sie soll uns alles schenken,
soll schenken, tun, was uns gefällt.

Die Welt, sie hat sich nie gewehrt,
erfühlt uns immer noch nicht.
Wir rauben sie aus, sie wird verheert,
wir verstehen, beachten sie nicht.

Wir sind und waren immer zu klein,
sie zu umfassen, zu verstehen.
Ja, unsere Größe war immer nur Schein –
wir werden bald zugrunde gehen.

Illusion

Blau ist der Himmel.
Wunderschön wölbt er sich über Stuttgart.
Frühling. Ich freue mich.
Alles scheint gut zu sein.

Ich weiß schon, dass das nur ein Traum ist,
dass Leid überall auf uns Menschen prasselt.
Ja, es ist nichts mit der Ordnung hier.
Furchtbar ist das.

Ich will weg.
Einfach weg von hier.
Der blaue Himmel ist eine Fata Morgana.
Aber er macht etwas mit mir,

streichelt mich so sanft.
Ich will alles vergessen, was diesen
blauen Himmel zu einer Zumutung,
einem Ärgernis macht.

Für sich allein und isoliert
küsst er mich so zärtlich,
und die Kanonen werden nicht schrecklicher,
wenn ich nicht an sie denke.

Einen Halt, einen Witz braucht man einfach.
Ich will raus, unter dem blauen Himmel stehen.
Ich verkünde eine neue Welt,
eine gerechte, großzügige Welt.

Eine Welt, wie sie nicht ist.
Ich verkünde sie trotzdem.
Ich rufe die gute Welt aus,
die warme, heiße Welt der Liebe.

Das wird nichts ändern,
macht aber auch nichts schlimmer.
Schlimmer sollte es dadurch nicht werden.

Schlaflos

Ich möchte noch nicht schlafen.
Ich will noch nicht ins Bett.
Vermeide Schlaf, den sicheren Hafen.
Ich will hinaus und einfach weg.

Obwohl die Augen drücken.
Sie fallen mir schon zu.
Ich drohe einzunicken,
doch geb ich keine Ruh.

Will Mitternacht durchschreiten,
als wäre sie ein heller Tag.
Die dunkle Nacht durchreiten,
wobei der Mond mir leuchten mag.

Doch draußen tut sich nichts.
Die Nacht sie schläft hier selber still.
Trotz des Monds, des Sternenlichts,
scheint alles ruhig.

Oh was zu Teufel will
ich hier in diesen leeren Gassen?
Keine Bar hat jetzt mehr offen.
Alle schlafen, Menschenmassen?
Wo? Was will ich hier noch hoffen?

Du bist am falschen Ort.
Das ist nicht deine große Stadt..
Du musst viel weiter fort.
Doch ich bin erledigt, matt.

Die Nacht verlief ins Nirgendwo.
Dabei war ich doch so aufgewühlt
so stark und wild und roh.
Doch niemand da, der mit mir spielt.

Doch werden neue Nächte kommen!
Wilde Nächte mit Goldbeschlag.
Nass und feurig ganz verkommen,
leuchtend wie der erste Tag.

Feierabend

Komm wir machen Feierabend!
Die Arbeit legen wir zur Seite,
Über keinen Stress mehr klagend,
öffnen wir die Terrasse ins Weite.

Setzten wir uns hin,
liegen wir hier entspannt!
So macht das Leben Sinn!
Ein Weinglas in der Hand!

Und unsre Träume fliegen hinaus,
die kennen das Wort Arbeit nicht,
Die tanzen gern und gehn gern aus,
sie feiern die Sonne und ihr Licht.

Die feiern bis der Abend kommt,
die feiern noch tief in der Nacht!
Wir naschen viel und nichts verkommt,
viel wird geredet und noch mehr gelacht!

Wir wollen alles und noch mehr,
nur Arbeit, die wollen wir nicht!
Entspannt liegt kreuz liegt quer!
Nun Achtung! Löscht das Licht!

Wurm

Ich bin ein kleiner Wurm,
ein kleines pralles Ding,
das sich in der Welt,
im Netz des Seins verfing.

Mein Leben ist kein Auftrag,
Gott hat mich nicht angestellt,
Ich weiß, dass nach dem letzten Tag,
mein Körper verwest und zerfällt.

Mein Leben hat auch keinen Zweck,
nichts weist von mir weg,
zu irgendetwas anderem hin.
Ich weiß nur, dass ich bin.

Ich weiß nur, dass ich bin und lebe
und mich freut das sehr,
dass ich dieses Leben liebe.
Ich halt’s hoch, es ist nicht schwer.

Nichts tun!

Je mehr wir tun,
umso größer das Scheitern
wir sollten mehr ruhen
nur Betten erweitern.

Der wilde Konsum
vergiftet uns,
jeder Boom
verheizt uns.

Egal was wir bauen
alles zerfällt
Habt kein Vertrauen
mehr In diese Welt.

Hier müssen wir sehr sorgsam sein
Jede Ungeduld zerstört
Pfleg jeden Garten und Hain
sehr langsam, sehr, sehr abgeklärt.

Ruhe braucht das Leben
– eine gemütliche Welt
– keinen Dauerregen
aus Krisen, wenig Geld.

Tanzt! Versucht es zumindest,
die Welt sagt dazu nicht nein.
Sucht, ob ihr einen Ausweg findest
und prescht in die Lücken hinein.

Wir brauchen vor allem viel Humor,
um unter dem Galgen zu lachen.
Das kommt einem nie spaßig vor,
trotzdem muss man es machen.

Ohne Humor geht alles bankrott.
Feiern wir! – Mitten in der Wüste,
feiern wir mit Teufel und Gott,
auf öden Bergen, an windiger Küste.

Feiern wir ganz bescheiden,
mit dem, was unser Körper trägt,
und allen Prunk, das Fressen vermeiden,
weil es auf den Magen schlägt.

Ganz sanft sein und beweglich
und nackt und auch mal scharf.
Vielleicht die Sprache – anzüglich,
sagen, was man nicht sagen darf.

Allem aber entkommen,
was zu viel Energie bewegt.
Nicht mehr als drin ist entnommen,
die Welt gepflegt, gehegt!

Nicht ausgebeutet, aufgerissen,
das macht nur sehr viel Staub.
Sonst wird zu viel mit eingerissen,
irgendwann endet jeder Raub.

Und dann ist alles leer,
und nichts, gar nichts bleibt übrig,
Überleben ist unendlich schwer,
das Kapital – zu umtriebig!

Das Kapital – ein Turbo, ein Rotor,
der alles zerfetzt, zermahlt,
ein kräftiger, gefährlicher Motor,
für dessen Folgen niemand zahlt.

Das Kapital – seid faul, legt euch
in die großen Federbetten!
Geld ist Geld, reich ist reich,
doch kein Reichtum kann uns retten!

Nur Faulheit noch – nichts tun!
Nur Verzicht rettet das Leben!
Abwärts! Abwärts! Ruh’n, ja ruhn!
Nichts auf eitlen Luxus geben.

Unser Luxus das sind wir,
unser Körper, unser Geist
wer gierig ist der ist ein Tier,
das um leere Beutel kreist.

Es meint die Beutel seien voll,
sein Traum wächst immer mehr,
das Tier wird giftig, böse, toll,
es bricht sie auf – doch – alle leer!

Leer! – Alles leer und umsonst!
Die Kräfte – für nichts verausgabt,
Und kein Beutel mehr hier sonst,
das letzte Mahl – gehabt!

Auf und ab

Manchmal schwingen meine Gedanken
wie ein Pendel: Vor – zurück
vor – zurück Gedanken schwanken
was ist besser, wo keimt Glück?

Schlägt man ein den Weg nach rechts,
wird der Linke besser sein,
geht man rückwärts den von rechts,
fährt man links ins Unglück rein!

Wie man’s macht, ist immer schlechter,
als der allerbeste Zug,
immer wartet ein Gelächter,
grad auf den – den man schon schlug

Manchmal sind gar meine Gedanken,
einfach, zweifach, neunmal klug
Ideen die wie Efeu ranken,
steigen auf zum Höhenflug.

Worte die die Reime sprengen,
Metrik und den Rhythmus brechen
die mit Unter– Überlängen
laut von irgendetwas sprechen

Nennen tut man’s freie Verse
strenger, enger dann gebunden
Strophenformen gibts diverse
Viele hat man schon erfunden

Viele Muster, Berg und Tal
Wechsel zwischen stark und leicht.
Bestens wenn die Silbenzahl
sich in allen Strophen gleicht

Hin und her wird da gerechnet,
weil man Silben zählen muss
jeder Schwung ist wie berechnet
für den wirklich dicken Kuss.

Doch einen Kuss den muss man küssen
der ist nicht berechenbar
das sollte jeder, jede wissen:
Küssen – das ist wunderbar!

Verschwunden

Ach Thomas, Thomas!
Atme durch und halt mal an,
nimm nicht alles im Übermaß,
wo man nicht alles

    denn es gibt immer eine Grenze
    die Dich stoppt und festhält
    und noch so feurige Tänze

    Du weißt wie schnell man fällt!

    Viele scheinen kein zu viel zu kennen
    Doch Grenzen, sie sind Realität
    Man kann nicht über Klippen rennen
    ohne, dass man ins Fallen gerät.

    Doch ja, man rennt gern über das Ende
    hinaus und setzt dann an zu Sprung
    Doch hält die Luft nicht, noch starke Winde
    ab den Sturz, den tödlichen Umschwung.

    Ich höre zehntausend Teufel lachen:
    „Die beschwören noch immer den Konsum!
    Obwohl sie in die Katastrophe krachen
    verharren sie weiter im Irrtum! „

    Und wollen noch immer mehr und mehr
    und kriegen ihren Arsch nicht voll,
    sie fallen deshalb übereinander her
    und kreisen noch immer

    um sich selbst wie toll“

    „Ach sie werden es nie lernen
    sie lernen das nie mehr
    sie greifen zu den Sternen
    doch ihr Verstand hat es schwer.“

    Die Gier, die hat sie groß gemacht,
    die zog sie hoch aus dem Dreck
    doch geben sie auf ihre Gier nicht acht,
    und irgendwann

    sind sie dann weg!

    Schatten deuten

    Ei, ich bin ein alter Mann,
    der Schattenbilder deuten kann.
    An meiner Wand, im Abendlicht,
    erscheint ein fremdes, stilles Gesicht.

    Aus dem Fenster kanns nicht kommen,
    denn es ist Abend, nicht besonnen,
    sind alle Fenster, sie starren dunkel.
    Woher kommt dieses Schattengefunkel?

    Es ist nicht der prasselnde Kamin,
    denn kein Holz legt ich in ihn.
    Da prasselt nichts und es ist still.
    Mal sehen, was dieser Schatten will!

    Bin ich es selbst? Mit der Laterne?
    Von unten hoch, statt aus der Ferne?
    Ja – denn blas ich meine Laterne aus
    ist es stockdunkel jetzt in Haus.

    Alle Schatten sind auf einmal verschwunden,
    zumindest ich hab keinen gefunden,
    aber vielleicht waren sie ja noch da,
    weil ich sie ohne Licht nicht sah.

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