Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 8 von 19)

Mathe

a plus b Quadrat
Gleich a Quadrat
Plus zwei a b
Plus b Quadrat

Mathe, ach, das ist nicht fad
Mathe – nein – es ist famos!
Ich löse alle Gleichungen los
Sie drehen auf, auf tausend Grad!

Ich liebe es zu differenzieren
Das mache ich ganz heimlich
Und dann zurück gleich integrieren
Mir ist nichts mehr peinlich!

Ich steh zu meiner Liebe
Auch wenn’s die ganze Welt erschreckt
Wenn ich durch Topologien fliege
Sich alles ins Unendliche reckt

Wem so Orgasmen kommen
Dem liegt die Einsicht nicht mehr fern

Ich bin verrucht und verkommen
Oh Gott! – Ich mache Mathe gern!

In Tübingen

Die Vögel trillern so schön Lieder
und Gott! Wie ist der Himmel blau!
In Tübingen gibt es immer wieder
so herrliche Tage zart und lau.

Ja Tübingen ist eh immer schön!
Mir schlägt das Herz schon hoch beim Namen.
Bunt ist’s, froh und immergrün.
Vertrautes Bild im kleinen Rahmen.

Ich übertreibe sicher so zehn hoch zehn
Doch rauscht das Bächlein hier halt anders,
verwandelt mich bis zu den Zeh’n,
ich werde Teil des städtischen Wunders.

Ja, ja – ja, ja! – Doch halt! Mal langsam!
Da hat sich auch immer viel verändert!
Dort wo man früher immer hin kam,
steht nun nichts mehr, total geändert

haben sich seither die Clubs.
Ich trau mich da, längst nicht mehr rein.
Nur wenige bekannte Pubs
Dort schenkt man aus: nostalgischen Wein.

Es flog die Zeit, verbrannten Jahre
Ich kralle mich am Vergangenem fest.
Und hüpf jetzt mutig von der Bahre!
Der heutige Tag ist auch ein Fest!

Ein großes Fest aus Licht und Farbe,
der Spatzen und der Amsellieder.
Aus Kaffeegeschmack oder der herbe
des Biers, dem milden Duft von Flieder.

Es ist doch: Jetzt! Jetzt! Spür den Wind,
der über die warmen Pflaster weht
und feir – feir, dass wir lebendig sind!
So vieles ganz, ganz neu entsteht!

Zoo

Überwuchert, ganz verwildert

liegt der „Zoo“ nun da,
nicht wie ihn Erinnerung bebildert,
wie ich ihn damals sah.

Damals tanzten wir Nutbush
standen Schlange vor der Türe
Wie ich Vergänglichkeit – husch,
den Verfall jetzt spüre!

Es gibt keine Erlösung,
auch Neues wird wieder vergehen
Genieße jetzt! – Auch keine Lösung
will man für länger bestehen.

Aristoteles meint: Wählt die Mitte
dort ist es sicher – zwischen den Büschen
Individuum und Sitte
dürfen sich dort vermischen.

ChatGPT besteht sein Abi

Das ChatGPT besteht sein Abi!
Wir brauchen’s nicht mehr machen!
Wir sind dann alle cool und lucky,
und kümmern uns um andere Sachen.

Die Schule wird so langsam ersetzt,
doch wird uns das nicht schaden,
ihr Platz wird vom Vergnügen besetzt,
wir lernen zu feiern, zu flirten und baden.

Wir werden von Maschinen verdrängt,
die vieles besser machen als wir,
weit besser das, als eingezwängt
in Zeiten und Regeln, als Arbeitstier.

Längst waschen Maschinen mir im Klo,
so warme, sanfte Spritzpistolen,
den wunderhübschen, prallen Po.
Und ChatGPT hat’s mir empfohlen!

In meinen Knien diese Legierung,
so gute, allerfeinste Metalle,
Und diese Mineralölschmierung!
Ja, damit rennen jetzt doch alle.

Mein Hirn wird immer weiter entlastet,
der Taschenrechner war schon cool.
Dank Zoom wird nicht ins Büro gehastet,
wir festgebunden dort am Stuhl.

Jetzt könnte es die Freiheit geben,
die ich für meine Liebe brauche,
für ein von Sonne erfülltes Leben,
in das ich gerne, ganz tief tauche.

Mein Geld verdient dann mein Avatar,
mein schlauer Sklave, stromdurchzuckt.
Er druckt es selbst, wie wunderbar,
er diese Scheinchen zu mir spuckt!

Maschinen bauen sich dann selbst,
sie putzen, mauern, helfen und lenken,
und antworten, falls Du Fragen stellst
und sind uns weit überlegen im Denken.

Doch sind wir denn im Denken gut?
Das Denken fällt doch immer schwer!
Es kocht doch anders, unser Blut,
tief Denken dächte viel zu sehr!

Das wäre alles so angenehm!
Doch hören wir wirklich auf, zu schuften?
Das wäre der Durchbruch durch das System!
Es hört dann auf, nach Schweiß zu duften.

Die Wirtschaft verlöre ihren Sinn,
verlöre den Grund für Arm und Reich.
Ein jeder bekäme ab vom Gewinn,
geteilt durch alle und alle gleich.

Doch das wird sicher nicht passieren,
dann würde oben und unten fehlen,
dann würden sich alle frei amüsieren,
und niemand bräuchte sich zu quälen.

und könnte keine Ausdauer zeigen!
Ihm bliebe nur noch das Laufband!
Ohne Meetings müssten Schwätzer schweigen,
die Sklaven verlören die harte Hand!

Die Regeln würden völlig drehen.
Verwirrung verwirbelt die Welt!
Neid kann man nicht mehr verstehen,
kein Maß für Erfolg mehr wäre das Geld.

Und so wird nichts davon geschehen,
die meisten werden nicht entlassen
und dürfen weiter arbeiten gehen
um Fragen an ChatGPT zu erfassen.

Ammergasse

Ammergasse

Die Ammer, ein kleines Flüsschen,
eingefasst in einen Kanal,
überquert von Eisenbrückchen,
bei jedem Haus zumindest einmal.

Am Abend, wo schon Lichter schauen,
aus den Fenstern dort hoch oben.
Vom Himmel, dem schon dunkelgrauen,
hell erleuchtet abgehoben,

Im ersten Stock, im Storchen,
da hörte ich ein Lachen.
Ein Blick nach oben, horchen,
Erinnerungen entfachen.

Geh mal dort wieder hoch!
Locken mich innere Stimmen.
Den kennst du doch noch,
den Bienenstock von innen.

Natürlich sind fast alle jünger.
Kerl so alt bist du ja schon!
Doch die Freude ist nicht geringer.
Das Leben läuft hier nicht davon.

Geruch im Storchen

Ich habe etwas gerochen,
am Moder vergangener Zeit.
Vergangenes wurde besprochen
und dieser verhexte Dämon schreit

und spuckt mir Bilderfolgen aus.
Hab manche schon so oft erinnert.
Ein kleiner Blumenstrauß,
der voller Wehmut wimmert.

Nun komm jetzt, reiss dich zusammen!
Der Tag, der Letzte, er ist noch nicht da!
Entzùnde neue Ideen und Flammen.
Die Welt ist zugänglich und nah!

Sie riecht nach Braten und Speck.
Sie riecht nach Rosen und Veilchen.
Sie tanzt und zaubert Glück,
zumindest noch ein Weilchen

Mückentanz

Nacht und wieder Morgen
Rattert wieder die Arbeit
Unablässig husten Sorgen
Ich vergeude meine Zeit

Seh ich’s nicht? – Nur – ein – Leben!
Wie lange will ich mich treiben lassen?
Statt mich aus dem Alltag zu heben!
Um meine Ziele – anzufassen!

Ziele? – Verschwinden um die Ecke!
Ein festes Ziel kann es nicht sein
Doch bin ich mehr als eine Mücke
Ich sage zur Verzweiflung nein!

Du bist aber überheblich!
Die Mücke lebt so gern wie du!
Du bist wie sie – nichts und sterblich
Du rennst auf dein Verhängnis zu!

Dein Denken ist nur schöner Schein
Ein eitler Teufel, der uns betrügt
Ist unser Spiegel: Wir allein!
Oh, wie dieser Spiegel lügt!

Schau das All – seine Weiten!
Und nirgendwo ist dort ein Ende!
Und diese schier endlosen Zeiten!
Und deine Eitelkeit ist Sünde!

Die Mücke lebt genauso froh
In ihrer beschränkten Welt
Wie du das Tier im Menschenzoo
In deinem verrückten Gedankenzelt

Du hast da keinen Vorteil
Nein – du weißt nur zu viel mehr!
Du weißt, du hast den schrecklichen Teil!
Du spürst dein Verhängnis zu sehr!

Es versauert dir den Glücksmoment
Es scheißt auf jeden deiner Tage!
Du weißt, alles wird weggeschwemmt
Du stehst viel schlechter! – Keine Frage!

Aber du – du bist so viel eitler, größer!
Dein Gehirn – es träumt zu viel!
Du bist viel teuflischer und böser!
Und du meinst, es gäbe ein Ziel!

Doch diese Welt ist für niemand geschaffen
Ein Niemand war’s auch, der sie schuf!
Nichts niemand – nur ein paar Affen
Hörten plötzlich – diesen Ruf!

Diesen Ruf – den sie sich selbst zuriefen
War herzzerreißender Selbstbetrug!
Als sie träumten, miteinander schliefen!
Doch – ach – nun sind sie noch so klug,

Ihren eigenen Unsinn zu erkennen!
Ihren Unsinn erkennen zu müssen!
Alle Träume über sich zu verbrennen!
Zurück ins Glied zu müssen!

Zurück, um die Mücke anzusehen!
Und um mit ihr zusammen zu weinen!
Doch die Mücke wird es nie verstehen
Sie tanzt unermüdlich auf sechs Beinen

So bin ich also bestraft!
So bin ich also geschlagen!
Auf Lebenszeit in Einzelhaft
Zu lebenslänglichem Klagen!

Nein! – Schau wie die Mücken tanzen!
Wie wild schwirren sie herum!
Die lieben es, sich fortzupflanzen
Das treibt die winzig Kleinen um!

Was willst du denn viel weiter schauen?
Tanz froh mit ihnen zu ihrer Musik!
Sieh nicht andauernd auf das Grauen!
Und tanz jetzt mutig, munter, flüssig!

Ja tanz jetzt in den erwachenden Morgen!
Schau jetzt – der Himmel färbt sich blau!
Der zertanzt dir fröhlich deine Sorgen
Der befreit die Welt aus ihrem Grau!

Lern von deinen kleinen Brüdern
Wie sie mit vielen Beinen tanzen
Summ nach ihren weisen Liedern
Doch such keinen Sinn mehr im Ganzen

Kloballade

„Ein paar Minuten am Tag ist man froh… da sitzt man dann – allein auf’m Klo… Das hat schon der Bert Brecht besungen… ihm ist das sicher auch besser gelungen…“

„Dieses Gefühl des Glücks, seine Strahlen, klar aufzuzeichen, auszumalen… Ich will hier auch nicht übertreiben, und alles – allzu genau beschreiben… Denn in diesen wenigen Zeilen hier, gehts nicht ums Geschäft sein Plässier!“

„Dies zu beschreiben, fiele mir schwer! Vielmehr geht es – ums – NACHHER!“

„Ja – nachher – Ich will wieder gehn. Und es klappt auch aufzustehen… das Papier gut auszunutzen… den Hintern schön zu putzen! Alles klappt so gut und ausnahmslos, schnell auch, bin ich in der Hos‘!“

„Schnell auch – nach der Klinke – greifen… doch nun – Oh – am Schicksal streifen! Dem Schicksal, das ganz anders will. Mein Schicksal hält die Klinke still!! Mein Schicksal blockt die alte Mechanik!! Sie kriecht in mir hoch, die nackte Panik!“

„Das Ding geht einfach – nicht mehr auf! Zieh mal dort, hau dort mal drauf! Alles, alles ist vergebens! Das Ende meines Lebens?“

„Ach – ich wart‘ einfach – ich hab ja Zeit! Hilfe kommt – bestimmt, es treibt, dein Drang wohl auch noch andere her! Irgendwann – da kommt schon wer!“

„Glück im Unglück, sei ohne Sorgen! Schließlich ist doch Dienstagmorgen… nicht kurz vor knapp, vor Wochenende. Hör! – Da wäscht wer – seine Hände!“

„Keck gerufen! Der Kollege, gleich da! Und gleich ist vielfache Hilfe nah! Zwei vor der Tür, ein Schraubenzieher, bring mich der Befreiung näher… Doch hilft am Ende – nur rohe Gewalt, denn das Schloss, lässt alles kalt…“

„Stehe ganz hinten, voller Hoffen… Ein Krach, ein Sprung – die Tür ist offen! Ein einziger, kräftiger Stoß, Der Schaden ist auch gar nicht groß!“

„Danach, am Ende – bin ich wieder frei! Vielen Dank! Wie ich mich freu! Kann getragen, auf sanften Schwingen, ein neues, kleines Liedchen singen…“
(Song fades out on a happy, repeating piano and accordion melody.)

Nerven

Weißt Du, meine Nervenketten
sind aus ihren Kränzen gesprungen,
da ist auch nichts mehr zu retten,
die Ritzel sind tief eingedrungen

ins weiche Gehirn, quirlten es flüssig.
Jetzt schäumt es auf nach allen Seiten,
seine prallen Falten fallen rissig
ein, unfähig Gedanken weiterzuleiten.

Niemand kann uns noch leiten,
Ordnung bringen in der Welt.
Worte, Sätze, nur Belanglosigkeiten,
die nichts mehr zusammenhält.

Nichts hält sich noch für errettbar,
entkommt dem Haus der Verwesung.
Ruinen, Ideologien starren leer, klar,
früher da schien noch alles machbar.

Neuer Wohlstand explodierte für alle,
der Brunnen Erde spuckte Reichtum.
Heute streckt CO₂ seine Kralle
aus und nichts wird’s mit grenzenlosem Konsum.

Der frisst die letzten Gedanken auf,
aufgelöst fließen Hirne in Gullys
– hinab, nicht in den Himmel hinauf,
– hinab mitten in die Kanäle, ins Verlies,

wo der schaumige Schleim der Träume
mit bitteren Tränen gemixt wird.
Nichts, luftige, ölige Schwärme
aus Pilzen, Bakterien, Algen, zersetzt, umschwirrt

von Fliegen und ausgeschlürft
von bald zerplatzenden Maden,
die der dunkle Fluss auswirft.
Wahnsinnige gehen dort noch baden.

Wahnsinnige suchen im blähenden Schaum
nach Licht und Weisheit und Erkenntnis,
geben der Hoffnung immer noch Raum.
Wahnsinnige! Das wird nichts!

Wir sind nicht dazu geboren,
um Erkenntnis aus dem Lauf der Welt zu filtern.
Wir stopfen unsere Mägen mit Kadavern voll, verloren
wären wir hier sonst, überwintern

müssen wir jedes Jahr im Dreck,
dem Boden voller Würmer, Pilzhyphen,
den Schleim schiebt man nicht weg,
die Hände und Lippen triefen.

Trinken Plastikcocktails aus blauen Flaschen,
rufen die Wogen der Meere,
erstickt in Netzen, Taschen,
voll riesiger Strudel, blauer Leere!

Kein Leben mehr außer Mikroben,
Fadenwürmer behausen Plastikwälder,
die die Meere durchziehen von unten bis oben,
nur noch leere, endlose Behälter!

Stille Begleiter

Das Leben hier erscheint uns sicher
Obwohl viele Brocken im All um uns tanzen
Ja, sorglos sind wir – gefährlich wahrscheinlicher
Sind unsere Selbstzerstörungstendenzen

Doch wenn sie treffen, treffen sie
Die Großen zertrümmern ganze Regionen
Wir beobachten – vermessen sie
Taumeln sie in gefährliche Zonen?

Dort hin, wo wir uns ganz sicher sind
Es knallt in wenigen Jahren!
Ein Brocken dort treibt sorglos und blind
Der wird es nie erfahren

Wir aber! Was können wir noch machen?
Genügt es, Raketen dorthin zu senden?
Lassen wir neben ihm Bomben krachen?
Können wir ihn, unser Schicksal noch wenden?

Doch sehen wir ihn denn überhaupt
Wenn uns die Sonne hinter ihm blendet?
Ein böser Gedanke, vor dem es mich graut
Fehlt uns die Zeit, nachdem man ihn findet?

Die Brocken schweben, fliegen weiter
Um uns und unsere Sonne herum
Es sind so viele, unsere stillen Begleiter
Und davon ein großer bringt uns mal um!

Doch wann? Und ist denn sonst nichts los?
Haben wir keine andren Probleme?
Hier sind doch längst die Sorgen groß
Beißen uns, zeigen giftige Zähne

Ja, wir treiben es noch ärger!
Die Mächtigen wollen nichts verlieren
Auch andere nicht, alle sind stärker
Und lassen alles – explodieren!

Und dann die Klimakatastrophe
Dank Wachstum, das den Halt verliert
Unser aller Konsum, der hypertrophe
Der uns stracks in die Hölle führt

Zerstört die Umwelt, unser Heim!
Die Schwermetalle, Plastikmeere
Wir sind doch nicht mehr sicher daheim
Fühlen schon die große Kehre

Die Wende zurück in magerste Zeiten
Weil uns die Erde nicht mehr erträgt
Doch unser Verstand kann uns nicht leiten
Die letzten Bäume schnell noch zersägt!

Die letzten Tropfen gierig getrunken
Die letzten Böden – weit weggeweht!
Die letzten Körner – nicht mehr gesät!
Die letzten Menschen – im Müll versunken!!

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