Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 4 von 19)

Verlorener alter Himmel

Zum alten Himmel kann ich mich nicht strecken
dort findet man nur Menschenbilder
kann nur den Menschen entdecken
die Wirklichkeit, das All ist wilder

Und Menschenleer, fast völlig leer
und alles aus feinstem Staub geboren
nur kleine Flecken sind dort sehr schwer
der Menschengott ging darin verloren

Dort fühlte er sich nicht wohl
ist in diesen Weiten gestorben
ganz plötzlich tönten Theologen hohl
ihre Schlüsse töricht abgestorben

verdorrten die alten Träume, auch Yggdrasil
die ganzen Geschichten fielen herunter
wurden Texte, hüpfen noch, schlüpfrig, als Spiel
doch im All, da gingen sie unter

Religionen erklären nichts mehr
sie glänzen nur noch als alte Geschichten
sind fast wie das All, nur völlig leer
ausgebrannte alte Schichten

in der Geschichte besser aufgehoben
als in der Gesellschaft, der Politik
Die Physik, Chemie hat abgehoben
sie fliegen auch nicht mehr zurück

Rilkes Stundenbuch

Rilke ringt mit seinem Gott
Er hätte es schon wissen können
Den Alten kriegt man nicht mehr flott
Doch Rilke wollte brennen, brennen!

Rilke was hast du nur getan!
Selbst mir schlägt das Stundenbuch ans Herz
doch ist es nutzlos, nichts, nur nichts,
ein Wahn und sinnloser Schmerz.

Hättest Du doch Aphrodite besungen!
Die nützt zumindest im süßen Spiel
Aber Du hast alles durchsucht durchdrungen
doch das kalte All blieb kühl.

Es weiß noch immer nichts von dir
der Herr des Himmels bleibt verschwunden
und ich, ich altes elendes Tier
drehe zum Abschluss nur düstere Runden.

Rilke du schufst dir Gott nur wieder
aus Dir selbst, dem alten Ton
aus Tönen, deine schönen Lieder
sie tragen uns sanft, erhaben davon

und bringen uns doch nur selber nah.
Zu Gott – diesen Umweg braucht es nicht
denn dieser Gott er bleibt nicht da,
verschwindet, verdampft im Licht

der Wirklichkeit und all der Wut,
dem Stechen, Hauen aufeinander.
Diese Welt braucht keinen Gott sondern Mut,
den Mut zum Leben, zum Miteinander.

Mein Blick ging hinaus durch die Stäbe
ich verlor meinen Glauben an Gott seine Macht
tat nicht mehr als ob es Götter gäbe
sah hoch zu den Sternen, hinein in die Nacht.

Ganz einfach

In ganz einfachen Worten
möchte ich die Welt besingen
Klagen will ich wenig, horten
nichts und alles soll klingen.

Tief verborgen soll nichts sein
denn alles liegt ja offen da
Ich schreibe nicht für mich allein
wäre gerne dem Guten nah

Ja gierig bin ich, sogar sehr
Will tief tauchen, brennen, glühen.
Ich will gern und immer mehr
tanzen, blumengleich blühen

Frohe lachende Ständchen singen
die gar nicht viel sagen und wollen
alles soll am besten nur klingen
rosinenvoll duften, wie Weihnachtstollen.

Schon wieder ein Geständnis

Ich will immer alles gestehen
ich halte mich mit nichts zurück
mein Krug wird solang zum Brunnen gehen
bis er zerbricht, zerreißt mein Glück.

Ach Thomas, lass dein nutzloses Spiel
es bringt dir doch gar keinen Segen
denn deine Geständnisse haben kein Ziel,
sie werden hier niemanden erregen.

Denn dazu sind sie zu weit weg
zu heftig nein, das wird kein Hit
Du versinkst in Tränen und Dreck
immer tiefer, nimmst niemand mit.

Lass das also, sag nicht aller Welt
was dich im Innersten beschäftigt.
Verschließ es fest und bleib im Zelt,
und schluchze nicht zu heftig!

Oh nein – ich muss doch gebären!
Darf es so alt, auf den letzten Metern
will den ganzen Kelch ausleeren
vielleicht erfreut es doch einen der Götter

oder zumindest Aphrodite!
Die Schaumgeborene aus der Gischt
sie hört mich sicher gern, jede Wette
bis ich sterbe, jeder Traum erlischt.

Oh Thomas, Thomas meine Güte!
Meinst du wirklich, dass Aphrodite,
die Schaumgeborene, so lustbegabt
sich an solchen Tränen labt?

Sie liebt den Wind, die Wildheit pur,
will keinen tränenreichen Schwur,
liebt sie doch Ares‘ wilde Stürme,
viel mehr die Hitze, als laue Wärme!

Bring sie lieber zum lauten Lachen,
als solche trägen Sachen zu machen.
Wildheit können Tränen nicht zähmen,
sie würde sich wegen dir nur schämen!

Aphrodite brauchst du nichts zu gestehen,
Aphrodite will dein Feuer sehen,
liebt Flaggen die im Sturmwind wehen,
Schwänze die nach oben stehen!!

Betroffenheitslyrik

Oh, es hat mich wirklich getroffen,
die Wunde unverzerrt liegt offen,
Betroffenheitsgedichte überall,
ein Betroffener – klarer Fall!

Und tief im Innersten verletzt,
und er schreit und ist entsetzt,
er hat jetzt nur noch seinen Humor
doch selbst der – kommt spanisch vor.

Doch was kann ich gerade auch machen,
als etwas über mich selbst zu lachen!
Nicht zu sehr zu übertreiben,
streng bei der Poesie zu bleiben!

Bei den Tönen, der Metrik, der Melodie,
jetzt schüttel die Texte – kämm sie!
Stell Deine Tränen hinten an,
damit man schwelgen, feiern kann.

Streng bei der Poesie… ja…
damit man schwelgen, feiern kann.

Süße Verführer

Viele kleine Rosinen
Datteln und Feigen
Honig fleißiger Bienen
tanzen einen Reigen

Tanzen auf der Zunge
und das Glück es fließt
befreit atmet die Lunge
das schöne Leben grüßt

schwingt sich durch die Süße
durch leichte Gedanken schön
flüstert zärtlich genieße
Warm wirds bis zu den Zehn

Man schluckt und riecht
dem Duft entspringt ein Klang
der hüpft zärtlich leicht
und schwebt der Zunge entlang

Greift weiter greift und greift
bis nichts mehr da ist zu
Weil es eben niemals reicht
Erst am Ende gibt es Ruh

Zwei Wochen

Lass dir den Urlaub nicht nehmen,
austauschbar sind wir, nicht wichtig.
Genieß die Tage, die Nächte, die Schönen,
Leben muss man gut und richtig.

Die Firma wird schon rechnen, wissen,
dass wir ihr immer reichen, genügen,
dass wir die Sonne schmerzlich vermissen,
gern oft weit weg ins Freie fliegen.

Zwei Wochen, die sind ganz schnell um,
das Rad, es wird sich weiter drehen.
Milliarden Jahre gingen schon herum,
bis wir nur kurz im Blitzlicht stehen.

Genieß den Urlaub, lass ihn nicht verderben,
nimm ihn munter, sorglos, froh,
denn alles zerfällt einmal in Scherben,
zwei Wochen – verdunsten – ins Nirgendwo!

Zwei Wochen, die sind ganz schnell um,
das Rad, es wird sich weiter drehen.
Milliarden Jahre gingen schon herum,
bis wir nur kurz im Blitzlicht stehen.

Rosinen

Es sind die süßen Rosinen,
die Datteln und die Feigen,
der Honig fleißiger Bienen,
die dir die Fülle zeigen.

Und auch der glitzernde Schnee,
auch die Blumenpracht
und die flüchtigen Wolken der Höh‘,
die Sterne in der tiefen Nacht.

Sie alle laden dich zum Leben
munter ein, gib ihnen die Hand,
werden dir die Hände geben.
Es flattert ein buntes Band.

Das hält die Welt zusammen,
das flattert wild im Wind,
bunt, woher wir auch stammen,
was und wo wir sind.

Sie alle laden dich zum Leben
munter ein, gib ihnen die Hand,
werden dir die Hände geben.
Es flattert ein buntes Band.

Quanten

Elektronen sind
flüchtige Wesen
so schnell so geschwind
dort hier gewesen.

Verschränkt verfallen
einander zu zweit
das geht uns allen
doch etwas zu weit

Und Katzen fallen,
heraus aus dem Raum
sind tot und leben,
man glaubt es ja kaum

Und Elektronen
durchtauchen den Raum
brechen durch Wälle
die wir um sie baun

Das wilde Gemisch
bezeugt die Komik
die Tragik der Welt:
Alles sehr verdreht!

Die Möbel verstellt
verbogen doch passt
sie doch irgendwie
zusammen und schwingt

Mutig durch das Meer
endloser Raumzeit
oft leer, nur selten
lebendig belebt.

Kostbare Perle
Erde, einsame
Heimat gefangen
im Chaos der Welt

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