Lyrik und Sound

Monat: September 2026 (Seite 3 von 19)

Ereschkigal

Erechkigal ist die große Todes- und Erdgöttin.
Hier habe ich ein paar Mythen um sie zusammen
gebunden und verreimt.


Dies ist ein Gesang für Ereschkigal,
der schwarzen traurigen Nachtigall,
deren betörend schönes Lied,
alles Tote zu ihr zieht.

Pflanzen-, Tier- und Menschenseelen,
kurz verstorbene, verweste, quälen
sich hinauf ins ferne Land der Berge,
dort hinab ins Innerste der Erde,
zu ihr, zurück in der Mutter Schoß.
Dumpf vergeht dort alle Freude, was groß,
wird mit dem Kleinen klein, verschwindet
aus dem Gedächtnis der Welt, und findet
sich nicht mehr in ihren großen Hallen,
durch die nur die letzten Gebete hallen,
der gebeugten, todgeweihten Kreaturen.
Kreischende Schreie schattenhafter Lemuren,
leises Flehen und letzte Bitten,
umsingen ihren Thron, inmitten
aller Leiden sitzt sie da und singt
ihr Lied, das aus der Erde dringt.

Niemand, selbst Götter nicht, entrissen ihr einen Fang,
alle folgen sie, früher, später, ihrem Gesang
hinein ins dunkle Reich.
Die Seele kommt sehr leicht hinein,
doch nie hinaus,
aus Ereschkigals Totenhaus.

Sieben Tore stehen entlang der breiten Straße,
an jedem wird die Seele gezwungen, dass sie mehr lasse,
von ihrer Eigenart, nichts bleibt, keine Erleuchtung,
zerschmolzen ins Nichts wird ihre Bedeutung,
letztendlich wird sie ein Hauch,
verdunstet zu etwas kaltem Rauch.

Selbst Deine geliebte Schwester Ischtar,
geschmeidig, reich verziert, die Augen klar,
hat, als sie die Ersten der Tore aufgerissen,
für Ihren Wahn schwer büßen müssen.
Auch sie musste an jedem Tor mehr geben,
von ihrer Kraft, ihrem Reichtum, ihrem Leben.
Zuletzt stand sie, reizvoll dann nackt vor Dir,
ausgesetzt ohne Macht, Deiner kalten Gier.
Ein einziger Blick von Dir von Deinem Sitz,
sie stolpert, fällt, schlägt auf – ein Blitz.
Tot lag da, wie ein Baum gefällt,
die Königin der Oberwelt.
Die hast Du dann genagelt,
an Felsen, wie einen Schmetterling genadelt.
Die ist dann so aufgehängt, verreckt und ausgedörrt
und hätte Dich nicht länger gestört.

Doch mit Ischtar welkte die Erde, unfruchtbar,
ausgedörrt wurde auch sie, furchtbar
stieß dies den anderen Göttern auf,
keine Opfer stiegen mehr hinauf,
nur öde und kahl wurde alles Land.
Keiner der Götter, soviel die streiften, fand
noch in den Tempeln den Opferduft der fetter Rinder,
ausgestorben fast die Menschenkinder.
Das Leben kurz vor dem Untergang,
den Göttern wurde Angst und bang.
Auch quälte die Götterhengste im Mute,
dass Ischtar nun fehlte, die gute Stute.

Da erlöste Ischtar des Höchsten, Elils Wort,
brachte sie heraus aus ihrem Verbannungsort.
Aber auch der bot Dir Ereschkigal Ersatz,
für Ischtars nun freigewordenen Platz.
Die trieb dann ihren Geliebten, Dumuzi hinab,
um Dir Ereschkigal zu dienen, in ihrem Grab.

Hatte der sich doch in Prunk gehüllt,
sich einen jeden Wunsch erfüllt,
sich den Leib geschmückt, geölt,
mit ihr aber, kein Mitleid gefühlt.
Mit Ihr Ischtar, als sie gefangen war,
nicht nur gefangen, tot sogar,
lag er nicht in Asche, nicht im Sack.
So bannte ihn ein einziger Blick.
Sie die Himmelkönigin grollte ihm sehr
schlug ihn, trieb ihn ins Grab – zu Dir.

Du, Ereschkigal hast Dich des Frühlingsgottes sehr gern bemächtigt,
er war nicht dämonisch wie Nergal, Dein Gatte, nicht grobschlächtig,
er glänzte wie Sterne am Himmelszelt,
brachte Dir Lust in Deine leere Welt.
Deshalb ließest Du ihn auch jedes halbe Jahr wieder gehen,
damit Ihm die Kräfte im Licht neu erstehen.
Bei ständiger eisiger Grottenhaft,
zerginge ihm nur seine Kraft.
Oben hingegen kräftigt Ischtars Wärme,
ihre Liebeskunst, seinen Körper und nur von ferne
denkt er dann an seinen herbstlichen Niedergang,
seine Zeit in Deinen kühlen Armen, den Abgang
von der sonnig schönen Bühne.

Ereschkigal Dein Glück und Ischtars Sühne!
Die büßte schwer für Ihr Verbrechen,
den Tod durch Liebe zu zerbrechen.
Auch im Krieg bringt Dir Ischtar
seitdem so viele gute Opfer dar.

Erst ein Anderer hat dir die Macht entrissen,
Du irrtest herum, die Kleider zerschlissen.
Tot dann die Todesgöttin, die durch Gebete
zuvor doch durch den Glauben lebte.
Nacht umfing Dich Ereschkigal,
Du traurig tote Nachtigall.

996 – nein, nein, das ist einfach nix!

Oh nein!, nein!, nein!
nein!, nein!, six,
das ist einfach nix!

Archimedes hat im Bad
seine besten Ideen gehabt
Dieses Beispiel ist nicht so sad
Neun Stunden ins Bad also! Gewagt?
Nein wir sollten viel mehr Denken!
Schwitzen nur noch in der Sauna
Die Arbeit im Büro verschenken,
wir waren sehr viel früher da!

Geld gibt’s erst seit fünftausend Jahren
ein Augenblick in unserer Geschichte!
als Schwaben erstmals sparen,
sang man längst Lieder, Gedichte
schrie in den Himmel hinauf!

Nein!, nein!, nein!
nein!, nein! – six
das ist einfach nix
Nein!, nein!, nein!
tief ins Leben rein!

Nass, Nass!, Nass!
Nass! Gönn dir den Spaß!
fein!, fein!, fein!
fein!, noch feiner! – Sex!

mai good oifach ed!
So derfed au dia Schwoba,
feira und god loba!

Der Normalfall

Ich hab es versucht
Ich hab es versucht
Ich habe mich selbst belogen
Ich hab mir gesagt
Mich selbst verklagt
auch du kannst sicher normal sein!
Ich hab mir gesagt
Mich selbst verklagt
wirklich du kannst wirklich normal sein
und natürlich könnte ich normal sein
andere sind das schließlich auch
schließ mich einfach ein in die Regeln
und folge der Vernunft, der Tugend.
Doch Regeln sind berechenbar
da passiert nichts mehr im Leben
Da scheinen die Linien klipp und klar
So will ich aber nicht leben
Zu fade stockt die Energie
Ich muss auch mal zur Seite hüpfen,
Dann wäre es aus mit Lüsternheit
Ich wäre wie alle ununterscheidber
typisch und damit erledigt
Ich will ein wirklicher Ausreißer sein
ich will doch auch mal Reglen brechen
Bei Langeweile schreien nein
und denke schon zu oft ans vögeln
ans lecken umd die ganze Soße
normal ist etwas zu spießig
normal ist doch kein Feuer
normal ist keinerlei Abenteuer
normal ist einfach zu wenig
normalerweise
aber ach ich weiß gar nicht
vielleicht sind ja alle Normalen wie ich
jede, jeder will doch seinen Spaß
ehrlich genaues weiß ich gar nicht
was genau dieses Wort bezeichnet
normal erscheint mir eben gleich grau
habe es bisher nur grau gezeichnet
doch vielleicht ist es dort
viel bunter
und ich geh schon im Normalfall
unter.

Wie stimmt man sich mit der Umwelt ab?
Wo liegen ihre Grenzen
und wo die meinen
an welchen Linien hab
ich Grenzen überschritten
wo wollte ich sie ganz bewußt
mit Lust
klar überschreiten?
klar überschreiten?
klar überschreiten?

Weihnacht ohne Religionen

Es ist schon lange, lange her
das erzählt uns jede Mär
dann wird ein großes Schauspiel gegeben
die Götter stehen mitten im Leben.

Die Götter haben Gewicht und Glanz
das glaubt man gerne voll und ganz
das glaubt man gern, so tief aus der Ferne
leuchten alte Texte wie neue Sterne

Damals war es längst nicht so schwer,
da traf man Gott auch mal zuhaus,
nur heute, da bleibt alles leer
zieht Gott selbst nie zum Kampf hinaus.

Ein Mensch der meint, der Text gibts her,
denkt nicht mehr weiter, denk nie mehr,
er schlägt nur dicke Bücher auf,
zeigt streng auf alte Worte drauf,

und weiß und sagt: Es steht geschrieben!
Und allle habens abgeschrieben,
und auch er ergreift die Feder,
und schreibt dasselbe auf neues Leder,

und schreibt gern heilig, heilig,
Religionen haben es nicht eilig,
lange, lange haben sie gedacht
die ganze Welt hat Gott gemacht

und das war gar kein schlechter Gedanke,
bevor ich falle, bevor ich schwanke
halte ich mich an etwas fest,
baue ein Luftschloss – hohes Nest

und könnte oben sicher sein,
gäb es nur einen, einen allein
von dem wir sicher gehalten werden,
der behütet seine Herden

Doch verschidene Glaubenssätze,
trennen sich durch Kriege und Hetze
denn irgendwer muss richtig liegen,
über den direkten Draht verfügen!

Doch Religionen streiten schon immer
doch manchmal denkt man es wird schlimmer
gerade jetzt zur Weihnachtszeit,
machen sich diffuse Ängste breit!

Liebe Leute lasst doch all den Schmarren,
lasst uns die Götter, alle verscharren!
Den richtigen Gott, findet ihr nie
der steckt versteckt in der Poesie

im leichten Leben hält er sich versteckt,
das ihn kein strenger Richter erschreckt,
Er meidet beflissen die Orthodoxie,
Rechtgläubigkeit anerkannte er nie

er schuf nämlich die Erde rund
und das sich alles reimt auf bunt
das t und d sind zwar verschieden,
der Bruch jedoch wird vermieden

Die Reimworte verklebt man ganz
sanft mit etwas Toleranz,
doch nicht gegen die Orthodoxie
nein oh Gott im Leben nie,

nur die die sich Toleranz zuspielen,
dürfen sich hier zu Hause fühlen.
Am besten lässt man den Firlefanz,
den ganz großen Glaubensschwanz

und schlemmt und feiert Weihnacht,
ohne Religion und lacht
und liest die Götter wie Poesie,
denn Poesie der glaubt man nie

die flirtet und sie tanzt durchs Leben,
kann niemand einen Arschtritt geben.
sie schlemmt und isst gern Pommes
und sagt, das ist nichts schlimmes!

Raus!

Wir müssen hier raus
kennst du das Lied?
Mein Ofen ist aus!
ich bin so müd!

Komm deinen Arsch hoch!
Und raus, raus, raus!
Hast du denn alle noch
Ich bleib im Haus!

Auch im kleinen
kann man doch leben
Ich könnte weinen
doch hier fest kleben

ist doch kein Leben!
Wir müssen raus!
Uns nen Arschtritt geben!
Raus aus dem Haus!

Hier ist es warm
und urgemütlich!
Alarm, Alarm!
weg, weg endlich!

jag nach draußen
spring ins jetzt
lass alles sausen,
was du nicht schätzt

Erstes Gedicht

Tübingens erster schöner Tag
Die laue Luft ist angenehm
Manche schon im Grase lag
Und hat den Himmel angesehen

Tübingen und dieses erste
Gedicht das ich zärtlich schrieb
Für dich, es ist sicher das Kleinste
Indem ich auch nicht übertrieb

Und sicher das Liebste, welch ein Gefühl
Wie tief wühlt es in mich hinein
Es wurde auch kein kurzes Spiel
Ohne Dich das kann nicht sein

Ein Gefühl das mich noch heute
Aus weiter Ferne gleich zu dir führt
Wenn ich wieder den alten botanischen Garten durchschreite
Wie sehr hast du mich berührt

Das sind nun mehr als vierzig Jahre
Ein kurzer Zeitraum für die Welt
Tübingen du große, wunderbare
Zauberhafte, die mir gefällt

Ich tauche in dich und du verführst
Und ich gehe dir immer auf den Leim
Und wenn du mich zur Wiese führst
Atme ich auf und schreie: Daheim

Und auf der Wiese liegen Frauen
Wie damals ist es Frühling wieder
Der Winter jetzt ist kalt ein Grauen
Nur der Frühling schenkt mir Lieder

Die er durch den Winter durchschiebt
Wenn er mich winters mal besucht
Mir immer kleine Geschenke gibt
Für mich extra herausgesucht

Einer Saite gleich

Wär ich doch einer Saite gleich
Die, obwohl sie der Bogen quält
Doch reiche Töne von sich gibt
Die fest der Bogen aus ihr schält

So soll mein Leben durch Gefahren
Durchgehen und ich tapfer klingen
Denn sterben, sterben tu ich eh
Noch lebend will ich singen

All das nicht ohne Widerstand
Denn jede Saite ist gespannt
Hält sich fest am sicheren Rand
Kommt so mittig zum Klingen

Wir nehmen auf, was uns die Umwelt gibt
Und geben dies dann durch uns wieder
Aus dem, was uns am besten liegt
Formen wir den schönsten Klang

Weihnachten

Weihnacht, Weihnacht, Weihnachtsbaum
Träume – rosa Schaum
Roter Mantel, Knüppel, Sack
Geschenke, Reifen, Gold und Lack

Weihnacht, Weihnacht, schöner Traum
Kugeln, Kerzen, Sterne am Baum
Kuchenstück und Taler
Ein Weihnachtsmann als Maler

Der uns Sterne, Möndchen malt
Und am Ende alles bezahlt
Ja bezahlt – es ist Kommerz
Doch der Weihnachtsmann hat Herz

Will jedem Kind heut etwas geben
Jedes Lächeln rettet Leben
Das gänzlich ohne Weihnachtsmann
Doch gar nicht existieren kann

Alle Dichter lügen

Alle Dichter lügen,
wenn sie Verse biegen,
Strophen formen
und die Normen
der Gesellschaft übertreten,
heimlich zu einem Gott noch beten,
und offen atheistisch sind

Ein Dichter sagt nichts, er ist blind
dafür das Worte Nachrichten sind,
ihn interessiert doch nur der Klang
sein Ziel ist nur ein Gesang
ja ganz einfach, er überliest,
welche Worte Du geschrieben siehst

Er weiß es doch oft selbst nicht mehr
wo kamen diese Verse her
und wenn er sich dann doch Gedanken macht,
ach mein Leser dann gib acht:

Dann verfängt er sich in Reimen,
die nur ihm bedeutend scheinen!

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Kamellenregen

Theme von Anders Norén — Hoch ↑