Lyrik und Sound

Kategorie: Lyrik (Seite 2 von 2)

Betroffenheitslyrik

Oh, es hat mich wirklich getroffen,
die Wunde unverzerrt liegt offen,
Betroffenheitsgedichte überall,
ein Betroffener – klarer Fall!

Und tief im Innersten verletzt,
und er schreit und ist entsetzt,
er hat jetzt nur noch seinen Humor
doch selbst der – kommt spanisch vor.

Doch was kann ich gerade auch machen,
als etwas über mich selbst zu lachen!
Nicht zu sehr zu übertreiben,
streng bei der Poesie zu bleiben!

Bei den Tönen, der Metrik, der Melodie,
jetzt schüttel die Texte – kämm sie!
Stell Deine Tränen hinten an,
damit man schwelgen, feiern kann.

Streng bei der Poesie… ja…
damit man schwelgen, feiern kann.

Nicht schreiben können

Ei, ich bin ein alter Mann,
der stundenlang nichts schreiben kann.
Vor mir liegt ein Blatt – ganz leer,
und nach Stunden wird’s nicht mehr!

Meine Ideen – sie sind blockiert,
was mich erschlägt und tief frustriert.
Ich hänge zwischen den Nerven fest,
ich hasse das – wie die Pest!

Mir muss doch irgendwie was kommen,
ein Griff in die Welt – herausgenommen!
Die Situationen, die ulkigen Sachen,
aus jeder kann ich doch was machen.

Aber jeder Griff – geht ins Leere,
ich erinnere nichts – kehre
nur nutzlose Reste zusammen,
egal, woher sie stammen.

Doch nichts, nichts will passen,
muss ich heute passen?
Und morgen auch? Geht’s immer weiter?
Ach, da macht mich nichts mehr heiter!

Doch schaue ich zum Fenster raus,
sehe ich Regen, ein Sturmgebraus,
die stürmische See!
Luv und Lee!

Ein Reimchen ist nun schon gefunden,
wird direkt mit dem Urlaub verbunden,
wird eine Reise in ein fernes Land,
wo sich noch keiner vor mir befand.

Berühmt werden will ich

Berühmt werden will ich
doch weshalb? – Wozu?
Was quäle ich mich

damit denn ab?
Denn auch dann
steige ich hinab!

Elend von Anbeginn,
elendes Streben nach mehr!
Es macht keinen Sinn.

Alle Türme zerfallen
an Sprachverwirrung,
wir alle krallen

uns am Sargboden fest!
Winden uns – das war’s also,
das war mein großes Fest!!

Ein großes Heulen! – Es war mehr
das Fest meiner Henker!
Ich war nur der Tanzbär,

der wie alle anderen tanzt.
Und wenige Bären tanzen vor –
was ans Lächerliche grenzt.

Den Bären war das Tanzen ernst!
Den Bären war es immer wichtig!
Kleiner Bär, tanz, damit du lernst,

du etwas Richtiges
wirst – was Tüchtiges,
was Wichtiges,

aus dir und deinem Grunzen
wird – und du bekannt

  • machst ein paar Münzen

mehr. Aber Sinn macht’s nicht,
wenn man das Wort zu weit fasst –
weiter, weiter als dieses Gedicht.

Denn heute ist es schon sinnvoll,
für morgen vorzusorgen,
sich um sich zu kümmern – hingebungsvoll,

bis zu dem Punkt,
an dem man über sein Ende
hinausspringt – und tunkt

die Nase ins Paradies
oder platscht in die Hölle.
Beides wäre ziemlich mies.

Also bleib ich, was ich bin,
versteck mich hinter Reimen,
werf glatte Strophen hin,

damit die anderen ausrutschen
und meinen ich – will Sinn!
Dabei will ich nur lutschen.

Nur mal lutschen dürfen.
Doch kann ich’s nicht bezahlen –
kostet zu viele Nerven!
Kostet zu viele Nerven!

Plakat

Ich träume von einem Plakat
das ich nur kurz schreiben muss
Und die Welt steht akkurat
glänzend da aus einem Guss.

Ich will die Arbeit sprengen
und rufen: Das ist vorbei
Schluss mit dieser engen
Welt wir sind nun frei!

Ja so will ich es schreiben
das soll uns beflügeln
uns tragen, bei uns bleiben
den Kampf eröffnen und besiegeln.

Dann dreht die Erde wieder richtig
so wie Milliarden Jahre zuvor
Wo sich niemand arbeitssüchtig
in kranken Phantasien verlor

Ich will die Arbeit sprengen
und rufen: Das ist vorbei
Schluss mit dieser engen
Welt wir sind nun frei!

Ich könnte zum Augenblicke sagen
Ei das wäre wirklich toll!
und müsste nicht weiter klagen
mein Krug, der wäre richtig – voll

Dann wäre ich wieder daheim
Am Morgen würde ich aufstehen
In einem schönen lieblichen Hain
In ebener Weite jagen gehen.

Später am Feuer wenn der Abend graut
würden einander Geschichten erzählt
ehrfürchtig in den Himmel geschaut.
Niemand hätt sich mit Steuern gequält

Die man bezahlt, zurückhält
Für die man viel, viel Zeit vergeudet
Tage verkauft die abgezählt
am Tode enden, wie man leidet

An Dingen die uns nicht verführen
Die dröge sind und glatt und eben
Die wir nicht tasten und spüren
Keine Geschichte erzählen und leben

Die uns von uns selber trennen
Zerlegen in Knochen, Fett und Haut
Um die wir tanzen und rennen
und schreien, klagen ständig laut

Weil sie uns keine Erlösung bieten
so wie uns schon ein flüchtiges Küssen
erlösen kann, wir ziehen nur Nieten
die wir dann teurer bezahlen müssen.

Ein richtig schönes Gedicht

Ein richtig schönes Gedicht
so richtig gut und vollkommen
Ach ich schaff es einfach nicht
immer hakt es, klingt verkommen

Der Rhythmus ist nie regelmäßig
Es holpert – was sicher nicht sein darf
es quietscht und ist nicht ebenmäßig
mancher Inhalt ist zu scharf

Doch auf dem Weg der Suche
da finde ich ein paar Körner
die ich vermessen aufs Haben buche
oft aber machen sie mich nur ärmer

Und viele schütteln mit dem Kopf
Das mein Lieber – glitt zu tief!
Komm herauf und fassen den Schopf
zu pubertär und primitiv!

Ich hoffe mir hilft mal der Zufall
ein irres Lied mit einem Knall
Irgend ein verrückter Vorfall
ein Schäferlied aus einem Stall

Ich bin schon auf Erfolge erpicht
obwohl Erfolge schnell vergehen
ich spüre es, ich leugne nicht
gern viele glitzernde Likes zu sehen.

Ein Star

Ich habe alle Wildheit verloren
Ich bin ein kalter, alter Mann
Vor viel zu langer Zeit geboren
Kommt es auf mich nicht mehr an!

Meine Haut ist faltig matt
All meine Haare kurz rasiert
Meine Glatze wirklich glatt
Nirgendwo noch hoch toupiert

Nirgendwo mehr Turbulenzen
ein Sack ich werde langsam blöde,
die Muskeln schlaff, enger Grenzen
Wald und Heide verbrannt und öde.

Man kann nicht ohne Tränen sagen:
Dass es das nun wirklich war.
Dennoch kann ich es noch wagen,
hoffen, träumen – ich bin Star!

Dann lass ich’s nochmal krachen
Wie schön, wie wunderbar
Fangt nicht an zu lachen
Ein Star… ein grauer Star!

Experimentelle Lyrik

Experimentell, experimentelle Lyrik
ein feinmaschiger Blick,
in die Innereien der Worte.
Zuck da vor Harten nicht zurück!

Ficken, brüllen, Sau,
schlagen, prügeln, rau
aus Maschinengrau
reckt sich Farbe: Blau!

Blau und rot und Nieselregen,
keine stolzen Silben bewegen,
sich und alle Silben lachen schnell,
klatschen – ist das: Experimentell?

Oder rechts und links verwechseln,
runter holen oder rauf,
spielen geil mit seinem Knauf
aus Stahl Holzmöbel drechseln.

Worte nebeneinander setzen,
die Semantik? – Messer wetzen
die Semantik in den Müll!
Kann man, wenn man will.

Experimentell, protokollieren,
Zutaten abgewogen,
fiedeln, tirilieren
Silben aus Mündern gesogen.

silbernen Speichel raus gespuckt.
Sie sammelt wieder Tropfen – zuck,
jetzt unten nicht zusammen, guck
ihr in die Augen – Mund auf! Schluck!

Ihren süßen Saft gespuckt
Experimentell pervers

geschluckt!
Nur, nur ein Vers?

Provokant

Ich bin provokant
und natürlich verkannt
unbekannt auf dieser Welt
obwohl KI Musik gefällt.

Gefällt – bald immer mehr.
Doch in der Masse ist es schwer
trotz leiser Selbstironie
erfolgreiche Lieder werden es nie.

Nur die Auflösung großer Werte
Und der Intellekt wird dekonstruiert
Ich Lehre nur was er mich lehrte
Am Besten ist’s man onaniert

Ich bin also provokant
warum wird das so selten erkannt?
Ich schreibe es doch bitter klar
Vom Sofa aus, der Party Bar.

Ich bin auch Teil der Lösung
trotzig meine Selbstentblößung
wenn ich mich nur ändern würde!
nähme ich jetzt diese Hürde

und wäre nicht nur provokant
ich hätte die leeren Sätze verbrannt
die Ich oft schreibe, bitter, klar
vom Sofa heraus, hinein in die Bar.

ein Leben wäre es mit Würde
unbelastet ohne Bürde
gelassen, ironisch könnte ich sterben
Doch ich lasse alles verderben.

Ich bleibe immer provokant,
es bleibt ewig unbekannt,
was Ich schreie, bitter klar
vom Sofa aus, hinein in die Bar.

Inspiration: Meine Traum berühmt zu werden selbst auf die Schippe genommen.

Absolute Lyrik

Absolute Lyrik – Phrase!
Absolute Lyrik – Extase?
was darf ich von ihr erwarten?
Ganz weit oben muss ich starten.

Und wie tief falle ich dann runter?!
Vielleicht ist es besser gewöhnlich zu bleiben
nicht so ernst sondern absolut munter
am Besten wohl ein Trinklied zu schreiben

Ein Trinklied genau – mit Wein und Gesang!
und sicher auch mit Weibern
auf einem Schiff den Rhein entlang
mit vollen Fässern, vollen Leibern.

Da schunkeln wir und absolut
fühlen wir uns alle gut
Zechen, sinken immer schneller
absolut wahr! hinab in den Keller.

Den es auf Schiffen gar nicht gibt
Wir gehen also allesamt munter
dort wo sich die Loreley vergnügt
mit Schiff und Mäusen unter.

Und tauchen gleich wieder glücklich auf
voll Wein im Wasser erleichtert
Absolut wahr! Bis zu Gott hinauf
Der trinkt mit, vom Wein begeistert

Absolut wahr! hat er mitgerettet
Absolut lyrisch und konfus
durch Zufälle sinnvoll verkettet
ohne Schwips und Pferdefuß.

Inspiration: Humoristische Bemerkung zu einem Abschnitt über Absolute Lyrik in Grundstudium Literaturwissenschaft, 10 Bde., Bd.6, Aspekte der Lyrik: Mit einer Einführung in die Verslehre (24.04.2026)

Unzähmbare Lyrik

Lyrik – ob du sie hörst, singst oder liest,
was Lyrik genau als Gattung umfasst,
welcher Text in die breite Lyrik fließt
und welche Beschreibung zu ihr passt.

Das ist noch gar nicht ausgemacht.
Lyrik lässt sich nicht einfach fassen,
sie ist so frei, so glitschig, glatt, gib acht,
nicht frustrieren lassen!

Denn wonach man gar nicht fassen kann,
ist dennoch gut zu fühlen, zu lesen.
Geht man aber zu theoretisch ran,
versteckt sie ihr unzähmbares Wesen.

Ist es ein Text, in dem die Klänge
an hoher Stelle stehen?
Doch Epen sind teils auch Gesänge,
wie kann das zusammengehen?

Sind es die Regeln, die sie halten,
die Verse, Strophen, die sie formen,
die Stärken, die den Rhythmus gestalten,
die Hebung, Metrik, alle diese Normen?

Oder die Hierarchie ihrer Teile,
Verse, Strophen, Gruppen,
aus Strophen, Reime, Zeile für Zeile,
ineinander gesetzte russische Puppen.

Oder ist sie oft Lied, nur ohne Musik,
ohne ihre Basis, ohne Gesang,
ein Text, abgeschnitten, ohne Glück,
nur noch geflüsterter Klang?

Lyrik, Lyrik fließt, malt Bilder,
ein feiner Stoff aus kleinen Silben,
sanft, glatt, gespannt, gekreppt und wilder
Strom aus Gedanken, Gefühlen, die vergilben

oder durch Jahrhunderte wirken.
Alles das zusammen gut gemixt,
Texte, die uns stützen, stärken?
Nun mich hat die Lyrik verhext!

Inspiration: Die Frage wie und ob man Lyrik definieren kann aus: Grundstudium Literaturwissenschaft, 10 Bde., Bd.6, Aspekte der Lyrik: Mit einer Einführung in die Verslehre (wv studium) von Bernhard Asmuth (24/250.04.2026)

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