Lyrik und Sound

Kategorie: Krieg (Seite 2 von 2)

Schleudergang

Welt, du rast im Schleudergang,
spülst uns Sicherheiten weg,
schabst uns rau die Trommel entlang,
verschleuderst Wahn und Dreck.

Sauber, sicher wird es niemals!
Ein Wirbel drückt uns auf ein Riff,
fest in der Schlaufe eines Schals,
würgen wir in seinem Griff.

Der Frühlingsrock zerfetzt, zerknittert
Goethes Gedichte säuseln nur Schitt
Die Welt in Schlamm geschlittert
durchgedreht rotiert alles mit

Kalt so kalt, der Frühling lässt
Noch ewig auf sich warten.
Bomben trommeln, schlagen fest,
fegen Orte aus den Karten.

Bullen, Bären sind geflohen,
Schläge, Schrecken, Hitze, Leid.
Flammen saugen, Menschen verrohen
Zerbissen Zungen – Totes schreit!

Die Wirklichkeit zerstört, zermahlt,
schwarz und kahl, verbrannte Bäume,
versperrte Türen, teurer bezahlt
wird jeder unserer schönen Träume.

Schrei auf zu deinem gnädigen Gott!
Statt Regen regnet es Raketen.
Seht! Euer Herr treibt mit euch Spott,
will Euch zusammen prügeln, kneten.

Euer Gott schuf eine harte Welt,
er liebt es, lässt es gerne krachen.
Wenn Mensch um Mensch zur Erde fällt,
wird er sich einfach neue machen.

Leiser Widerstand

Mir fällt kein glückliches Lied mehr ein,
ich kann die Lust nicht mehr besingen.
Die Wirklichkeit greift immer herein,
kann jeden Witz erwürgen, verschlingen.

Doch würde ich gerne weiter hinaus,
dem ganzen Wahn der Welt entkommen,
und bleibe doch eine kleine Maus,
mein Widerstand verschwommen.

Ich habe nur ganz kleine Pläne,
muss mir mein Leben mühsam töpfern,
und zeige nur sehr kurze Zähne,
will mich nicht fürs Ganze opfern.

Ja, da ist schon Eigenwille,
ich gebe mich längst nicht geschlagen.
Da kocht es tief in der Stille,
doch dreht’s mir auch den Magen.

Ich schwitze dann, friere fatal,
bin lustlos ohne Sicherheit,
giftig auch und doch auch schal,
ohne Biss und Schneid.

Aus Trotz muss ich wohl tanzen,
zurück erobern meinen Traum,
mich zwischen Lust verschanzen,
doch Chancen habe ich kaum.

Ich kann nur strichweise flöten,
die Wirklichkeit packt doch zu sehr.
Die Wirklichkeit steckt voller Kröten,
die Wirklichkeit ist hinter mir her.

Unbarmherzige Sonne!

Blau scheint in den Wintergarten
ein leichter, schöner, neuer Tag
hier auf der Couch ein frohes Erwachen
Sonntag ist auch, ich mag

Wenn sich alles so gut trifft
Farbe und Stimmung zusammen stimmt
Da geht es nach oben wie im Lift
Die Welt ist gut! Bestimmt!

Doch auch Kriege haben blaue Himmel
Tage wo die Sonne freundlich scheint
und Soldaten schießen, ein Gewimmel
von Fliegen über Fleisch erscheint

bedauert, dass Tote so schnell verwesen
Sie selbst so wenige Eier legen
Für die kleinen besorgten Wesen
ist dieses Fleisch ein Segen.

Ihr Fliegengott er segnet das Fleisch
bittet Sie dann an den großen Tisch
Auch Raben kommen mit Gekreisch
zum Lobgesang, denn die Leiber sind frisch

Und du strahlst schön über allen
du unbarmherzige Sonne
die unsere Leiden nicht erkennt.
beleuchtest die verblasste Wonne,
verlassen dort eine Villa brennt

der ganze Umkreis ist zerstört
und Schüsse knallen, knallen
ein Bild in dem die Sonne stört
alle Ideale vom Sockel fallen

Inspiration: Geschrieben am 26.04.2026 am Morgen begonnen.

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