Lyrik und Sound

Monat: Mai 2026 (Seite 3 von 3)

Ein Star

[Verse 1]
Ich habe alle Wildheit verloren
Ich bin ein kalter, alter Mann
Vor viel zu langer Zeit geboren
Kommt es auf mich nicht mehr an!

[Verse 2]
Meine Haut ist faltig matt
All meine Haare kurz rasiert
Meine Glatze wirklich glatt
Nirgendwo noch hoch toupiert

[Pre-Chorus]
Nirgendwo mehr Turbulenzen
ein Sack ich werde langsam blöde,
die Muskeln schlaff, enger Grenzen
Wald und Heide verbrannt und öde.

[Chorus]
Man kann nicht ohne Tränen sagen:
Dass es das nun wirklich war.
Dennoch kann ich es noch wagen,
hoffen, träumen – ich bin Star!

[Final Chorus – big]
Dann lass ich’s nochmal krachen
Wie schön, wie wunderbar
Fangt nicht an zu lachen
Ein Star… ein grauer Star!

Zukunft

[Intro]
[spoken, langsam]
ich weiß ich weiß sie nicht – Zukunft
dieses Wort zwingt mich zu hoffen,
wir kennen genau, nicht mal die Herkunft
ich gebe es zu, alles ist offen.

[Verse 1]
Alles ist offen in dieser Welt,
selbst Undenkbares kann schief gehn.
keiner unterm Sternenzelt,
kann handbreit in die Zukunft sehn.

[Chorus]
wir können nur vermuten,
zu Hoffen führt zum Guten,
der Zukunft bester Werber,
ist nicht der Spielverderber,

[Verse 2]
der die Zukunft nach unten zieht,
dort wo das große Feuer glüht,
das wir nicht wissen, nicht vermuten
wir enden alle in den Gluten.

[Outro]

[instrumental, ausklingend]

Weltcafé – Stuttgart

[Verse 1]
Im großen Hof dem Viereck
da steht ein Weltenbaum
verheißt uns Kaffee, Glück
ein grünes Dach, den Traum
In Stuttgart Ruhe zu finden,
eingelegt in volle Straßen
sich an diesen Baum zu binden,
es fehlen nur die Hasen,

[Verse 2]
die Murmeltiere, Berge,
deshalb bezweifele ich die Ruhe!
Es gibt hier keine bösen Zwerge,
keine Riesen, Zauberschuhe.
es gibt Mercedes hier und Porsche,
ich hoffe noch für lange,
denn China, der wilde, forsche
starke Staat, der macht mir bange.

[Bridge]
in diesem kleinen Weltcafé,
dreht die Erde auf der Stelle
und draußen schneller, schneller als je,
schwimmen weg die Felle
die Stadt hat schon gekürzt
Kultur wälzt sich in Schmerzen
die Einnahmen sind abgestürzt
da wird es schwer zu scherzen

[Outro]
Da sitzt man nun im Weltcafé
betrachtet diesen Baum
ein Weltenbaum am Tränensee?
Wächst hier Zukunft noch in den Raum?

Pläne, Zufall, der Papst und ich

Leben das ist echt beschwerlich
manchmal bin ich da zu ehrlich,
manchmal lauf ich eig’ne Kreise
bin mir sicher, ich bin weise

und bin es am Ende trotzdem nicht,
Der Papst hingegen hell im Licht,
weiß stets was er nun machen soll,
erscheint so weise, würdevoll.

Der vertraut auf alte Mären,
die ihn fünffach hart beschweren
und trifft ihn dann ein Stoß
sagt er nicht mal: Ist was los?

Ich aber lebe leicht:
Einmal Leben reicht.
Nach mir kommen andere dran
keiner verschmort im ewigen Bann.

Mein Leben habe ich verbunden,
mit Einsicht, Fehlern, Versuchen.
hab unten stolz mein Heil gefunden,
Der Papst – muss weiter oben suchen.

Der muss auf Petrus warten,
bis Petrus ihm die Tür aufhält,
Ich kann rennen und starten,
er startet erst, nachdem er zerfällt.

Der Papst lebt mäßig, einfach,
weil er sein Leben gar nicht lebt,
zu leben, das ist nicht sein Fach
da er hoch gen Himmel strebt.

Ich aber will doch immer leben,
und spüre so die vielen Flöhe
die mir fest am Körper kleben
ich krieche, spring nicht in die Höhe.

Und bin hier unten hilflos,
Meine Hand ergreift kein Ziel,
Gott der Schatten dunkel, groß,
düster lädt mich nicht zum Spiel.

Mein Leben, dumpf, ist nicht erhaben,
wenn der Schatten es nicht heiligt
um mich fliegen schon die Raben
krächzen laut und haben es eilig.

Wie kann ich mich nun selbst erheben,
aus meinem engen Lager im Schlamm?
Wie fröhlich sein und leben, leben
wo ich nur stecken bleiben kann?

Ich liege hier – was soll ich,
machen, an welchem Strich
ziehen, hochziehen, stehen?
Ich kann nicht alle Wege gehen

nur Einen, Einen, nicht mal bewusst,
gehäkelt Häkchen Frust an Frust
grade noch davongekommen,
wieder eine Kurve genommen.

Aber alles ganz ohne Plan,
fahre ich sicher in der Bahn
bis sie springt, mein Körper fliegt,
plötzlich quer im Graben liegt.

Keinen Halt gibt es, alle Andern
sehe ich genauso wandern,
und nur die eine Lösung finden
die Augen, Ohren zuzubinden.

Den Mund fest zu zunageln,
dass keine Widerworte hageln,
mich nicht zerquetschen Schlangen,
die im Schlammgrund Menschen fangen.

Im Nebel muss man lauschen, wachen,
oft einen großen Haken machen,
ohne die Gefahren zu sehen,
Ohne das Chaos zu verstehen.

Selten geschieht es, doch es geschieht,
dass man sich gar nicht bemüht
und trotzdem gewinnt wie im Lotto.
Leider zu selten, dass man’s als Motto

dick über’s Leben schreiben kann.
Ohne Plan verliert man,
obwohl kein Plan so richtig greift,
das Leben von ihm abschweift.

Ohne Pläne fehlen Spuren,
die Richtung fehlt, man geht verloren.
flattert wild im Zickzack,
weggestoßen, wieder gepackt.

rückwärts gedreht, geschleudert,
Zufall will mich fangen, fassen,
bis ich durchgewühlt geläutert
nach Plänen greife – die nicht passen.

Pläne und Zufall – rosiges Leben,
von einem Sturz zum andern,
Leben ist es doch, erleben
Aussicht, Schluchten, wandern.

ohne Ziel, geradeaus.

Knutschflecken

Leben ist nie ungefährlich
was jeder weiß sind wir mal ehrlich
doch neu war mir, selbst Knutschflecken,
können uns zu Boden strecken.

Gerade jetzt in Frühlingszeiten,
wo doch alle gerne reiten!
Das Leben es ist unerklärlich,
so gemein und so beschwerlich.

Das Liebeszeichen von Jugend auf,
grade an dem, gehen manche drauf!
die Umstände so giftig, böse, krass,
verderben jeden süßen Spaß.

An Krankheiten will ich nicht denken,
die ungestüm Verliebte schenken,
Gott ist schon etwas sadistisch,
und wir alle zu optimistisch!

Hineingeschlagen, gepresst in Not!
Dann feiern wir den Liebestod!
Nur Humor kann uns noch retten,
sprengt für Augenblicke die Ketten

dieser tristen, grauen Welt,
die ein Teufel am Leben hält.
Feiern wir den Todeskuss
den ich von Dir erleiden muss!

Feiern wir das gefährliche Saugen,
und brechen dann geliebte Augen,
feiern wir auch unser hartes Geschick,
die meiste Zeit, bringt es ja Glück,

so oft wird es wilde Lust entfachen,
so oft wir beide kichern, lachen,
und dann ein kleines Missgeschick!
bricht uns plötzlich das Genick!

Die Augen glanzlos, lichtlos, leer,
Die Wangen weiß und eingesunken.
Die Brust hebt sich nie mehr.
Der Körper in den Kissen versunken.

Doch wir haben geliebt, gelebt!
Das kann uns kein Tod nehmen,
Geküsst und in den Himmel entschwebt!
Durchstoßen von Deinen Zähnen!

Experimentelle Lyrik

Experimentell, experimentelle Lyrik
ein feinmaschiger Blick,
in die Innereien der Worte.
Zuck da vor Harten nicht zurück!

Ficken, brüllen, Sau,
schlagen, prügeln, rau
aus Maschinengrau
reckt sich Farbe: Blau!

Blau und rot und Nieselregen,
keine stolzen Silben bewegen,
sich und alle Silben lachen schnell,
klatschen – ist das: Experimentell?

Oder rechts und links verwechseln,
runter holen oder rauf,
spielen geil mit seinem Knauf
aus Stahl Holzmöbel drechseln.

Worte nebeneinander setzen,
die Semantik? – Messer wetzen
die Semantik in den Müll!
Kann man, wenn man will.

Experimentell, protokollieren,
Zutaten abgewogen,
fiedeln, tirilieren
Silben aus Mündern gesogen.

silbernen Speichel raus gespuckt.
Sie sammelt wieder Tropfen – zuck,
jetzt unten nicht zusammen, guck
ihr in die Augen – Mund auf! Schluck!

Ihren süßen Saft gespuckt
Experimentell pervers

geschluckt!
Nur, nur ein Vers?

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